Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 356 (13.4.1934)
- Date
- 1934-04-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 356 , um. dük»"- Voraus muß man denken, sich sichern — versichern Phönix Afitgetneine Verii«herungs>Ges. Wien IX. Bes., AlserptaU Nr. 3 widerrufen hatte. Die Polizei mußte zugeben, daß man bei Issa Derwisch sogenannte Nagan -Kugeln ge funden habe, und mit einer Nagan-Kugel war Arlosoroff nach Angabe der Polizei getötet worden. Aber diese Kugeln sind von der Polizei nach ihrem eigenen Eingeständnis vernichtet worden! Es kam auch zutage, daß die Beschreibung, die Frau Arlosoroff von den Mördern gleich nach der Tat gab, auf die Araber paßte. Ein neues Moment: der Revolver des Ermordeten! Der Waffenpaß Arlosoroffs war vorhanden, der Revolver nicht! Auf Verlangen Horace Samuels Wurde der Revolver endlich vors Gericht gebracht. Ärau Arlosoroff hatte seinerzeit behauptet, daß sie zur Zjölt des Mordes den Revolver nicht bei sich hatte. Da wieg wiederum Benzion Katz in einer Artikelserie nach, der bekannte Sozialistenführer und Mitglied der zionistischen Exekutive Elieser Kaplan hätte kurz nach dem Mord zwei Stadtverordneten von Tel-Awiw berichtet, Frau Arlosoroff habe ihm erzählt, daß sie zur Zeit der Tat den Revolver ihres Mannes bei sich hatte, vor Schreck gelähmt aber auf die Mörder nicht schießen konnte. Die beiden Stadtverordneten bestätigen die Ausführungen von Katz. In diesem Stadium steht die Affäre Arlosoroff vor dem Kriminalgericht. Die Spannung liegt wie ein Alpdruck auf dem Lande. Aus dem politischen Fahrwasser dürfte die Angelegenheit jetzt ins ausschließlich kriminalistische übergehen. Der Ausgang des Prozesses wird hoffentlich die Atmosphäre reinigen, die in unverantwortlicher Weise von den sozialistischen Gruppen des Landes vergiftet worden ist. aus Originalbericht unseres S.-W.-Korrespondenten Sao Paolo, Februar 1934. Miguel Herczfeld spielt das Horst-Wessel-Lied Der getaufte ungarische Jude Michael Herczfeld, ein sonst ehrsamer Grammophonplattenimporteur, hat, um eine Rolle als Wichtigmacher spielen zu können, einen (Miniatur-) „Verband der neun Grammophonplattenhändler" gegründet, dessen Präsident er wurde. Seitdem das Horst-Wessel-Lied' zum offiziellen Nationallied des Dritten Reiches gestempelt wurde, entstand eine große Nachfrage darnach und Herr Herczfeld, der dem Prinzip huldigt, „Geschäft ist Geschäft", ließ natürlich auch diese „berühmten" Platten in großer Menge kommen. Wie nun von einwandfreier Seite festgestellt wird, läßt dieser ungarische Ueberläufer seinen Kunden eigenhändig diese Platte vorspielen. Herczfeld, der Getaufte, steht ganz ruhig daneben, zwirbelt seinen Schnurrbart und preist die Schönheit der Platte, während die Akkorde von dem Judenblut verklingen, welches bekanntlich vom Messer spritzen soll, damit die Hitler-Jugend besser marschieren könne. Die vereitelte Protestversammlung Die Nachrichten über die Verfolgungen der deutschen Juden seitens der Hitler-Horden gelangen auch nach Sao Paolo. Endlich entschließen sich auch die hiesigen Juden zu einer eindrucksvollen Protestversammlung. Oeffentliche Plakate bringen den Aufruf eines gemischten Komitees von Juden und Brasilianern und fordern zum Besuch der Versammlung im größten Saale auf. Die ganze Stadt spricht davon. Nur die hohe Polizei hat noch keine Ahnung von diesen Absichten. Und am selben Tag kommt der neue deutsche Gesandte als Gast der Regierung nach Sao Paolo zu einem offiziellen Besuch. Die jüdischen Arrangeure, welche nach ihrer Ansicht glänzend gearbeitet haben, ahnungslos wie Kinder, haben keine polizeiliche Einwilligung eingeholt. Erst eine Stunde vor Beginn der Versammlung gehen sie zum Polizeichef. Selbstredend verbietet er deren Abhaltung. Angeblich aus Rücksichten auf den deutschen Gast. Das Versammlungslokal wird polizeilich gesperrt. Tausende pilgern zum finsteren „Palacio Tacyhindu" und fluchen. Dort prangt aber nur die Kundmachung, deren Inhalt besagt, daß die Protestveraammlung aus Gründen „forca maior" (höhere Gewalt) nicht stattfindet. Noch spät nacht3 stehen dort Gruppen von Brasilianern, Freunde und Gegner und liegen sich in den Haaren, unterstützt von „informierenden" Hakenkreuzlern. Zu Hause liegt die jüdische Kommission auf dem Diwan und ruht von der geholten Blamage aus. Der Arier-Paragraph Es wurde in einigen Vereinen der. »Vorstoß unternommen, den Arier-Paragraphen einzuführen. Soweit bekannt geworden ist, wurde ein diesbezüglicher Antrag nirgends angenommen. Tatsache ist, daß es fast in allen deutschen Vereinen (vielleicht mit Ausnahme der „Gesellschaft Germania", der die „oberen Fünfhundert" der nationalen Germanen angehören), noch immer jüdische Mitglieder gibt. Selbst im Kuratorium der größten deutschen Schule sitzen jüdische Verwaltungsmitglieder. Die „Deutsche Turnerschaft" (und andere deutsche Sportverbände) welche im Dritten Reich gleichgeschaltet sind und hier natürlich auch, haben in ihren Reihen verhältnismäßig viele jüdische Mitglieder, die sie gar nicht entbehren zu können behaupten, weil sie zu deren besten Kräften zählen und ihnen geholfen haben, Siege in Wettkämpfen zu erringen. Welchen Grund die Duldung jüdischer Mitglieder bei diesen Vereinen hat, ist nicht recht erklärlich, kann aber auch, wie es heißt, in gesetzlichen Bestimmungen zu suchen sein. Geantisemitelt wird eben nur in Abwesenheit der jüdischen Mitglieder. Man ruft die Juden! Wir haben im allgemeinen eine für uns günstige und wohlgesinnte brasilianische Presse, wenn wir von den natürlich auch hier existierenden antisemitischen Zeitungen absehen. Im Zusammenhang mit der Verfolgung der deutschen Juden erscheinen von Zeit zu Zeit in verschiedenen angesehenen Blättern der Landespresse beachtenswerte Aufsätze über das jüdische Volk und unsere nationale Bewegung, welche unserer Auffassung gerecht werden. Sehr häufig wird das Judentum in begeisterten Artikeln aufgefordert und eingeladen, in Brasilien einzuwandern, um das Wirtschaftsleben zu bereichern. Brasilien hält die Tore für uns offen! Daß „QV-QV", der Güte, gebrauchsfertige GUlaschsaft, in ailva »Kunz"-F4Uaton zu haben* manche Schreiber hiebei von Voraussetzungen und Erwägungen ausgehen, die wir nicht in jedem Falle teilen, sei nur nebstbei bemerkt. Bücher erscheinen für und gegen die Juden. Oeffentliche Vorträge über Judentum und Antisemitismus, die von großer Sachkenntnis zeugen, werden von nichtjüdischen Intellektuellen (Professoren, Advokaten, Redakteuren) abgehalten. Man könnte fast von einer prosemitischen Stimmung sprechen. Nur die Juden selbst schweigen und halten Winterschlaf im heißen Brasilien. Juden in der Konstituinte In der gesetzgebenden Versammlung (Konstituinte) der brasilianischen Deputierten, welche jüngst zusammengetreten ist, um über die neue Staatsverfassung zu beraten, sitzen einige Juden: Einer der hervorragendsten Juristen, der frühere Generalanwalt Dr. Levy Carnciro, ist Vizepräsident der Konstituinte. Dr. Horacio Lafer, eine prominente Persönlichkeit, vertritt dort die Interessen der Paulistaner Industrie (als Sekretär des Industriellenverbandes). Er hat die Papierindustrie in Brasilien begründet. Vor zwei Jahren Vertreter der brasilianischen Regierung bei einer internationalen Konferenz, genießt er in der Gesellschaft großes Ansehen und zählt zu den Kapazitäten des Wirtschaftslebens. Als Jude tritt er allerdings nicht hervor. Von Dr. Weinschenk, einem Vertreter der brasilianischen Südstaaten (auch ein bedeutender Wirtschaf tsführcr der Gauchos), sagt man, duß er ebenfalls Jude sei. Daß außerdem noch eine Menge Judenatämmlingo im Parlament sitzen, von denen man heute kaum mehr ihre Herkunft feststellen kann, ist unzweifelhaft, zumal viele der brasilianischen Politiker als Abkömmlinge von Spaniern und Portugiesen sich jüdischen Blutes rühmen. Dr. Samuel Ribeiro, gewesener Agrarminister, war oder ist Jude. Eine große Rolle spielt der jüdische Präai« dent des brasilianischen. Presaeverbandes Dr. ittarbtli