Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 356 (13.4.1934)
- Date
- 1934-04-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 356 DIE NEUE WELT Seite S 1 Zahlungen Deutschlands in französischem Interesse fundieren. Er verdiente Millionen an deutschem Schweiß und Fleiß. Blut und Tränen unzähliger Deutscher sind durch ihn vergossen worden. (Bekanntlich war es Otto H. Kahn, der nach dem Kriege Deutschland half, aus der Isolierung herauszutreten. Er forderte seine amerikanischen Landsleute auf, Besuchsreisen nach Deutschland zu unternehmen. Die Red.) „Berliner Illustrierte Nachtausgabe" nennt Einstein eine „Laus im fremden Pelz", einen „aufgeblasenen hysterischen Hasser alles Deutschen", der „jede Möglichkeit benützt, um in Wort und Schrift seine Giftblase der Lüge und Verleumdung zu entleeren". „Stürmer" (Nürnberg), veröffentlicht ungeheuerliche Greuelgeschichten von Juden, die die bäuerliche Bevölkerung aussaugen, und nennt dabei Namen und Adressen. Es gibt J'ällc, wo jüdischen Staatsbürgern ihr Besitz einfach enteignet wird. In einzelnen Gegenden befinden sich die Juden in ständiger Lebensgefahr. Völkerrechtsverletzung „Ekstrabladet" (Kopenhagen) meldet in großer Aufmachung einen mysteriösen Vorfall, der sich auf dem Hamburger Flugplatz abgespielt hat. Seit dem Hitler-Sieg in Deutschland benützen viele jüdische Passagiere, die nicht eine Bahnreise durch Deutschland machen wollen, die direkte Expreß- Luftroute Amsterdam-Kopenhagen ohne Zwischenlandung in Deutschland. Kürzlich wurde nun eine Maschine dieser Route wegen außergewöhnUch schlechten Wetters gezwungen, eine Zwischenlandung in Hamburg vorzunehmen. Ein jüdischer Passagier weigerte sich, die Kabine zu verlassen. Als das Flugzeug wieder starten wollte, war dieser Passagier verschwunden. Man erfuhr später, daß derselbe geflüchtet war, als die deutsche Polizei sich seiner bemächtigen wollte. Sie konnte aber ohne Wissen des Flugzeugführers Mantel und Koffer des jüdischen Reisenden „beschlagnahme n". Dem verfolgten jüdischen Passagier ist es nach einigen Tagen gelungen, die holländische Grenze zu überschreiten. „Ekstrabladet" fragt, ob die Passagiere einer Transitmaschine, die für einen kurzen Zeitraum in einem fremden Lufthafen landet, ihre Pässe kontrollieren lassen müssen, wenn sie nach dem Fahrplan das betreffende Land gar nicht besuchen wollten und die Maschine während des Aufenthaltes nicht verlassen. In Ohersdilesien Zwei deutsch-jüdische Aerzte aus Oberschlesien, Dr. Fcucreisen und Dr. Frankel, die auf Grund des Aricrparagraphen von den Krankenkassenbehörden der Stadt Beuthen entlassen worden waren, werden nun wieder eingestellt werden. Die beiden Aerzte hatten gegen ihre Entlassung beim Gemischten deutschpolnischen Schiedsgerichtshof in Oberschlesien Klage erhoben, über die in diesen Tagen verhandelt werden sollte. Die Krankenkassenbehörden hatten sich durch Vermittlung eines Rechtsanwalts aus Kattowitz an die beiden Aerzte mit dem Angebot gewandt, sie wieder anzustellen. Gleichzeitig baten die Behörden die Aerzte, ihre Klage, die auf Grund der Genfer Verträge über den Schutz der nationalen Minderheiten angestrengt worden war, zurückzuziehen. Die jüdischen Aerzte gingen auf diesen Vorschlag ein und zogen die Klage zurück. Ghetto Hur Viehhändler Wie in mehreren anderen Städten in Hessen und anderswo, wurde auch auf dem Viehmarkt in Frankfurt a. M. eine spezielle Abteilung für jüdische Viehhändler und ihre Ware geschaffen. Die arische Abteilung befindet sich rechts, die jüdische links. Auf dem Nürnberger Viehmarkt wurden Plakate herumgetragen mit der folgenden Inschrift: „Ich warne euch zum letztenmal: kauft nicht bei Juden! Jeder, der diese Warnung nicht beachtet, wird die Konsequenzen zu tragen haben!" Die Plakate trugen keine Unterschrift, doch nahm man an, daß die Warnung vom Gauleiter Streicher ausging. Deutsche „Kleinigkeiten" Der Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände teilt folgendes mit: 1. Auf Wunsch der Reichsjugendführung weisen wir nochmals nachdrücklichst darauf hin, daß das Tragen von Uniformen oder uniformähnlichen Bekleidungsstücken für alle jüdischen Jugendbünde verboten ist. Auch das Tragen von Koppeln jeder Art ist untersagt. 2. Auslands¬ und Grenzlandsfahrten bedürfen der Genehmigung durch die Reichsjugendführung. * Oberstleutnant von Bogen, Administrator der Deutschen Adels genossenschaft, erklärte der „Deutschen Zeitung", die im Herbst 1933 eingeleitete Säuberung des deutschen Adels werde so durchgreifend sein, daß künftighin kein einziger Tropfen jüdischen Blutes in den Adern eines deut- Levante*Mes§e in Tel*Awiw mmmmmmmmmmaamamm "Ab. WIEN am 30. April mit dem RiesewOzeandampfer» VULCANIA« über ROM/ NEAPEL, PALERMO, ATHEN, BEIRUT Auskünfte im REISEBÜRO «MAR I E N B R HC KE» (Palästina-Dienst, Leitung: Berta Taubes), Wien I, Rotenturmstraße 26, Telephon R-24-2-86 und R-24-2-87 sehen Adeligen fließen wird. Man werde keinen „Herrn von Sbylock" im Adel mehr finden. * Der Deutsche Industrie- und HandeJstag, die zentrale Organisation der Kleinhändler, und der Verband der Angestellten unterbreiteten gemeinsam dem Reichswirtschaftsminister ein Ansuchen, ab 1. Juli 1934 Gewerbescheine für Kleinhändler auszugeben, womit der Kleinhändlerberuf an eine Lizenz gebunden sein wird. An jüdische Kleinhändler sollen keine Gewerbescheine abgegeben werden. * In B r a u n s c h w e i g waren vorübergehend die Namensschilder der J e r u s a 1 e m - Straße m't der Aufschrift „Baldur-von-Schirach-Straße" verdeckt worden. Nachdem inzwischen in der Oeffentlichkeit darauf hingewiesen worden war, daß die Straße ihren Namen nicht zu Ehren der jüdischen Stadt Jerusalem, sondern zu Ehren des christlichen Abtes Jerusalem trage, sind die Aufschriften wieder entfernt worden. * Das Berliner Kriminalgericht verurteilte den Schauspieler Otto Hoffmeister zu acht Monaten Gefängnis wegen Beleidigung einer befreundeten Nation. Hoffmeister hatte im vergangenen Oktober zwei T ü rken belästigt, die er irrtümlicherweise für Juden gehalten hatte. SBfefcet 3 ftottftttttffef in Her abgelaufenen Älaffenlotterie mit StfteIhommer>ßofen getoonnen! SBei ber am 9. b. 3J?. beendeten .30. ßlatfenlotterie entfielen in ber V. Älaffe ber Haupttreffer »on S 60.000 auf 2os 9tr. 46198, mib ber Haupttreffer von S 40.000 auf 2os ftr. 34402, ferner in ber IV. klaffe ber Haupttreffer mm S 50.000 auf ßos 9Tr. 45368, bte [ämilidje neBft trielen -Treffern ju S 20.000, S 10.000, S 8000, S 6000, S 4000, 5 2000 unb 1000 6d)iffing beim 23anfnnb 2ßeri>felf)auö 6 a) o I $ a m m e r & S dj a 11 e r a, SBien, I., Step^anspla^ Wr. 11 getauft tourben. 9ludj bei ber 3ißhun8 öec Iteffetanleifje am 1. 5J?ärj lauf. Sa^teö würbe ein Anteil bes SDlißionen'Sdiiaing-^auDtlteffers bes SBiods 33 mit einem 6djeil)ammers£os 9tr. 146159 a.c# KOMM' (Entgeltlich.) i Was die Juden in zwei Jahren nach Palästina gebracht haben Von unserem palästinensischen S.-Korrespondenten Abseits von der bewegten Sitzung des zionistischen Aktions-Komitees spielte sich bei uns in diesen Tagen ein sensationeller Vorfall ab, der vielleicht die beste Erklärung für die Stürme und Krisen im Zionismus bietet. Der Mann, welcher heute im Mittelpunkt des jüdischen Aufbauwerkes steht, der Schöpfer und Bürgermeister der grandiosen Stadt Tel-Awiw, Meir Dizengoff, hat mit Professor Weizmann, der fünfzehn Jahre die zionistische Weltorganisation führte, Abrechnung gehalten: Professor Weizmann, der gerade in Palästina ist, hatte vorher in einer Versammlung seinem Bedauern über den Bruderkrieg Ausdruck gegeben, welcher jetzt in der zionistischen Organisation und in Palästina zwischen der übermächtigen sozialdemokratischen Arbeiterpartei und den national eingestellten Arbeitern und dem Mittelstande wütet. Auf einem Empfange zu Ehren Weizmanns hielt Dizengoff eine Ansprache, in welcher er Weizmann zum Vorwurf machte, daß gerade e r diesen Bruderkrieg gefördert habe. Er erinnerte Weizmann daran, daß er sich immer in bagatellisierender, wegwerfender Form über Tel-Awiw, über die Arbeit des jüdischen der Schweden-Stahl, Gipfel der Klingen: die schwedische Mittelstandes, der Pflanzer, Gewerbetreibenden und Kaufleute geäußert, immer, in den höchsten Tönen von der klassenkämpferischen Arbeiterschaft, von diesen „einzigen" Söhnen des Landes, gesprochen habe. Das hat die einen verbittert und die anderen übermütig gemacht. Er sagte: „Die Hauptursache des Bruderkrieges ist die Monopol-Politik, welche für die „einzigen" Söhne betrieben, ganz besonders von Weizmann betrieben wurde. Diese „einzigen" Söhne nehmen alles für sich in Anspruch. Ich muß klar heraussagen, daß mit dieser Monopol-Politik Schluß gemacht und eine Politik für das ganze Volk begonnen werden muß. Wir werden Weizmann anerkennen, wenn auch er uns anerkennt. Nur wenn Weizmann eine Politik für das ganze Volk betreiben wird, kann er den Frieden bringen, von dem er spricht..." * Wie recht Dizengoff hat, wenn er auf die bewundernswerten Leistungen des jüdischen Mittelstandes hinweist und dagegen protestiert, daß man nur die gewiß großartigen Leistungen der Arbeiterschaft gelten lassen will, geht aus den Berichten hervor, welche auf der A.-C.-Sitzung erstattet wurden. Besonders interessant ist die nachstehende Zusammenstellung über die Einfuhr jüdischenMittelstandskapitals nach Palästina im Verlaufe der letzten zwei Jahre. Jüdische Kapitalsanlage in den Jahren 1932 und 1933 (In englischen Pfunden) 1932 1933 I. Landwirtschaft. 1. Neue Pflanzungen und Ausgestaltung der vorhandenen, noch nicht fruchttragenden Pflanzungen 2. Gemischte Landwirtschaft: a) Körperschaften und Privatpersonen .......... 100.000 100.000 b) 1 Bauten in den Siedlungen . . 200.000 350.000 c); Bodenkauf (abgesehen vom Bodenhandel unter den Juden) 900.000 1,500.000 150.000 650.000 1,350.000 II. Bauwesen und öffentliche Arb 1. Tel-Awiw.......... 2. Jerusalem, Haifa und Tiberias . . 3. Bodenkäufe für Bauten (abgesehen vom Bodenhandel unter Juden).......... 550.000 750.000 2,600.000 e i t e n. 1,600.000 900.000 100.000 200.000 III. Industrie, Handwerkund Verkehr........ Gesamtsumme. TT 1,400.000 500.000 2,700.000 800.000 3,250,000 6,100.000 In vorstehenden Beträgen sind die Erhöhungen des Betriebskapitals in bestehenden Unternehmungen nicht enthalten. Die Juden haben ferner in den Jahren 1932 und 1933 eine halbe Million Pfund für das Erziehungswesen (Universität, Technikum), das Gesundheitswesen (Hadassah), für die „Chalukka" und an Ausgaben, die die jüdischen Touristen beim Besuche des Landes gemacht haben, ins Land gebracht. Endlich kam im Laufe des Jahres noch ein beträchtliches jüdisches Kapital in der Form von Depositen ins Land. Es betrug (in Pfund): Jänner 1932 . Ende 1932 . . Ende 1933 über 3,500.000 5,000.000 10,000.000 Zusammenfassend ist also festzustellen, daß allein in den Jahren 1932 und 1933 zirka 17 Millionen Pfund, d. s. ungefähr 300 Millionen österr. Schilling, ins Land gebracht und in den Wirtschaftsprozeß eingeschaltet wurden. Dabei ist festzuhalten, daß es sich nicht um Großkapital und Spekulationskapital handelt, sondern um kleines und mittleres, arbeitendes Kapital. Wenn man diese Ziffern betrachtet, dann versteht man, wie richtig Dizengoff handelt, wenn er vor der Herabsetzung und Nichtachtung jüdischen Unternehmungsgeistes und gesunder jüdischer Mittelstandsarbeit warnt; wie richtig er handelt, wenn er Klassenkampf und Klassenpolitik in Palästina als Ursachen des den Aufbau bedrohenden Bruderkampfes aufzeigt. Das Werden des Judenstaates ist undenkbar ohne den jüdischen Arbeiter, aber auch undenkbar ohne den arbeitsfreudigen und unternehmungsbereiten Mittelständler. Es darf kein Monopol für den einen oder den anderen geben. Beiden muß ihr Recht werden. 1500 städtische Arbeiter und Kinder müssen den Kolonisten helfen Aus Tel-Awiw: Etwa 1500 städtische Arbeiter begaben sich in die Kolonien und in die Orangenplantagen, um den Kolonisten bei der Einbringung der Ernte und bei den übrigen Saisonarbeiten zu helfen, da sich infolge der Einwanderungseinschränkung seitens der Palästina-Regierung ein empfinderlicher Mangel an Arbeiterhänden auf dem Lande bemerkbar macht. Die Mehrzahl dieser Arbeiter verzichtete freiwillig auf die in der städtischen Bauindustrie bestehenden ungleich besseren Bedingungen, nur um den Kolonisten aus ihrer Not zu helfen. Viele Hunderte Schulkinder haben sich ebenfalls den Kolonisten zur Verfügung gestellt und lagern in Zelten rings um die Plantagen. Unter den freiwilligen Arbeitern befinden sich sehr viele Mädchen. Infolge des Abströmens vieler städtischer Arbeiter aufs Land wurde die Bautätigkeit in Tel-Awiw fast ganz unterbrochen, obwohl ein empfindlicher Mangel an Wohnungen und Geschäftsräumen besteht. Man hofft, daß der von der Palästina-Regierung zu erteilende neue Vorschuß an Zertifikaten diesem Zustand ein Ende machen wird. Die Palästina«Recjierung schenkt den ara« bisdien Landwirten 90*000 Pfund Aus Jerusalem: Die Palästina-Regierung hat Schulden palästinensischer Landwirte an Steuern und Raten für Landwirtschaftsdarlehen in der Gesamtsumme von rund 96.000 Pfund gelöscht. Dieser Vergünstigung wurden ausschließlich arabische Landwirte teilhaftig. Die jüdischen Landwirte haben nichts erhalten, Lieber Besuch Aus Jerusalem: Der Reichsinnenminister der Hitler-Regierung in Deutschland, Dr. F r i c k, weilte am 7. und 8. April in Palästina. Die Polizei hatte einen speziellen Schutzdienst für ihn eingerichtet. Ueber den Gruai seine« Palästina-Besuches wird aicüU mitfettUfc