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Die neue Welt · 1934-04-13 · Heft 356 (13.4.1934) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 356 (13.4.1934)
Date
1934-04-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seile 2 Nr. 356 Vladimir Jabolinsky // d i <t spricht zu Ihnen im Tonfilm über: ie jüdi§che Wellpetifion" die versperrten Tor« Palästinas öffnen sollt Schwaden-Kino, Sonntag, 15. April, 1I,U Uhr vormittags Aiiflarten-Kino, II, Untere Augartenstraße 28, Donnerstag, 19. April, 2 Vorstellungen, 7 und 8 Uhr abends V!ndobona-Klno, XX, Wallensteinplatz, Sonntag, 22. April, lt Uhr vormittags Maria*Theresien*Klno,VII, Mari ah ilferstr. 70, Sonntag, 23. April, 10 Uhrvormittags Kartenvorverkauf: I, Adlergasse 4, im Sekretariat des Landesverbandes der Zlonisten-Revislonisten Oesterreichs r ©ctfttöc Arbeiter grauen, Sleruöie, ßuefetfranfe, hartleibige effeit im eigenen 3nterc|"fe baS bunfle, aromat. SimotlBbrot. Setjr bequem: <3tmouS6totpäcfcf)eit in Stanniol. 3n allen guten ft-einlofthanbluiigen uub Dielen Säcfereien ju haben, etfte 83rol in |ygienifd)er öetpaefung. V^sBimortSbrotfabrtf ißSien^aaran 55. Sägl. ^oftüetf..^ Jacob Jaobet « Co. Ltd. [ BANKIERS JERUSALEM Mamillah Road I Julians Way P. 0. B. 897 Telegramm-Adresse: Remember Haifaer Vertreter .'Joseph Hirsch, Hadecalim Street, gegenüber Messagers Marit. ihr ist schädlich. Um Zivilisation im Orient zu verbreiten, braucht man keine jüdi* sehe Majorität." Auch dieser Satz blieb haften, nicht nur im Gedächtnis der schmerzlich betroffenen Zionisten, leider auch im Gedächtnis der antizionistischen, hohen englischen Bürokratie, die den Juden den Zutritt zu Palästina versperrt und sich dabei freudig des Weizmann-Wortes als Arguments bedient. Wozu jüdische Masseneinwanderung? Das Ziel ist doch ein „geistiges Zentrum"! Da genügen wenige Auserlesene ... Neben diesen Sätzen, weiche sich auf die zionistische Politik im allgemeinen beziehen, gab Professor Weizmann auch solche von sich, die den Aufbau und die soziale Struktur Palästinas betreffen. Im Jahre 1925, als er schon ganz im linken Lager stand, sagte er mit Bezug auf Tel-Awiw, die Stadt der jüdischen Handwerker, Kaufleute und mittleren und kleinen Industriellen: „Wir brauchen in Palästina keine N a 1 e w k a." (Nalewka ist die jüdische Straße in Warschau, wo die ärmsten Krämer und Handwerker wohnen, wo der armseligste Handel betrieben wird, wo es nur Schmutz, kleinen Schacher und großes Elend gibt.) Auch diese bösen Worte blieben haften. Jahrelang haben sie im Klassenkampf ein gewichtiges Argument abgegeben und den Haß geschürt. Und jetzt, im Frühling 1934, da er auf der Sitzung des kleinen zionistischen Kongresses in Jerusalem vom mörderischen Bruderkampf im jüdischen Palästina sprach, schuf Professor Weizmann einen neuen Begriff...: „Lumpen-Kapita 1". Er wies auf die Arbeitskämpfe hin, welche sich hauptsächlich in den kleinen und mittleren Betrieben abspielen. (Weil die wenigen Großunternehraungen widerstandsfähiger und nicht leicht unterzukriegen sind.) Er sagte: „Was soll der ganze Kampf gegen die Arbeiter? Die großen Fabriken, wie die Oelfabrik .Schemen' und die Zementfabrik .Nescher', die wirklichen Träger des Kapitals, kommen mit den Arbeitern gut aus. Aber gerade da» Lumpen-Kapital — wie es ein Lumpen- Proletariat gibt, so gibt es auch ein „Lumpen- Kapital", ohne feste Richtung und weites Ziel — hat es nicht zum Verständnis dafür gebracht, wie das Verhältnis vom Arbeitgeber zum Arbeitnehmer zu ageln ist. Darum die zahlreichen Konflikte." Also: Alle kleinen und mittleren Unternehmer in Palästina, die sich nicht blind dem Diktat der Arbeitersekretäre fügen können und fügen wollen, alle, bei denen gestreikt oder demoliert wird, alle, die nicht brave Arbeiter aufs Pflaster werfen wollen, ^reil es die Histadruth fordert, sie alle sind — ,L u m p e n - K a p i t a 1 i e t e n". Gerade diese Menx:hen haben fast alle blühenden Pflanzungen und die qjroße Stadt Tel-Awiw geschaffen, die Welt bewundert ihr Werk, das Werk der kleinen und mittleren jüdi- .jehen Unternehmer. Aber Professor Weizmann sagt: „Lumpen-Kapitaliste n". Ein Wort ■— ebenso sinnlos v/ie böse! Auch dieses Weizmann-Wort wird haftenbleiben. Es wird Arbeiter zu neuem Kampfe anstacheln, beleidigte Unternehmer in abweisenden Trotz drängen. Auch dieses jüngste Weizmann-Wort ist unter keinem guten Stern geboren. fiebert Stricker. Zionistische Sorgen nach der A**C«*Sitzuiig Die erste palästinensische Sitzung des zionistischen A. C. war nur äußerlich ein großes Ereignis. Eine zionistische Tagung in der ewigen Stadt Jerusalem, jm Herzen des alten Heimatlandes, das unser Judenstaat werden soll, vermag Sentiments auszulösen, die auch für die Wirklichkeit, für die praktische Arbeit Wert haben können. Den großen seelischen Aufschwung, von dem sogar eine nüchterne Tagesordnung begleitet sein kann, brachte der „kleine Zionistenkongreß" nicht. Sogar die der zionistischen Exekutive sehr wohlwollend gegenüberstehende Presse stellt fest, daß es dem A. C. nicht gelungen ist, der palästinensischen Judenschaft das Gefühl zu geben, daß über seine wichtigsten Belange gesprochen und entschieden wird. Allerdings werden die hiefür maßgebenden Gründe nicht genannt. Man verschweigt wohlweislich, daß große Teile der zionistischen Weltorganisation von der gegenwärtigen Leitung der zionistischen Geschicke ausgeschaltet sind und nur durch einen moralischen Druck, durch Anrufung des zionistischen Gewissens einen platonischen Einfluß ausüben können. Derart muß die Leitung jene Kräfte entbehren, die für den Aufbau des jüdischen Palästina Wesentliches leisten könnten. Und derart entbehrt sie auch der moralischen Autorität in der zionistischen Organisation, so daß die zentrifugalen Kräfte im Zionismus das ohnehin schwache Prestige der Exekutive untergraben können. Viele hunderttausende Juden blickten sehnsüchtigen Auges nach Jerusalem, als dort das zionistische A. C. tagte. Sie erwarteten — wenn schon keine endgültigen und auf lange Sicht gestellten Beschlüsse —, so doch die Erledigung aktuellster, drängendster Fragen: Fortschritt In bezug auf innere Befriedung; Fortschritt in bezug auf Erfolge gegenüber der schädigenden, antizionistischen Politik der Mandatarmacht. Inzwischen wurden, wie unsere Leser den von uns veröffentlichten Berichten entnehmen konnten, Strafmanöver gegen die Zionisten-Revisionisten und B eschwichtigungsmanöver gegen die Misrachisten angewendet. Es kam dabei nichts Zweckmäßiges heraus. Die Versuche der Exekutive, einzelne Parteien in der Organisation für die ungünstige politische Situation verantwortlich zu machen, mißlangen. Man wurde sich gerade im Verlauf der A.-C.-Tagung darüber klar, daß die auf Freiwilligkeit gegründete zionistische Organisation nur so lange sinnvoll sein kann, als deren Leiter und verantwortlichen Organe wie Vertreter des ganzen zionistischen Volkskörpers handeln. Denn man erkannte, daß die linke Exekutive sich bloß als Vollstreckungsorgan für die linken Arbeiterorganisationen und ihre klasaenkämpferischen Bestrebung«» fühlte. Die politischen Resolutionen mit ihres Forderungen an die britische Palästina-Regierung sind Erbgut zahlreicher Exekutiven; die neuen Einwanderungsbestimmungen vermögen nicht wesentlich den Kern des Einwanderungsmaterials zu ändern. Die innerzionistische politische Arbeit erschöpfte sich in der Auflösung des revisionistischen Sonderverbandes und in der Sabotage aller Vermittlungsvorschläge durch die Fraktion der Arbeiterpartei. Die Exekutive, von der Opposition ins Kreuzfeuer genommen, stützte eich auf ihre zahlenmäßige und zufällige Majorität. So mußte also u. a. der Antrag des Misrachi, daß das A. C. die Klassenkampf-Exekutive für abgesetzt erkläre und eine neue verbreiterte Exekutiv« wähle, durchfallen. So blieb alles beim Alten. Die rings um den Arlosoroff- Mord in Prag gewählte Leitung führt die zionistischen Geschäfte weiter. * Es fehlte im Rahmen der A.-C.-Tagung nicht an Vorschlägen, die geeignet waren, eine Regenerierung der zionistischen Organisation und eine Stärkung ihres moralischen Ansehens in die Wege zu leiten. Meir Großmann, der Vorstand der Judenstaatspartei, entwarf ein Programm, das von dem ganzen A.-C.-Forum lebhaft akklamiert wurde. Aber wieder war es die Unglücksexekutive, die eine Reinigung der Atmosphäre, den entscheidenden Schritt zur Befriedung im Innern, hintertrieb. Meir Großmanns Ausführungen blieb so die Verwirf lichung verwehrt. Die Einigung kam nicht zustande. DTe Krise wuchert weiter. * Während sich in Jerusalem die zionistische Exekutive in ihre splendid isolation flüchtete, ging das Aufbauwerk mächtig vorwärts. Es gibt keinen Stillstand. Arbeiter, Handwerker, Kaufmann, Techniker, Arzt und Schreibtischmensch setzen ihre Kräfte für den werdenden Judenstaat ein. Neue Menschen kommen ins Land und verwurzeln sich darin. Die Judennot in allen Massensiedlungen ist so groß, daß selbst die drückendsten Einwanderungsbeschränkungen dem Einströmen arbeitsbereiter Menschen nicht halt gebieten können. Aber gerade dieses Tempo der Arbeit, dieser Aufbau-Fanatismus, das Investieren von Energie und Kapital kann vertan sein, wenn nicht gleichzeitig eine starke, verantwortungsvolle, das Vertrauen der ganzen zionistischen Organisation und des ganzen jüdischen Palästina genießende Leitung die politischen Grundlagen dieser Bestrebungen sichert. Ein Werk, das nicht über eine politische Sicherung verfügt, ist auf Sand gebaut. Da§ jüdische Martyrium in Deutschland Aus Deutschland wird uns berichtet: Die Hetze geg;en die Juden geht in Wort und Schrift weiter. Das Unsägliche, das die deutsche Judenheit seit mehr als einem Jahr erfahren hat, ist noch immer nicht zu Ende. Die Bestialitäten, die an den Juden verübt werden, lassen sich nur mehr summarisch wiedergeben. Man kann sagen, daß die Lage immer bedenklicher wird. Blutiger Terror In ganz Mittelfranken wird zurzeit eine scharfe Pogromhetze betrieben. Außer in Günzenhausen kam es auch in Ansbach, Neustadt, Windsheim und in anderen Orten in den letzten Wochen wiederholt zu blutigen Judenverfolgungen. In Günzenhausen wurden 1600 Mann auf die Beine gebracht, um ganze 19 jüdische Familien einzufangen. Die schwere Panik, unter der die Judenschaft dieser Gegend dauernd lebt, wird noch dadurch erhöht, daß keine Untersuchung nach den Schuldigen eingeleitet wurde. Die amtliche Version, betreffend den mit mehreren Messerstichen in Brust und RUcken auf der Straße tot aufgefundenen 60jährigen Rosenau und den Wetterharte nenschen fürchten keinen Regen, keinen Sturm, keine Anstrengung, denn sie verwenden ständig zur Pflege und zur Stählung ihres Körpers den vielfach bewährten DIANA- FRANZBRANNTWEIN mit Menthol Kräftigt durch tägliche Einreibungen (Massagen) Muskeln und Sehnen, erhöht Elastizität und Ausdauer, erfüllt mit verjüngender Frische. Ebenso wertvoll zur Mund* und) Haarplleqe In jedem besseren Geschäfte erhältlich Verlangen Sie ausdrücklich ,,D I A N A" und nehmen Sie nur DIANA"! Mhi4«wertig$ N^chabmun^o eujd energisch mit gräßlichen Verstümmlungen erhängt aufgefundenen jungen Rosenfelder, lautet auf Selbstmord; eine ärztliche Obduktion der Leichen hat nicht stattgefunden. Die Situation in Mittelfranken wird charakterisiert durch die Rede, die Julius Streicher vor den Arbeiterräten Nürnbergs gehalten hat. Streicher sagte: „Wenn ihr in eurem Betriebe einen Juden auf der Treppe trefft, so schmeißt ihn, hinunter, daß das Blut nur so rumspritst Zeugen brauchen nicht dabei zu sein." Ein Greis von 76 Jahren wurde auf dem Wege in« Gefängnis besonders schwer mißhandelt. Ein fürchterlicher Anblick: wehrlose Männer, notdürftig gekleidete Frauen und schreiende Kinder von einer sich wie wild gebärdenden Horde durch das Städtchen geführt zu sehen. Die Grausamkeiten wurden im Gefängnis fortgesetzt und spotten jeder Beschreibung. „Bitte, erschießen Sie mich doch!" Der jüdische Arzt Dr. Erich Braun aus Koburg wurde am 1. Juli im Keller unter der Gefangenenküche unter Aufsicht des Scharführers mit einem Ochsenziemer und Gummiknütteln derart geschlagen, daß ihm die Haut und das Fleisch in Fetzen von Gesäß und RUcken hingen. Dr. Braun lag monatelang im Revier. Vom rechten Gesäßbacken wurde ihm später das abgestorbene Fleisch aus» geschnitten, wobei ein fast zwei Hände großer Fleischfetzen abgelbst werden mußte. Als Dr. Braun nach seiner Genesung in die „Kiesgrube" abkommandiert wurde, schlug man ihn neuerdings bewußtlos. Der Reisevertreter J. W i lmersdörfer aus Weiden wurde so oft und so fürchterlich gepeinigt, daß er den Scharführer Frank wiederholt bat: „Herr Scharführer, bitte, erschießen Sie mich doch!" Wie die NaxiiPresse heizt Die Pogromwelle und der antisemitische Terror werden unterstrichen durch eine antljüdische Pressehetze, die offenbar von ejner gewissen Stelle aus dirigiert wird, Unter der Ueberschrift „Die Geißei der Menschheit" führt „Deutsche Zeltung", Berlin, aus, das Judentum sei die Mutter des Marxismus und Kommunismus, im Namen des Judentums werde zum Präventivkrieg gegen das heutige Deutschland gehetzt. „Die Wahrheit'1 (Berlin), erklärt, der verstorbene amerikanische Finanz,» mann Otto H. Kahn sei einer der 300 Weisen von 25 i 0 n gewesen und habe den Kampf der Alliierten gegea Deutschland finanziert. Er Ubernahm mit Morgan dji Auflegung der Dawcs-AsJeike wo» ssü m et* Wvm

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