Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 356 (13.4.1934)
- Date
- 1934-04-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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20 Groschen Jahrgang 8 NEU* tag/ den 13* Apt 186 356 V« b* b» *mg vom Verleger versendet 1 cxpcdi6 par Wditew*. BEZUGSBEDINOUNOEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S4.20, ganzjährig S16.—; Polen monatlich Zloty 2.—.vierteljährig Zloty b.- Tschechoslowakel monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.-; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—; Itaifen monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übr igen Länder monatlich Schweizer Francs 1JS0, vierteljährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätsstr. 6-8, Tel, B-48-504 — ErstheintDienstag undFreitag REVUE Vorstoß gegen die Wiener Judengemeinde Die christlichsoziale Wiener „Reichspost" "bringt an auffallender Stelle nachstehenden Bericht: „In der am 8. d. abgehaltenen Generalversammlung der Agudas-Jisroel-Jugendgruppe (Wien- Leopoldstadt) wurde, wie der „Reichspost" berichtet wird, ein Antrag eingebracht, der den Vorstand auffordert, an die Führer der religiösen Judenheit Wiens mit folgendem Ansuchen heranzutreten: 1. Beim Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wiens vorstellig zu werden und . ihm nahezulegen, nachdem er fast durchwegs aus Männern besteht, die nach dem Schulchan Aruch (Jüdisch-religiöses Gesetzbuch) ein unreligiöscs Leben führen, ihr Amt niederzulegen und durch Ernennung oder Wahl solche Personen in den , Kultusvorstand zu entsenden, die durch ihren traditionstreuen Lebenswandel geeignet erscheinen, der Kultus- ' gemeinde vorzustehen. 2. Sollte diese Vorsprache ohne den angedeuteten Erfolg bleiben, so werden die Führer der religiösen Judenheit Wiens aufgefordert, bei Herrn Bundeskanzler Dr. Dollfuß vorzusprechen und, nachdem der Herr Bundeskanzler über die Vorwaltung und Zustände in der Kultus- . gemeinde entsprechend informiert wurde, an ihn die Bitte zu richten, es möge ein Gesetz ausgearbeitet werden, wodurch nur solche Personen als Kultusvorstände gewählt werden können, die durch ihren einwandfreien, dem Religionsgesetz (bei Juden der Schulchan Aruch) entsprechenden Lebenswandel geeignet erscheinen, die Kultus- ' gemeinde in wahrhaft religiösem Sinne zu führen, damit auch ein wirklich religiöses Geschlecht heran- . gebildet werde. Von diesem. Antrag wurde auch der Vorstand der Israelitischen' Kultusgemeinde und der Bundeskanzler verständigt." * Daß dieser Bericht, der — wie wir uns überzeugen konnten — den Tatsachen entspricht, gerade in dem christlichsozialen Organ erstattet wurde, ist bezeichnend. Es zeigt sich, daß die trennungsorthodoxe Agudah ihren alten Kampf gegen die Wiener Judengemeinde nunmehr auf nichtjüdischem Boden austragen will. Dem Inhalte des Berichtes ist zu entnehmen, daß auch das Ziel dieses Kampfes höher gesteckt wird. Bisher ging das Bestreben der Agudah dahin, neben der bestehenden Kultusgemeinde, welches dem Gesetz den Charakter einer Zwangsorganisation für alle Juden verliehen hat, eine eigene, trennungsorthodoxe Kultusgemeinde zu erlangen. Jetzt gibt sie sich damit nicht mehr zufrieden und will die bestehende Kultusgemeinde in die Hand bekommen. Denn darauf läuft ja das Verlangen, daß nur von der Agudah geeichte Personen der Gemeinde vorstehen dürfen, hinaus. Die Agudah glaubt offenbar, daß mit dem Sturze des bisherigen parlamentarischen Regimes und der Etablierung des christlichreligiösen Kurses in Oestei-reich auch ihre Zeit gekommen sei. Sie glaubt, daß sie sich nunmehr mit Erfolg als Schützerin die Religion gegen „zersetzende Elemente" wird aufspielen können. Es hat noch keiner jüdischen Gruppe Glück gebracht, wenn sie ihren Kampf gegen andere Juden auf nichtjüdisches Gebiet übertragen hat. Der Erfolg solcher Versuche war immer nur, daß der jüdischen Allgemeinheit, also auch der diesen Kampf betreibenden , Partei, schwerer Schaden erwuchs. Dessen möge die Agudah eingedenk sein und damit rechnen, daß eine übergroße Mehrheit der österreichischen Judenschaft ihren Vorstößen gegen die Einheitlichkeit der Judengemeinde entschlossenen Widerstand entgegensetzen wird. Verlange ausdrücklich den feinen ERNA-Kase Anti§entiti§die Straßen§dhladit in Patis Aus Paris wird gemeldet: Mehr als 6000 Personen versammelten sich zu einer von der französischen Liga zur Bekämpfung des Antisemitismus veranstalteten Kundgebung, in der bekannte politische Persönlichkeiten, Professoren, Schriftsteller, katholische und protestantische Geistliche die auch in Frankreich überhandnehmende Juden hetze verdammten. Als zu Beginn der Kundgebung im Saale bekannt wurde, daß antisemitische Camelots du Roi Personen, die sich zur Versammlung begaben, belästigten, übernahm es der Deputierte Longuet, an die Regierung das formelle Ersuchen zu richten, die Mitglieder der Liga zur Bekämpfung des Antisemitismus gegen Angriffe des antisemitischen Straßenpöbels zu schützen. Der Bund französischer demokratischer Frontsoldaten teilte der Regierung mit, daß, wenn sie nicht die Straßen von den antisemitischen Rowdies säubert, sie, die demokratischen Frontsoldaten, semst die Sicherung der Ordnung übernehmen werden. Vor Beginn der Kundgebung haben sich auf dem Etoi 1 e, im Zentrum von Paris, wilde Szenen abgespielt, die von den antisemitischen Camelots du Roi provoziert wurden. Mitglieder der Liga zur Bekämpfung des Antisemitismus, die das Organ der Liga „Le Droit de V i v r e" verkauften, wurden von den Camelots überfallen, die Verkäufer setzten sich zur Wehr, so daß es zu einer regelrechten Straßenschlacht kam, bei der es auf beiden Seiten etwa ein Dutzend Verwundete gab. Ein Camelot namens Pierre Nicolas wurde in b edenklichem Zustand in das Hospital gebracht. Zehn andere Royalisten wurden ambulatorisch behandelt. Die Camelots du Roi hatten es besonders auf die Verkäufer jüdischer Zeitungen auf dem Boulevard St.-Michel abgesehen. Den jüdischen Verkäufern wurden die Zeitungen aus der Hand gerissen. Die Juden setzten sich zur Wehr und verprügelten zahlreiche Camelots, von denen einige verletzt wurden. Obwohl die Juden sich gegen eine sie angreifende starke Uebermacht zu verteidigen hatten, behaupteten sie das Feld. Palästina tritt auf den Weltmarkt Es kann den Weltbedarf an Kunstdünger decken! Die „Berliner Börsen-Zeitung" bringt einen sehr umfangreichen Aufsatz über die palästinensische Kaiiindustrie der „Palestine Potash Co. Ltd." am Toten Meer. In diesem Artikel wird u. a. gesagt: „Nach den wissenschaftlichen Untersuchungen muß als festgestellt angesehen werden, daß das Tote Meer Kalisalz in einem solchen Ausmaß enthält, daß der Weltbedarf an Kali darauf theoretisch für lange 55 e i t hindurch befriedigt werden könnte. Wie hoph sich in der Praxis indes die Gewinnungskosten stellen, ist bisher nicht einwandfrei zu klären gewesen. Es muß aber mit Sicherheit angenommen werden, daß das Erzeugungsverfahren für das palästinensische Kali, das — wie oben geschildert — auf der Verdampfung des Meerwassers beruht, für große Massen Gestehungskosten erfordert, die in keiner Weise mit den Gewinnungskosten hochprozentiger Kalisalze im bergbaulichen Betrieb der deutschen und französischen Kaiiindustrie konkurrieren können. Hiezu kommt, daß die derzeitigen Arbeiter- und Transportverhältnisse einer NACH PALÄSTINA MIT DER COMPASS TOURS OFFIZIELLES PROPAGANDABÜRO DER STADTGEMEINDE TEL-AWIW AM 17. APRIL: Offizielle Messereise AM 30. APRIL: 2. Messereise mit dem Luxusmotorschiff „Vulcania" über Rom, Neapel, Palermo, Athen, Beirut Weitere Messereisen: 14. April „Ansonia",9. Mai „Tel-Awiw" Für Einzelreisende Schiffskarten zu Originalpreisen Auskünfte und Anmeldungen im Reisebüro Compass Tours, Wien IX, Spitalgasse 3, Telephon Nr. B-42-5-38 Nächste Nummer erscheint Diemtaq früh Preis 10 Grosehen Sie stoße hörnte Her Menlotterie, S 500.000, trieftet bei der „©liirffteüe ©teilt" an ftet,Joden Störte"! Set ber fürstief) oorgenommenen 3ie!)ung tourbc bte grofoe grämte ber 30. SUaffenlottertc, S 500.000.— (eine I)aI6e Million Shilling) auf bas flos 3tr. 61.262, 8/8 imeberum, alfo minmeljr 311m fünften 2JtaIe, uoit ben glücfltäjen Äunbcn ber „©tiitfftettc Stein" ge* toonnen. „©tüerftefle Stein", 2ßien, 1. SBea., SBipplinger* ftra&e 21, an ber „$ofiett 23rücfe". Filialen: 6. SBej., 9KariafiiIferftra&e 105, 10. SBca., gauötitcnftta&e 101. E ernstlichen Konkurrenz des Palästina-Kalis auf dem Weltmarkt noch hemmend im Wege stehen. Hiebet ist indessen zu berücksichtigen, daß die englische Mandatsregierung im Laufe der nächsten Jahre alles daransetzen wird, die Verkehrsmittel Palästinas aus politischen und strategischen Gründen weitestgehend auszubauen. Die Nutznießerin dieser Bemühungen wird bis zu einem gewissen Grade auch die Kaiiindustrie Palästinas sein. Bs wird alsdann vielleicht damit gerechnet werden müssen, daß die in Palästina erzeugten Kalisalze in stärkerem M a ß e als bisher in der Lage sein werden, sich im W e 11bewerb um die Versorgung Englands und seines wirtschaftlich von ihm abhängigen Kolonialgebietes mit Kali-Düngesalzen gegen die an sich überlegene deutsche und französische Kaliindustrie zu behaupten." Am Schlüsse des Artikels wird gesagt: „Wie befruchtend übrigens die junge Kaliindustrie auch bereits auf andere gewerbliche Zweige Palästinas gewirkt hat, erhellt aus dem Umstände, daß unmittelbar bei den Kaligewinnungsanlagen der Palestine Potash Co. Ltd. am Toten Meer ein moderner Kurort im Entstehen begriffen ist." Da§ //LumpemrKapital" von Die neueste Wortprägung Professor Weizmanns Der frühere Präsident der Zionistischen Weltorganisation, Prof. Weizmann, hat wiederholt Worte und Sätze geprägt, welche im Gedächtnis der Zionisten haften blieben. Im Jahre 1920 sagte er einem hohen englischen Funktionär: „Palästina muß so jüdisch werden, wie England englisch ist!" Ein schöner, stolzer Satz, der haftenblieb. Bis Weizmann selbst ihn aus dem Gedächtnis der Zionisten strich, durch eine immer mehr und mehr von der Judenstaatsidee abweichende Politik, die ihn im Jahre 1930, in einer Polemik gegen mich, dahin brachte, zu sagen: „Ich glaube nicht an einen Judenstaat. Er wird nicht sein und ich erwünsche ihn auch nicht!" Wieder ein Satz, der haftenblieb. Ein Jahr darauf, auf dem Kongreß 1931 in Basel, gelangte er zu einer noch weitergehenden Liquidation des zionistischen Grundgedankens und prägte den Satz: „W i r brauchen keine jüdische Majorität in Palästina. Das Streben nach Verlaufe fbottbtüig Stig* engiifAe Wttaugftoffe r« ». s 18* Wma ftamragarne9ln$ilge ffr8 13* e&etlant* für Äoftüme pw». s 7/ 3. SBeinfttft, I., SRatc 2lute!*Stta&e 10 Xel. U*20*645 Alle ira redaktionellen Teil befindlichen entgelte , liehen Notizen ßind durch beigefügte« £ bcMiehnil