Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 353 (30.3.1934)
- Date
- 1934-03-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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- Beirut 1× ep/1047833
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Nr. 353 DIE NEUE WELT Seite S Rings um Palästina Warum Transjordanjen hungert. — Krieg in Siidarabien. — Die Politik der arabischen Exekutive und die zionistischen Pflichten Von unserem Palästina-Korrespondenten Während die arabische Presse Palästinas mit geringen Ausnahmen den jüdischen Bestrebungen gegenüber feindlich eingestellt ist und eine intensive Hetze gegen den Zionismus und die jüdische Einwanderung betreibt, kann man von Zeit zu Zeit aus den außerpalästinensischen arabischen Ländern, z. B. aus Syrien und Aegypten, andere Stimmen vernehmen. So schreibt das in Beirut erscheinende syrischarabische Blatt „Arsam-Libanon" unter dem Titel „Palästina befindet sich in wirtschaftlichem Aufschwung und das Nachbarland Transjordanien leidet Hunger und Not": „Der Hunger in Transjordanien wird immer größer und die Verzweiflung der Bewohner immer schrecklicher. Zwischen Stadt und Dorf ist da kein Unterschied. In der unmittelbaren Nachbarschaft liegt Palästina, das einen ungeheuren Fortschritt aufweist, der in gleicher Weise dem Städter wie dem Landmenschen, dfem .Juden wie dem Araber, zugute kommt. Alle wissen, daß Palästina den Wohlstand dem von den Juden investierten Kapital und dem von den Juden bearbeiteten Boden verdankt. Die jüdische Energie ist für das Land zu einem Quell des Wohlstandes geworden. Andererseits wissen alle, daß Transjordanien ein großes Land ist, das guten Boden und genügend Wasser besitzt. Was fehlt, sind die tüchtigen Arbeitshände, die aus Palästina kommen könnten. Wird die Regierung Transjordaniens ihre Pflicht gegen das Land und seine Einwohner erfüllen oder weiter so untätig bleiben wie bisher?" Auch andere Beiruter Blätter beschäftigen sich mit den Ursachen der palästinensischen Prosperität und dem jämmerlichen Zustand Transjordaniens. So schreibt eine Zeitung: „Das Geschrei gegen den jüdischen Bodenkauf und die jüdische Einwanderung ist nicht zu verstehen. Ohne diese zwei Faktoren würde Palästina nicht besser dran sein als das verblendete Transjordanien. Die Spannungen in Palästina kommen nicht vom jüdischen Bodenkauf und von der jüdischen Einwanderung, sondern von den arabischen Agitatoren, die nur von den durch sie erregten Zwistigkeiten zwischen Juden und Arabern leben. Wann endlich werden vernünftige Menschen aufstehen und im Lande des Friedens die Fahne des Friedens aufziehen?" . Diese scharfen Kritiken arabischer Blätter an der arabischen Politik in Palästina und Transjordanien bezeugen, daß es mit der „panarabischen" Solidarität nicht gar so weit her ist und daß man die Projekte zur Schaffung einer Föderation der arabischen Länder mit Einschluß Palästinas mit Skepsis aufnehmen soll. Erst jüngst wieder sind schwere Konflikte zwischen den beiden südarabischen Staaten Jemen und Hedschas ausgebrochen. Beglaubigte Meldungen wissen von Kämpfen zu berichten, die seit einigen Tagen zwischen dem Im an von Jemen und dem Wahfhabitenkönig Ibn Saud geführt werden. Es handelt sich hier um mehr als Grenzstreitigkeiten, es geht um die Vorherrschaft auf der arabischen Halbinsel. Daß man arabischerseits in Palästina selbst aus der jüdisch-arabischen Spannung Vorteile ziehen will, ist klar. Die englische Palästina-Verwaltung hat jedesfalls bisher den arabischen Extremisten und Pogromhetzern nicht zu verstehen gegeben, daß ihr an einem friedlichen Einvernehmen zwischen den beiden Bevölkerungsteilen gelegen sei, sonst hätte beispielsweise die Bestrafung der an der Oktoberrevolte beteiligten arabischen Führer, die zu kurzer Zwangsarbeit verurteilt und vorläufig gegen Kaution freigelassen wurden, härter ausfallen müssen. Jerusalem ist nach wie vor Sitz und Herd der 2 Geselkdiaf l§ * Reken zur Levante*Messe in Tel*AwHw Am 10. April ab Wien Uber Tri««! mit dem Expreßdampfer „Gerusalemme", veranstaltet vom Verein .Reisender Kaufleute Oesterreichs Am 30. April ab Wien Uber Rem-Neapel mit dem Riesen-Ozeandampfer „Vulcanla" (36.00U Tonnen) BlUlge Arrangement» / Auskünfte und Prospekte: REISEBÜRO «MARI EN BRUCKE» (Palästina-Dienst, Leitung. Berta Taubes), Wien I, Rotenturmstraße 26, Telephon R-24-2-86 und R-24-2-87 arabischen Hetzkampagne gegen das jüdische Aufbauwerk. Bisweilen versuchen die Führer der arabischen Nationalisten, ihre Gewalttaktik hinter politischen Phrasen zu verbergen, aber wir wissen, was wir von ihren Beteuerungen zu halten haben. So wird aus Jerusalem gemeldet: Bei einer Pressekonferenz äußerte sich der Präsident der arabischen Exekutive, Musa Kasim al Hussein i, über verschiedene politische Fragen. U. a. erklärte er, daß vom politischen Standpunkt der nächste Weltkrieg ein Segen für die arabischen Länder werden könnte. Nachdem Musa Kasim sich hoffnungsvoll Über die Föderation der nordarabischen Länder Syrien, Irak, Transjordanien und Palästina ausgesprochen hatte, sagte er über sein Verhältnis zu den Juden: „In einem unabhängigen arabischen Staat werden die Juden genau so leben können wie im otomanischen Reich. Die Arabaer werden aber nicht dulden, daß ein Fünftel der palästinens?gehen Bevölkerung das Land beherrsche. In jeder Form einer gesetzgebenden Repräsentanz haben die Juden Recht auf einen proportioneilen Anteil, entsprechend ihrer Zahlenstärke im Land. Die arabische Gegnerschaft gegen die Juden war stets bloß eine politische, niemals aber eine religiöse oder rassische." Wenn wir diese Aeußerungen Husseins ernstnehmen, so müssen wir gerade auf das bedacht sein, was den Widerstand der arabischen Extremisten hervorgerufen hat: auf eine jüdische Masseneinwanderung. Denn wenn unsere politischen Rechte in Zukunft unserer Zahlenstärke gemäß sein sollen, dann heißt es eben, diese Zahlenstärke so rasch als möglich erhöhen. Man mag also das jüdisch-arabische Problem wie immer auffassen — schließlich kommt man auf die von den Judenstaats-Zionisten mit unerbittlichem Nachdruck betonten Forderungen uneingeschränkten jüdischenBodenkaufs und uneingeschränkter jüdischer Einwanderung. Preisgabe dieser Forderungen bedeutet Preisgabe des Zionismus, und es ist hoch an der Zeit, daß die Führung der zionistischen Organisation und Politik wieder in die Hände jener gelangt, welche sich zum Programm Theodor Herzls, zum Judenstaat s-Zionismus bekennen. Wiedereröffnet das ehem. Restaurant Zöllner 77, Hammer - Purgstallgasse 7 "NJO durch den bekannten itto Resfaurateur W* Spritzer Zur Verabreichung gelangen: SpezialSpeisen für den verwöhnten Gaumen älä Carte wie auch Menüs von S 1.60 aufw. und Speisen am Rost Veranstaltung von Sedec* Abende 111 Tischbestellungen unter Telephon A-45-5-42 Eine bedeutsame Diskussion Steigt oder fällt der jüdische Prozentsatz in Palästina? Die Frage, wie groß die jüdische Bevölkerung Palästinas im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung des Landes ist, ist im Zusammenhang mit der revisionistischen Petitionsaktion wieder aktuell geworden. In der Petitionsschrift wird behauptet, daß das Verhältnis der jüdischen Bevölkerung zur allgemeinen Bevölkerung des Landes im Jahre 1926 bereits 19,4 Prozent erreicht habe, im Jahre 1930 aber bis auf 17,1 Prozent gefallen sei und eine weitere Tendenz zum Fallen zeige. Dieser Behauptung tritt die Jerusalemer „Palästina-Korrespondenz" entgegen, indem sie folgende Berechnung aufstellt: Laut der Volkszählung von 1922 hatte Palästina 684.284, davon 88.794 jüdische Einwohner, das ergibt einen Prozentsatz von 12,2. Diese Ziffern betreffen nur die eingesessene Bevölkerung, ohne Berücksichtigung der 70.000 durch das Land ziehenden Beduinen, bei deren In Beruf und Sport sich frisch und ausdauernd zu erhalten, gibt es nichts Besseres als ständige Körperpflege. Ein ideales Mittel dazu finden Sie in dem seit Jahrzehnten bewährten, in tausenden Familien beliebten DIANA- Franzbranntwein mit Menthol Erhält durch tägliche Massagen (Einreibungen) die Spannkraft, kräftigt Muskeln und Nerven, verleiht Ausdauer. Ebenso wertvoll zur Mund- und Haarpflege und zu mannigfachen anderen Zwecken. Das anerkannte Hausmittel. In jedem besseren Geschäfte erhältlich. Aber verlangen Sie ausdrücklich „DIANA" und nehmen Sie nur „DI A N AM. Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurückzuweisen. r Simottsbrot nod) immer unerreicht als ®ejunbheit§» unb ßtaft* brot. 8ieid) an ben fo mistigen Wäf)tfal$ett. Sefjr bequem: StmonSbroNS^mttenpätfcfoen in Stanniol, grüebienbrot: 2Iufbauunb $)arm-9iegitlator. ßu ijaben in $etnfoftb,anbluna,en unb Dielen S3äc£ereieit. Vjstmonäbrotfabrif ffliert-ftagran 56. Sägt. Sßoftoerj.^ Einrechnung der jüdische Prozentsatz bloß 11,1 ausmachen würde. Im Jahre 1923 machen die Juden 14 Prozent der Gesamtbevölkerung aus, im Jahre 1924 15,2, im Jahre 1925 17,8, im Jahre 1926 18,3 Prozent. Bloß in den Jahren 1926 und 1927 zeigt sich im Zusammenhang mit den Rückwirkungen der sogenannten 4. Alijah ein Rückschlag auf 18,1 Prozent. Im Jahre 1929 steigt der Prozentsatz auf 18,4, im Jahre 1930 auf 18,6 Prozent. Wenn man hier die wandernden Beduinen berücksichtigt, ferner die nichtregistrierten Araber aus Transjordanien, die illegalen arabischen Einwanderer aus den Nachbarländern und die jüdischen, im Land verbliebenen Touristen, ergibt sich für Ende 1933 folgendes Bild: Gesamtzahl 1,178.434, davon 243.881 Juden; daher jüdischer Bevölkerungsanteil 20,7 Prozent. Wenn wir die wandernden Beduinen und die aus den palästinensischen Nachbarländern einströmenden, nicht seßhaften Araber außer acht lassen, so ergibt sich die Tatsache, daß die jüdische Bevölkerung Palästinas 22 Prozent der allgemeinen Bevölkerung beträgt. Der neue Einwanderungsdirektor Aus Jerusalem: Der Vize-Generalsekretär der Palästina-Regierung, Erik Mills, übernimmt am 27.März das Amt des Direktors des Immigrationsdepartements. Der bisherige Leiter A. M. Hayson wird in den ersten Apriltagen Palästina verlassen. Ein neuer Militärkommandant für Palästina Aus Jerusalem: Oberstleutnant H. O. Curtis wurde mit Wirkung vom 1. April 1934 zum Kommandeur der englischen Truppen in Palästina ernannt. Oberstleutnant Curtis, der 45 Jahre alt ist, diente in den ersten zwölf Monaten des Weltkrieges in Frankreich und Flandern, dann bis zum Ende des Krieges im Nahen Osten. Verhaftete Arbeiter im Hungerstreik. Aus Jerusalem: Die anläßlich der Zusamm&n« stöße mit Revisionisten in Rechoboth als „Streikposten" zu längerer Zwangsarbeit verurteilten zehn jüdischen Arbeiter der sozialdemokratischen „Histadruth" wurden in das Jerusalemer Gefängnis überführr, wo man sie zur Ausführung schwerer Arbeiten zwang. Zum Protest gegen die Zwangsarbeit traten alle zenu Häftlinge in den Hungerstreik. * Das Gericht in Haifa verurteilte weitere vier Mitglieder der Histadruth aus Che der ah zu je 10 Pfund Geldbuße oder je einem Monat Gefängnis wegen Widerstandes gegen die Polizeigewalt anläßlich des letzten Arbeitskonfliktes in Chederah. 14 bereits früher zu gleichen Strafen verurteilte Histäflruth-Mitgüeder aus Chederah wurden durch das Berufungsgericht gegen Leistung einer Kaution in Freiheit gesetzt. 460 Advokaten in Palästina Aus Jerusalem: Nach einer soeben herausgegebenen Statistik praktizieren gegenwärtig in Palästina 460 Advokaten, unter ihnen über 200 Juden. Eine Dizengoff-Straße in Tel-Awiw Aus Tel-Awiw: Anläßlich des 72. Geburtstages des Bürgermeisters von Tel-Awiw wurde eine Straße in einem der neuen Stadtviertel Dizengoff-Straße benannt. Die Straße verläuft quer durch die Stadt bis zum Yarkon-Ufer und nimmt vom Dizengoff-Platz ihren Ausgang. Palästina-Patenschaften amerikanischer Frauen Aus Boston: Die Frauengruppe des Palästiua- Campaign in New England hat 250 Patenschaf ten für jüdische Kinder aus Deutschland, die in Palästina untergebracht werden sollen, übernommen. Der Patenschaftsbeitrag beträgt für jedes Kind 80 Dollar. Auf diese Weise soll ein Betrag von ZO.OfrO Dollar für die Aktion zur Ueberführung jüdischer Kinder aus Deutschland nach Palästina aufgebracht werden. Andere Frauengruppen wollen diesem Beispiel folgen. Der jüdische Weltkongreß Aus Paris: In den nächsten Tagen erscheint — zunächst in deutscher Sprache, .de Uebersetzungen in anderen Sprachen werden folgen — aus der Feder von Dr. Nahum Goldmann eine Broschüre unter dem Titel „Der Jüdische Weltkongreß. Seine Aufgaben und Ziele". Sie umreißt in knapper Form die historische Entwicklung des jüdischen Volkes in den letzten Jahren, die Aufgaben einer gesamtjüdischen Vertretung und die Ziele, die einer Institution wie dem Jüdischen Weltkongreß durch die Situation der jüdischen Gesamtheit vorgezeichnet sind. Dr. Goldmann geht a*ch auf das Verhältnis des Jüdischen Weltkongresse zu den großen jüdischen Organisationen ein und führt den Nachweis, daß der Jüdische Weltkongreß, auf demokratischer Grundlage zustandegekommen und die Gesamtheit der Juden, unbekümmert um ihre Schichtung und ihre jüdisch-politische Richtung, zusammenfassend, eine Einrichtung sui generis sein soll, bestimmt, für dai jüdische Volk eine wahrhaft legitime Vertretung nach innen und außen zu ««baffen.