Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 353 (30.3.1934)
- Date
- 1934-03-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE NEUE WELT Nr. 363 INOPROGRÄMME DIMER WOCHE I, Wollzeile 17 Tel. R-24-2-16 REUZ-KINO Vom 31. März bis 5. April 1934: Cbdl B. de Miltes Meislerwerk „Die eiserne Faust« Sonn- und wochentags: 4, 5.45, 7.30, 9.15 Uhr SCHWEDEN-KINO V^^sSi Vom 3;. März bis 5. April 1934: Lubitsch-Premiare Amor am Scheideweg Beginn wochentags: 4,-45, 7, V.10 Uhr, Sonntags ab 3 Uhr geführt gegen 441.000 Schilling im Jänner 1933. Wenn man weiter in Betracht zieht, daß Oesterreich kaum um 200.000 Schilling Waren pro Jahr bisher aus Palästina bezieht, so ist daraus zu ersehen, wie wichtig es für Oesterreich wäre, alle? zu tun. um die Beziehungen zu Palästina zu pflegen. Leider ist das nicht in ausreichendem Maße der Fall. Während fast alle europäischen Staaten mit größerer Industrie auf der Levante-Messe eigene Pavillons eingerichtet haben, fehlt der österreichische Pavillon. Das ist eine bedauerliche Unterlassung. Im Interesse der Industrie und des Handels Oesterreichs wäre eine stärkere Orientierung Oesterreichs zu Palästina zu wünschen. Der König empfängt eine jdische Deputation Aus Brüssel: König Leopold III. von Belgien empfing eine Deputation des belgischen Judentums, die ihn zu seiner Thronbesteigung beglückwünschte. Der König erklärte, er sei erfreut über diese Loyalitätskundgebung der jüdischen Bevölkerung Belgiens. König Leopold übernahm das Protektorat über den belgischen Pavillon auf der F r ü ü- Jahrs - Levantemesse in Tel-Awiw. V®n des» Judenstaatspartes in Paiä§tiaia Aus Tel-Awiw wird uns geschrieben: In der Vorwoche wurde hier die Landeskonferenz der Judenstaatspartei abgehalten, an welcher 102 Delegierte aus allen Teilen des Landes teilgenommen haben. Herr J. Rosow eröffnete die Konferenz und begrüßte die vielen neuen Olim von der Judenstaatspartei, als Zeugen der Entwicklung der Judenstaatspartei in der Galuth. Besonders herzlich hieß er Herrn Meir Großman willkommen, der nach Palästina gekommen, um die Bewegung hier zu leiten und zu organisieren. In seinem umfassenden Referat über die Lage der Bewegung in der Galuth und über ihre gegenwärtigen politischen Aufgaben ging Herr Meir Großm a n auf die Einzelheiten des politischen und wirtschaftlichen Programms ein und besprach die besondere Mission der Judenstaatspartei in der Zionistischpn Organsation. Die Lage des jüdischen Volkes und der zionistischen Bewegung erfordert die Bildung eints starken, nationalen Zentrums, welches über die Angelegenheiten der Nation, über die nationale Disziplin zu wachen und für den Großzionismus zu kämpfen hat. Herr B. Weinstein referierte über die Aufgaben der Partei in Palästina, über die bevorstehende Tagung der Assefath-Hanhvcharlra (Jüdischer Nationalrat), über die Vorbereitungen zur Gründung der nationalen Arbeiterorganisation und über die Vorgänge um den Arlosoroff-Prozeß. Der Redner betonte, daß eine Partei, deren Macht auf dem Klassenhaß beruht, in einer ur>ucn Leitung der Zionistischen Weltorganisation keinen Platz hat. Die nationalen Kreise sahen di^ Gefahren ein, welche dem .jüdischen Palästina drohen. Ein nationales Zentrum, welches die Leitung übernehmen muß, ist eine Lebensfrage des Zionismus geworden. Herr L i c h t h e i m besprach politische Fragen und stellte fest, daß das politische Programm, welches vor einigen Jahren von der Opposition aufgestellt wurde, In seinem Umfang bestätigt erscheint. Infolge des wirtschaftlichen Aufschwunges übersieht der Jischuw die politischen Gefahren, die immer größer werden. Die Absichten der Palästina-Regierung treten immer klarer zutage. Daher ist die Zionistische Organisation verpflichtet, einen großen Kamp? für den politischen Zionismus zu führen. Zu diesem Zwecke muß die Opposition die Organisation erobern und ih-e Leitung übernehmen. Die jetzige Leitung, wt'rhe ihre Wahl einer Zufallsmajorität verdankt, muß abtreten. Herr A. Sehn eider man referierte über E i nw ander ung und Arbeit und legte der Konferenz ein diesbezügliches praktisches Arbeitsprogramm vor. Er betont'; die Notwendigkeit, eine Arbüitskammcr zu gründen, solange die nationale Arbeiterorganisation nicht geschaffen ist. Die •Vudenstuatspv.rtel ist an ihr sehr interessiert. Aber er; muß deutlich betont werden, das eine Organisation nationaler Arbeiter alle nationalen Arbeiter vereinigen und auf unparteiischer Basis aufgebaut werden muß. Dr. Samonski referierte über Jugendarbeit nnd kritisierte die Erziehungssysteme der verschiedenen zionistischen Jugendorganisationen. Der Haß, welcher zwischen verschiedenen Jugendorganisationen herrscht, bedroht das jüdische Palästina sehr schwer. Der „B r i t h Hakanal rn" beabsichtigt, die Jugend auf Crund eines ganz anderen Systems zu organisieren und zu erziehen. Daraus soll aber nicht geschlossen werdet:, daß die „Barkaim" auf Ueberfälle und Angriffe scnt;:s der Gegner nicht entsprechend reagieren werden. Aber das darf nicht zur Hauptsache werden. An der Generaldebatte beteiligten sich die Herren Eosovv, Kutzeuok, Kleinman, Dromi, Bernstein usw. In verschiedenen Resolutionen wurde festgestellt: 1. Die antizionistische Politik der Mandatsmacht hat Ihren kräftigsten Ausdruck seitens der gegenwärtigen Palästina-Regierung gefunden. 2. Die Pläne und die täglichen Handlungen der Mandatsregierung in Sachen der Einwanderung und der Touristik und ihre Absichten bezüglich der Aenderungen in der politischen Verwaltung drohen die Anstrengungen des j ü d 1 s c h e n Volkes Illusorisch zu machen. 3. Die Schwäche und ewige Kompromißbereitschaft der leitenden zionistischen Stellen beweisen, daß sie in Ihrer gegenwärtigen Zusammenstellung und zufolge Ihres politischen und wirtschaftlichen Systems den lebensnotwendigen Aufgaben der zionistischen Bewegung und des jüdischen Jischuw nicht gewachsen sind. Im Sinne dieser Feststellung erachtet es die Konferenz für geboten, daß die gegenwärtige Exekutive bei der bevorstehenden Sitzung des Zionistischen A. C. ihre Demission zu geben hat. Das A. C. soll die Einberufung eines Zlonlstenkongresses beschließen, welcher die verschärfte innere und äußere Lage zu prüfen und die vergiftete Luft im Jischuw und im Zionismus zu reinigen hat. Bis dahin soll das A. C. eine provisorische Exekutive einsetzen. Weiters wurden Resolutionen gegen den Beschluß der Exekutive, den „BctarinV* keine Zertifikate zuzuteilen, in Angelegenheit des A r 1 o s oroff-Prozesses und des Boykotts gegen Hitler-Deutschland angenommen. Dann wurden folgende Herren in das Zentralkomitee gewählt: Rosow, Dr. Soskin, Lichtheim, Weinstein, Jewserow, Kornfeld, Dagan, Jermanowitz, Schalit, Kleinman, Schneiderman, Jardln, Guszman. Eine Rede Großmans beschloß die erfolgreiche erste ordentliche Landeskonferenz der Judenstaatspartei Palästina«. Versammlungen der Judenstaatspartei •Oesterreichs In den letzten Tagen veranstaltete die „Jude nstaatspartei" in Wien eine Reihe gut besuchter Versammlungen. In der Brigittenau sprach Dr. Z wi Kanner über „Antisemitismus — Zionismu s", in Favoriten der Obmann Oberbaurat Ing. Robert Stricker über „Jüdische Weltlage und Paläst i n a". Der Besuch der Versammlungen zeigte, daß die .Tucienstaatspartei in Wien auf dem besten Wege ist, sich den ihr gebührenden Platz in der jüdischen Gasse zu sichern. Eine große Zahl von Neuanmeldungen war das Resultat. — Donnerstag, den 22. d., veranstaltete die Chaluzorganisation der Judenstaatspartei, der „H echaluz Haleum i", eine ausgezeichnet besuchte Jugendwerbeversammlung. In zündender Rede warb Dr. K a n n e r um die jungen Seelen. Er ermahnte sie, nicht fremden Idealen nachzujagen, sondern mitzuhelfen, den Judenstaat aufzubauen und so die Zukunft unseres Volkes zu sichern. Der zweite Redner, Obmann des Hechaluz Haleumi, Theodor Grubner, setzte in seinem Referat über Hachscharah und Alijah die Notwendigkeiten der geistigen und physischen Vorbereitung der jüdischen Jugend im Sinne Theodor Herzls für Erez Israel auseinander. Er bekämpfte die destruktive Tätigkeit der klassenkämpferischen „Histadruth", die Haltung ihrer Förderer unter den Allgemeinen Zionisten und die in reiner Demonstration sich erschöpfende Politik der Revisionisten. Er lud die zahlreich erschienene jüdische Jugend ein, die Reihen des Brith Hakanaim, der Judenstaatsjugend und des Hechaluz Haleumi zu stärken. — Der Erfolg war durchschlagend. Eine bedeutende Anzahl junger Menschen trat der Jugendorganisation bei. Das Welttreffen des Brath Trumpeldor verboten Die Weltleitung des revisionistischen Brith Trumpeldor hat für Ende Juni 1934 ein Treffen der Brith-Trumpeldor-Gruppen verschiedener Länder nach Zaleszczyki in Ostgalizien einberufen. Mit dem Treffen hätten große Geländeübungen und Paraden verbunden sein sollen. Die nationaldemokratische Fraktion im polnischen Sejm hat sich, wie wir bereits gemeldet haben, gegen diese Veranstaltung in einer Interpellation an die Regierung gewandt, in der das Treffen des Brith Trumpeldor als eine Gefahr für den polnischen Staat hingestellt wurde. Nunmehr wurde die Leitung des polnischen Brith Trumpeldor von der polnischen Regierimg verständigt, daß das Treffen in Zaleszczyki nicht abgehalten werden könne. Dies wird Vinter Hinweis auf die Interpellation der Nationaldemokraten damit begründet, daß im Herbst in Polen Kommunalwahlen stattfinden, wobei zu befürchten sei, daß die Nationaldemokraten das Treffen des Brith Trumpeldor zu einer neuen Hetze gegen die Regierung und die Juden ausnützen könnten. Ankunft in Palästina. Nach soeben eingelangtem telephonischem Bericht ist die Reisegesellschaft des Reisebüros Compass Tours, die am 1.9. März nach Palästina abgereist ist, dortselbst glatt und glücklich gelandet. Nächste Reisen; 17. April und 30. April. Gnädige Frau! Idi baue Ihrem alten Kadielofen einen tadellosen Kamin mit Dauerbrandeinsatz „IRE" oder „WDR". ~ Audi Wandverkleidungen sowie sämtliche Hafnerarbeiten werden billigst ausgeführt Emil Schönweiler/ V/ Grohgasse 13 Telephon Nr. A-35-9-30 Lieferant der Israelitischen Kultusgemeinde Aus HitlerffDeufsdriand Aus Berlin: In einem Bericht des „Völkischen Beobachters" Uber die in Kassel eröffnete Ausstellung „Die Frau im nationalsozialistischen Volksstaat" wird die Bedeutung der Abteilung ,,Blut und Rasse" auf dieser Ausstellung besonders hervorgehoben. Der „Völkische Beobachter" schreibt; „Dann stehen wir vor Bildern der Rassenschänder und Rassezersetzer. Stehen wir vor den Photographien der Juden .Liebknecht', .Moissi', .Rathenau', .Lenin' und .Trotzki' und wie sie sonst noch alle heißen mögen, die entthronten Politiker, Künstler und Intellektuellen. Gedanken kommen: So etwas hat nun Deutschland beherrscht?! Die Beschauer haben nur noch ein Kopf schütteln! Sie vertiefen sich nicht in diese Bilder. Jenen Typ lernten sie hassen und verachten." Liebknecht, Moissi und Lenin sind zwar waschechte Arier. Aber der „Völkische Beobachter" nimmt so etwas nicht allzu genau. * Aus Berlin: Wie der „Bau-Kurier" mitteilt, müssen in Zukunft sämtliche Bauunternehmer, die sich an öffentlichen Ausschreibungen beteiligen wollen, Nachweis ihrer arischen Abstammung beibringen. Ohne diesen Nachweis ist es nicht mehr möglich, öffentliche Arbeiten zu bekommen. * Aus Nürnberg: Die Bezirksgruppe Aschaffenburg der A d e f a, Arbeitsgemeinschaft deutscher Fabrikanten der Bekleidungsindustrie, hat, laut „Aschaffenburger Zeitung", beschlossen, ab 1. April 1934 keine Offerten von nichtarischen Vertretern oder Fabrikanten anzunehmen. Aus Berlin: Auf einer Führertagung des Reichsverbandes deutscher Makler (Handelsagenten), die auf Burg Ranis in Thüringen stattfand, wurde mitgeteilt, daß ein Verfahren in Vorbereitung sei, das unter anderem den Nachweis der arischen Abstammung für Mitglieder vorsehe. In den Reden wurde zum Ausdruck gebracht, daß nur derjenige ein guter Makler sein könne, der ein guter Nationalsozialist sei. Was die Hitler*lugend singt Aus Saarbrücken: Die „Deutsche Freihoit** bringt Auszüge aus einem soeben im offiziellen „Verlag für nationalsozialistische Volksliteratur" erschienenen „Hitler-Jugend-Liederbuch" für die Zehn- und Zwölfjährigen. Das Buch enthält folgende Verse: „Wer ist eure Hoffnung bei Tag und bei Nacht, Wer schützt euch vor Judas Scharen V . . . .'• „Viele Jahre zogen dabin, Geknechtet das Volk und betrogen; Verräter und Juden hatten Gewinn, Sie fordern Opfer Legionen . . . Deutschland erwache! Juda den Tod! Volle ans Gewehr!" „Nach Berlin, da wollen wir hinein, Der Jude soll unsere Kräfte spüren, Am Wege wilde Rosen blüh'n, Wenn die Hitler-Jugend zieht nach Berlin." Rassenkunde auch für jüdische Studenten Aus Karlsruhe: In einem Erlaß des badischen Ministeriums für Kultus, Unterricht und Justiz wird bestimmt, daß jeder Student einer badtschen Hochschule im Laufe seines Studiums gewisse Pflichtvorlesungen, darunter eine mindestens einstündige Vorlesung über Rassenkunde, zu besuchen hat. Das heißt, daß sich die jüdischen Hörer jede Woche eine Stunde hindurch in unflätiger Weise beschimpfen lassen müssen. hre schönste Fahrt nadi PALÄSTINA mit unserer Gesellschaftsreise zur Levantemesse f Pfingsten und das entzückende Erstüngsfest in Haifa a) am 14. April mit dem Luxusdampfer „Ausonia" Triest—Haifa und zurück; b) am 2. Mai mit der „Vulcania" (24.000 Tonnen) Neapel—Haifa und zurück. Preise je nach der Kombination ab ö. S. 930.—. Für Einzelreisende Schiff- und Bahnkarten. Anmeldungen und Auskünfte: NORDISCHES REISEBÜRO (Palästina-Abteilung: Reiseleitung) N. M. Hacker Wien, I., Seilergasse 3 (Ecke Graben- Stephansplatz), Telephon R-25-0-92, Prospekte und Offerte zur gefälligen Verfüguafi Jederzeit genaue Information«*,