Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 353 (30.3.1934)
- Date
- 1934-03-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 353 Das hebräisdie Schulwesen i'n Polen in katastrophaler Lage Iii Aus Warschau: Ab Montag, den 26. März, sind in ganz Polen die von der Schulorganisation „Tarbuth" unterhaltenen Schulen mit hebräischer Unterrichtssprache wegen Mangels an Mitteln geschlossen worden. Mehr als 200 Schulen mit etwa 1200 Lehrern und 40.000 Kindern feiern. Die ISIEGN. KORNMEHL GROSSFLEISCHHAUEREI Zentrale: IX.. Berggas.se 19, Tel. A-17-3-99 u. A-lft-9-54 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für ■^^^■Fleisch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr. Kultusgemeinde Wien Autozustellung kostenlos;: IX. Berggasse 15 / XVII»., Währingerstr. 97 Lehrer hatten seit mehreren Monaten ihr Gehalt nicht bekommen, vielen Schulen wurden die Räumlichkeiten wegen Nichtzahlung der Miete gekündigt. Die fortschreitende Verarmung der jüdischen Massen brachte es mit sich, daß die Schulgelder nur in minimalem Umfang eingingen, die jüdischen Gemeinden und das Joint Distribution Committec waren nicht in der Lage, Subventionen im früheren Umfange zu leisten. Das Zentralkomitee von Tarbuth wandte sich an das gegenwärtig in Jerusalem tagende zionistische Aktionskomitee mit der dringenden Bitte, gemäß dem Beschluß des Präger Zionistenkongrcsses dem vom Untergang bedrohten hebräischen Schulwesen in Polen finanziell zu Hilfe zu kommen. Gleichzeitig wurde die jüdische Gesellschaft zur Hilfe aufgerufen. Die Schließung der Schulen erfolgte auf Drängen der Lehrer als ein Ausdruck des Protestes gegen die Leitung der Zionistischen Weltorganisation wegen ihrer Gleichgültigkeit gegenüber dem Erziehungswerk von Tarbuth. Hitler sudit jüdisches Kapital ♦ ♦ ♦ Aus Paris: Unter der Ueberschrift „Doppelte Warnung" schreibt das „Pariser Tageblatt": Der Kapitalmangel in Deutschland treibt sonderbare Blüten. Die Hitler-Propagandisten bemühen sich nicht bloß, der Welt einzureden, daß den Juden im Dritten Reich gar nichts geschehe, sondern sie versuchen auch mit vieler Ueberredungskunst, reiche Juden ausfindig zu machen, um sie zu überreden, ihr Kapital wieder an Deutschland zurückzubringen. Zu diesem Zweck werden jüdische Schlepper bezahlt, die ihre Opfer bearbeiten. Wenn die Opfer genügend weichgeknetet sind, aber noch mißtrauisch bleiben und den verheißungsvollen Versprechungen nicht recht glauben wollen, treten Inspektoren der Deutschen Reichsbank in Aktion, die sich anscheinend zu diesem Zweck in Paris aufhalten. Wahrscheinlich wird es in anderen Emigrationszentren ebenso gehandhabt. Diese Reichsbankinspektoren besiegen durch ihre amtliche Bestätigung den letzten Rest des Mißtrauens, soweit der Delinquent nicht ganz unheilbar ist. Welche Versicherungen die Reichsbankbeauftragten den von ihnen bearbeiteten Kapitalisten gegen die A bwertung der Mark geben, wissen wir nicht, dagegen scheint denen, die mit ihrem Gelde nach Deutschland zurückkehren, gar nicht immer Zeit gelassen zu werden, bis zum Verfall der Mark zu warten. Einem süddeutschen jüdischen Bankier, der im Vertrauen auf die ihm gemachten Versprechungen sein Geld aus der Schweiz nach Deutschland zurückkommen ließ und selbst dorthin zurückkehrte, ist das Vermögen in Deutschland beschlagnahmt worden. Das „Pariser Tageblatt" verbürgt sich für die Richtigkeit der von ihm mitgeteilten Tatsachen. Gegen die Hitlerpropaganda in II» §♦ A* Aus Washington: Der Antrag des Abgeordneten Samuel D i c k s t e i n, eine parlamentarische Untersuchung über die Hitler-Propaganda in den Vereinigten Staaten durchzuführen, wurde im Repräsentantenhaus mit 168 gegen 21 Stimmen angenommen. Die kleine Oppositionsgruppe erklärte, nur deshalb gegen die Untersuchung zu sein, weil sie die Gefahr diplomatischer Verwicklungen in sich birgt. Es gelang Dickstein nachzuweisen, daß die Hitler-Regierung eine Art G eheimpolizei in Amerika unterhalte, die versuche, 12 Millionen Deutschamerikaner zu zwingen, der „Gesellschaft der Freunde des neuen Deutschlands", einer g etarnten Nazi-Organisation, beizutreten, indem sie ihnen im Weigerungsfalle androhe, ihre in Deutschland gebliebenen Verwandten allen möglichen Verfolgungen auszusetzen. Der Terror gegen die Juden im Saargebiet Aus Paris: Gegen die Juden im Saargebiet, deren Zahl, die seit Beginn des Hitler-Regimes Zugereisten eingerechnet, auf mehr als 7000 geschätzt wird, wird ein scharfer Terror ausgeübt. Parteigänger des Nationalsozialismus rufen den Juden bei jeder Gelegenheit zu: „Es kommt 1935!" (Das Jahr des Plebiszits, in welchem mit den Juden abgerechnet werden soll.) Auch wirtschaftlich wirkt sich der nahende Volksabstimmungstermin aus: christliche Käufer, die von Juden Waren auf Kredit erhielten, und sonstige christliche Schuldner jüdischer Gläubiger haben die Zahlungen eingestellt, weil sie hoffen, daß nach dem Rückfällen des Saarlandes an Deutschland sie sich ihrer Gläubiger werden entledigen können. Die jüdischen Kinder in den Schulen haben viel seitens ihrer Mitschüler und Lehrer auszustehen. Indessen enthalten sich die Juden jeder Beschwerde. Es ist kaum zu verstehen, daß die vom Völkerbund eingesetzte Regierungskommiasion dieses Treiben duldet. Ritualmordhetze in Litauen Aus Kowno: Antisemitische Vereinigungen in Litauen nehmen das herannahende Pessachfest zum Anlaß, eine verstärkte judenfeindliche Propaganda zu entfalten. Eine Plugschrift, in der das Märchen vom jüdischen Ritualmord von neuem aufgetischt wurde, war in großen Massen hergestellt worden. Eine Abordnung des jüdischen Frontkämpferverbandes hat bei der Regierung auf die Gefahren dieser Hetze hingewiesen. Daraufhin wurde die polizeiliche Beschlagnahme der Broschüre verfügt, bevor sie noch zur Verbreitung gelangte. * Die litauischen Behörden haben die Einfuhr und die » Verbreitung von Hitlers „M ein Kampf" auch für die | Zukunft verboten und dabei betont, daß das Buch! keinerlei wissenschaftlichen, sondern einzig einen tendenziös-agitatorischen Charakter trage; seine rassetheoretische Lehre sei nicht ernst zu nehmen. Hechaluz Haleumi £^ Verein zur Förderung der Palästina-Wanderung Einladung zu dem am Sonntag, den 1, April 1934, in den Festsälen Hotel National, Wien II, Taborstraße 18 stattfindenden Tanzabend mit reichhaltigem Programm Beginn: 8 Uhr abends Entree S 1.50 Allzu kurze Liebe ♦ ♦ ♦ Aus Warschau wird gemeldet: Unter den nicht jüdischen Arbeitern der großen Lodzer Textilfabriken macht sich von je eine scharfe Opposition gegen die Beschäftigung jüdischer Arbeiter geltend. Vor kurzem kam es in der jüdischen Textilfabrik Eitingen & Schwefus in Lodz zu einem ernsten Zusammenstoß, als die christliche Arbeiterschaft die Entlassung neu aufgenommener jüdischer Arbeiter forderte. Der jüdische Arbeiter Mordechai Hochstein wurde von den polnischen Arbeitskollegen durch Schläge derart zugerichtet, daß er schwer verletzt in das jüdische Hospital überführt werden mußte. * Anm. der Red. Wir haben in der letzten Nummer über einen Aufruf der polnischen Sozialdemokratie (P. P. S.) gegen den Antisemitismus berichtet, Aus Furcht vor dem Faschismus, welche durch das letzthin geschlossene polnisch-deutsche Bündnis verstärkt wurde, hat die bisher antisemitisch eingestellte P, P. S. zum Bündnis mit den Juden aufgefordert. Wie aus obiger Warschauer Meldung zu ersehen ist, hat die plötzlich erwachte Neigung der P. P. S.-Leute zu den Juden ein allzu rasches Ende gefunden, Ausfuhr jüdischen Kapitals mit Verlust von 26 Prozent Aus Berlin: Die Reichsdevisen bewirtschaftungssteile veröffentlicht neue Bestimmungen für Kapitalsausfuhr durch Personen, die endgültig Deutschland verlassen. Ein Emigrant muß sein Vermögen der Uolddiskontbank in Berlin übergeben, die ihm den Gegenwert in Obligationen oder Auslandswährung zur Verfügung stellt. Will er dann sein Kapital im Ausland realisieren, so muß er sich mit einem Verlust von m i ndestens 26 Prozent abfinden; die Differenz kommt der deutschen Währungsbank zugute. Die neuen Bestimmungen bezwecken eine Erleichterung der Aus- Ei ist verboten/ Geld zu verschwenden. Mehr denn je muß jeder in der heutigen Zeit jeden Groschen richtig verwenden. Sparen heißt nicht immer, auf diese oder jene wichtige Anschaffung zu verzichten. Durch günstigen Einkauf sparen , . . das ist das Richtige. Für das Osterfest, für die schöne Jahreszeit muß man für Mann, Frau und Kind Mäntel, Kleider, Schuhe und Hüte besorgen. Sparsame kaufen jetzt alles im bekannten und bewährten „Warenhaus der Sparsamen", bei Schiffmann. Beachten Sie im Inserat auf Seite 7 den kleinen Auszug der vielen großen Kaufgelegenheiten für Ostern. Diese Preise beweisen, wie ungewöhnlich billig Schiffmann-Qualitätswaren jeder Art sind. Auch alles für Küche und Heim, für Sport und Ausflug kaufen Sie besonders preiswert bei Schiffmann, II., Taborstraße 48. Proyinzversand per Nachnahme. M Neueröffnung Strandhotel Tel-Awiw I 1 2, ALLENBV HO AD Besitzer: Dr. Berschak und Hans Boehm Das Haus mit modernstem Komfort. Badestrand unmittelbar am Hotel. Kaltes und warmes Wasser in jedem Zimmer. Bäder. Liegeterrassen/ schönster Bilde auf JAFFA, Meer und Strand. Feinste koschere Küche, sorgfältigste Bedienung, mäßige Preise. — Hotelauto am Hafen und Bahnhof. PAG NÄCHSTE PALÄSTINAREISEN ab Wien 10. April, 24. April //. Kl. Schiß, JH. KL D-Zug, 75 Tage Verpflegung nur S 440.—, detto, jedoch I. Kl. Schiff S 560.—. Besuch aller Mittelmeerländer! Prospekte und Auskünfte: PAG, r. Gen. m. b. H„ Wien VI, Capistrangasse 2, Tel. B-25-3-81 wanderungvonJuden und enthalten die Bedingung, daß ein Jude, der auf diese Weise mit seinem Kapital ausgewandert ist, nie htmehr nachDeutschland zurückkehren darf. Die Bestimmung, daß naen Palästina auswandernde Familien je 1000 englische Pfund mitnehmen dürfen, bleibt hiervon unberührt; v/ill aber ein Palästina-Wanderer mehr als 1000 Pfund ausführen, so muß er sich ebenfalls mit einem 26prozentigen Verlust des zusätzlich eingeführten Kapitals abfinden. Verschärfung der Budenfrage in Rumänien Aus Bukarest: Die Anträge der einzelnen Hochschulgruppen zu dem vom 25. März bis 28. März in T u r n u Severin stattfindenden Studentenkongreß werden jetzt bekanntgegeben. Die J a s s y e r Gruppe fordert den Numerus clausus für jüdische Hochschüler, die Czernowitzer Gruppe geht darüber hinaus und fordert den Numerus clausus auch für Juden an den Mittelschulen, die Gruppe von Temesvar fordert endlich den Numerus clausus auch für Juden in den Berufen. Andere Hochschulgruppen reichten Anträge ein, die sich mit der „nationalen Gefahr" und der politischen Orientierung der Studenten befassen. Der Direktor der Zeitung „Curentul", Pomfil Seicaru, hatte Anfang März Fragebogen an Angehörige der Freien Berufe und an Beamte versandt, mit dem Ersuchen, sich zur Frage „U.eberfremdung", d. h. der Zurückdrängung der „rumänischen Vollbürger'* durch Angehörige der Minderheitsnationen, zu äußern. „Currentul" teilt nun mit, daß auf die versandten 160.000 Fragebogen sehr zahlreiche Antworten eingelaufen seien, die ein Material zur Klärung der Frage der „nationalen Arbeit" und des „Erwachens der rumänischen Nation" ergeben werden. Beide Aktionen, die des „Curentul" und die des Studentenkongresses, beweisen, daß Kräfte am Werke sind, um die Judenfragc in Rumänien zu verschärfen. Die Regierung hat das im Jänner erlassene Verbot des Studentenkongresses, das damit begründet war, daß nicht neue Unruhe ins Volk getragen werden solle, wieder aufgehoben. Auch fällt es auf, daß das Blatt des Radauantisemiten Cuza, die hakenkreuzgeschmückte „Apararea National a", nach längerem Verbot wieder erscheinen darf. Jedenfalls steht das Verhalten der Regierung im Gegensatze zu judenfreundlichen Reden, welche die Minister in der letzten Zeit im Parlamente gehalten haben. Eine frohe Botschaft. — Pessach in derCafe- Confiserie Neumann. Genau so wie im Vorjahr, hat sich der Inhaber der Cafö-Confiserie Neumannt Herr Karl Neumann, auf Wunsch seiner zahllosen Kunden entschlossen, seine Lokalitäten am Pessach feste offenzuhalten. Es sei hiemit allen jüdischen Kreisen mitgeteilt, daß Herr Neumann dem jüdischen Ritus, dem Kaschruth entsprechend, seinen Betrieb für volle 8 Tage, so wie im Vorjahr, trotz der hohen Spesen umgestellt hat. Wie wiederholt, so sei auch diesmal darauf hingewiesen, daß Herr Neumann — wohl der einzige Jude in Oesterreich — zur Herstellung seiner Erzeugnisse ausschließlich Palästina-Produkte verwendet. Ein Besuch bei Neumann heißt somit Fördorung von Tozercth Haarez — einen Beitrag leisten für Erez Israel. Wir halten es daher für unsere Pflicht, Herrn Neumann in seinem nachahmenswerten Bestreben zu unterstützen, und machen die jüdische Oeffentlichkcit auf <Uo C a f 6- C o n f i s e r i e Ncuman n, die sich im Zentrum, Wien, II, Gredlerstraße 2, befindet und eine Sehenswürdigkeit Wiens darstellt, aufmerksam. Waren werdon auch außer Haus geliefert. Tel. A-42-3-81. Im Kaffeesaloa liegen -sämtliche Tageszeitungen auf und ist derselbe -yoÄ 6 Uhr früh bis 1 Uhr nacht» geöffnet, ■