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Die neue Welt · 1934-03-30 · Heft 353 (30.3.1934) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 353 (30.3.1934)
Date
1934-03-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 353 ■IMBMMM. IHK NEUE WELT Seite S Theodor Herzl, der Prophet und Führer Vorbemerkung der Redaktion: Der Jüdische Verlag G. m. b. H., Berlin, veranstaltet jetzt eine Gesamtauagabe der zionistischen Werke Theodor Herzl s. Der 1. Band, Herzls „Zionistische Schrifte n", gelangt in diesen Tagen zur Ausgabe; er umfaßt 54 Aufsätze, Reden, Botschaften usw. Herzls, darunter 15 bisher nicht bekannte. Die Bände II bis IV enthalten Herzls Tagebücher, Band V das Schauspiel „Das neue Ghetto", den Roman „Altneuland" und Unveröffentlichtes aus dem Nachlaß. Der Subskriptionspreis für die Gesamtausgabc beträgt RM 3.85 für den kartonierten und RM 5.85 für den Ganzleincnband. Wir bringen nachstehend eine Reihe von Zitaten, die den fünf Bänden der Gesamtausgabe entnommen sind. Sie sind vor 30 bis 40 Jahren geschrieben... Prop hczeiungen! Die Judenfrage Die Judenfrage besteht. Es wäre töricht, sie zu leugnen. Sie ist ein verschlepptes Stück Mittelalter, mit dem die Kulturvölker auch heute beim besten Willen noch nicht fertig werden konnten. Den großmütigen Willen zeigten sie ja, als. sie uns emanzipierten. Die Judenfrage besteht überall, wo Juden in merklicher Anzahl leben. Wo sie nicht ist, da wird sie durch hinwandernde Juden eingeschleppt. Wir ziehen natürlich dahin, wo man uns nicht verfolgt; durch unser Erscheinen entsteht dann die Verfolgung. (1895.) Der Antisemitismus Ich glaube, den Antisemitismus, der eine vielfach komplizierte Bewegung ist, zu verstehen. Ich betrachte diese Bewegung als Jude, aber ohne Haß und Furcht. Ich glaube zu erkennen, was im Antisemitismus roher Scherz, gemeiner Brotneid, angeerbtes Vorurteil, religiöse Unduldsamkeit — aber auch, was darin vermeintliche Notwehr ist. Ich halte die Judenfrage weder für eine soziale, noch für eine religiöse, wenn sie sich auch noch so und anders färbt. Sie ist eine nationale Frage und um sie zu lösen, müssen wir sie vor allem zu einer politischen Weltfrage machen, die im Rate der Kulturvölker zu regeln sein wird. (1895.) Wachsen des Judenhasses Nach einer kurzen Pause des Aufatmens ist für uns moderne „emanzipierte" Juden wieder eine böse Zeit gekommen. Unter einem neuen Schlagwort ist der alte Haß abermals aufgetaucht, nicht nur in den barbarischen Ländern Asiens und Halbasiens, sondern auch in solchen, die man zivilisierte nennt. Ein Traum, eine Täuschung war es, daß wir glaubten, der Antisemitismus würde schwinden. Er ist gewachsen, er wächst. Gebiete erobert er sich, die ihm für immer verloren schienen, so Frankreich, das Dreyfus-Frankreich. (Februar 1898.) Eine Warnung Ich halte die Judenfrage für äußerst ernst. Wer da glaubt, daß die Judenhetze eine vorübergehende Mode sei, irrt schwer. Es muß aus tiefen Gründen immer ärger werden, bis zur unvermeidlichen Revolution. — Manche Juden glauben freilich, daß die Gefahr nicht mehr da ist, wenn sie die Augen zudrücken. (Aus einem Brief an Baron Albert Rothschild von 28. Juni 1895.) Die Staatsidee Niemand ist 3tark oder reich genug, um ein Volk roxi einem Wohnort nach einem anderen zu versetzen. Das vermag nur eine Idee. Die Staatsidee hat wohl eine solche Gewalt. (1895.) Vorahnung des Palästina-Mandats Ich werde wohl auch den Charter einmal in einem ganz unvorhergesehenen Augenblick bekommen — wenn überhaupt. Wenn wir ihn nämlich nicht erst nach der Teilung der Türkei von den Mächten bekommen werden. (Februar 1902.) Zwanzig Jahre vor der Balfour-Deklaration Ob es ein Tory oder ein Whig sein wird, der mit der Judenfrage auch ein Stück der Orientfrage zu lösen unternimmt, er wird das Werk eines Staatsmannes im großen Stile tun, und er kann sicher sein, daß die Welt, soweit sie zivilisiert ist, seinen Worten und Taten mit Teilnahme, vielleicht mit Bewunderung folgen wird. Von Anfang an war ich der Ansicht, daß eine diplomatische Initiative von England werde kommen müssen, weil England, wenn es — gleichsam in der Luftlinie — nach Indien blickt, Palästina streifen muß, und weil England heute noch eine gewisse „serenity" in der Auffassung der Judenfrage besitzt. (November 1897.). Keine Hoffnung auf einSchwinden des Judenhasses Eine demoralisierende und im Verhältnisse zu der zu lindernden Not geradezu lächerlich unzulängliche Wohltätigkeit wird von denjenigen versucht, die überhaupt ein Herz für ihre unglücklichen Brüder haben. Aber man heilt die große Krankheit, wie Heine sagte, nicht mit Rosenöl und Moschus. Gerade in den letzten Jahren hat es fürchterliche Tragödien des Judentums gegeben. Unseren jüdischen Widersachern könnten doch schon die Augen aufgehen, wenn sie Ereignisse miterleben, wie die Affäre Dreyfus, die Judenhetzen in Algier, Eheanbahnung sucht 25jähriger, kaufmännisch u. technisch gebildeter tschechoslowakischer ZlonUt mit hübscher, vermögender junger Dame. Selber verfügt Uber verläßliche Beziehungen in Erez Israel, beherrscht mehrere Sprachen, darunter hebräisch sowie englisch, und beabsicuaHSbaHfÄ||fgef, spezieller In* tigt, sich an j ' - DaläüiiMafi zu beteiligen, die gute AbsatzdUSlrie Palästinas mögHchkeTt im nahen Orient hätte. Nichtanonyme Zuschriften, unter Angabe der Mitgift, mit Lichtbild, welches returnlert wird, an die Verwaltung dieses Blattes unter „Kameraden füis Lebend die Ritualmord-Ausschreitungcn in Oesterreich, die jetzige schreckliche Krise in Rumänien, die Tausende nach dem Bettel- und Wanderstab greifen läßt. Und wer ist kühn oder kurzsichtig genug, um zu nehaupten, daß die Leidensgeschichte unseres Volkes zu Ende sei? Nein, wir müssen fort und fort gewärtig sein, daß auf neuen oder auf den alten Punkten Ausbrüche des Judenhasses erfolgen und die Zustände sich abermals verschlimmern. Um wieviel weiter könnten wir bereits halten, wenn alle opferwilligen Juden sich uns angeschlossen hätten! Je schneller sie zu uns kommen, um so schneller und wirksamer können wir bis ans Ziel vordringen. (5. Jänner 1900.) Voraussicht der Araber frage Die Funktion der Engländer ist grandios. Sie säubern den Orient, bringen Licht und Luft in die Schmutzwinkel, brechen alte Tyrannien und zerstören Miß brauche. Aber mit der Freiheit und dem Fortschritt lehren sie die Fellachen auch die Auflehnung. Ich glaube, die englische Schule in den Kolonien zerstört entweder Englands Kolonialherrschaft — oder sie begründet Englands Weltherrschaft. Eine der interessantesten Alternativen unserer Zeit, Man möchte in fünfzig Jahren wiederkommen, um den Ausgang zu sehen. (März 1903.) Anspruchsvolle Starkbärtige, Empfindliche, Eilige, nehmen nur die sanft-scharfe 1 __9 Zur Frage der Arbeit §besdiaf hing und Berufsumschuhtung Von Dr. A. Schmerler Die Lage der jüdischen Arbeitnehmer Unermeßlich ist die Not der aus ihren Berufen abgebauten und ausgeschalteten jüdischen Arbeitnehmer. Ihre Zahl steigt ununterbrochen. Vergebens suchen die Angehörigen des schwerbedrängten jüdischen Mittelstandes Arbeit am Verkaufspult und im Büro, um nur zur Ueberzeugung zu gelangen, daß die Suche aussichtslos und daß eine berufliche Umschichtung notwendig sei. Nicht anders ergeht es den jüdischen Arbeitnehmern, die Arbeit in der Fabrik, bei der Werkbank oder Maschine suchen. Zahlreiche jüdische Unternehmer müssen unter dem Druck der anhaltenden Wirtschaftskrise infolge der erschöpften Kapitalsreserven und der Ungewißheit der Dauer derselben ihre Unternehmungen liquidieren, wodurch nicht nur abgebaute Arbeiter und Angestellte, sondern auch deren Familienangehörigen auf dem Arbeitsmarkt als Arbeitsuchende erscheinen. Auch die infolge der Wirtschaftsnot verminderte Zahl der Eheschließungen vergrößert den Arbeitsmarkt durch die jüdischen weiblichen Angestellten. Angesichts der labilen wirtschaftlichen Lage, der Arbeitslosigkeit, der bestehenden Gewerbesperre und der rigorosen Neugestaltung der Gewerbeordnung können wir mit den gewöhnlichen Mitteln die Erwerbslosigkeit nicht überwinden. Bei der Arbeitsbeschaffung können wir nur solche produktive Hilfsaktionen ins Leben rufen, die eine Einordnung der jüdischen Erwerbslosen in das Wirtschaftsleben möglich machen. Produktive und manuelle Arbeit Jüdische Fabriksinhaber und Erzeuger müssen im Interesse unserer umschulungswilligen Arbeitnehmer in ihren Unternehmungen im Bedarfsfalle Arbeitsplätze zur Verfügung stellen und ihnen produktive Arbeit ermöglichen: denn die Frage der Volksumschichtung muß auch vom jüdischen Arbeitgeber gefördert werden. Jüdische Produzenten müssen im Hinblick auf die gegenwärtigen sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen auch jüdische Berufstätige als Heimarbeiter beschäftigen, denn unendlich groß ist die Zahl der arbeitswilligen Schneider, Schuhmacher, Wäscheerzeuger, Stricker usw. In der ersten Zeit der Umstellung wird auch der jüdische Arbeitgeber ein wenig Geduld aufbringen müssen, um bald zu erkennen, daß auch der jüdische Arbeitnehmer nach einigen Tagen, bzw. Wochen der Umschulungsarbeit eine vollwertige und verläßliche Arbeitskraft biete. Arbeltsnachweis Als wesentliche Hilfsaktion zu Arbeitsbeschaffung kommt die Organisierung eines aktiven Stellennachweises in Betracht. Bei diesem wird der jüdische Arbeitgeber seinen Bedarf an Angestellten (Verkäufern, Lageristen, Buchhaltern, Korrespondenten, Stenotypisten, Inkassanten, Sekretären, Nachhilfslehrern usw.) anfordern können. Nur dann, wenn sämtliche Mitglieder unserer Branchen-, Bezirks- und Fürsorgekommissionen der Kultusgemeinde, die jüdischen Vereine und Institutionen sich in den Dienst der Sache stellen werden, wird der Arbeitsnachweis zur Linderung der Notlage der jüdischen Arbeitnehmer beitragen können. Freiwilliger Arbeitsdienst Den Arbeitswillen und Tätigkeitstrieb aufrechtzuerhalten, gibt das Gesetz, bzw. die Regierungsverordnung vom 10. April 1933, betreffend den freiwilligen Arbeitsdienst, eine Möglichkeit. Als freiwilliger Arbeitsdienst ist die freiwillige Betätigung von jugendlichen Arbeitslosen bei gemeinnützigen Arbeiten anzusehen, sofern diese Arbeiten von öffentlichen Körperschaften oder von juristischen Personen ausgeführt werden, die gemeinnützige Zwecke y,erfoJgen. Jugendliche Arbeitslose können Die Delikatess-Orange für den Kenner ist die PARDESS ORANGE aus Jaffa (Erzeugnis judischer Pflanzer) Schulsmarke .KAMEL* Saftig ■ Süß * Kernlos In jedem besseren Geschäft erhältlich sohin Arbeit in selbstgewählter Gemeinschaft freiwillig bekommen, wenn eine öffentlich-rechtliche Jt^örpcrschaft die Ausführung von Arbeiten im freiwilligen Arbeitsdienst übernimmt und die Arbeiten aufbringt. Da auch S i c dlungsarbeiten gemeinnützigen Charakter haben, oo können auch Arbeitsdienstwillige bei der Errichtung von Siedlungsanlagen sich betätigen und während dieser Zeit die Arbeitslosenunterstützung oder einen entsprechenden Förderungsbeitrag bekommen. Die Siedlung, bezw. Siedlungsstelle ist keine vorübergehende Notstandsaktion; sie darf nur von Menschen, die Liebe zur Scholle, Freude an gartenwirtschaftlicher Betätigung und Siedlungsausdauer für Generationen haben, in Anspruch genommen werden. Als Siedler kommen voi-wiegend Erwerbslose und Kurzarbeiter in Betracht. Erwerbslose mit kinderreichen Familien oder Kriegsbeschädigte werden bevorzugt. Im Sinne des Erlasses des Bundes-Wohn- und Siedlungsamtea im Bundesministerium für soziale Verwaltung müssen die Grundstücke so gelegen sein, daß die erwerbslosen Siedler bei einer Besserung der Wirtschaftslage wieder eine Haupt¬ oder nebenberufliche Tätigkeit aufnehmen können. Die Gesamtkosten eines Siedlungshauses samt Nutzgarten müssen so gehalten v/erden, daß sie aus den eigenen Mitteln der Siedler und einem aus dem Bundes-Wohn- und Siedlungsfonds zu gewährenden Darlehen unter Zuhilfenahme der Selbstt.rbeitersiedler und des freiwilligen Arbeitsdienstes restlos gedeckt werden. Arbeitswillige, welch« Anspruch auf die Arbeitslosenunterstützung haben, könnerx 30 Wochen hindurch gegen die Pauschalgebühr von S 2 per Tag zur Errichtung von Siedlungen herangezogen werden. Soziale Helferinnen und Hauspersonal Mit Rücksicht auf die desolaten Zustände in Erkrankungsfällen alleinstehender Personen, die in solchen Fällen dem Schicksal der Hilflosigkeit preisgegeben sind, wollen wir soziale Helferinnen diesen Erkrankten zuteilen, wodurch jüdische Frauen und Mädchen entgeltliche Beschäftigung finden können. Es können auch heute v/eibliche jüdische Haushälterinnen entsprechende Unterkunft im jüdischen Haushalt, unter der Voraussetzung einer entsprechenden Umschulung Arbeit finden. Was der Handelsminister schreibt. — Eine versäumte Gelegenheit Im offiziellen Katalog der Levante-Messe, welche anfangs April in Palästina eröffnet wird, findet sich nachstehender Beitrag des österreichischen Bundesministers für Handel und Verkehr, Fritz Stockinger: „Die aufstrebende Entwicklung Palästinas hatte auch eine bedeutende Erweiterung des österreichischen Handelsverkehrs mit diesem Lande zur Folge. Ist doch die österreichische Ausfuhr dorthin, die im Jahre 1932 2,045.000 Schilling betrug, im Jahre 1933 auf 4,773.000 Schilling, also um mehr als das Doppelte gestiegen. Schon aus diesem Grund? begrüße ich als österreichischer Handelsministenr die Levante-Messe in Tel-Awiw, die, wie ich hoffe, zu einer weiteren Vertiefung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern führen wird. Es freut mich, daß es der ehrenamtlichen Vertretung der Levante-Messe in Oesterreich gelungen ist, eine beachtenswerte Anzahl österreichischer Aussteller für diese Verar.» staltung zu gewinnen, da diese Messe die beste Gelegenheit bietet, die Völker der Länder des Orients über die Qualität österreichischer Produktion zu unterrichten. In diesem Sinne wünsche ich der Veranstaltung besten Erfolg." * Die Ausführungen des Bundesministers sind dahin zu ergänzen, daß der österreichische Export nach Palästina im Jahre 1934 eine weitere ganz bedeutende Steigerung erfahren hat. Im Jänner 1934 wurde» um 771.0000 Schilling Waren nach Palästis* auf»

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