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Die neue Welt · 1934-03-27 · Heft 352 (27.3.1934) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 352 (27.3.1934)
Date
1934-03-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 352 DIE NEUE WELT Seit« 8 Ein Araber kontrolliert die jüdische Einwanderung Aus Jerusalem: Die Einwanderungsabteilung der Palästina-Regierung hat den Leiter der Arbeltskon trolle George Msarsa, einen christlichen Araber, beauftragt, die jüdischen Fabriken und Industriebetriebe im Gebiet von Jaffa und Tel-Awiw auf ihren vermutlichen Arbeiterbedarf für die nächsten Monate hin zu überprüfen. Das Ergebnis dieser Ueberprtifung soll mit den Vorschlägen vergllchon werden, die die Jewish Agency zur Festsetzung der Einwanderungsquote für das Halbjahr März-Oktober 1934 erstatten wird. Diese Ernennung bestätigt die von unserem Jerusalamer Berichterstatter ausgesprochene Vermutung, daß die Palästina-Regierung sich bei ihren Einwanderungsraaßnahmen von antijüdischen, mandatswidrigen Absichten leiten lasse. Sie ist aber auch eine krasse Mißachtung des Prestiges der Zionistischen Exekutive, die bekanntlich von den Linken majorisiert wird. Man fragt sie nicht, wirft ihre Eingaben in den Papierkorb und läßt einen christlichen Araber darüber entscheiden, wieviel Juden Ins Land dürfen. Budgetuber§diuß al§ Folge jüdfedter Einwanderung Die Palästina-Regierung schwimmt in Geld Aua Jerusalem wird uns geschrieben: Die britische Palästina-Verwaltung hat ihre Verschiedenen Maßnahmen gegen die jüdische Einwanderung und Kolonisation stets damit motiviert, daß sie auf die wirtschaftliche Lage des Landes Rücksicht nehmen müsse. Insbesondere gebrauchte sie die Phrase von der „Kapazität des Landes", d. h. sie berief sich darauf, daß sie bei all ihren Maßnahmen auf die zukünftige Entwicklung Rücksicht nehmen und eventuelle Rückschläge und Krisen vermeiden müsse. Unter diesen Vorwänden hat die Palästina-Regierung die jüdische Einwanderung und den jüdischen Bodenerwerb in unerhörter Weise gedrosselt. Inzwischen sind die diversen Budgetziffern der Regierung bekannt geworden. Diese strafen die englischen Befürchtungen Lügen, ja sie beweisen, mit welchem Optimismus die Regierung die weitere Entwicklung des Landes, den unvermeidlichen, durch die jüdische Einwanderung hervorgerufenen Aufschwung des Landes beurteilt. Ziffern sprechen. Für das im April beginnende Verwaltungsjahr 1933 wurde das Budget mit einer Einnahme von rund 2,800.000 pal. Pfd. präliminiert, während man tatsächlich 3,700.000 pal. Pfd. erzielte. Der Zoll allein betrug (gegenüber der Berechnung von 1,200.000 pal. Pfd.) 1,800.000 pal. Pfd., wies also einen Zuwachs von 50 Prozent, auf — als Folge des jüdischen Einwanderungsstroms. Der Gewinn aus dem Geldumlauf sollte nach dem präliminierten Budget 50.00 pal. Pfd. ergeben, brachte aber 90.000 pal. Pfd. herein, als Folge der Vergrößerung des Umlaufs von 2,700.000 auf 3,500.000 pal. Pfd. Als Resultat des Wachstums der fiskalischen Einnahmen (vom 1. April 1933 bis 1. Februar 1934) ist ein Ueberschuß von 1,111.450 pal. Pfd. geblieben und erreicht zusammen mit den Ueberschüssen der vergangenen Jahre den Betrag von 2,250.000 pal. Pfd. Der Finanzplan der Regierung geht dahin, den Ueberschuß am Ende dieses Verwaltungsjahres auf 3,500.000 pal. Pfd. zu erhöhen, d. h. die Regierung rechnet damit, daß das Jahr 1934 (beginnend am 1. April) einen Ueberschuß von 1,250.000 pal. Pfd. ergeben werde. Schon bei flüchtiger Prüfung dieser Ziffern ergibt sich die Tatsache, daß die Palästina-Regierung bei Aufstellung ihres Budgets nicht mit einem Rückschlag, sondern mit einer weiteren Prosperität des Landes rechnet. Würde sie diesem berechtigten Optimismus Rechnung tragen, dann müßte sie eine großzügige jüdische Einwanderung in die Wege leiten, die Tore Palästinas den drängenden jüdischen Massen öffnen. Hingegen verlautet hier, daß die Anzahl der von der Regierung den Juden bewilligten Einwanderungszertifikate heuer noch ungenügender sein werde als im Vorjahr. HÖH 1000 Schüler als freiwillige Erntearbeifer Aus Tel-Awiw: Dem Aufruf, angesichts des durch die unzureichende Einwanderung verursachten Arbeiter mangels freiwillige Erntehelfer zur Einbringung der restlichen Ernte in den Orangenpflanzungskolonien beizustellen, haben vierhundert Schüler und Studenten der Hebräischen Universität, des Haifaer Technikums und anderer höherer Schulen Folge geleistet. Man erwartet, daß diese Zahl mit dem Beginn der Pessachferien auf tausend anwachsen wird. * Wenn es nach dem Willen der Palästina-Regierung ginge, hätten heuer Millionenwerte an Orangen auf den Bäumen verfaulen müssen, weil sie die jüdische Einwanderung abwürgt, trotzdem Mangel an Arbeitern herrscht. Man muß Kinder aus der Schule holen. Errichtung einer großen Metallgießerei in Palästina Aus Haifa: Im Emek Sebulun, dem vom Jüdischen Nationalfonds erworbenen Gebiet an der Haifa- Bucht, wird avf. ednem 12 Acres großen Grundstück durch den aus Deutschtet eingewanderten Unternehmer J. Karminer eine große Metallgießerei errichtet. Das Anlagekapital oeträgt 3 0.0 0 0 Pfund. Mit den Pianierungsarbeiten ^trurde soeben begonnen. Die Bauarbeiten werden anfangs April aufgenommen und etwa hundert Arbeitern für ein Jahr Beschäftigung bieten. Es wird erwartet, daß die Fabrik innerhalb eines Jahres in Betrieb gesetzt werden wird. Rapide Entwicklung des Autoverkehrs in PaSästiisa Aus Jerusalem: Laut Bericht des Generalinspektors der Palästina-Polizei, Roy Godfrey S p i c e r, ist die Zahl der' Motorfahrzeuge von 400 im Jahre 1922 auf 6126 im Jahre 1933 gestiegen. Während 1921 nur 450 Kilometer Autostraßen in Palästina vorhanden waren, betrug die Gesamtlänge der Autostraßen im Jahre 1933 1015 Kilometer. Die Zunahme des Autoverkehrs hat auch eine Vermehrung der durch ihn verursachten Unglücksfälle zur Folge gehabt. 1933 waren 79 Autounfälle mit tödlichem Ausgang zu verzeichnen, 930 Personen wurden bei solchen Unfällen verletzt. 1928 waren 40 Personen durch Autounfälle ums Leben gekommen und 355 verletzt worden. Die Einkünfte aus Lizenzgebühren betrugen 1922 bis 1933, abgesehen von den entsprechenden städtischen Abgaben, 182.000 Pfund; die Einkünfte aus Zöllen für die Einfuhr von Automobilen und Betriebsstoff 1,7 4 5.0 0 0 Pfund. Für den Bau neuer Straßen wurden 956.000 Pfund verausgabt. Die Erhaltungskosten betrugen 809.260 Pfund. In der Zeit von 1926 bis 1930/31 allein hat der Autoverkehr um etwa 100 Prozent zugenommen. Der Straßenausschuß ist gegenwärtig mit der Ausarbeitung eines neuen Drei jahrplanes für die Verbesserung des Autoverkehrs und des Straßenwesens beschäftigt. Es Ist ein stadtbekanntes Geheimnis.. daß es für den Kenner und Feinschmecker zu Pessach nichts Besserem gibt als die auf höchster Stufe stehenden, in Hygiene der Erzeugung, Geschmack, Bekömmlichkeit und Kaschruth unübertrefflichen Seit 40 Jahren sind „Schmidl-Mazzoth" als das bette und bezüglich Kaschruth durchaus einwandfreies Erzeugnis bekannt und beliebt! ein Versuch wird Sie Uberxeugen I Erzeugt unter streng orthodoxer Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Babad - Die Mazzoth werden aus dem feinsten Hehl erzeugt! Verlangen Sie die neue, besonders schmackhafte Mazzoth SPEZIAL- MARKE „N. B. ■ QRIESS u. FARVIL! Im N. BrodetXKi, H, LeopolchaaKe 43 In allen besseren Geschäften erhaltlich I Tel. 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Bei der Verladung von Lasten stürzte ein Kran auf eine Gruppe Palästina-Wanderer, tötete die aus Lettland stammende 20jährige Chaluzah Sarah C h a j e s und verletzte sieben Personen. Schwer verletzt wurden die 27jährige deutsche Chaluzah Regina G o 1 d b e r g e r, die aus Prag kommt, und die 25jährige Chava Balnemune.s aus Riga; beide wurden in das Krankenhaus von Lanarca überführt. Leichtere Verletzungen erlitten der 55jährige Jerusalemer Rabbiner Israel Jakob Czerwinski, der 37jährige Abraham Baskin aus Warschau, der 30jährige Hans Farman aus Berlin, die 21jährige Dora Uha aus Libau (Lettland) und die 20jährige Lea Breitspies aus Teplitz in der Tschechoslowakei. Der Leichnam von Sarah Chajes wurde nach Tel-Awiw gebracht und dort beigesetzt. Die „Italia" hißte zum Zeichen der Trauer die schwarze Fahne. Sämtliche Feierlichkeiten aus Anlaß der hundertsten Palästina-Fahrt des jüdischen Kapitäns Steidlee wurden abgesagt. Eine neue Firma In zwei Wiener Zeitungen fand sich dieser Tage eine Mitteilung einer „Verbandslegion der h e i m a tt reuen Juden Oesterreichs", einer Organisation, die sich an Bundeskanzler Dr. Dollfuß gewendet haben soll. Es wird dem Bundeskanzler empfohlen, „Ausländer, die es wagen sollten, nach Oesterreich zu kommen, um hier .Kontrollreisen* bezüglich der Lage der österreichischen Juden zu unternehmen, an der Grenze anzuhalten und abschieben zu lassen". Gleichzeitig ist in der ZeitungsVeröffentlichung (verbreitet durch eine Korrespondenz) von einem Aufruf der genannten Verbandslegion die Rede, worin darauf hingewiesen wird, daß auf Grund der Erklärungen des Bundeskanzlers und Vizekanzlers kein „heimattreuer" jüdischer Staatsbürger eine Benachteiligung seiner Rechte zu befürchten habe. Die „Verbandslegion der heimattreuen Juden Oesterreichs" stellt eine ebenso neue wie anonyme Firma dar. Niemand hat von ihrer Gründung, von ihren Zielen und Aspirationen bisher etwas erfahren. Sie stellt sich plötzlich auf den Plan und möchte gern den Anschein erwecken, daß sie und gerade sie dazu legitimiert sei, die Interessen der jüdischen Staatsbürger Oesterreichs zu vertreten, wobei sie insbesondere mit dem Attribut „heimattreu" kokettiert. Die österreichische Regierung hat die oben erwähnte Zumutung (des Aufhaltens und Abschiebens) mit Stillschweigen beantwortet und wird zweifellos bei dieser Art der Erledigung verharren. Die österreichische Judenschaft aber bedarf nicht der Protektion irgend einer — „Verbandslegion". Es bleibt daher nur die eine Frage: Wer ist diese „Verbandslegion der heimattreuen Juden Oest«i* reich»" T

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