Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 351 (23.3.1934)
- Date
- 1934-03-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2711613-2711952-2711974--4255-2717711- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 351 DIE NEUE WELT Seite 5 Weizmann ruft Wir haben bereits gemeldet, daß im jüdischen Palästina jetzt eine gefährliche Spannung herrscht. Um alle Arbeiter in ihre Organisation zu zwingen, schreckt die sozialdemokratische Gewerkschaft „Histadruth" vor blutigen Ueberfällen auf Arbeiter und Zerstörung von Werkstätten und Häusern nicht zurück. Die jüdische Bevölkerung will nicht mehr die von der linksorientiertsn zionistischen Exekutive geförderte Gewaltherrschaft der „Histadruth" dulden. Daher kann es jeden Tag zu gefährlichen Ausschreitungen kommen. Der Boeben in Jerusalem zu Besuch weilende frühere Präsident Prof. Weizmann hat unter dem Eindruck dieser Stimmung in einer Rede zur Einigkeit und Einstellung des brudermörderischen Kampfes gerufen. Er führte aus: „Die Außenwelt verfolge mit gespanntem Interesse das Wunder der jüdischen Arbeit in Palästina. Um so mehr müsse er bedauern, daß eng- IischePollzIsten sich zwischen Jude und Jude stellen müssen, um einen Bruderzwist zu verhüten. Die Juden werden in Zukunft nicht nach dem beurteilt werden, was sie in London, Paris oder New York geleistet haben, sondern nach dem, was sie in Paläxur Einigkeit 5 s t i n a tun. Käme es zu einem Innerjtidischcn Blutvergießen In Palästina, so würde die Welt sagen: Tausende Jahre habt ihr uns angeklagt, weil wir euch, Juden, keine Chance gegeben haben. Heute, da Ihr die Chance habt, zerstört ihr sie selbst. Wenn ein Volk nicht das sublime Gefühl der Gemeinsamkeit hat, auf dem es sein Volkstum schöpferisch aufbauen kann, dann hat es kein Recht, nicht einmal auf eine kleine Gemeinde, geschweige auf einen Staat. Wie nie vorher ist diese Zeit eine Zeit der Gefahr für das jüdische Volk, vom Rhein bis zum Pazifischen Ozean geht man gegen die Juden im Angriff vor. Es sei darum selbstmörderisch, daß jetzt Juden in Palästina sich auf eine Linie des Zw I s t e s festlegen. Weizmann schloß: Als einer, der Schulter an Schulter mit euch in Zelten der Bedrängnis gekämpft hat, richte ich an euch nun den Appell zum Frieden!" Die Rede Professor Weizmanns ist um so bedeutsamer, als er zu den unbedingten Förderern der Linken und der Histadruth gehört. Wenn er von der U n h a 11barkeit der Lage in dem von der „Histadruth" beherrschten Palästina spricht, so ist an seinem Zeugnis nicht zu zweifeln. Es kann nichts Besseres geben.. um zu „Pessach" den Festtisch damit zu schmücken und den Gaumen zu erquicken, als die auf höchster Stufe stehenden, in Hygiene der Erzeugung, Geschmack, Bekömmlichkeit und Kaschruth unübertrefflichen Seit 40 Jahren sind „Schmidl-Mazzoth" als das bette und bezüglich Kaschruth durchaus einwandfreies Erzeugnis bekannt und b eIi eb tl Ein Versuch wird Sie überzeugen t Erzeugt unter streng orthodoxer Aufsicht 8r. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Babad - Die Mazzoth werden aus dem feinsten Hehl erzeugt I Verlangen Sie die neue, besonders schmackhafte Schmidl- Mazzoth SPEZIAL - MARKE „N. B/'ä&'Jf&Mi! Zentrale: N. BrOdetlki, II. leopoidtgatte 43 Tel* Ä-4Ö-1-90 A-GO-2-63 A-48-4-48 In allen besseren Geschäften erhältlich I 1350 neue PalästinavEInwanderungs« Zertifikate ausgegeben Aus Jerusalem: Die Palästina-Regierung bat der Zionistischen Exekutive soeben X850 Arbeitereln Wanderungszertifikate zur Verfügung gestellt, die auf die Einwanderungsquote für das nächste Halbjahr angerechnet werden. Die Höhe der nächsten Halbjahrseinwanderungsquote wurde noch nicht festgesetzt. PalästinaffReiseiVerkehr 1933 Aus Jerusalem: In einer von der Einwänderungs* und Arbeitsabteilung der Palästina-Exekutive herausgegebenen Veröffentlichung wird die Zahl der 1933 nach Palästina eingewanderten Juden mit 30.327 angegeben. Von diesen sind 2 7.2 8 9 auf Grund von Zertifikaten ins Land gekommen. 2465 Touristen wurde nach Ablauf ihres dreimonatigen Visums die Erlaubnis zu dauerndem Aufenthalt gegeben. Nach einer amtlichen (Statistik haben im Jahre 1933 26.002 jüdische Touristen Palästina besucht. 13.626 von diesen waren zu Ende des Jahres wieder ausgereist, so daß 10.3 76 als im Lande verblieben angeführt werden. Zur Beurteilung dieser Ziffern muß jedoch in Betracht gezogen werden, daß die in der Regel Touristen gewährte Aufenthaltafriat drei Monate beträgt, somit viele dieser Touristen in den ersten Monaten des. Jahres 1934 wieder auageraUtsind. Die Zahl der Einwanderer aus Deutschland wird für das Jahr 1933 mit 0803 angegeben; die überwiegende Mehrzahl dieser Einwanderer besaß die deutsche Staatsangehörigkeit. Nur 1058 von ihnen waren Angehörige anderer Staaten, die in den letzten Jahren in Deutschland ansässig waren. Keine Sabbatruhe für jüdische Eisenbahner Aua Tel-Awiw; Wie „Davar" mitteilt, sind im letzten Halbjahr 30 jüdische Bahnarbeiter aus den Diensten der palästinensischen Bahnverwaltung ausgeschieden. Unter dem gesamten etwa 3000 Arbeiter und Angestellte umfassenden Eisenbahnpersonal befinden sich derzeit nur noch 2 00 Juden. Die Lage der jüdischen Eisenbahnbediensteten wird auch dadurch sehr erschwert, daß die Eisenbahnverwaltung die Bitte jüdischer Angestellter, an Sabbattagen vom Dienste befreit au werden und statt dessen regelmäßig am Sonntag arbeiten zu dürfen, abgelehnt hat. Antwort der Redaktion: Chiffre ,»1000 Slowakei". Auf Ihre Anfrage; Bin dtrartlft« XDüHtut jribt es leider in Wien nicht» Vier Millionen Kisten Orangen Aus Jaffa: Bis zum 4. März sind aus Palästina im Laufe der November begonnenen diesjährigen Citrusexportsaison vier Millionen Kisten Orangen ausgeführt worden. Erfolge des palästinensischen Olympischen Teams in Bombay Aus Bombay: Das palästinensische Olympische Team hat bei den internationalen Wasserspielen in Bombay einen Sieg über die europäische Wasserpolo-Mannschaft davongetragen; es gewann 7; ö. The Koltata, Loewierg & (o. HerzkStr. 16 Bank Ltd. TEL-AVIV P. O. B. 1132 Alle Zweige des Bankgeschäftes Besondere Pflege der Interessen der neuen Einwanderung Einwanderung nach Palästina Im Februar Aus Jerusalem; Im Monat Februar 1934 sind laut der provisorischen Ziffern, welche die Zionistische Exekutive angibt, 2900 Juden zu ständigem Aufenthalt nach Palästina gekommen. Im Jänner 1934 kamen 9063 Juden nach Palästina, unter ihnen 283 aus der KapitalistenUlasie, die zusammen mit ihren Angehörigen 486 Seelen ausmachten. Außerdem erhielten 342 Touristen die Erlaubnis zu dauerndem Aufenthalt, so daß die Gesauateinwanderung Im Jänner mit 3205 Personen zu beziffern Ist. Im Jahre 1938 betrug die jüdische Einwanderung im Jänner 1361, Im Februar 1448 Seelen, Zur Zubereitung der Osterspeisen kann jeder Strenggläubige ohne Bedenken Kunerol verwenden, Kunerol ist verbürgt reines Fett aus Kokosnüssen. Die gesamte Erzeugung bis zur Verpackung des fertigen Fettes steht unter strenger Aufsicht des Herrn BezirkjrabWnera g. Ehrenfeld zu Mattersburg, EJ Die Delikatess-Orange für den Kenner ist die PA! ORANGE aus Jaffa (Erzeugnis jüdischer Pflanzer) Schulzmarke ■ Süß ■ Kernlos In jedem besseren Geschäft erhältlich Die //erweiterte" Zioni§ti$d*e Agemy für Biro Bid§diau Die deutsch-jüdische Flüchtlingsfrage hat den Sinn für Realität bei all denen auf die Probe gestellt, die mit der Aufgabe betraut wurden, den Auswanderungsstrom ins richtige Bett zu leiten. Das große, unter dem Protektorat des Völkerbunds stehende, vom Amerikaner MacDonald geführte Hilfskomitee ist über Beratungen nicht hinausgekommen, obwohl ihm inzwischen die gesammelten Gelder zwischen den Fingern zerrannen. Und das Groteske an dieser Erscheinung war die Tatsache, daß sich die kompetenten Faktoren über die Auswanderungsländer selbst nicht klar waren. Für die jüdischen, zionistischen Bestrebungen gab es natürlich nur ein Land, dem man letztgültige Möglichkeiten zusprechen konnte: Palästina. Und tatsächlich ist bisher Palästina das einzige Land geblieben, das in bezug auf den deutschen Flüchtlingsstrom nicht versagte. Nun erfahren wir, daß sich auch in New York ein Komitee zur Ansiedlung deutscher Juden gebildet hat — zur Ansiedlung in Biro Bidschan. Der Engländer Lord Marley sprach sehr optimistisch über dieses Projekt. Er erklärte, daß Sowjetrußland bereit und fähig sei, deutsch-jüdische Flüchtlingsmassen aufzunehmen und so „die 2000 Jahre alte jüdische Frage zu lösen". So sprach der Engländer Marley. Aber es sprach auch ein Jude, Herr Felix M. W a r b u r g. Auch Herr Felix M. Warburg machte für die Ansiedlung deutscher Juden (als Initiator des Komitees) Stimmung, ja er erklärte, „die jungen deutschen Juden würden den richtigen Pioniergeist mitbringen und die Sowjetregierung nicht enttäuschen, die weitherziger als alle anderen Regierungen den Juden hilft". Richtig verstanden, meint Herr Warbufg, es sei am besten, die jüdischen Flüchtlinge nach dem Fernen Osten, an den Amur abzuschieben, wo sie sich erfolgreich zugunsten der sowjetrussischen Macht betätigen können. Es ist die Fortsetzung jener Politik der jüdisch-amerikanischen Großbourgeoisie, die jahrelang große Geldsummen für die jüdisch-russischen Ansiedlungsexperimente aufbrachte, für Palästina aber verschlossene Taschen zeigte. Herr Warburg hat sich übrigens in der letzten Zeit dadurch wieder populär gemacht, daß er im Rahmen des großen Völkerbund-Hilfskomitees gegen die Ansiedlung deutscher Juden in Palästina sprach, das heißt von den Einwanderungsmaßnahmen Palästinas ausgeschaltet sehen wollte und nur unter dem Protest einiger Hilfskomiteemitglieder seinen Vorschlag gescheitert sah. Die Zionisten, welche mit Herrn Warburg in der erweiterten Agency zusammensitzen, dürften sich in solcher Nachbarschaft nicht sehr behaglich fühlen. Oder haben sie nichts dagegen, daß das jüdische Nationalheim Palästina in solch krasser Weise hintangestellt werde? Aus Moskau wird gemeldet: „Die Regierung der Sowjetunion hat mehrere Millionen Rubel für die Finanzierung der jüdischen Kolonisation im Amurgebiet, in der sogenannten jüdischen Republik Biro Bidschan, bewilligt. Die ausländischen Juden sollen aufgefordert werden, die Bauernsiedlung der Juden in der Sowjetunion durch Geldspenden zu fördern." Sowjetrußland rechnet also auf „Spenden" seitens jüdisoher Kreise. Herr Felix Warburg wird, wenn er seiner Vorliebe für Judenkolonisation treu bleibt, tüchtig in seine und seiner Freunde Tasche greifen. Und er wird auch zusammen mit den Linken in der erweiterten Agency-Exekutive die Interessen des jüdischen Palästin» wahren, Wirklich ein Kunststück! Wir beneiden die dooft*