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Die neue Welt · 1934-03-23 · Heft 351 (23.3.1934) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 351 (23.3.1934)
Date
1934-03-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 351 IflNOPROGRAMME ■ m DIESER WOCHE KREUX'KINO!' w°Td!,R-24-2-i6 Vom 23. bis 29. März 1934: „Charlie Chan's Melsterlrick» mit Warntr Oland Sonn- und wochentags: 4, 5.45, 7.30, 9.15 Uhr stische Exekutive um Mitglieder, die sich durch ihre Funktion zum Aufbau des jüdischen Palästina verpflichtet haben, gleichzeitig aber für die kommunistischen Siedlungsexperimente an der mandschurischen Grenze Spenden sammeln und in Völkerbundkreisen Stimmung gegen Palästina machen. Krieg gegen Hebraisdi Den Moskauer Gewalthabern ist es gelungen, das jüdische Leben zu ersticken. In Rußland wächst eine jüdische Generation, die nichts mehr vom Judentum weüi, heran. Jüdische Religion ist konterrevolutonär. Die hebräische Sprache ein Verbrechen gegen den Staat. Zionismus ist Hochverrat. Nur die jiddische Sprache hat man noch bestehen lassen, aber nur, um mit ihrer Hilfe die Masse, welche eine andere Sprache nicht gut versteht, propagandistisch behandeln zu können. Nun soll auch die jiddische Sprache abgebaut werden. Aus Moskau wird berichtet: Von den ..Arbeiterkorrespondenten" einer Reihe jiddischer Fabrikszeitungen wird die Forderung nach Ausmerzung der Hebrai smen aus der jiddischen Sprache erhoben. Die Zeitung „Der Odessaer Arbeiter" ist bereits dazu übergegangen, die hebräischen Ausdrücke durch russische Lehnwörter zu ersetzen. Auch die großen jiddischen Tageszeitungen befassen sich mit dieser von den Arbeiterkorrespondenten aufgeworfenen Frage. „Stern" schreibt, viele Hebraismen seien mit „jüdisch-religiösen Gebräuchen und nationalistischen Vorstellungen" verknüpft, doch hätten die Zeitungen einen Zweifrontenkampf zu führen: einerseits gegen die nationalistische Gefahr, anderseits gegen jene, die glauben, jiddische Sprache, Schule und Kultur seien dem Tode geweiht. Man könnte wohl nicht alle Hebraismen im Jiddischen entbehren und müsse sich dagegen verwahren, daß die jiddische Sprache in ein unorganisches Gemengsei von Sprachen und Mundarten umgewandelt werde. Die Zeitung fordert das Kiewer Institut für jiddisch-proletarische Kultur auf, eine Konferenz der jiddischen Redaktionsleiter, Fachgelehrten und Arbeiterkorrespondenten aus der ganzen Sowjetunion einzuberufen, auf der dieses Problem geklärt werden solle. Aus Polen Aus Warschau: Der Dekan der humanistit ~hen Fakultät der Warschauer Universität Prof. Handelsmann wurde beim Verlassen des Universitätsgebäudes von einer Gruppe Angehöriger des nationalsozialistischen Studentenbundes überfallen und mißhandelt. Dieser Vorfall steht im Zusammenhang mit der schon seit längerer Zeit an der Warschauer Universität herrschenden antisemitischen Hetze, die sich vor allem auch gegen Prof. Handelsmann, der Jude ist, richtet. Handelsmann kam gerade von einer Historikertagung, welche sich mit der Streichung des Arierparagraphen aus den Satzungen der Studentenvereine beschäftigte. Der Rektor der Warschauer Universität hat die Warschauer Universität bis auf weiteres für geschlossen erklärt. Handelsmann hat die Dekanswürde niedergelegt. Antisemitischer Terror in Ostgalizien Der antisemitische Terror in den ukrainischen Gegenden Ostgaliziens hat in letzterer Zeit ernste Formen angenommen. In dem Dorfe Potaczysko wurden am 14. März der Schächter Salman Feingold und seine Frau Malka ermordet aufgefunden. Vom Eigentum des ermordeten Ehepaares wurde nichts entwendet, I hre §chön§te Fahr* nadi PALÄSTINA mit unserer Gesellschaftsreise! Zur Levantemesse, Pfingsten und das entzückende Erstlingsfest in Haifa a.) am 14. April mit dem Luxusdampfer „Ausonia" Triest—Haifa und zurück; b) am 2. Mai mit der „Vulcania" (24.000 Tonnen) Neapel—Haifa und zurück. Preise je nach der Korabination ab ö. S. 530.—. Für Einzelreisende Schiff- und Bahnkarten. Anmeldungen und Auskünfte: NORDISCHES REISEBÜRO (Palästina-Abteilung: Reiseleitung) N. M. Racker Wien, I., Seilergasse 3 (Ecke Graben- Stephansplatz), Telephon R-25-0-92. Prospekte und Offerte zur gefälligen Verfügung. Jederzeit genaue. Informationen, woraus zu schließen ist, daß die Tat auf antisemitische Motive zurückzuführen und eine Folge der seit einiger Zeit systematisch getriebenen Verhetzung der ukrainischen Bauern ist. In dem Dorfe Czypowice wurde an die Haustür des jüdischen Einwohners Lipa Sternberg ein Brief in ukrainischer Sprache geheftet, in dem er mit dem Tode bedroht wird, für den Fall, daß er nicht im Verlauf von 14 Tagen das Dorf verlassen sollte. Die Lemberger jüdische Zeitung „Neuer Morgen" berichtet, daß der ukrainische Terror gegenüber Juden in den ostgalizischen Dörfern sich mit unheimlicher Geschwindigkeit ausbreitet und daß die Juden in vielen Dörfern um ihr Leben fürchten müssen. Warschauer Blättern zufolge macht sich auch in den westlichen Grenzgebieten Polens eine beunruhigende antisemitische Propaganda geltend. Die Zeitungen fordern die Regierung auf, Maßnahmen zu ergreifen, bevor es zu spät sei. Aus Cüenstochau: Nach ihren Erfolgen in den Städten Ossäre Truskolas und Klobuck im Bezirk Czenstochau haben die antisemitischen Agitatoren nunmehr eine judenfeindliche Bewegung in den Dörfern um Czenstochau entfacht. In Rembielec-Szlachecki wurden die Fensterscheiben der Wohnungen von sechs jüdischen Familien zertrümmert und die Bewohner tätlich angegriffen. Als sich die Angriffe wiederholten, sind einige Familien unter Zurücklassung ihrer ganzen Habe aus dem Dorf geflüchtet. In Krulewski wurde in der Nacht das Haus des Getreidehändlers Mendel Birnbaum angezündet. Das Anwesen brannte vollständig nieder, Birnbaum, der im Schlafe von den Flammen überrascht wurde, erlitt am Gesicht und an den Händen schwerste Brandwunden und mußte in das Hospital nach Krzepiec gebracht werden. In die Wohnung des Osias Itzkowicz im gleichen Dorf drangen Dorfbewohner ein und wollten ihn umbringen. Seinen chistlichen Nachbarn gelang es, ihn im letzten Augenblick zu retten. Aus mehreren anderen Dörfern des Bezirks erhält die Czenstochauer jüdische Gemeinde Alarmrufe jüdischer Einwohner, die sich an Hab und Gut und auch am Leben bedroht fühlen. Die Handelsmann-Attentäter festgenommen Die Polizei verhaftete sechs Urheber des Ueberfalls auf Professor Dr. Handelsmann. Vier von ihnen sind nationalistische Hochschüler, zwei Handwerker. Sämtliche Lokale der nationalistischen Hochschüler wurden geschlossen. Das Enngranlenhilfswerk des Völkerbundes hat versagt Aus Genf meldet die J. T. A.: Wie der J. T. A.¬ Vertreter erfährt, kehrt der jetzt in den Vereinigten Staaten weilende Emigrantenkommissär MacDonald anfangs April nach Lausanne zurück. Seit der durch den Völkerbund beschlossenen Begründung des internationalen Hilfswerks für die Emigranten aus Deutschland sind nunmehr beinahe vier Monate verflossen, ohne daß von einer nennenswerten Tätigkeit dieser Institution irgend etwas berichtet werden konnte. Wie wir erfahren, beabsichtigt MacDonald, für Ende April eine Vollsitzung des im Dezember vorigen Jahres geschaffenen Beirates der Privatorganisationen sowie eine Vollsitzung des aus Vertretern der Regierungen zusammengesetzten Verwaltungsrates einzuberufen. 11*000 luden in Rom Rom, 19. März. (Z. T. A.) Laut dem soeben veröffentlichten statistischen Material über die römische Volkszählung vom 21. April 1931 zählte Rom am Stichtage 989.704 katholische und 15.540 nichtkatholische Einwohner; von den letzteren waren 10.901 Juden, 5934 Protestanten, der Rest Angehörige anderer Konfessionen oder Konfessionslose. Zwei Drittel der Nichtkatholiken Roms sind also Juden. Spießrutenlaufen Aus Berlin: Uniformierte SA.-Leute, begleitet von Polizei, erschienen überraschend im Lokal des unter dem Patronat der Jüdischen Gemeinde Berlin stehenden jüdischen Jugendklubs, nahmen eine Haussuchung vor, beschlagnahmten die Mitgliederlisten und verhörten alle anwesenden Jugendlichen. Verhaftungen wurden nicht vorgenommen, dagegen ließen die SA.-Leute die jüdischen Jugendlichen längs des Korridors Spießruten laufen und hieben dabei auf sie ein. In dem gleichen Gebäude wurde eine gerade stattfindende Versammlung jüdischer Kriegsveteranen ausgehoben. Jüdische Kunststelle II., Aspernbrückengasse 2, Tel. R-48-2-91. Bürostunden von 9 bis halb 19 Uhr. Den Mitgliedern stehen bedeutend ermäßigte Karten für folgende Theater zur Verfügung: Staatsoper, Burgtheater, Akademietheater, Deutsches Volkstheater, Scala, Kammerspiele, Raimund-Theater, Stadttheater, Theater an der Wien, Moulin Rouge, Der liebe Augustin, Jüdisches Theater, Ronacher. * Das Mitteilungsblatt der Kunststelle, welches zweimal im Monat erscheint, enthält eine Fülle von interessanten Nachrichten aus dem jüdischen Kunstleben der Welt. Abonnementpreis S 1.—. „Scala." „Charleys Tante." Mit Kurt B o i s in dem altbewährten Schwank „Charleys Tante" ist das Lachen in die „Scala" eingezogen. In diesem Verkleidungsschwank bat er reichlich Gelegenheit, zu improvisieren, seinem grotesken Humor die Zügel schießen zu lassen und so das Publikum den ganzen Abend lang köstlich zu unterhalten. Es gab Beifall, wie bei einer richtigen, großen Premiere. In der Jüdischen Buhne, II., Praterstraße 60, wird ab Freitag, den 23. d., die musikalische Komödie „Dus C h a s e n d 1" zur Aufführung gelangen. Die bekannte, erstklassige Wera Kaniewaka spielt die Titelrolle, Paul Breitmann den Liebhaber. Neueröffnung Strandhotel Tel-Awiw 2, ALLENBV ROAD Besitzer: Dr. Berschak und Hans Boehm Das Haus mit modernstem Komfort. Badestrand unmittelbar am Hotel. Kaltes und warmes Wasser in jedem Zimmer. Bäder. Liege*errassen, schönster Blick auf JAFFA, Meer und Strand. Feinste koschere Küche, sorgfältigste Bedienung, mäßige Preise. — Hotelauto am Hafen und Bahnhof. ffffl TO *m ii Tribüne Ein merkwürdiges Echo Wir erhalten folgende Zuschrift: „Sehr geehrte Redaktion! In dankenswerter Weise haben Sie in Ihrem Blatte Kritik an der Firma Julius Meinl A. G. geübt, in deren hunderten Filialen wohl viele jüdische Kunden aber keine jüdischen Angestellten zu finden sind. Ihre Stellungnahme hat aber in Wiener zionistischen und jüdischen Zeitungen ein merkwürdiges Ech-o gefunden. Plötzlich und erstmalig erschien heuer in einer Wiener zionistischen und in einer jüdischen Wochenschrift die Bilanz der Firma Meinl als bezahlte Publikation. Das Schweigen jüdischer Zeitungen scheint billig zu sein, jedenfalls bequemer, als jüdische Angestellte zu beschäftigen. Den Vogel hat aber eine seit kurzem erscheinende jüdische Monatsschrift abgeschossen, die gleich mehr als eine Seite mit der Beschreibung der Meinl-Werke bringt. Wo bleibt die Ethik dieser zionistischen und jüdischen Zeitungen, wo der Schutz der armen, in der heutigen Zeit so trostlos verelendeten jüdischen Angestellten? Mit treujüdischem Gruß I. G." Anmerkung der Red.: Wir halten es für überflüssig, diesen Bemerkungen etwas hinzuzufügen. Jüdischer Sport Blau* WeißffRedoule der Hakoah Die „Jubiläumsredoute" der Hakoah, die Samstag, den 17. d., stattfand, nahm einen so glanzvollen Verlauf und wies einen derartigen Massenbesucn auf, daß man daraus die ungeheure Popularität und die starke Anziehungskraft der Hakoah ersehen konnte. Die Präsenzliste wies nicht nur die Namen der prominentesten jüdischen Persönlichkeiten auf, sämtliche Sportvereinigungen Europas und selbst Amerikas sandten Delegationen. Die Säle waren in den Farben biau-weiß gehalten, reicher Bilderschmuck zierte die Wände. Die „Mitternachtsakademie", zu welcher sich hervorragende Künstler, wie Vera Schwarz, Hermann Leopoldi, Betja Milskaja, Dario Medina, Paul Morgan, Tanzgruppe Stetll Stahl, zur Verfügung gestellt haben, bot beste Unterhaltung. Eine freudige Ueberraschung war das Büfett: Es wurden hauptsächlich Palästina-Produkte feilgeboten, die begeisterte Zustimmung fanden. In animiertester Stimmung blieben die Gäste bis in die frühen Morgenstunden beisammen. Es war eine der imposantesten und schönsten Veranstaltungen, die Wien in den letzten Jahren sah. e. k. Ein Jude österreichischer Box-Meisfer Die Boxsektion des Wiener Makkabi IX hat bei der österreichischen Landesmeisterschaft einen schönen Erfolg zu verzeichnen. Schlänger (Makkabi) konnte durch einen überlegenen Punktesieg über Lejolle 2 Gesellsdiafts - Reisen zur Levante * Messe in TelffAwiw Am 10. April ab Wien Uber Triesl mit dem Expreßdampfer „üerusalemme", veranstaltet vom Verein Reisender Kaufleute Oesterreichs Am 30. April ab Wien Uber Rom-Neapel mit dem Riesen-Ozeandampfer „Vulcania- (36.00U Tonnen) Billige Arrangements / Auskünfte und Prospekte: REISEBÜRO «MAR IENB RUCKE» (Palästina-Dienst, Leitung: Berta Taubes), Wien I, Rotenturmstraße 20, Telephon R-24-2-86 und R-24-2-87

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