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Die neue Welt · 1934-03-23 · Heft 351 (23.3.1934) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 351 (23.3.1934)
Date
1934-03-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 351 Voraus..muß man denken, sich sichern — versichern Phönix Allgemein« V«rticherungt-aei. Wl«n IX. Bes., Alserplatt Mr. 3 Von der Judenstaatsparfei Stellung zur kommenden Tagung des Aktionskomitees Das Qrganisations-Departement der Judenstaatspartei teilt mit: Die politische Kommission der Judenataatspartei Oesterreichs hat dem Vertreter der Judenstaatspartei im Zionistischen A.-C, Herrn Meir Groß mann, die Wünsche der österreichischen Judenstaatspartei zur stattfindenden Sitzung des A.-C. übermittelt. 1. Die österreichische Judenstaatspartei steht nach wie vor der derzeitigen Exekutive der Zionistischen Weltorganisation mit schärfstem Mißtrauen gegenüber. Die von den verantwortlichen Führern der Judenstaatspartei wiederholt geäußerten Befürchtungen, daß diese von einer Zufallsmajorität gewählte Exekutive nicht in der Lage sein wird, den nationalen Willen des jüdischen Volkes im Augenblicke höchster Gefahr zu organisieren, haben sich vollinhaltlich bewahrheitet. Diese Exekutive hat keine ihrer Aufgaben erfüllt. Ihr Unvermögen und ihre Untätigkeit haben den Zionismus in eine Situation gebracht, welche die Erfüllung seiner Postulate, ja sogar die Erhaltung seiner bisherigen Errungenschaften auf allen Gebieten in Frage stellt. Nicht zuletzt ist die Exekutive für die innere Zerrissenheit der Zionistischen Organisation verantwortlich, denn sie hat sich immer als Repräsentantin des Klassenkampfgedankens in seiner schädlichsten Form erwiesen. Die österreichische Judenstaatspartei ersucht daher ihren Vertreter im A.-C, dem Mißtrauen dieser Exekutive gegenüber Ausdruck zu verleihen und die Forderung auf Bildung einer neuen Exekutive zu erheben, welche moralisch und faktisch geeignet ist, den nationalen Willen des jüdischen Volkes zu repräsentieren. 2. Die österreichische Judenstaatspartei begrüßt die vom Exekutivkomitee der Judenstaatspartei eingeleitete Einigungsaktion der nationalen zionistischen Parteien. Sie sieht im Zusammenschlüsse dieser Kräfte das geeignete Mittel zur Bildung der nationalen Front des jüdischen Volkes, welche allein dem Ansturm aller Feinde des Zionismus standhalten kann. 3. Die österreichische Judenstaatspartei verfolgt mit Besorgnis das Verhältnis zwischen der Exekutive der Zionistischen Organisation und der Union der Zionisten-Revisionisten. Sie mißbilligt nach wie vor die Haltung der revisionistischen Weltunion, welche auch seinerzeit zur Spaltung der Union geführt hat. Sie erblickt aber objektiv in den Methoden der Exekutive der Zionistischen Organisation nicht das geeignete Mittel, Gegensätze innerhalb der zionistischen. Reihen auszugleichen oder zu mildern. Im Gegenteil, das Vorgehen der Exekutive muß den Eindruck erwecken, als beabsichtige sie durch gehässiges und schikanöses Ver* halten ihre politischen Gegner aus der Zionistischen. Weltorganisation hinauszudrängen. Die österreichische Judenstaatspartei ersucht ihren Vertreter, im A.-C. dahin zu wirken, daß dem gefährlichen und beschämenden Zustand innerlicher Zersplitterung ein Ende bereitet werde. Die revisionistische Union, deren Vorgehen wohl die Kritik vieler Zionisten und auch der Judenstaatspartei herausfordert, die aber Trägerin ehrlichen zionistischen Willens ist, soll der Zionistischen Organisation erhalten bleiben. 4. Die österreichische Judenstaatspartei ersucht ihren Vertreter im A.-C. neuerlich die Forderung nach einer Vertretung im Direktorium des jüdischen Nationalfonds zu erheben und energischer zu vertreten. 5. Die Judenstaatspartei ersucht ihren Vertreter im A.-C, die Unterstützung und Förderung des J U d isehen Weltkongresses durch die Zionistische Organisation zu betreiben. Zionistisches Jugendseminar Veranstaltet von der Judenstaatsjugend Dienstag, den 27. d., spricht um 8 Uhr im Heim, II., Untere Augartenstraße 38, Herr Kultu&vorsteh.ef Ing. Eugen Buchbinder. Gäste willkommen. „Hebräisch — leicht gemacht", setzt keine Kennt' nisse voraus und vermittelt ohne Vokabelbüffeln einen reichen Wortschatz sowie Grammatikkenntnisae an Hand palästinensischer, transkribierter Zeitungstexte. Das beste Selbstunterrichtsbuch! 170 Seiten Taschenlexikonformat. Im Inland S 7.30 bei Vorauszahlung für die kartonierte Ausgabe durch die P A G r. Ges. m. b. H-, Wien, VI., Capistrangasse 2. Jüdische Studenten In Not! Unsere jüdischen Studenten sind nicht mehr in der Lage, ihre Studien fortzusetzen, da sie nicht einmal ihre notwendigsten Lebensbedürfnisse decken können. Helft ihnen! Der Hochschulausschuß vermittelt halbtägige und Stundenarbeit jeder Art, sowie Einzelstunden und Hofmeisterstellen. Schreiben Sie uns sofort oder rufen Sie telephonisch auf (A-25-2-28) in der Zelt von 13 bis 17 Uhr. — Jüdischer Hochschulausschuß, Wien, IX-, Alserstr, 26. §diulnadihüfe Sprachkurse, Spaziergänge und Sport im Freien y/erden Ihrem Kind geboten. Zeitgemäße Preise, Unter „Konzessionierte N^chhilfesQhyle", I Der Weg zur jüdi§dieii Kultur Nach ihrer Ausschaltung aus dem deutschen Kunst- und Theaterleben gründeten die deutschen Juden in Berlin den „Kulturbund deutscher Juden", an dessen Spitze die liberal-assimilatorischen Persönlichkeiten aus dem Kreis des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens stehen. Bisher wurden ausschließlich Autoren aufgeführt, die dem Geist des jüdischen Volkstums fernstehen, wie Lessing, Schnitzler, Juschkewitsch, Goldoni, und Komponisten, wie Mozart, Wolf-Ferrari, Haendel u. a. Ein großer Teil der deutschen Juden ist mit diesem Programm des Kulturbundes nicht einverstanden. Der Gang des jüdischen Lebens läßt ein Niederhalten des Prozesses „Unbedingtes Bekennen zum Judentum" nicht zu. So oft die assimilatorischen und liberalen Juden diese Erscheinimg ignorieren wollen, werden sie mit unerbittlicher Eindringlichkeit an sie gemahnt. Insbesondere das deutsche Judenschicksal gibt Anlaß bu dieser Feststellung. Als unter dem Zwang ihrer Ausschaltung aus dem deutschen Kulturkreis die Juden darangingen, sich einen eigenen geistigen und künstlerischen Bereich zu schaffen — es wurde daraus der „Kulturbund deutscher Juden" —, da schien am Horizont eine kleine Hoffnung auf. Man glaubte annehmen zu dürfen, daß die deutschen Juden sich nun von ihrer an tragischen Irrtümern reichen Vergangenheit loslösen und den Weg gehen würden, den das nationale Judentum ihnen seit Jahrzehnten gewiesen hatte: den Weg zum jüdischen Volk. Jetzt waren sie ja unter sich, jetzt hatten sie ja keine Gelegenheit mehr, sich den Deutschen als Kulturschänder und Kulturrepräsentanten aufzudrängen. Der Augenblick war günstig; günstig auch im administrativen Sinn, da jüdische Kunstkräfte zu hunderten frei waren und die Möglichkeit einer Betätigung mit Enthusiasmus ergriffen. Wr haben das Wirken, bzw. das Programm des Kulturbundes deutscher Juden in einer Glosse „Die Parabel von den drei Ringen" (als Anspielung auf die Aufführung des Lessingschen „Nathan") gleich bei Bean den Also, wir treffen uns bestimmt♦• . bei SED ERLABENDEN A. BARSCHAK Wien II, Gr. SdiMfgasse 3 Un'er Aufsicht St. Ehrw. Herrn Rabbiner Josef Babod Berühmt sind seine ungarischen Weine, Palästina- Weine, Met, Slibowitz, Kognak v. S 2 p. Liier aufw. Besonders empfehlenswert seine LhUi i» m* streng koschere Küche (105 7W IWJ ginn einer Kritik unterzogen, Unsere Meinung ging dahin, daß der Kulturbund nur dann seiner Aufgabe gerecht werden kann, wenn er Jüdisches, ausschließlich Jüdisches vermittelt und nicht etwa der nlchtdeuts,Qhen Umwelt zeigen will, was sie durch die Ausschaltung des jüdischen Pements verliert, Der Kulturbund ist jetzt fast ein Jahr alt, er hat jüdisches Publikum., jüdische Künstler, jüdische Bühnenbildner und Regisseure zur Verfügung gehabt, nur an eipes vergessen -Tan den jüdischen Inhalt, Pas begreifen in Deutschland nun auch Kreise, die bisher dem Geist des modernen, nationalen Judentums ablehnend gegenübergestanden sind- Der Leiter des nationalsozialistischen Außenamtes, Alfred Rosenberg, stellte jüngst im „Völkischen Beobachter" fest, daß in Deutschland neben der jüdisch'liberaien Presse ungehindert auoh die Organe der Zionisten erscheinen und somit alle Möglichkeiten für die Juden gegeben sind, „das, wassieunterjüdischer Kultur verstehen", zu pflegen. Das „Israelitische Familienblatt" (Hamburg), Träger jUdiscfa.-.liberaier Weltanschauung, nimmt die@e Feststellung auf, um zu zeigen, daß der Kulturbund deutscher Juden seine Aufgabe nicht erfüllt hat, weil er die geistige Wandlung im deutschen Judentum ignoriert, weil er seine assimilatorische Haltung beibehalten hat. „Was der Kulturbund bietet", schreibt das Platt, „scheint «ich mehr an eine verflossene jüdischdeutache Mentalität zu wenden, als dem gegenwärtigen Seeienzuatand der deutschen Juden auoh nur im mindesten gerecht zu werden, der sich heute mit dem aus. literarischen Reminiszenzen mühsam zusamm.engefHokten Repertoire nicht begnügen kann und will, der vielmehr durchaus Bereitschaft und Aufgeschlossenheit für das Neue, Zukunftsvolle, Lebendige dieser Zeit besitzt." Weiters: „gs gibt doch eine lange Reihe wertvoller und wirksamer Stücke jüdischen Themas, von jüdischen Menschen und ihrem Schicksal handelnd und darum von unfehlbarer Wirkung auf das jüdische Publikum ... Es gibt auch genug Stücke jüdischen Vorwurfs, die duroh gute Uebersetzungen für das Kulturbimdtheater aufführbar gemacht werden könnten ... Unsere Kultur ist so reich, daß des Menschen Leben nicht ausreicht, auch nur ein Zipfelchen von dem Vorhang aufzuheben, der Uber all das gebreitet ist, was in Jahrtausenden von der Menschheit Segen an kulturellen Werten von Juden zusammengetragen worden ist!" Und schließlich: „Wir verstehen unter jüdischer Kultur gewiß nicht die Dinge, die man uns deutschen Juden heute vorwirft. Die Pseudo- und Asphaltk u 11 u r, die auch bei uns Juden in den Zeiten vor dem März 1933 wahre Kunst und Kultur vielfach überwucherte, ist für uns niemals ernstzunehmende wirkliche und wahre Kunst gewesen! Jüdische Kultur wird da gepflegt, wo die ewigen Probleme der Menschheit die Geister bewegen, wo der hohe Ruf jüdischer Wissenschaftler um die letzten Ziele der Befreiung der Erdenbewohner aus dem Joch des Irdischen ringt. Für diese Kultur ließen sich unsere Väter durch die Länder der Erde treiben, starben sie in Spanien auf dem Scheiterhaufen! Diese Kultur ist so innig verwachsen mit unserem Wesen, daß jeder Jude, auch der, der glaubt, ihr fernzustehen, sie entbehren zu können, doch in ihr mit seinem ganzen Sein verwurzelt ist." Aus den Worten des „Israelitischen Familienblattes" spricht eine Erkenntnis, die, wenn sie auch recht spät kommt, für die deutschen Juden sehr wertvoll werden kann. All das, was das Blatt von einem jüdischen Kulturbund, von einer jüdischen Gemeinschaft fordert, haben das nationale Judentum und seine kulturpolitische Form, der Zionismus, als Grundlage für das jüdische Volkstum aufgestaut. Das „Israelitische Familienblatt" stellt fest, daß die deutschen Juden, die im Rahmen des Kulturbundes ihre alten assimilatorischen Tendenzen wachhalten wollen, einer Illusion nachjagen, daß man „für das Neue, Zukunftsvolle, Lebendige dieser Zeit" bereit sein müsse. Und dieses Neue, Zukunftsvolle, Lebendige kann natürlich nichts anderes sein als das zionistische Ideal in der Galuth und die zionistische Wirklichkeit in Palästina. o. r. Goebbels und Jankielewicx Aus Paris: „Petit Parisien" bringt wortgetreu eine Geheiminstruktion des Ministeriums des Herrn Goebbels,die an die deutschen Propagandaagenten in aller Welt hinausgegangen ist. Darin heißt es wörtlich: „Jede Störung vorhandener guter Beziehungen zwischen anderen Staaten ist indirekt ein Vorteil für Deutschland." Der Störungsdienst ist wie folgt in Szene zu setzen: Journalisten sollen bestochen, Verleger durch Gratisnachrichten gewonnen, Kinounternehmer gekauft und Radiostationen b eschwindelt werden. Widerspenstigen Zeitungen spielt man falsche Nachrichten in die Hand, um ihren journalistischen Ruf zu untergraben. Wie vorurteilsfrei das antisemitische Regime in Deutschland sein kann, beweist die folgende Stelle: „Es geschieht von der Zentralstelle aus alles nur Mögliche, um Verbindungen anzubahnen. Es ist dies vor kurzem in einem Falle gelungen, als der Besitzer einer Gruppe a rgentinischer Radiostationen, Herr Jank i e 1 e w i c z, in Deutschland weilte. Diesem ist hier zahlreiches und wertvolles Material für seine Sender zugängig gemacht worden. Es ist dabei unerheblich, ob die betreffenden Persönlichkeiten deutschfreundlich sind oder nicht. Der genannte Herr Jankielewicz aus Buenos Aires ist beispielsweise ein Ostjude, dem e3 bei seiner Verbindung le d i g 1 i c h auf eine bessere geschäftliche Ausnützung seiner Radiobetriebe ankommt. Um solchen Leuten die erhofften geschäftlichen Vorteile zu bieten, müssen die deutschen Geschäftsleute im Ausland dazu angehalten werden, ihre Radiopropaganda und Radioreklame vorzugsweise über derartige Sender zu leiten." „Petit Parisien" stellt das deutsche Original und die französische Uebersetzung nebeneinander. Ein judnsdi*«risdies Brautpaar in Mainz verhaftet Aus Berlin: Vor dem Mainzer Rathaus, in dem das Standesamt untergebracht ist, versammelte sich eine große Menschenmenge, um die Ziviltrauung eines Mainzer Juden mit einer „arischen Arbeiterin" zu vereiteln. Das Verhaltet, der Menge wurde so drohend, daß die Polizei — Wie die Mainzer Zeitungen melden — „im eigenen Interesse" die "jeiden Hochzeltsleute verhaften mußte. Ausschaltung der Juden aus der deutsdien Wirtschaft Aus Berlin: Das Reichswirtschaftsministerium gibt bekannt, daß die an Arbeitslose und sonstige Bedürftige ausgefolgten Bons für Schuhe und Kleider sowie andere Gebrauchsgegenstände nur in arischen Geschäften eingelöst werden dürfen; JUdisch« Geschäfte sind zur Einlösung berechtigt, wenn deren Inhaber zu 60 Prozent kriegsbesohädigt sind, das heißt daß aie im Kriege z> w e i Gliedmaßen verloren haben. Solche jüdischen Geschäfte gibt es aber nur sehr wenige, da Kriegsverletzte dieser Klasse im all* gemeinen nicht arbeitsfähig sind. Pie Regierung kündigt eine „Säuberung" dea, Buchhandels in der Weise an, daß „unzuverlässige! Elemente'* nicht mehr Inhaber von Buchläden sein dürfen. Die Vereinigung nationalsozialistischer Gewerbetreibender in Hamburg kündigt die Bildung einer antijüdischen Liga zur wirksamen Durchführung des Boykotts gegen jüdische Firmen an. Aviso für Polenreiseiido! Eilen Sie zur Anmeldung ins Reisebüro „Marienbrücke", I., Rotenturmstraße 26, Tel. R-24-2-86 und 87. Ihre Verwandten erwarten Sie bestimmt für die Feiertage. Sie werden schöne und billfe« Ferien verbringen. AnmeWeachluß 34, März. Eilen Sit um eiaea guten, FlaUl fl

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