Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 351 (23.3.1934)
- Date
- 1934-03-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 351 DIE NEUE WELL Seite 3 A tung ihrer „gefährlichen Pcss ach arbeit" bereits eifrig beschäftigt seien. Die jüdischen Korrespondenten geben jene jüdischen Arbeiter namentlich an, die in den Handwerkergenossenschaften und Kollektivfarmen dafür eintreten, daß die jüdischen Arbeiter an den Pessachfeiertagen die Arbeit ruhen lassen. Andererseits berichten sie, daß die Lokalorganisationen der Kommunistischen Partei und die Gottlosenklubs zwar Beschlüsse, betreffend Durchführung einer Antipessachkampagne, gefaßt haben, daß aber diese Beschlüsse auf dem Papier geblieben seien. Die Blätter betonen, daß es falsch wäre, zu glauben, aktive Bekämpfung der Religion sei nicht länger möglich. Noch immer sei die Religion die stärkste Stütze derjenigen, die gegen das sozialistische System arbeiten und den zweiten Fünfjahrplan zu Fall zu bringen suchen. Anläßlich der letzten Feiertage im Herbst sei es den Klerikalen an vielen Orten gelungen, eine beträchtliche Zahl arbeitender Frauen und Männer zur Arbeitsruhe zu veranlassen. Ganze Kooperativen hätten am letzten Rosch Haschana und Jörn Kippur nicht gearbeitet und in vielen Kollektivfarmen sei die Herbstaussaat unterbrochen worden, weil die jüdischen Genossenschaftsmitglieder die jüdischen Feiertage hielten. Besonders scharf werden die „jüdischen klerikalen Konterrevolutionäre" in der Minsker jiddischen Tageszeitung „O k t i a b r" angegriffen. Von den glaubenstreuen Juden wird behauptet, daß sie sich überall dort sammeln, wo es ihnen am aussichtsreichsten erscheint, im Interesse des Klerikalismus das sozialistische Aufbauwerk zu schädigen. Man finde sie in den Kollektivfarmen, den Handwerkerproduktivgenossenschaften und anderen Unternehmungen, und der Zweck ihres Einhaltens der „klerikalen Pessachtraditionen" sei der, die Durchführung des Fünfjahrplans im ersten Jahresviertel entscheidend zu stören und die Entwicklung der „sozialistischen Kultur" aufzuhalten. 150 jüdi'§die Palä§ti'na-Touri'sten angewiesen Aus Warschau wird unter dem 21. März gemeldet: Ucber 150 Juden, welche als Touristen nach Palästina reisen wollten, wurde seitens des hiesigen englischen Konsulats ohne Angaben von Gründen das Visum verweigert. Eine rechtliche Grundlage hatte diese Verweigerung nicht, da jeder einzelne Reisende ordn u n g s g e m ä ß die geforderte Kaution von 60 englischen Pfund erlegte. Da das englische Konsulat wohl nicht annehmen konnte, daß die Touristen je 60 Pfund, das sind 1800 Zloty (abgesehen von den hohen Reisekosten) riskieren würden, um ins Land hineinzukommen und sofort wieder abgeschoben zu werden, stellt sich der abschlägige Bescheid der englischen Konsulatsbehörde in Polen als antijüdische Schikane dar. * Im Zusammenhang mit diesem Vorfall, der in allen jüdischen Kreisen maßlose Erregung hervorgerufen hat, sei erwähnt, daß die Palästina-Regierung zur „Hebung des. Reiseverkehrs" ein Touristendepartement errichtet und mit dessen Leitung den gewesenen berüchtigten Chef des Einwanderungsamtes H a y m s o n betraut hat. Zwischen der Errichtung eines solchen Departements und der Verweigerung von Visen an jüdische Touristen besteht ein Widerspruch, den das britische Kolonialamt, bzw. die ihm unterstellte Palästina-Regierung aufklären sollte. Oder jagt schon der bloße Anblick eines Passes mit einem jüdischen Namen den Herren Konsulatsbeamten Schreck ein? Dürfen vielleicht nur „christliche" und „arische" Touristen das jüdische Nationalheim besuchen? Wichtig für Polenreisende. Wer auf eine angenehme Osterfahrt nach Polen reflektiert, der beeile sich, zum polnischen Verkehrsbüro „Francopol", Wien, III., Renriweg 1 (Gebäude des polnischen Konsulats). Angenehme und bequeme Fahrt unter bewährter Führung! E WeinffEinkauf ■st Verlrauens§adiet Verlangen Sie ausdrücklich: PflL'fl'STINß-UJEINE In allen einschlägigen Geschäften erhältlich I Autor. Vertreter für Oesterreich: Gustav Wilder, Wien IV/ Rainerg« 31 Telephon U>41>4-84 Für Ostergerichte das reine Kuneroi.. Kunerol ist 100.% reines Fett aus Kokosnüssen und deshalb für Fleisch- und Milchspeisen ganz besonders geeignet. Kunerol wird in mustergültigen Betrieben auf einwandfrei hygienische Art erzeugt - es kommt während der Herstellung nie mit Menschenhand in Berührung. Kunerol wird unter ständiger Aufsteht des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg hergestellt. KUNEROL 100%REINES KOKOSNUSSFETT Nur echt in Originalpackung! Jüdische Fragen vor dem englischen Parlament Aus London: Im Verlauf der Debatte im englischen Unterhaus über die Außenpolitik der britischen Regierung gab der jüdische Deputierte Barnett J a n n e r ein Bild der Lage der Juden im heutigen Deutschland und äußerte Sorge über das zukünftige Schicksal der Juden im Saarland. Die entsetzliche Lage der Angehörigen der jüdischen Rasse in Deutschland hat sich nicht geändert. Der deutschen Propaganda wird es nicht gelingen, \ die Welt vom Gegenteil zu überzeugen, denn die Tatsachen sprechen eine zu deutliche Sprache. Janner ersuchte den, Staatssekretär für die auswärtigen Angelegenheiten, zu erklären, welche Aktion ergriffen werden könne, um jene Staaten, die Mitglieder des Völkerbundes sind — und Deutschland ist es noch bis zum Ablauf der zweijährigen Kündigungsfrist —, zu veranlassen, ihren Verpflichtungen in bezug auf die Be- Zu Pessach billig nach POLEN Auskünfte: E. FERSTEL (Dr. S. Tocker), I, Kärntnerring 12. Tel. U-40-301 NORDISCHES REISEBUREAU, I. Sellergasse 3 - Tel. R-25-0-92 vom 28./IH. bis 15./1V. handlung religiöser und nationaler Minderheiten — diese Verpflichtungen bestehen zweifellos auch für jene Staaten, in deren Verträge die Minderheitenklausel nicht ausdrücklich aufgenommen worden ist — nachzukommen. Janner schilderte Fälle von Verfolgung Angehöriger der jüdischen Rasse in Deutschland und kam zu dem Schlüsse, daß die Lage mit jedem Tage ernster werde. Es sei nicht schwer, fuhr Janner fort, sich zu vergegenwärtigen, welches Schicksal die Juden im Saarland erwartet, falls dieses Territorium an Deutschland zurückfällt. Zweifellos stellen auch die Saar- Juden eine Minderheitengruppe dar, die Anspruch auf internationalen Schutz hat. Nur mit Schaudern könne man es sich ausmalen, welchem Regime die Juden an der Saar ausgesetzt sein werden; ganz zu schweigen davon, daß man ihnen die elementarsten Menschenrechte nehmen wird. Als der Versailler Vertrag aufgesetzt wurde, dachte niemand an eine solche Entwicklung, sonst würde man eine Verfügung getroffen haben, die die Rechte der Saarbewohner im Falle einer Rückkehr des Saarlandes an Deutschland wahrnimmt. Janner richtete an Sir John Simon die Frage, ob er Schritte zu ergreifen gedenkt, um zu erkunden, ob es auch heute noch möglich sei, Garantien für den Schutz der Saarlandbewohner zu erhalten. Aus London: Die Absetzung des in England hergestellten Films „Katharina die Große" mit Elisabeth Bergner in der Titelrolle vom Spielplan eines Berliner Kinotheaters bildete den Gegenstand einer Anfrage im englischen Unterhaus. An den Außenminister wurde die Frage gerichtet, ob er beabsichtige, im Zusammenhang damit, daß in Deutschland der englische Film „Katharina die Große" nach seiner Zulassung durch die Zensur von weiterer Aufführung ausgeschlossen wurde, Schritte zu unternehmen, und welche Entschädigung der betroffenen Gesellschaft bezahlt werden würde. Sir John Simon erwiderte, seitens der Hersteller des betreffenden Films seien Vorstellungen erhoben worden, die gegenwärtig geprüft würden. Auf eine weitere Frage, ob zu verstehen sei, daß die Vorführung eines englischen Films, in dem ein jüdischer Schauspieler oder eine jüdische Schauspielerin mitwirken, künftighin in Deutschland nicht mehr zugelassen werden soll, erklärte der Außenminister, daß dieses weitere Problem bisher nicht aufgetaucht sei. zwei weitere Zwischenfragen blieben unbeantwortet. Bisher keine Oelquellen in Palästina gefunden Aus London: Der Unterstaatssekretär für die Kolonien Earl of Plymouth erwiderte 4 im Oberhaus auf die Frage von Lord T e m p 1 e t o w n, ob die Regierung nicht daran denke, die Entwicklung des Oelfeldes am Toten Meer selbst in die Hand zu nehmen, statt sie einem privaten Unternehmen zu überlassen, folgendes: Es ist noch nicht erwiesen, ob in Palästina irgend welche ertragreichen Oelquellen gebohrt werden können. Die Ansichten hierüber gehen auseinander. Es ist darum besser, wenn Private nach dieser Richtung Forschungen anstellen. Oel-Gewinnung ist ein riskantes Unternehmen, zu dem große praktische Erfahrung notwendig sei. Die Regierung werde die Vorgänge auf diesem Gebiet genau verfolgen. Darf ein Jude Gastwirt sein? Aus Karlsruhe: Der badische Verwaltungsgerichtshof in Karlsruhe hat eine Entschließung des B ezirksamts Mannheim aufgehoben, in der einem jüdischen Schankwirt die Erlaubnis zum Betrieb einer Schankwirtschaft verweigert worden war, weil er als Jude zur Führung einer Wirtschaft grundsätzlich nicht geeignet erscheine. Der Badische Verwaltungsgerichtshof hat sich im Gegensatz zu dieser Entschließung des Bezirksrates auf den Standpunkt gestellt, daß die „des Schutzes der deutschen Gesetzgebung überhaupt würdigen Juden" in Deutschland diesen Schutz des Gesetzes genießen dürfen. Der Umstand, daß das fragliche Lokal fast ausschließlich von Juden besucht werde, lasse einen Schluß auf eine mangelnde Zuverlässigkeit des Gastwirts — als Wirt gerade eines solchen Lokals — nicht zu. Der Umstand, daß fast ausschließlich Juden in dem Lokal verkehrten, könne nicht zu der Folgerung führen, daß der Wirt nicht auch Jude sein dürfe, denn damit würde in der Praxis der Erfolg eintreten, daß Nichtarier schlechthin von dem Schankgewerbe ausgeschlossen wären. Bei der heutigen Einstellung des deutschen Volkes würden arische Gäste zu einem jüdischen Wirt kaum in genügender Zahl kommen; wenn ein jüdischer Wirt überhaupt das Gastwirtsgewerbe mit Erfolg ausüben wolle, müsse er eine Wirtschaft wählen, in der seine Rassengenossen zu verkehren pflegen. Solange die Gesetzgebung ein Verbot der Erlaubniserteilung für das Wirtsgewerbe an Nichtarier nicht ausspreche, sei es aus Rechtsgründen nicht möglich, einen Juden lediglich wegen seiner Abstammung von diesem Gewerbe auszuschließen. Ruf nach „Sierilisierung aller Juden" Nürnberg: Der intime Freund des Kanzlers Hitler, Gauleiter Julius Streicher, schreibt in seinem „Stürmer": „Gegen Rasseschänder und Sittlichkeitsverbrecher ist ein neues Gesetz geschaffen. Es soll das deutsche Volk, soll die arische Rasse schützen. Es ist das Gesetz der Entmannung. Auf Grund unserer Kenntnis in der Judenfrage sind wir der Ansicht, daß eigentlich all« Juden entmannt werdu mUfitfB"