Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 351 (23.3.1934)
- Date
- 1934-03-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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- Tunis 3× ep/1048155
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 351 Alle Klugen bevorzugen «MMMMMM^^ die seit vielen Jahten mit Recht ao CTBIJM.M A770TI4 welche als die besten längst beliebten, besonders schmackhaften 2JJ12£i2J-lS±±2iL-2 erkannt und anerkannt werden Der verwöhnte Geschmack schätzt besonders die Welt« CYIfllfefl MA7!f ATU^ ml genieRende, hervorragend delikate Spezialität: SSSSSjflHSBÄ Audi das Pessachfest 1934 wird im Zeichen der „$4rum-Mai20th" stehen. 99Struffi«M&lXofh" werden nach einem besonderen Verfahren mit speziellen, pstertfarntlich geschützten Maschinen (Oefen) auf elektrischem Wege unter Bedienung von nur fachmännisch geschulten Jüdischen Arbeitern erzeugt. Die genaueste Einhaltung der streng orthodoxen Katchruth- Vorschriften wird von Sr. EhrwUrden Herrn Oberrabbiner Babad überwacht. Wir garantieren für fllSCHe Ware, Ul,d Erzeugung 1934!!! STRUM- MAZZOTH Besonders gut munden £=H.STRUM,WIENII Vom „Strunt" die runden! Rotensterngassell Tel.R-41-8-71 RUNDSCHAU Aus der „freien" Schweiz Beleidigung des Judentums bleibt ungestraft Die Schweizer Juden wollten lange nicht daran glauben, daß das Schicksal des jüdischen Volkes auf der ganzen Welt auch i h r Schicksal ist. Als freie Bürger der freien Schweiz wiesen sie den Gedanken, daß eines Tages die antisemitische Welle auch ihr Land erreichen könnte, als absurd von sich und lehnten es auch konsequent ab, irgend eine Gemeinschaft mit dem Weltjudentum einzugehen. So gab es bis in die jüngste Zeit keine nennenswerte zionistische Organisation in der Schweiz und auf den Tagungen, welche Vertreter der Juden aller Länder zu den verschiedensten Zwecken vereinigten, fehlte immer der Vertreter des Schweizer Judentums. Nun ist eine Wandlung eingetreten. Unter dem Einfluß des deutschen Nationalsozialismus hat Sich in der Schweiz eine sowohl parteimäßig organisierte als auch überparteiliche antisemitische Bewegung herausgebildet und das Schweizer Judentum in die Verteidigungsstellung gezwungen. Und da mußte dieses Judentum die Weitere bittere Erfahrung machen, daß der Antisemitismus den Weg in das Herz der freien Schweiz, iö ihre Verwaltung gefunden hat. Anders ist die Entscheidung der Zürcher Staatsanwaltschaft, über Welche nachstehend gemeldet wird, nicht zu erklären. Aus Genf wird gemeldet: Ein Zürcher Rechtsanwalt hat vor einigen Monaten bei der Zürcher Staatsanwaltschaft den Herausgeber der Zeitschrift „Der Eidgenosse" (Kampfblatt der Schweizer Nationalsozialistischen Partei), Theodor Fischer, wegen eines Artikels verklagt, in welchem u. a. gesagt Wär: „Judentum sei organisiertes Verbrechertum", „Alljuda müsse sterbe n", „die Völker müssen sich dieses Verbrechertums entledigen" usw. Der Kläger begründete seine Klage damit, daß er sich als Jude durch diesen Artikel beleidigt und bedroht fühle, und stützte seine Klage auf Art. 91 des Schweizer Strafgesetzbuches. In einer nunmehr herausgegebenen Verfügung hat die Zürcher Staatsanwaltschaft diese Klage abgelehnt. Es kann nicht verkannt werden — heißt es in der Verfügung — daß alle diese Angriffe im Interesse des Rechtsfriedens eines strafrechtlichen Schutzes bedürfen, aber es geht zu weit, von Bedrohung im Sinne des Art. 01 des Strafgesetzbuches zu sprechen. Es sei fraglich, ob der Kläger zur Klage legitimiert sei, d. h. Ob die Drohung gegen seine Person gerichtet war und ob sie vom Standpunkt des Rechtes der freien Rede rechtswidrig sei. Die Bejahung dieser Fragen erscheine nicht gerechtfertigt. Anders wäre die Lage, Wenn die Drohung speziell gegen den Kläger gerichtet gewesen wäre, aber das war nirgends der Fall. Die Staatsanwaltschaft verfügte daher: 1. Die Untersuchung einzustellen; 2. die Kosten von der Staatskasse tragen zu lassen. Der obige Entscheid der Zürcher Staatsanwaltschaft hat Insofern eine prinzipielle Bedeutung, als in Basel und Bern Prozesse noch schweben, die voh den dortigen jüdischen Gemeinden gegen die Herausgeber und Verbreiter verschiedener antisemitischer Schriften, insbesondere des Pamphlets „Die Weisen von Zion", angestrengt wurden. Die dortigen Klagen gründen sich ebenfalls ' auf dem Prinzip der Kollektivbeleidigung. Die Verfügung der Zürcher Staatsanwaltschaft kann dazu führen, daß in der Schweiz jüdische Klagen auf Kollektivbeleidigung keine Aussicht auf Erfolg haben. Jedenfalls muß damit gerechnet werden, daß die antisemitische Hetze in Wort und Schrift nunmehr ganz fessellose Formen annehmen wird. Hat ihr doch die Zürcher Staatsanwaltschaft das „Recht der freien Rede" zugebilligt. Holland gibt den Juden Boden Für gewerbliche und landwirtschaftliche Umschichtung Aus Amsterdam wird gemeldet; Die holländische Regierung hat sich entschlossen, zur Errichtung von landwirtschaftlichen Ausbildungsstätten für jüdische Jugendliche aus Deutschland Grund und Boden zur Verfügung zu stellen. Nunmehr teilt das holländische Hilfskomitee mit, daß in den nächsten Wochen die Eröffnung eines größeren Berufsumschichtungsunternehmens in Holland bevorsteht. Unter der Leitung Von Dr. Hans Lubinski werden auf einem von der holländischen Regierung zur Verfügung gestellten 6 5ha großen Gebietsteil der trockengelegten Zuidersee, unweit der Stadt Alkniar, etWä 11 0 junge Mensch e n im Alter von 16 bis 26 Jahren eine teils landwirtSChaftlich-gärtneriSche, teils handwerkliche Ausbildung erfahren. Die Ausbildung ist auf zwei Jahre, für Mädchen im Haushalt auf ein' bis eineinhalb Jähre berechnet Und soll die jungen Leute befähigen, sei es in Palästina, sei es in anderen Ueberseeländern, sich eine neue Existenz zu schaffen. Das Ganze soll den jugendlichen Lernenden zugleich die Gewißheit eigener schöpferischer Arbelt geben und ein kleines Gemeinwesen auf dem dem Meere abgerungenen jungen Kulturland entstehen lassen. Juden wollen nach Spanien zurück Barcelona (Katalonien). Die sephardischeri Juden haben im neuen republi* kanischen Spanien nicht viel Glück gefunden. Die weni« gen, die Saloniki und die Türkei verließen, haben sich in B a r c e-1 o d a, der Hauptstadt der, autonomen Provinz Katalonien, niedergelassen. Bis jetzt wurden die jüdischen Einwanderer wie Fremde, wie andere Bürger fremder Staaten behandelt. Sie mußten sich mit viel Geld die Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis erkaufen. Während der letzten Unruhen sind die 200 sephardischfen und ebensoviel polnische und deutsche Juden zwischen Hammer und Amboß geraten: die Monarchisten und Katholiken haben sie als Revolutionäre, die Sozialisten wiederum als Reaktionäre verfolgt. Vör kurzem aber hat der Reglerungsrat der autonomen Provinz Katalonien einen wichtigen Beschluß" gefaßt, der als Beginn der jüdischen Gleichberechtigung in Spanien betrachtet werden kann. Laut diesem Beschluß erhalten die sephardischen Juden, die Nachkommen der einstigen Emigrante.n, Gelehrte, Beamte/ Arbeiter, Künstler sind sich einig darüber, daß erfolgreiche Arbeit nur bei bestem Kräftezustand, mit ruhigen Nerven und in guter Stimmung zustande kommen kann. Zur Kräftigung und Erfrischung des Körpers, zur Gesunderhaltung der Organe, zur Bekämpfung von Matügkeltsgefühlen gibt es ein zuverlässiges Mittel: DIANA- Franzbranntwein mit Menthol Anwendung: Aeußerllch zu Einreibungen, Umschlägen, Abwaschungen; innerlich als Mund- und Gurgelwas.ser sowie zu Verschiedenen anderen Zwecken. — Belt Jahrzehnten bekannt und anerkannt als geKundheltuförderndes Hausmittel. Diana-Franzbranntwein «oll In keinem Hau«halt fehlen! Verlangen Sie ausdrücklich DIANA und nehmen Sie nur DIANA. Minderwertige Nachahmungen sind eiicrglßojj aurüokzuwelseo. Iu jedem besseren Geschäft erdie spanische Staatsbürgerschaft und damit alle Rechte eines spanischen Bürgers wieder. Dieser Beschluß Ist unter sehr dramatischen Umstanden Äustandegekommen. Vor einigen Wochen kam in fiareeleftä eine 12köpfige sephardische Familie aus Ka- Väilft (Griechenland) an, die ein Einreisevisum nach Portugal hätte. Es stellte sich aber heraus, daß diese Familie kein Qeld mehr für die Weiterreise hatte und in Barcelona bleiben mußte. Die Polizei arretierte die Juden und brachte sie nach einigen Tagen vor das Zivilgericht. Hier erklärte die Aelteste der Judenfamilie, daß ihre Ahnen bereits in Spanien gelebt hätten, daß Ihre Sprache heute noch das Spanische sei und daß vielleicht auch in den Adern des Richters jüdisches Blut fließe, zumal doch seinerzeit viele tausettdc Juden im Land geblieben und getauft worden seien. Die Verhandlung wurde daraufhin abgebrochen und die Angelegenheit dem Regierungsrat selbst unterbreitet. Dieser faßte den Beschluß, daß die spaniolischen Juden, die von ihren Gemeinden ein Dokument bezüglich ihrer spanischen Herkunft erhalten, sich in der betreffenden Provinz Spaniens ansiedeln dürfen. Dieser Beschluß wäre geeignet, taugende jüdische Familien aus der Levante nach Spanien zu ziehen. Er ist aber nur theoretisch Wichtig, da die ökonomischen Verhältnisse söWie die politische Läge keine günstigen Erwartungen zulassen. Zu den Unruhen in Tunis Oran (Tunis)', i In den letzten Monaten hat das tunesische Judentum die antideutsche Boykottbewegung intensiv verstärkt. Insbesondere die hitleristischen Filme wurden boykottiert. Inzwischen hat die nationalsozialistische Agitation an Umfang gewonnen, nachdem sie durch reichsdeütsche Agenten in den Kreisen der Araber vorbereitet worden war. Gleichzeitig ist die zionistische Bewegung derart gewachsen, daß man bei den nächsten Wahlen in die jüdischen Gemeinden mit einer zionistischen Majorität rechnen kann. Aber die Ruhe und Sicherheit der jüdischen Bevölkerung wird ständig durch Ausbrüche eines künstlich gezüchteten Fanatismus in Frage gestellt. Durch die wirtschaftliche Lage des Landes, insbesondere durch die verschiedenen französischen Einfuhrzölle für tunesische Produkte (Wein und. Getreide) hat sich die Armut der arabischen Kleinbauern und Bauernarbeiter derart gesteigert, daß ein Zustrom dieser Araber in die Städte eingetreten ist. Hier befinden sich der Handel und das Handwerk zum großen Teil in jüdische h Händen, so daß die neuen arabischen Elemente nur durch Annahme billiger Arbeitslöhne Fuß fassen können. Tatsache ist, daß die Araber infolge ihnes niedrigen Lebensstandards die niedrigsten Löhne akzeptieren und die Juden von den Arbeitsstätten verdrängen. Soweit dies nicht der Fall ist, sind die Araber auf Armenpflege durch die Franzosen (in deren Händen sich das Protektorat über Tunis befindet) angewiesen. Dieser Zustand verursacht ständig Spannungen. Häkehkreuzlerische Agenten aus Hitler-Deutschland versuchen schon seit Monaton, eine äntijüdische Hetze zu entfesseln. Ganz ungestört verbreiten sie Agitationsmaterial in französischer und arabischer Sprache Und liefern den Zeitungen, insbesondere dem Organ der „Jungen Patrioten" in Oran, unentgeltliche Informationen. Die Folge dieser Näziagitation waren Pogrome in größeren und kleineren Städten, wie Soukelgrana und Sldebouhadid (von uns bereits gemdeldet. Anm. d. Red). Jetzt erst hat sich die französische Verwaltungsbehörde veranlaßt gesehen, eine strenge Zeitungs¬ und Nachrichtenzensur einzuführen. Nichtsdestoweniger geht die antijüdische Hetze seitens der Araber, beziehungsweise der arabischen Scheichs weiter. Von besonderem Interesse ist die Tatsache, daß das deutsche Konsulat in Tunis die Pogromlsten, welche von der französischen Polizei gesucht werden, in seinem Haus beherbergt und so ein energisches Einschreiton verhindert. Wenn auoh die französische Regierung in Tunis sich zu strenger Bestrafung aller arabischen, mit deutschem Geld bezahlton Terroristen entschlossen hat, so ist doch die Sicherheit für die jüdische Bevölkerung nicht vollends gewährleistet. Man erwartet eine Säuberung des französischen Protektoratlandes von allen Elementen, welche die Ruhe und das Leben der friedlichen Einwohner gefährden. Antireligiöser Kampf in Sowjetrußland Aus Moskau wird berichtet: Anläßlich des herannahenden Pessaqhfestes ist in der jiddisch geschriebenen kommunistischen Presse, wie dieB vor hohen jüdischen Feiertagen schon Tradition geworden ist, ein heftiger antireligiöser Propagandafeldzug eröffnet worden. Gleichzeitig veröffentlichen die Zeitungen Berichte ihrer Korrespondenten aus allen Teilen des Landes, aus denen zu ersehen ist, daß trotz allem von den Parteistellen und antireligiösen Organisationen ausgeübten Druck die religiöse Grundhaltung breiter Volks-, schichten nicht erschüttert werden konnte. In den Berichtön wird darüber Klage geführt, daß die antireligiöse Arbelt vernachlässigt werde und daß die jüdischen „Klerikalen", durch diese Untätigkeit der reUglonsfelndllcnen Kreise ermutigt, mit der Vorb«rtk