Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 351 (23.3.1934)
- Date
- 1934-03-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 20 Groschen Jahrgang 8 Dienstag/ den 93* 1 /*6 Nr* 351 V* b. b* - vom Verleger versende! *'st por reditenr*. REVUE BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50. vierteljährig S4.20, ganzjährig S16.-;PoIenmonatlich Zloty2.—.vierteljährig Zloty 6.- Tschechoslowakel monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—? Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.-; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, .vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—. vierteljährig Lire 14.—: Sehwelz und die übr Igen Län der monatlich Schweizer Francs 1.50, viertelfähris Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion it. Verwaltung: IX, Universitätsstr. 6-8, Tel. B-48-504 — ErsdteintDienstag und Freitag Die Juden fordern Roosevelts Eingreifen Aus Washington wird gemeldet: Der Umstand, daß es Präsident Roosevelt, beziehungsweise die Regierung der Vereinigten Staaten bisher unterlassen hat, gegen die kulturschänderische Art der Judenverfolgung in Hitler-Deutschland Stellung zu nehmen, hatte in den jüdischen Kreisen Amerikas große Enttäuschung hervorgerufen. Um so mehr, als die amerikanische Judenheit mit besonderer Hingebung für die Erwählung Roosevelts gearbeitet hat und eine der Wichtigsten Stützen seiner Politik bildet. Roosevelt hatte auch nicht verfehlt, während der Wahlkampagne wiederholt zu versichern, daß er gegen jede Bedrohung des Judentums mit Gewalt und Unrecht, wo immer sie erfolgen mag, den moralischen Einfluß der U. S. A. werde geltend machen. Alle internen Versuche, den Präsidenten Roosevelt zu einer Stellungnahme in der deutschen Judenfrage zu veranlassen, versagten. Die Regierung war nur zu der Erklärung zu bewegen, daß sie eingreifen Würde, wenn Juden amerikanischer Staatsbürgerschaft In Hitler-Deutschland verfolgt würden. Das hat die amerikanische Judenschaft veranlaßt, nunmehr aus der Reserve hervorzutreten und von Präsidenten Roosevelt demonstrativ und vor aller Oeffcntliehk e i t eine Stellungnahme zu verlangen. Aus Washington wird gemeldet: Im Weißen Hause erschien am 18. März eine Abordnung des Internationalen Ordens Bne Brith unter Führung seines Präsidenten Alfred M. Cohen, um dem Präsidenten Roosevelt eine 2 5 0.000 Unterschriften tragende Petition zu überreichen, in der er ersucht wird, der deutschen Regierung die Gefühle des Volkes der Vereinigten Staaten und aller zivilisierten Völker angesichts der Entrechtung und der Verfolgung der Juden In Deutschland zum Ausdruck zu bringen. Einen starken Eindruck machte es, daß sich der Bne-Brith-Abordnung freiwillig zahlreiche führende Persönlichkeiten des amerikanischen öffentlichen Lebens, in der Mehrzahl Nichtjuden, unter ihnen frühere und gegenwärtige Staatsgouverneure, Bürgermeister usw., angeschlossen haben. Die Abordnung wurde anstelle des Präsidenten Roosevelt, der auf Anraten der Aerztc eine Zeitlang der Erholung pflegen muß, von dessen Sekretär M. Cintye empfangen, der erklärte, er werde unverzüglich die Petition dem Präsidenten zuleiten. Ein amei*ikaBmdie§ Riesenwarenhaus boykottiert Deutschland Die Einkäufe in-Hitler-Deutschland um 90 Prozent.gesunken Aus New York wird gemeldet: Die Direktion des New Yorker Warenhauses R. H. M a c y gibt bekannt, daß sio ihr Einkaufsbüro in Deutschland schließt und an dessen Stelle ein Einkauf sbüro in Prag eröffnet. Als Grund wird angegeben, daß infolge des überhandnehmenden Boykotts deutscher Waren in den U. S. A. sich die Einkäufe in Deutschland im Verlauf von sechs Monaten um mehr als 90 Prozent verminderten. Das Prager Büro wird nunmehr die Einkäufe für Macy in der Tschechoslowakei, in osteuropäischen und in skandinawischen Ländern tätigen und Deutschland als Einkaufsquelle nicht mehr in Betracht ziehen. Das Warenhaus R. H. Macy & Co., dessen Hauptinhaber der amerikanische Botschafter in Paris Jesse Isidor Straus ist, der einmal auch als Botschafter in Berlin in Aussicht genommen war, ist eines der größten New Yorker Warenhäuser sowie der Welt überhaupt. Es besitzt im Zentrum New Yorks einen Riesenwolkenkratzer. Der Umsatz beläuft sich auf viele Millionen Dollar. Die Gesellschaft hat mehrere tausend Angestellte und gilt als das vornehmste New Yorker Warenhaus. Es führt aus Europa u. a. Textilwaren, Handarbeiten, Porzellan und Spielwaren in ungeheuren Mengen ein. Der Hauptteil dieser Waren wurde bis jetzt in Deutschland angeschafft. Nunmehr sah sich Macy mit Rücksicht auf die jüdische Kundschaft gezwungen, den Verkauf deutscher Waren einzustellen und in die antideutsche Boykottfront einzutreten. Seelenfängerei Tn dem durch das hohe Niveau seiner Publikationen ausgezeichneten Wiener „Reinhold-Ver- 1 a g" sind in letzter Zeit zwei Schriften über die Judenfrage erschienen. Die erste brachte unter dem Titel „Ordnung in der Judenfrage" neben anderem eine Abhandlung des Ministers a. D. Prof. Czermak, welche in diesem Blatte besprochen wurde. Sie basiert auf der Formel „Von Volk zu Volk" und ist in vornehmer Art geschrieben. Wenn sie auch Stellen enthält, die vom jüdischen Standpunkt aus abgelehnt werden müssen, so bietet sie im großen und ganzen eine langvermißte Grundlage zu einer sachlichen Aussprache zwischen Juden und Nichtjuden. Während sich der Reinhold-Verlag durch diese Publikation ein unbestreitbares Verdienst erworben hat, so kann das von der nunmehr erschienenen Publikation „KlärunginderJudenfrage" nicht behauptet werden. Den Hauptteil dieser Schrift, welche sonst noch den lesenswerten Artikel des Dissidenten Dr. Oskar Trebitsch und einen weniger lesenswerten des Konvertiten Dr. Paul Kris enthält, bildet die Abhandlung des Zeitungsherausgebers und Jesuitenpaters Bela B a n g h a, betitelt „Katholizismus und Judentum". Zwei Zitate genügen, um zu beweisen, wie wenig dieser Autor berufen erscheint, einer. „Verständigung" in der Judenfrage zu dienen. Er sagt mit Bezug auf den von den Hakenkreuzlern propagierten Boykott der Juden: ,,Kein Zweifel, der Boykott wäre bis zu einem Punkt durchführbar und hätte sogar manche guten Folgen. Es wäre vom christlichen Standpunkt aus nur zu wünschen, daß die Christen sich wesentlich mehr als bisher der Vorherrschaft des jüdischen Geistes und Einflusses im geistigen und im wirtschaftlichen Leben widersetzten ... Aber sind sie dazu zu bringen? Stehen sie nicht vielmehr zum guten Teil bereits dermaßen im Schlepptau jüdischer Anschauungen, daß sie selber jeden, auch Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeh« lieben Notizen sind durch eiD beigefügtes E bezeichnet NACH PALÄSTINA MIT DER COMPASS TOURS OFFIZIELLES PROPAGANDA BÜRO DER STADTGEMEINDE TEL-AWIW AM 17. APRIL: Offliielle Massereise AM 30. APRIL: 2. Messereise mit dem Luxusraotorschiff „Vulcania" über Rom, Neapel, Palermo, Athen, Beirut Für Einzelreisende Schiffskarten zu Originalpreisen Auskünfte und Anmeldungen im Reisebüro Compass Tours, Wien IX, Spitalgasse 3, Telephon Nr. B-42-5-38 ERCNÜGENERHDLUN C mjfRIE(EN/EHIFFENam bi.au ew ITTELMEER „Vulcanla" vom 21. März bis S. April: Ostern In Palästina Neapel, Palermo, Athen, Haifa, Port Said. Genua, Rhodus, Palras, Palermo, Neapel „Roma" vom S. April bis 23. April; Messe In Tel-Aviv Oenua, Neapel, Taorniina, Malta, Haifa, Port Said, Rhodus. Athen, Neapel. „Vuloanla" vom 2. Mal bis 20. Mal: Messe in Tel-Aviv Neapel, Palermo, Athen, Beirut, Haifa, Port Said. Haifa, Rhodus, Pattas, Palermo, Neapel, Cannes. Fahrpreise für die ganze Seefahrtin- IIP klusive Verptlegung u. Kabine ab S 3,- SC/olge Ermäßigung auf den Italienischen Bahnen ,ITALIA' VEREINIGTE FLOTTEN - COSULICH LINE WIEN I, KÄRNTNERRING 6 - TEL. IM7-5-60 den berechtigten Antisemitismus auf das schärfste ablehnen?" Pater Bangha schreibt zum Schluß: „Das christliche Gemüt erkennt in dieser beispiellosen, seit zwei Jahrtausenden dauernden Demütigung der Judenschaft eine Züchtigung Gottes für das vermessene Wort ihrer einstigen Führer, die bei der Verurteilung Jesu gerufen haben: jSein Blut komme über uns und unsere Söhne!'" Diese zwei Zitate'machen eigentlich die weitere Lektüre überflüssig. Der Autor stellt zwei Grundthesen auf: Der Antisemitismus ist eine gerechte Sendung Gottes*., Die Juden müssen sich taufen lassen... Eine einfache* „Klärung in der Judenfrage." Vielleicht etwas zu einfach. * Man fragt sich, wie der mit Recht auf sein intellektuelles und wissenschaftliches ✓ Niveau stolze Reinhold-Verlag dahin gelangt, eine sehr wortreiche und doch ganz primitive Ketzerpredigt, die vielleicht in einem Bekehrungsbüchlein am Platze ist, in großer Aufmachung herauszugeben. Es liegt eben im Zuge der Zeit. Die Judenbekehrer glauben, daß ihr Augenblick gekommen sei. Sie glauben, im Bereich einer einge- DAS STADTGESPRÄCH VON WIEN DIE O.-HÖHLE I» HABSBURGERGASSE 4 SEHEN SIE DAS NEUE PROGRAMM! schüchterten und von allen Seiten bedrohten Judenschaft ein ertragreiches Betätigungsfeld zu finden. Möglich! Zwischen das drohende Hakenkreuz und das einladende Taufbecken gestellt, werden Schwache umfallen und innerlich längst losgelöste Teile der Judenschaft die äußerliche Trennung vollziehen. Die treu zu ihrer Religion und die treu zu ihrem Volkstum stehenden Juden sehen dieser Entwicklung ruhig entgegen. Abfall in schwerer Zeit hat es immer gegeben und wird es immer geben. Die aber von dieser Entwicklung Nutzen ziehen wollen, sollen wissen, daß es nicht die wertvollen Elemente sind, die ihnen so leicht zufallen. Und sie mögen sich nicht dem Irrtum hingeben, daß das eine Lösung der großen Judenfrage bedeutet, an welcher heute die ganze Welt interessiert ist. Man kann das Judentum bedrängen, aber weder ausrotten noch austaufen. ÜM&$WXtev^alm& °%ü&xmd... .... sind alle unsere Mode- und Mali-Schuhe, denn sie sind nach orthopädischen Grundsätzen richtig gebaut Leopold Jollinek, nur VII, Burjgass« 9