Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 350 (20.3.1934)
- Date
- 1934-03-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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♦ Nr. 350 DIE NEUE WELT Seit« 3 Die Sdiande Palästinas Der von allen guten Geistern verlassene Prager Ziouistenkongreß 1983 hat in mehr oder minder unverhüllter Form den Boykott Hitler-Deutschlands abgelehnt und hat stillschweigend, trotz des Protestes der Juden staatspartci, das Transferabkommen mit Deutsehland, welches den judenmörderischen Hakenkreuzlern Exportgeschäfte mit Palästina zusichert, abschließen lassen. Die Folgen dieses nicht nur vom nationalen Standpunkte aus als schmählich, sondern auch vom wirtschaftlichen Standpunkt aus als schädlich zu bezeichnenden Verhaltens haben sich eingestellt. Nachstehend das Urteil einer politisch völlig neutralen Fachzeitschrift. Das Prager Wirtschaftsblatt „Die Wirtschaft" schreibt: Im Frühjahr 1033 setzte in Palästina als Reaktion gegen die bekannten Vorgänge In Deutschland eine sehr energische Bewegung gegenden Bezugdeutscher Waren ein. Es war In dieser Zelt völlig unmöglich, im Lande deutsche Waren zu verkaufen. Geschäfte, die deutsche Waren führten, wurden gezwungen, deren Angebot einzustellen. Vertreter deutscher Firmen sahen sich genötigt, ihre alten Beziehungen durch neue in anderen europäischen Ländern zu ersetzen. Die Bewegung erreichte etwa im Juli ihren Höhepunkt. Es schien in dieser Zeit (vor dem Zionistenkongreß! Die Red.), Zu Pessach billig nach ▲ POLENÄ Auskünfte. E. FERSTEL (Dr. S. Tocker), I, Kärntnerring 12. Tel. U-40-301 NORDISCHES REISEBUREAU, I. Sellerie 3 - Tel. R-25 0-92 daß Deutschland diesen aussichtsreichen, sehr bedeutungsvollen Markt völlig verlieren würde. In Gegensatz zu dieser Bewegung und zu ihren ersten Folgen, die noch weit in den Sommer hinein im Lande spürbar waren, steht die Tatsache, daß der palästinensischelmportausDeutschland gegenüber dem Jahre 1932 Im Jahre 1088 um etwa 60 Prozent (dem Wert nach) gestiegen Ist. Palästina ist Uberhaupt so ziemlich das einzige Land, das im Jahre 1983 In relativ erheblichem Umfang mehr deutsche Ware aufgenommen hat als im Jahre 1982. Der deutsche Außenhandel ist 1988 in seiner Gesamtheit bekanntlich stark zusammengeschrumpft. Im reinen Warenverkehr ging die deutsche Ausfuhr von 6,7 Milliarden Mark auf 4,8 Milliarden Mark zurüok. Was ist nun In Palästina geschehen, um dort die deutsche Einfuhr noch um rund 60 Prozent auf einen absoluten Wert von ungefähr 17 Millionen Mark je u steigern? Die Frage ist leicht zu beantworten. Man hat deutscherseits die Chance erkannt, die sich deutschen Waren aus dem relativ starken Abströmen deutsoher Juden naoh Palästina am dortigen Markt eröffnen konnte, wenn man kapitalkräftigen Auswanderern dieser Art die Möglichkeit bot, einen Teil ihres Vermögens in Form von Ware naoh Palästina mitzunehmen. Auf Grund dieser Erkenntnis erklärte sioh die deutsche Regierung Im Spätsommer zum Abschluß eines Abkommens bereit, in dessen Rahmen dieser Warentransfer organisiert werden sollte. Festgesetzt wurde zunächst für diesen Zweck eine Gesamtsumme von 3 Millionen Mark, für später wurde eine Erhöhung dos Transferbetrages in Aussicht gestellt. Die drei Millionen allein können nun die starke Steigerung der deutschen Ausfuhr nach Palästina nicht erklären, denn diese ist viel größer. Die Steigerung der Ausfuhr um zirka 7 Millionen Mark hat wesentlich andere Gründe; aber sie stehen doch damit in Zusammenhang, daß das Transferabkommen geschlossen wurde. In dem Augenblick nämlich, in dem dieses Abkommen zustande kam, war dem Boykott deutscher Waren in Palästina das Rückgrat gebrochen. Der Käufer kann zwar erkennen, ob die ihm verkaufte Ware deutsches Erzeugnis ist oder nicht, aber er kann unmöglich wissen, ob sie im Rahmen des organisierten Transfers hereingekommen ist oder „wild". Damit war also der Boykott erledigt, und es wurde deutsche Ware nicht nur in dem oben erwähnten Rahmen transferiert, sondern Uberhaupt auch in solchen Fällen gekauft, in denen ein Transfer der oben angedeuteten Art gar nicht in Frage kam. Die Politik der deutschen Regierung war also in dieser Hinsicht Uberaus geschickt. Sie war um so geschickter, als das Abkommen keineswegs irgend welche Gegenseitigkeitsverpflichtungen enthielt. Man hat also zu verzeichnen, daß anstatt der ursprunglich erwarteten Wirkungen des palästinensischen Boykotts dadurch, daß dieser durch das Transferabkommen in jeder Hinsicht sabotiert würde, gerade die gegenteilige Wirkung eingetreten ist. Was das pol 1 tisch bedeutet, soll hier nicht erörtert werden. Aber wirtschaftUch betrachtet, Uegen die Dinge nicht weniger unglücklich. Denn es war doch nicht so, wie die Freunde des Transferabkommens dies zu Anfang immer wieder betonten: man werde Uber den Transfer aus Deutschland lediglich Produktionsmittel und Halbzeuge beziehen, um so die eigenindustrielle Entwicklung Palästinas zu fördern. Das Gegenteil ist richtig. Man hat Fertigwaren in genau dem gleiohen Anteil gekauft wie Im vorangegangenen Jahr, das heißt, absolut genommen, in einer wesentlich größeren Menge, und man hat damit nicht nur einen Preissturz auf manchen Gebieten des palästinensischen Marktes hervorgerufen, sondern auch bestimmte industrielle Ansätze zerstört. Dies alles, um einigen hundert Menschen, die Transfermöglichkeiten hatten, ihr Kapital zu retten, wobei es gar nicht einmal sicher ist, daß es überhaupt im Lande bleibt. Tatsache ist soviel, daß Deutschland große politische Geschicklichkeit und wirtschaftliche Einsicht gezeigt hat, auf jUdischer Seite in Palästina bleibt noch der Nachweis, dieser Taktik gewachsen zu sein, zu erbringen. Erstklassiger Fachmann im Kaffee- und Resfaurant'Befrleb sowie Bar und Variete, sucht leitende Stellung eventuell mit Beteiligung in Palästina. Zuschriften an F. T., Wien X, Siedlung am Wasserturm Nr. 1 . Großer Jugendvortrag Donnerstag, den 22. März 1934, um 8 ühr abends im großen Saal des Restaurants Tonello (an der Marlenbrücke), Wien, II., Lllienbrunngasse 2. Redner: Rabbiner Dr. I. Z. Kanner: „Jüdische Jugend, quo vadis?" Theodor Grubner (Vizepräsident des Oesterreichischen Palästina-Amtes): „Arbeitsumschichtung und Palästina-Auswanderung." Jüdische Jugendliche! Erscheinet In Massen! Eintritt frei! JUdlsche Jugendliche! In der Zeit schwerer seelischer, wirtschaftlicher und politischer Not wenden wir junge Judenstaatsssl onisten uns an euch und rufen euch zu: Der einzige Weg aus unserer Versklavung in der Galuth ist der Weg zum JudenstaatinErezIsrael! Unser unvergeßlicher Führer Theodor Herz 1 hat das Wort von der Rückkehr zum Judentum vor der Rückkehr ins Judenland geprägt. Wir wollen euch beides ermöglichen! Tretet unserem Jugendbund „Brith Hakanaim", unserer Organisation für die reifere Jugend „Judenstaatsjugend" bei. Ihr .werdet dort In jüdischem Jugend- und Freundeskreis geistig und seelisoh zu unserem Volk zurückfinden. Organisiert euch Im „Heohaluz Haleuml", welcher nach einjährigem Bestände schon auf g r o ß e Erfolge zurückblicken kann. Der „Hechaluz Haleurai" wird euch die Erlernung von Gewerbe und Handwerk, landwirtschaftliche Umschichtung und die Ueberwanderung nach Palästina ermöglichen. JUdlsche Jugend! Aus dem Trümmerhaufen fremder Ideale und Bewegungen steigt leuchtend empor: Der Judenstaatszionismus! Kommt zu uns und helft unserem Volke, euch den Judenstaat aufzubauen! JUdlsche Jugendliche! Hinein In den „Brith Hakanalm"! Junge Männer und Mädchen! Hinein In die „Judenstaatsjugend"! Alle: Hinein In den „Hechaluz Haleuml"! Brith Hakanaim, Hechaluz Haleuml, Jugendgruppe der Judenstaatspartei. Zentralheim: Wien, II., Untere Augartenstraße 38. Anmeldungen täglich außer Freitag ab 8 Uhr abends. •yiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiig | HECHALUZ KALIUM! | 5 Donnerstag, 22.März 1934, um 8 Uhr abends, s s im großen Saale des Restaurants Tonello £ (a. d. Marienbrücke), Wien II, Lillenbrunngasse 2 S 1 Großer Jugendvortrag J s Redner: Rabb. Dr. I.Z. Kanner: Jüd. Jugend, quo vadis? S 5 Theodor Grubner (Vizepräsident des Oealerr.Palästlna-AmteB): S £ Arbeltsumschiohtung und Palästina-Auswanderung 5 ES Jüdische Jugend, erscheine in Massen' Eintritt frei I s ^iimHiHiiiiiimuiiiiiuiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiii^ ie Judens6aat§parfei zur A* C-Silzun» Jas Organisationsdepartement der Judenstaats« partei meldet: Die politische Kommission der Judenstaatspartei Oesterreichs überreichte dem Vertreter der Judenstaats* partei im Aktionskomitee MelrGroßmanelnMemorandum, welches die Wünsche der österreichischen Judenstaatspartei zur bevorstehenden Aktionskomiteesltzung enthält. Hierin wird ausgedrückt, daß die Judenstaatspartei naoh wie vor der derzeitigen zionistischen Exekutive mit schärfstem Mißtrauen gegenübersteht. Nicht zuletzt ist diese Exekutive für die innere Zerrissenheit der Zionistischen Organisation verantwortlich, denn sie hat sich immer als „Repräsentantin des Klassenkampfgedankens" erwiesen. Der Judenstaatspartei-Vertreter im Aktionskomitee wird ersucht, die Forderung nach B11dung einer neuen Exekutive zu erheben. In dem Memorandum begrüßt die österreichische Judenstaatspartei die vom Exekutivkomitee der Judenstaatspartei eingeleitete Einigungsaktion der nationalen zionistischen Parteien. Sie mißbilligt nach wie vor die Haltung der revisionistischen Weltunion, erblickt aber in den Methoden der Exekutive der Zionistischen Organisation rtioht das geeignete Mittel, Gegensätze innerhalb RENZ Oie grüßte Attraktion des internationalen Virietei: MURRAY welters das neue, große Vsrletäprogramm! EINHEITSPREISE: S 1.-, nachmittags 4 Uhr S 2.—, abends 8 Uhr Sonn- und feiertags: 2, 5 und 8 Uhr der zionistischen Reihen auszugleichen. Melr Großman wird ersucht, dahin zu wirken, daß der inneren Zersplitterung ein Ende bereitet werde. Die revisionistische Union, deren Vorgehen wohl die Kritik vieler Zionisten und auch der Judenstaatspartet herausgefordert hat, die aber Trägerin ehrlichen zionistischen Willens ist, soll der Zionistischen Organisation erhalten bleiben. Schließlich wird Großman ersucht, die Förderung des Jüdischen Weltkongresses zu betreiben. * (Anm. d. Red. Wir werden auf dieses für die zionistische Politik bedeutsame Memorandum zurückkommen.) AUS PALÄSTINA Ein Drittel der Bevölkerung Jaffa* jfidisdi Aus Jaffa: Im Zusammenhang mit den bevorstehenden Wahlen zum Stadtrat von Jaffa wurde festgestellt, daß die jüdische Bevölkerung dieser Stadt im Laufe der letzten zwei Jahre bedeutend gewachsen ist, was zum Teil auf den Wohnungsmangel im benachbarten Tel-Awiw zurückgeführt wird. Die jüdische Bevölkerung Jaffas wird derzeit auf ein Drittel der Gesamtbevölkerung geschätzt. Die Jaffaer Jüdische Gemeinde hat beschlossen, eine Zählung der wahlberechtigten Juden der Stadt vorzunehmen. Man rechnet damit, daß die jüdische Bevölkerung im neu zu wählenden Stadtrat durch drei Ratsmitglieder vertreten sein wird. In der Stadt Jaffa, welche arabischen Charakter trägt, setzte schon vor Jahren eine Abwandefung der Juden nach dem benachbarten Tel-Awiw ein. Besonders nach den Pogromen im Jahre 1929 nahm diese Abwanderung eine stürmische Form an und man sprach schon vom „judenreinen" Jaffa. Die überaus interessante Erscheinung der Wiederansiedlung von Juden ist ein Beweis für die unaufhaltsame jüdische Entwicklung. Nach den Unruhen und dem Abzug der Juden hat der Stadtrat von Jaffa wiederholt versucht, die Juden zur Rückkehr zu beweg«- Bestrafung palästinensischer Zeitungen im Zu» sammenhang mit dem Arlosor offrMordprozeß Aus Jerusalem: Wegen „Mißachtung des Gerichtes" hat der Oberste Gerichtshof in Jerusalem gegen die sozialdemokratische Tageszeitung „D a v a r" ein Strafmandat auf 5 0 Pfund, gegen die Herausgeber der Sonderausgaben „Mischpatim" und „Bäschaar" sowie gegen die revisionistische Halbmonatsschrift „Chasith Haam" Strafmandate auf je 5 Pf und erlassen. Gegen die genannten Zeitungen war die Anklage wegen das Gericht herabsetzender Berichterstattung über den Arlosoroff-Mordprozeß, insbesondere wegen Meldungen über angebliche Zeugenbeeinflussung durch Bestechung, erhoben worden. Budget 1934/35 der Stadt TeKAwiw Aus Tel-Awiw: Der Stadtrat von Tel-Awiw nahm das Budget für das Geschäftsjahr 1984/85 an, das {sich vorläufig auf 2 7 8.0 0 0 P f u n d (gegen 185.000 Pfund i. J. 1982/83 und 196.000 Pfund i. J. 1983/34) beläuft. Die Steuerlast, die vor drei Jahren 4 Pfund per Kopf betrug, hat sioh infolge der starken Vermehrung der Bevölkerung auf 1.25 Pfund per Kopf vermindert und wird in den Jahren 1984 bis 1988 auf 1 Pfund per Kopf sich stabilisieren. Protest gegen die Zionistische Exekutive Aus Jerusalem: Die Allgemeinen Zionisten Palästinas, der palästinensische M i s r a c h i und das Zentralkomitee der palästinensischen Revisionisten haben Resolutionen gefaßt, in denen gegen den Ausschluß des Brith Trumpeldor von der Zuteilung der Zertifikate für die Einreise nach Palästina protestiert wird. * Wir haben bereits im Blatte gegen den Gewaltakt der Herren Berl Looker (Poale Zion) und Jizchak Grünbaum (Radikaler Zionist), welche ihre Stellung in der zionistischen Exekutive zu der Verdrängung ihrer politischen Gegner aus der zionistischen Weltorganisation und aus Palästina mißbrauchen, Stellung genommen. Sit wenigen Sagen ifi bauernbe« wärmere« Detter ju erwarten. ®8 empfiehl fidj baljer, fcfjon iefct bie $rü$aljr8garbero6e ftiv Die Sterne, ben $evrtt unb baS ftinb anjufc^afjen. $aS ©djönfte unb taefie fttt ben bifltgften greifen, bie überhaupt müglicf) fmb, bringt Sröiffmann II.,Tobotftroße48