Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 350 (20.3.1934)
- Date
- 1934-03-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 350 Schiffmanns billiger Oster- Au§ der jüdischen Welt Juden als Hakenkreuxler und Denunzianten Aus Berlin: In dem mit Hakenkreuzfahnen geschmückten Saal des Nollendorf -Kruges zu Berlin sprachen am 15. März in einer von dem Verband nationaldeutscher Juden einberufenen Versammlung R.-A. Dr. Macholl und Dr. Max Naumann. Die .Versammlung war überfüllt, unter den Zuhörern befanden sich als Ehrengäste S A.-L eute in Uniform. Der Obmann Dr. Naumann wandte sich gegen die Ariergesetzgebung, die zu keiner Lösung der Judenfrage führen könne. Eine solche könne vielmehr nur in der sogenannten Ungleichsschaltung gefunden werden, d. h. in der gesetzlichen Unterscheidung zwischen „Deutschjuden" und „Fremdjuden". Ein entsprechender Gesetzentwurf sei vom Verband eingereicht worden. Er bezeichnete den Zionismus als vaterlandsfeindlich. Die deutschen Juden müßten es ablehnen, Auslandpalästinenser zu werden. Sehr scharf wandte sich Naumann gegen das Buch „W i r Juden" des Rabbiners Dr. Prinz und gegen den Kulturbund deutscher Juden. Dem Reichsbund jüdischer Frontsoldaten machte er zum Vorwurf, daß er weder ein klares deutsches noch ein jüdisches Programm besitze und zu einem großen Teil gar nicht aus Frontkämpfern zusammengesetzt sei. Ziel der Arbeit der nationaldeutschen Juden sei es, zu verhüten, daß die deutschen Juden zu einem Fremdkörper im deutschen Volke gemacht würden. Zum Schluß wurde die Verbandshymne gesungen, die u. a. die Stelle „Was schert uns Zions Lug und Trug?" enthäl* Gegen den Anli§emili§mu§ Aus Warschau: Das Zentralorgan der polnischen Sozialdemokraten (PPS.) „Robotnik" kündigt an, da Ii die Partei einen unentwegten Kampf gegen den Ant isemitismus einleiten wird. Nie, schreibt „Robotnik", war Polen von einer solchen Welle des Antisemitismus überschwemmt wie heute. Hitlers Sieg hat die Antisemiten in allen Ländern ermutigt. Die Regierungsfront ist nicht in der Lage, dieser Bewegung, die letzten Endes reaktionären Faschismus erstrebt, einen Damm entgegenzusetzen; im Gegenteil, die Regierung hat diese Bewegung durch den Abschluß eines Bündnisses mit Hitler ermutigt. Bis jetzt haben die polnischen Sozialisten sich wenig um die Antisemiten gekümmert. Das war ein Fehler. Sämtliche Mitglieder der Arbeiterklassen aller Polen bewohnenden Völker müssen sich wie ein Mann zusammentun, um im solidarischen Kampf für den Sozialismus die Wurzeln des Antisemitismus auszuroden und die Faschistenknecbte in die Winkel zurückzutreiben, in die sie gehören. * Die Behauptung, daß die polnischen Sozialdemokraten sich bisher um den Antisemitismus „wenig gekümmert", hätten, entspricht der Situation. Die PPS. hat einige wenige jüdische Führer aus alter Zeit her, war aber im übrigen selbst antisemitisch. Wir mußten wiederholt darüber berichten, daß in der PPS. organisierte Arbeiter durch Streiks die Entfernung ihrer jüdischen Arbeitskollegen aus der Fabrik oder Werkstätte erzwungen haben. Richtig ist, daß das Bündnis Polens mit Hitler- Deutschland die polnische Sozialdemokratie ebenso bedroht, wie das polnische Judentum. Schon die im Zuge dieses Bündnisses erfolgte Aufhebung der Zeitungssperre wird Polen mit einer Literatur überschwemmen, die gleicherweise das Judentum und die Sozialdemokratie bedroht. Ob aber Judentum und Sozialdemokratie den Kampf gegen den Hitlerismus auf gleicher Linie führen können, ist mehr als fraglich. Die Erfahrung lehrt, daß eine Gemeinsamkeit zwischen Judentum und Sozialdemokratie bisher beiden Teilen nur geschadet hat. Gegen die antisemitische Pressehetze in Griechenland Aus Saloniki wird gemeldet: Der Generalgouverneur von Mazedonien Philipp Dragoumia hat mit dem Oberstaatsanwalt und dem Pressechef der Regierung eine Besprechung betreffend die gegen die antisemitischen Hetzblätter in Saloniki zu ergreifenden Maßnahmen abgehalten. Bei dieser Gelegenheit erklärte der Generalgouverneur: Die Regierung ist feut entschlossen, nicht zuzulassen, daß die Zeitungen Unfrieden zwischen Juden und Christen säen. Wir mißbilligen durchaus die Hetze gewisser Zeitungen gegen ein Element der griechischen Bevölkerung, das wir von materiellen wie moralischen Gesichtspunkten aus als wertvoll für den Fortschritt des Landes erachten. 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Cuzas, hin erklärte er, es sei richtig, daß in manchen Teilen des Reiches Juden in großer Zahl wohnen und wichtige wirtschaftliche und soziale Funktionen innehaben. Man darf aber nicht vergessen, daß sie keinem Rumänen etwas wegnahmen, daß sie Stellen besetzten, die frei waren, und daß Rumänien es ihnen zu verdanken hat, daß es sich wirtschaftlich ausgestaltet und auf allen Gebieten Fortschritte gemacht hat. In seiner Rede, auf die eben Iamandi antwortete, hatte der Antisemitenführer Prof. C u z a erklärt, er sei stolz darauf, daß seine Gedanken wenigstens in einem Lande der Welt, in Deutschland, Schule gemacht haben. Man habe ihm oft zum Vorwurf gemacht, seine Ideen taugten nicht für ein Regierungsprogramm. Nun hat Hitler in Deutschland sein, Cuzas, Programm verwirklicht. Dieses Programm besteht in einem Satz: Eliminierung aller Juden. In allen Ländern sei die Judengefahr groß. Cuza appellierte an die christlichen Minderheiten, sich mit den „echten«« Rumänen zu vereinigen, um der Judengefahr wirksam begegnen zu können. Jüdischer Spott Hakoah—Libertas 1:1. In der Meisterschaft am Sonntag bot Hakoah eine schwächere Leistung als in den letzten Spielen und muß daher mit dem erzielten Ergebnis zufrieden sein. Das schwache Spiel ist auf das überraschende Versagen der Halvesreihe zurückzuführen. Die Hakoah-Verteidigung, die ausgezeichnet spielte, mußte allein die gegnerischen Angriffe abstoppen. Der Sturm, ohne jedwede Unterstützung von seiten der Läuferreihe, bot eine mäßige Leistung. Außerdem wurde W e i ß k o p f verletzt. Er erlitt einen Schlüsselbeinbruch und mußte abtreten, so daß Hakoah die zweite Hälfte mit nur vier Stürmern spielte. Im Angriff bot diesmal Zwiebel die beste Leistung. Er erzielte auch das einzige Tor ia der 14. Minute. Obwohl Libertas stark überlegen war, fiel der Ausgleich erst zwölf Minuten vor Schluß durch S e m p. Durch dieses Ergebnis hat sich Hakoah auf den 5. Platz in der Tabelle vorgeschoben, doch beträgt die Punktedifferenz zum Letztpladerten nur drei Punkte. Hakoah stellte folgende Mannschaft: Löwy; Donnenfeld, Feldmann; Breitfeld, Stroß, Platschek; Ehrlich 1, Zwiebel, Ehrlich 2, Mausner, Weißkopf, 10,000 Zuschauer. Schiedsrichter: Dr. Kolbe. Graz. In der Früjahrsmeisterschaft hatte Hakoah (Graz) den Donawitzer Sportklub zum Gegner und unterlag 2 :0. Hakoah bot eine gute Leistung. Hockey. Hakoah—W. H. C. 3 : 0. Torschützen: UUmann (2) und Dr. Rosenfeld. Blau-Weiß—Blau-Rot 2 :2. Handball. Ferrowatt—Hakoah 6:3. Für Hakoah waren Kanner, Kraus und Weininger erfolgreich. Eröffnung der Leichtathletiksaison. Im klassischen Auhof-Lauf konnte sich Hakoah mit 17 Punkten an zweiter Stelle placieren. Aegypten schlägt Palästina. Kairo. Im Ausscheidungsspiel um die Weltmeisterschaft unterlag vor 15.000 Zuschauern Palästina gegen Aegypten 5:1, Makkabi IX, Boxsektion. Schlanger (Makkabi); schlägt Prodinger (Innsbruck). In der Vorschlußrunde der österreichischen Amateurmeisterschaft konnte Schlanger (Makkabi) den Innsbrucker Boxer Prodinger nach Punkten schlagen. Die beiden Fliegengewichtler lieferten einen harten Kampf, in welchem der Makkabi-Mann seinem Gegner ständig überlegen war. Prodinger, der für den Tiroler Kreis wiederholt bei Kämpfen gegen süddeutsche und italienische Klasseboxer erfolgreich tätig war, wurde nach Wien geschickt, da man ihn für den geeigneten österreichischen Vertreter bei den kommenden Monat in Budapest stattfindenden Europameisterschaften hielt. Sollte nunmehr Schlanger auch in der Schlußrunde der Meisterschaft erfolgreich sein, so wird er die österreichischen Farben in Budapest vertreten. Die jüdische Sportbetätigung in Deutschland unterbunden Aus Berlin: Der Vereinigte Jüdische Sportverband Bayerns, der nach der behördlichen Auflösung des Makkabi und der Sportsektion des Reichsbunöes jüdischer Frontsoldaten in Bayern gebildet wurde, wobei die behördliche Erlaubnis erst nach großen Schwierigkeiten erlangt werden konnte, ist jetzt, noch bevor er recht in Tätigkeit treten konnte, von der Regierung aufgelöst worden. Der nunmehr aufgelöste Verband stand unter dem Protektorat des Verbandes jüdischer Gemeinden Bayerns. Bedingungen für seine Existenz waren u.a.: 1. Die Beamten werden durch den Regierungssportkommissar ernannt und müssen Frontkämpfer gewesen sein; 2. sie müssen sich an jedem ersten und dritten Mittwoch im Monat beim Sportkommissar zum Bericht melden; 3. der Verband darf Mitglieder der aufgelösten Verbände des Makkabi und des R. j. F. einzeln, aber nicht als Körperschaft aufnehmen. Als Grund für die Auflösung des Vereinigten Jüdischen Sportverbandes wird angegeben, daß andere Verbände ihn zur Tarnung ihrer eigenen verbotenen Tätigkeit benutzt haben. JBgWtitaBAr* y#itegert Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Oberbaurat Robert Stricker. —. Druck: Druckerei- .und Verlags-A.-G, Ignaz Steinmann, beide Wle% IX* flnlyejslt&taatraßq