Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 349 (16.3.1934)
- Date
- 1934-03-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 349 DIE NEUE WELT Seite S } Ra§senreiiie Pfadfinder In den Wiener Zeitungen erschien unter dem Titel „Kein Numerus clausus beim Pfadfinderbund" folgende Verlautbarung: „Der Oesterrcichische Pfadfinderbund teilt mit: Entgegen verschiedenen Gerüchten über die Einführung eines Numerus clausus oder eines Arier Paragraphen im Landeskorps Wien des Oesterreichischen Pfadfinderbundes wird festgestellt, daß der Oestcrreichiache Pfadfinderbund an seiner allgemein bekannten Einstellung als vaterländische Jugendorganisation, aufgebaut auf den unpolitischen und interkonfessionellen Grundsätzen der Pfadfinderidee, nach wie vor festhält." Wir glauben nicht, daß Zweideutigkeit zu den unerläßlichen Grundsätzen der Pfadfinder-Bewegung zählt. Nichtsdestoweniger scheinen einige der Führer der Bewegung zu glauben, daß man nach der einen Seite so und nach der anderen Seite anders reden kann. Denn zur Zeit der obenstehenden Veröffentlichung wurde uns ein Exemplar der „Mitteilungen des Oesterreichischen Pfadfinderbundes, Landeskorps Wien" übermittelt, welches die Korpsverlautbarung Nr. 186 des Landesfeldmeisters A. Kratky enthält und deren Punkt 3 so lautet: * „Beschränkte Aufnahme von Nichtariern. In jedem Falle erst Anfrage an die K. K. unter Vorlage der Daten." Wie reimt sich das zusammen? Der Herr Landesfeldmeister und seine Getreuen scheinen der rasseantisemitischen Mode einen kleineren oder größeren Tribut zu zollen. Daß der Schöpfer und oberste Führer der Pfadfinder-Weltbewegung, Lord Baden-Powell, wohl nie die Tendenzen im Auge gehabt hat, welche dieser Korpsbefehl verfolgt, ist klar. Aber diesen Gegensatz aufzuklären, ist wohl nicht unsere Sache. Unsere Sache ist es, die E11 e r n und Lehrer der jüdischen Mitglieder des Pfadfinderbundes — und ihrer sind sehr viele — auf die famose Verordnung wegen der „Nichtarier" aufmerksam zu machen. Sie sind verpflichtet, dafür zu sorgen, daß unter diesenUmständenim Pfadfinderbund kein jüdischer Junge und kein jüdisches Mädchen bleibe. Wo man Juden eorgsam zählt und eine beschränkte Zahl höchstens „duldet", ist kein Platz für jüdische Kinder. Dort können sie nur Duckmäuser und Verächter ihres jüdischen Volkstums werden. Osterreisen nach POLE 28. Krakau, Lemberg, Kolomea Abfahrt: Rückfahrten: März 1934 9. und 22. April 1934 Paß und Visa gratis! Anmeldungen und Auskünfte: Reisebüro Ma ri a n h r II n Ir a" Wien I., Rotenturmstraße '26 arienOrUCKe Telephon R-24-2-86 und R-24-2-87 Palästina und Syrien Aus Jerusalem: Juden aus Osteuropa sind beim Versuch, „illegal" über die syrische Grenze nach Palästina zu gelangen, verhaftet worden. Die Verhafteten, unter denen sich auch einige Kinder befinden, wurden ins Gefängnis gesetzt. Aus Beirut: Im Zusammenhang mit dem Abkommen, das zwischen den Regierungen von Syrien und Palästina getroffen wurde, soll ein freier Verkehr ohne Visum für die Bürger der beiden Länder eingeführt werden. ArlosoroffmordffProxeß beginnt demnächst in Jerusalem Aus Jerusalem: 13. März. (J. T. A.) Nachdem vor einigen Tagen der öffentliche Untersuchungsprozeß gegen Abraham Stavsky, Zwi Rosenblatt und Abba Achi Mcir, die des Mordes, bezw. der Anstiftung zum Mord an Dr. Arlosoroff beschuldigt werden, vor dem Jaffaer Polizeigericht zum Abschluß gelangt ist und Polizeirichter B o d i 11 y die Anklageerhebung gegen die Beschuldigten verkündete, wird die Hauptverhandlung in kurzer Zeit vor einem Geschworenengericht in Jerusalem beginnen. Den Vorsitz in dem Geschworenengericht wird Oberrichter C o r r i e vom Obersten Gericht Palästinas führen. Man glaubt, daß dieser Prozeß der längste sein wird, den Palästina bisher zu verzeichnen hatte. Stavsky, Rosenblatt und Achi Meir wurden bereits aus dem Jaffaer Gefängnis in das Gerichtsgefängnis in Jerusalem überführt. Judenstaats p artei Oesterreichs §§ 3= ♦#••••*•♦»•••••♦••»•♦•»»•*••••••»•••♦»•»»•••••••••»••»•••••*•••••♦»• H Dienstag, den 20. März 1. J., um halb g H 9 Uhr abends, im Saale des Restaurants n g Schuh, Wien, X., Pernerstorfcrgasse 33 p 1 VORTRAG t 1! °*?9eS ROBERT STRICKER 1 | Thema: JUDISCHE WE LTLAGE | I kleiner UND PALÄSTINA | 1 Regiebeitrag Kokosnüsse liefern ihr nahrhaftes Fett zur Erzeugung des Pflanzenspeisefetts Kunerol. Vom Pressen der Früchte angefangen bis zur Verpackung des gebrauchsfertigen Kunerol steht die ganze Erzeugung unter streng ritueller Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. Kunerol kann daher von jedem Strenggläubigen ohne Bedenken zur Zubereitung von Milch- und Fleischspeisen verwendet werden, B Dieses Siegel bürgt... daß Kunerol streng rituell erzeugt wird und daher auch für Strenggläubige ohne Bedenken für die Zubereitung von Osterspeisen verwendet werden kann. Kunerol ist ein völlig reines Pflanzenfett, nahrhaft, leicht verdaulich und fast unbegrenzt haltbar. Kunerol wird unter ständiger Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg hergestellt KUN 100% REINES KOKOSNUSSFETT Nur echt in Originalpackung. Arbeitsamt der Judenstaatspartei in Palästina Die Judenstaatspartei eröffnet ihr eigenes Arbeitsnachweisbüro in Palästina Unser Korrespondent meldet uns aus Palästina: In Tel-Awiw wurde diese Woche ein Arbeitsnachweisbüro eröffnet, das von dem Zentralkomitee der Judenstaatspartei in Palästina ins Leben gerufen wurde. Die Aufgabe des Büros ist es, die neuangekommenen Gesinnungsgenossen mit Arbeit zu versorgen und ihnen auch sonst bei der Einordnung im Lande mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Das Arbeitsnachweisbtiro steht in enger Verbindung mit den maßgebendsten Arbeitgebern, Industriellen, Bauunternehmern, Pflanzern usw. Die Mitglieder der Judenstaatspartei und der Jugendorganisation „Brith-Hakanam" werden in der Zukunft nicht mehr in den unter revisionistischem Einfluß stehenden „Irgun Owdej Zohor Ubethar" eintreten. Es ist ihnen auch verboten, der sozialistischen Histadruth beizutreten. Das neue Arbeitsnachweisbüro wird jedoch nur solange bestehen, bis die geplante allgemeine „Gewerkschaft der nationalen Arbeite r", an deren Zustandekommen die Judenstaatspartei aktiven Anteil nimmt, gebildet sein wird. Sämtliche Mitglieder der Judenstaatspartei, des Brith-Hakanaim und des Chaluz Hamdinati, die entweder als Emigranten oder als Touristen nach Palästina kommen, werden aufgefordert, sich in ihrem eigenen Interesse sofort bei dem Zentralkomitee der Judenstaatspartei in Erez israel (Mifleget Hamdina Haivrith) oder bei der Mifkada Raslere dich besser! nimm die einzige schwedische Weltmarke! Haeljona des Brith-Hakanaim, deren Büros sich in Tel- Awiw (Bait Hakachol, Rchow Mikwej Israel 8) befinden, registrieren zu lassen. * Eine befreiende Tat, für welche nicht nur die Judenstaatspartei ihrem Führer Meir Großmann zu tiefstem Dank verpflichtet ist. Jeder Zionist, welcher die schmerzenden und beschämenden Vorgänge im Arbeiterleben Palästinas verfolgt, welchen die Nachrichten von ständigen Kämpfen zwischen jüdischen Arbeitern und dem Dazwischentreten von englischer und arabischer Polizei tief verletzten, muß befreit aufatmen. Die jungen Menschen, welche jetzt nach Palästina kommen, sind nicht mehr auf die klassenkämpferische, terroristische „Histadruth" oder die exaltierten Führer des „Irgun" angewiesen. Sie wissen nun, wohin sie sich zu wenden haben, wenn sie, die als Herzl-Zionisten ins Land gekommen sind, Herzl-Zionisten bleiben, d. h. die Idee von der Solidarität der Nation in allen ihren Teilen bewahren und das Arbeitsleben mit ihr durchdringen wollen. Wie notwendig die Gründung war, wird durch die ständigen Nachrichten über Arbeiterkrawalle in dem an Arbeit so reichen Palästina bestätigt. Wieder liegt eine solche Meldung vor: Neue Zusammenstöße zwischen Revisionisten und Histadruth. Aus Jerusalem: Die Zusammenstöße zwischen revisionistischen und Histadruth-Arbeitern hören nicht auf. In Rechoboth kam es zu einer schweren Schlägerei zwischen Mitgliedern des Brith Trumpeldor und Mitgliedern der sozialdemokratischen „Histadruth Haowdim", bei der einige „Betarim" verletzt wurden. Anlaß zur Schlägerei war, daß für Arbeiten in einem Neubau Revisionisten aufgenommen wurden, ohne daß die Vermittlung des sozialdemokratischen Arbeitsamtes in Anspruch genommen wurde. Die Bauarbeiten werden unter Polizeischutz weitergeführt. Zwei Histadruth-Mitglieder wurden verhaftet. Die bei dem Zusammenstoß in Chederah verhafteten 14 Histadruth-Mitglieder wurden zujelOPfund Buße oder je einem Monat Gefängnis verurteilt. Indessen geht der Konflikt in Chederah weiter. Die Polizei verhaftete noch vier Histadruth-Arbeiter, die als Streikposten gegen die Revisionisten fungierten. Sie wurden mit zehn anderen Arbeitern, die sich weigerten, die 10-Pfund-Buße zu leisten, in das Gefängnis von Akko überführt. Die Verhandlungen zur Liquidierung des Konflikts blieben bisher erfolglos. Die in den Orangenhainen und bei den Neubauten in Chederah beschäftigten Histadruth-Mitglieder führten einen einstündigen Proteststreik durch. Es ist zu verstehen, wenn Arbeiter, die unter drückenden Bedingungen arbeiten müssen, zum Mittel des Streiks greifen. Aber diese Tatsache liegt heute in Palästina, wo Arbeiter gesucht und ausreichend gezahlt werden, nicht vor. Die jetzigen Streiks in Palästina haben ihren Grund in dem Uebermut und der Herrschsucht der Histadruth-Führer, die einfach keinen Arbeiter im Lande dulden wollen, der sich nicht ihrer Diktatur unterwerfen will. Deiegi'ertenfag der Judenstaatspartei' in Palästina Aus Tel-Awiw: 13. März. (Z. T.A.) In Tel-Awiw fand ein von etwa 100 Delegierten besuchter Parteitag der Judenstaatspartei statt. Das Präsidium bildeten die Mitglieder der Parteiexekutive Meir Großmann, Richard Lichtheim, Dr. S. E. Soskin und Baruch Weinstein. Meir Großmann erstattete ein Referat über die Lage der Bewegung und ihre Aufgaben. Baruch Weinstein referierte über lokale Probleme. Von den übrigen Referaten ist das A. Schneidermans über Einwanderung und Arbeit und der Bericht Dr. N. Zamonskys über Jugendarbeit hervorzuheben. (Anm. d. Red.: Wir werden Über diese wichtige Tagung noch berichten.) WeinsEmkauf ist Verlrauenssadie! Verlangen Sie ausdrücklich: PALÄSTINA-WEINE PROPR-. BARON ROTHSCHILD. In allen einschlägigen Geschäften erhältlich! Autor. Vertreter für Oesterreich: Gustav Wilder, Wien IV/ Rai'nerg« 31 Telephon U-42»4-84