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Die neue Welt · 1934-03-16 · Heft 349 (16.3.1934) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 349 (16.3.1934)
Date
1934-03-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seit« 3 ME NEUE WELT Mr. 849 Strum-Mazzoth Strum-Mazzoth Strum runde Mazzoth Verlangen Sie überall nur Das beste österreichische Erzeugnis) in Geschmack und Bekömmlichkeit unerreicht! eine von vielen Tausenden anerkannte Spezialität — eine besonders wohlschmeckende Delikatesse Strum b Mazzoth <*™ß - rarvel Achten Sie auf die Stampiglie „H. Strum", die auf jedem Paket ersichtlich ist! Merken Sie sich im eigenen Interesse die 3 Worte: Strums runde Maxxoth! Ä H. STRUM, WIEN II Rotensferngassell . Tel. R-41-6-12 Garantiert frische Ware — heurige Erzeugung 19341 Die vorzüglichen „Strum-Mazzoth" werden erzeugt unter ständiger Aufsicht des ehrwürdigen Rabbinats der israelitischen Kultusgemeinde. Die genaue Einhaltung streng orthodoxer Kaschruth- Vorschriften wird von Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Babath überwacht. Die Erzeugung erfolgt mit eigens konstruierten, patentamtlich geschützten Maschinen (Oefen) auf elektrischem Wege mit fachmännisch geschulten jüdischen Arbeitern die amtliche „Polit. Korrespondenz" durch die Tagesblätter folgende Notiz erscheinen lassen: „Die deutschen Fachvereine der Juristen, Mediziner und Philosophen, veranstalten heuer einen Universitätsbau, der aufs neue eine verhüllte Demonstration gegen die Regierung darstellen soll." Die amtliche Korrespondenz selbst kommt zu dem Schluß, daß „die erregte Stimmung in der vaterlandstreuen Studentenschaft vollauf gerechtfertigt sei". Nichts liegt uns ferner als Neigung zu Angeberei oder Gesinnungsschnüffelei, aber daß die an Stelle der übergangenen und zurückgesetzten jungen jüdischen Kollegen tretenden Aerzte sich nicht gerade aus den treuesten Anhängern des Staats- und Vaterlandsgedankens zusammensetzt, weiß man nicht nur aus der oberwähnten amtlichen Bemerkung. Wem also, fragen wir die maßgebenden Stellen und Faktoren, ist mit der Brüskierung junger jüdischer Spitalsärzte gedient? Die armen Kollegen, denen die Ausbildungsmöglichkeit und die ohnehin nur für kurze Zeit befristete „Vertragsanstellung" entzogen wird, sind moralisch wie materiell schwerst geschädigt. Die ärztlich zu betreuenden Spitalskranken werden bei jüngeren, wenig oder überhaupt nicht vorgebildeten Aerzten sicherlich nicht besser aufgehoben sein. Und daß schließlich solche Neuerungen auch nicht im Interesse der in aufrichtiger Treue zu Oesterreich stehenden Patrioten gelegen sein können, braucht auch nicht erst auseinandergesetzt zu werden. So glauben wir, daß es hoch an der Zeit wäre, diese unösterreichischen Maßnahmen, die niemandem Nutzen bringen und sich von jedem Gesichtspunkt aus als schädlich erweisen, schleunigst wieder abzustellen." Eine sonderbare Verlautbarung Vor einigen Tagen brachten Wiener Zeitungen folgende Verlautbarung: „Im Sinne des ständischen Umbaues 1 e s Staates haben sich die christlich-deutschen lerzte Oesterreichs berufsständisch zusammenge- ..chlossen unter dem Namen »Vereinigung christich-deutscher Aerzte Oesterreichs*. Bundeszanzler Dr. D o 11 f u ß hat nachfolgende Herren zur Aus Berlin wird geschrieben: Der Reichsminister für Propaganda, Dr. Josef Goebbels, hat amtlich verlautbart: „In zunehmendem Maße wird beobachtet, daß N i c h t a r i e r, die bereits verschwunden und größtenteils offenbar ins Ausland geflüchtet waren, in Theatern, Varietes, Kabaretts usw. wieder auftreten. Das Auftreten auf deutschen Bühnen ist von der Zugehörigkeit zu einem der Fachverbände abhängig, welche Nichtariern regelmäßig verweigert wird. Ich weise daher die Polizeibehörden an, in allen Fällen, in welchen der Nachweis der Verbandszugehörigkeit nicht erbracht werden kann, das Auftreten zu verhinderi. Es darf nicht dahinkommen, daß sich das Publikum gegen das Auftreten von Elementen, von denen es bereits befreit zu sein glaubte, mit Selbsthilfe zur Wehr setzt." Diese „Mahnung" Goebbels' bedeutete nichts anderes, als die Aufforderung zu einer solchen „Selbsthilfe". In der Tat sind die neuesten Skandale gegen jüdische Künstler an deutschen Privattheatern nicht etwa von dem Publikum, sondern von SA.-Leuten, die ja unter der direkten Kontrolle der Machthaber stehen, ausgegangen. Aus London: Oer deutsche Botschafter /. Hoesch hat den britischen Außenminister Sir John Simon besucht und ihm den Wunsch der deutschen Regierung übermittelt, daß England nicht Filme nach Deutschland sende, die dazu angetan wären, Unruhe in das deutsche Publikum zu tragen, wie dies z. B. bei dem Film „Katharina die Große" mit Elisabeth Bergner In der Titelrolle der Fall war. Sir John Simon lehnte jede Einmischung der englischen Regierung in die Frage des Filmexports ab, da dies hre Kompetenz überschritte. Leitung der Vereinigung berufen: Leiter: Dr. Paul Geska; Stellvertreter: Dr. Hans Goldbach und Dr. E. John; Schriftführer: Dr. Fritz Kummer und Dr. Franz Bischof; Kassier: Dozent Dr. August Matras; Beisitzer: Dr. Karl Schmid t." Diese Meldung erfordert Beachtung und wohl auch Aufklärung. Bleiben die jüdischen Aerzte beim „ständischen Umbau des Staates" unberücksichtigt, ausgeschlossen? In richtiger Erfassung der Sachlage schreibt uns ein Rechtsanwalt: „Als Ihr Leser und Mitglied der „Jüdischen Volkspatei" halte ich für geboten, Ihre besondere Aufmerksamkeit auf diese Notiz zu lenken, weil sie mir ein G efahrensymptom zu sein scheint. Die Berufsvereinigung der christlich-deutschen Aerzte Oesterreichs mit einer von der Regierung ernannten Leitung wird bald Nachahmung bei allen anderen Berufsständen Oesterreichs finden. Es werden auf diese Weise die nicht in von der Regierung autorisierten Berufsvereinigungen zusammengeschlossenen jüdischen Mitglieder der gleichen Berufsstände von der Mitbestimmung am ständischen Aufbau ausgeschlossen sein. Auf diese einfache Art werden unsere in der Verfassung und im Friedensvetrag gesicherten Minoritätsrechte ohne formelle Beseitigung durch ein sogenanntes technisches Verfahren vernichtet werden. Hier gilt das Wort: .Principiis obsta!', und die Wachsamkeit unserer politischen Führung darf die Regerenden nicht im Zweifel darüber lassen, daß wir uns auch auf solche Art nicht entrechten zu lassen gesonnen sind, wenn diese Absicht mit der Bildung solcher .christlich-deutschen* Vereinigungen verbunden werden sollte." Verbringen Sie die Oaterferien bei Ihren Lieben in Krakau, Tarnow, Lemberg, Czernowltz usw., der bequeme Sonderschnellzug der „CA. Z." führt Sie billigst dorthin am 28. März und am 16. April zurück nach Wien. — Auch Paß und Visa werden von uns besorgt. — Weitere Auskünfte erteilt bereitwilligst: Reisedienst „Czernowltzer Allgemeine Zeltung", Wien I, SchuleratraBe 1 (Stadtbüro „Der Tag"), Telephon R-21-6-78. Aus Berlin: Minister Dr. Goebbels hat zunächst den Bergner-Film zugelassen, weil eine Ablehnung in England einen üblen Eindruck hervorgerufen hätte. Gleichzeitig aber hat als Signal das Goebbels-Organ „Der Angriff" scharfe Hetzartikel gegen Elisabeth Bergner und andere jüdische Künstler und Künstelerinnen, die „sich wieder in Deutschland einzuschleichen versuchen", veröffentlicht. Während der Aufführung des Bergner-Films tobte draußen ein SA.-Sturm, der im Sprechchor rief: „Hinaus mit der Jüdin! Wir wollen keine Juden sehen.'" Es wurden auch nicht wiederzugebende Ausrufe ausgestoßen. Prompt folgte dann das Verbot, das nun von der nationalsozialistischen Presse als mutige Tat der nationalsozialistischen Regierung gerühmt wird. Unter der Ueberschrift „Warnende Zeichen" nimmt nun der außenpolitische Chef der NSDAP., Alfred Rosenberg, wie folgt Stellung: „Wir müssen gestehen, daß der Versuch, ausgewanderte Juden, namentlich die verkümmerte Berglner, erneut in Berlin zu produzieren und ihnen in Deutschland wieder zu Beschäftigung zu verhelfen, einen unkünstlerischen Versuch darstellt, gegen den wir uns besonders wenden, weil er nicht mehr einen Einzelfall darstellt . . . Der Fall der Jüdin Bergner zeigt das systematische Bemühen, nun auf einem Umwege den ganzen alten Kurfürstendamm intellektuell und künstlerisch wieder in Berlin seßhaft zu machen. Es besteht ferner ein eifriges Bestreben, Theaterstücke unter einem Decknamen in Deutschland herauszubringen, wobei der Verfasser in Wien oder Prag sitzt und auf einen nur zu gut bekannten jüdischen Namen hört . . , Hier gilt es, doppelte Wachsamkeit zu entfalten." Die „Deutsche Justiz", das amtliche Organ deg Reichsjustizministers, führt aus: „. . . Daß Nichtarier weiterhin nicht mehr in Erscheinung treten dürfen, daß, ganz gleich auf welchem Gebiete, ein zersetzender Einfluß regelmäßig eintritt, wenn Nichtarier, insbesondere jüdische Elemente, sich irgendwie in den Vordergrund schieben, ist eine Erfahrungstatsache, der wir unter allen Umständen entgegentreten müssen." „Im Zusammenhang mit dem Fall Bergner hat . die Regierung eine neue Verordnung zum Lichtspiclgesetz erlassen, dergemäß nur Filme zugelassen werden, die vom Reichsminister als »deutsche Filme* anerkannt sind. Diese Bescheinigung erhalten nur Filme, bei deren Herstellung keine Juden mitgewirkt haben. Dies gilt uneingeschränkt für inländische Filme. Im Ausland hergestellte Filme bedürfen, bevor sie aufgeführt werden, einer Unbedenklichkeitserklärung dea Reichspropagandaministeriums." Nachdem es nun gelungen ist, das Verbot des Bergner-Films zu veranlassen, sind bereits Bestrebungen im Gange, ähnliche Fälle zu entfesseln. Die Zeltungen machen nun gegen die ungarisch-jüdische Filmdiva Franziska Gaal Stimmung, deren neuester Film „Früchtchen" in den Ufa-Theatern gespielt wird. Ein Um§diulung§* und Siedlungsprojekt Für die österreichisch-jüdische Jugend Man schreibt uns: Der Plan der Umschulung der jüdischen Jugend auf Landwirtschaft findet jetzt in weiten Kreisen Verständnis. Als Vorkämpfer auf diesem Gebiete hat Herr Nathan Pollak eine lebhafte und verdienstvolle propagandistische Tätigkeit entfaltet. Wir stehen vor der schwierigen Aufgabe, den Weg von der Stadt aufs Land zurückgehen zu müssen, aus dringenden wirtschaftlichen und politischen Gründen. Die Aufgabe ist eine sehr schwere und es bedarf der vollen Begeisterung unserer Jugend, um die ungewohnte, schwere Arbeit aufzunehmen. Aber nach den Erfahrungen, mit den Chaluzim in Palästina gemacht, ist es wohl sicher, daß auch in Oesterreich der Plan der Umschichtung der Jugend restlos gelingen kann. Die Intelligenz unserer Jugend wird auch bei schwerster Arbeit in der Landwirtschaft Fortschritte erzielen. Es bedeutet durchaus keinen Gegensatz zur Sehnsucht der Chaluzim nach Erez Israel, wenn sie vorläufig die Bearbeitung von Grund und Boden hier aufnehmen und dann, ausgestattet mit modernen Kenntnissen der Landwirtschaft, nach dem Ziele ihrer Wünsche wandern. Es hat sich ein aus allen jüdischen Parteien bestehendes Komitee gebildet, welches zunächst bestrebt ist, Lehrlinge und ausgebildete Chaluzim bei jüdischen Gutsbesitzern, Pächtern usw. unterzubringen. Hier sind schon Erfolge für die heurige Anbausaison zu verzeichnen. Dann liegt der Plan vor, ein in der Nähe von Wien gelegenes Heim einzurichten, in welchem die Jugend volle Verpflegung und theoretische und praktische Ausbildung erhält. Zu dem Heime gehören größere Anbauflächen (Gärten und Felder), welche den Schülern zur Verfügung stehen .werden. Die vorgebildeten Schüler können bald die Instandsetzung der Gärten der Anstalten der Kultusgemeinde sowie solcher von Privatbesitzern übernehmen. Anmeldungen für das Frühjahr liegen bereits vor. Für die Errichtung von geschlossenen jüdischen Siedlungen liegen die Verhältnisse momentan nicht ungünstig. Die Bundesregierung hat für Siedlungsförderung einen Kredit von 5% Millionen Schilling zur Verfügung gestellt, per Siedlerstelle einen Betrag von 4500 Schilling, Der Bund geht auch an die Schaffung einer B eratungsstelle zwecks Auswahl freier Siedlerstellen. Es ist höchste Zeit, daß das Komitee beim Bunde als Bewerber auftritt, um jüdischen Erwerbslosen die Möglichkeit zu geben, als Siedler in selbständiger, wenn auch schwerer Arbeit das tägliche Brot zu verdienen. Es ist das dringendste Gebot der Stunde, unsere jüdische Jugend aus dem Unglück der Arbeits- und Erwerbslosigkeit herauszuführen. Produktive Kredfthilfe Die durch den verstorbenen Oberrabbiner Dr. Chajei gegründete jüdische Kreditkasae für Kleingewerbe und Kleinhandel in Wien hielt dieser Tage unter dem Vorsitz dea Obmannes Herrn Rafael Halporn ihre 11. ordentliche Generalversammlung ab. Wir entnehmen dem durch Direktor Henisch erstatteten Tätigkeitsbericht für das Jahr 1933: Von den Kreditgesuchen wurden 724 erledigt, davon 637 in positivem und 87 in negativem Sinne. 573 Darlehen gelangten zur Auszahlung, gegenüber 612 im Vorjahre. 139 Darlehen (zirka 25 Prozent) entfallen auf neue Darlehensnehmer. Die Höhe der Einzeldarlehen betrug in 11.3 Prozent der Fälle zwischen S 500 und 1000, in 73.3 Prozent der Fälle S 500 und in 15.4 Prozent der Fälle unter S 500. Die Gesamtsumme der ausbezahlten Darlehen betrug S 285.520 (gegenüber S 312.630), was einen Monatsdurchschnitt von zirka 48 Darlehen mit S 23.800 ergibt. Nach Berufakategorien entfallen auf Kleinkaufleute 414 Darlehen (72.25 Prozent), Handwerker 104 (18.15 Prozent), kleininduatriolle Betriebe 31 (5.4 Prozent) und Angehörige freier Berufe 24 Darlehen (4.2 Prozent). Die Gesamtsumme der Darlehensrückzahlungen betrug S 288.229.27. Der Gesamtdarlehensstand mit Jahresende belief sich auf S 163.400.85 gegen zirka S 166.000 mit Ende 1932. In den elf Jahren ihres Bestandes gewährte die Kreditkasse insgesamt 7336 Darlehen im Gesamtbetrage von S 3,638.545.__ Wichtig für Polenrelsende! Wer zur Osterfahrt nach Polen billig, bequem und in guter Obhut fahren und dabei den Aufenthalt in Polen nach Belieben ausdehnen will, der benützt die bewährten Gesellschaftsreisen des polnischen Reisebüros „Francopol", III., Rennweg 1, Gebäude des polnischen Konsulats. Tel. U-16-4-90. E Treibjagd auf jüdische Künstler

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