Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 349 (16.3.1934)
- Date
- 1934-03-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Brate 20 Groschen freitags den I«. Min 1*34 REVUE BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50. vierteljährig S4.20, ganzjährig S16.—;Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.- Tschechoslowakel monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—: Schweiz und die flbr igen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion ti. Verwaltung: IX, Universitätsstr. 6-8, leL B-48-504—ErscheintDienstag und Freitag Jüdische Volkspartci Oesterreichs Donnerstag, den XX. März 1934, findet um halb 9 Uhr abends im Saale des Hotel Auge Gottes, Wien IX, m + wr i «1 1 Nu&dorfer.tra&eTS.ein grOtyCT VOITragSabeila »taH. Thema: „Die Judenfrage immer dringender" / „Der jüdische Weltkongreß". Referenten: Oberbaurat Ing. Robert Stricker, Dr. Oskar Grünbaum Kleiner Regiebeitrag Hs'nauswurf als Leitungsprinze] Zur bevorstehenden Aktionskomiteesitzung in Jerusalem t Am 25. März beginnt in Jerusalem die Tagung des Aktionskomitees (A. C.) der Zionistischen Weltorganisation. Das Aktionskomitee ist die oberste Kontrollbehörde der Weltorganisation und in der kongreßlosen Zeit Trägerin fast aller Machtbefugnisse des Zionistenkongresses. Nach dem völligen Versagen des letzten Kongresses in Prag verbindet die zionistische Welt mit der bevorstehenden Sitzung ganz besonders große Hoffnung. Man erwartet von ihr die Erfüllung der großen Aufgaben, welche der Kongreß unerledigt gelassen hat. Vor allem: Positive Arbeit für den Aufbau des Judenstaates! Leider sieht es nicht so aus. als würde diese berechtigte Hoffnung verwirklicht werden. Denn die Zionistische Exekutive, welche der Kongreß unter dem Eindrucke der von den Linken künstlich erzeugten Hetze um den Mordfall ArJos o r o f f gewählt hatte, hat kein? ersprießliche Vorarbeit für das Aktionskomitee geleistet. Sie ist positiv so gut wie gar nicht hervorgetreten und hat anderseits den Konfliktsstoff in der Weltorganisation nicht veim ind er t, sondern vermehrt. Ihr Plan, die Zionisten-Revisionistcn aus der Weltorganisation hinauszuwerfen, ist auch nach dem Kongreß, den ihre Partei durch die Verfolgung dieses Planes zugrunde gerichtet hat, das A und O ihrer Regierungsweisheit geblieben. Daß mit einem dem Sinne der von Herzl geschaffenen Weltorganisation entgegengesetzten Hinauswurf einer großen Partei dem Zionismus nicht gedient sein kann, das verstehen alle, nur nicht diese Exekutive der Linken und ihre gewissen Parteigänger aus dem Lager der Allgemeinen Zionisten. Darum scheint es leider wahrscheinlich, daß der Streit um die Revisionisten die Tagung beherrschen, wenn nicht — wie den Prager Kongreß — runieren wird. Misraehi fordert Absetzung der Exekutive Die Exekutive hat nicht nur den Kampf gegen die Revisionisten verschärft. Sie hat es auch verstanden, die Fraktion des thoratreuen „M i s r a c h i" so vor den Kopf zu stoßen, daß sich in dieser Fraktion, welche eine der ältesten und wichtigsten ist, Austrittstendenzen bemerkbar machten. Es ist darum auch zu dem in der Geschichte der Zionistischen Weltorganisation bisher unerhörten Fall gekommen, daß der Antrag auf A bsetzung der vom Weltkongreß gewählten Exekutive auf die Tagesordnung gesetzt werden mußte. In der von der Exekutive erstellten und veröffentlichten Tagesordnung der Aktionskomiteesitzung heißt e3: III. Innere Lage. Zu diesem Punkte wird ein Bericht über die Entwicklung der Organisation seit dem Kongreß, die Beziehungen der Teile der Bewegung zueinander und zur Exekutive usw. erstattet werden. Ueberdies wird in diesem Zusammenhang ein Antrag behandelt werden, der von den Mitgliedern der Misraehi- Fraktion wegen Abberufung der Exekutive laut § 49 b des Organisationsstatuts gestellt wurde. Diese Bestimmung lautet wie folgt: „Das Aktionskomitee ist berechtigt, in einer Sitzung, in der mindestens drei Viertel der gewählten Aktionskomiteemitglieder anwesend, bzw. vertreten sind, mit einer Dreiviertelmehrheit der Anwesenden die Exekutive abzuberufen und eine neue Exekutive an ihre Stelle zu wählen, wobei der Exekutive das Recht des Appells an einen außerordentlichen Kongreß zusteht." * Das sind die unerfreulichen Zeichen, welche der Aktionskomiteetagung vorangehen. Die Not des jüdischen Volkes ist aufs höchste gestiegen. Palästina ist seine große Hoffnüng. Gegen dieses Palästina stoßen Feinde vor und wollen den Juden den Weg zu ihm abschneiden. In diesem ERCNUCEMU ERHOLUNG »tRIEfEMCHIFFElL IAM HAUEN ITT EIMEER „Vulcanla" vom 21. März bis S. April: Ostern in Palästina Neapel, Palermo,Athen, Haifa, Port Said. Genua, Rhodus, Palras, Palermo, Neapel „Roma" vom 5. April bis 23. April: Messe In Tel-Aviv Genua, Neapel, Taormlna, Malta, Haifa, Port Said, Rhodus, Athen, Neapel. „Vulcanla" vom 2. Mal bis 20. Mal: Messe in Tel-Aviv Neapel, Palermo, Athen, Beirut, Haila, Port Said. Haifa, Rhodus, Patras, Palermo, Neapel, Cannes. Fahrpreise für die ganze Seefahrt infftV klusive Verpflegung u. Kabine ab S ^7 3«" 50%lge Ermäßigung auf den Italienischen Bahnen ,ITALIA' VEREINIGTE FLOTTEN - COSULICH LINE WIEN I, KÄRNTNERRING 6 - TEL. U-47-5-60 Augenblick hat es die Exekutive, die oberste Leitung des Zionismus, dahin gebracht, daß „Hinauswurf", „Auflösung", „Absetzung" die Hauptgegenstände der Aktionskomiteesitzung sein dürften. Das ist unsäglich traurig und beweist, daß diese Exekutive untragbar und unhaltbar ist. Der Kampf gegen den ludischen Arzt Judisdie Aerzte klagen beim Völkerbund (Polnisch-Ober Schlesien) wird Aus Kattowitz uns gemeldet: Die Ständige Gemischte Völkerbundskommission für Oberschlesien hat in ihrer soeben in Kattowitz abgehaltenen Tagung mehrere ihr vom Völkerbund zugewiesene Petitionen deutsch-oberschlesischer Einwohner einer Prüfung unterzogen, u. a. gegen die deutsche Regierung Beschwerden zweier jüdischer Aerzte, Dr. Schwenkel und Dr. F e u e r e i s e n, die von der Krankenkasse in B e u t h e n (Deutsch-Oberschlesien) entlassen wurden, und zwar wegen ihrer Zugehörigkeit zum Judentum. Dies widerspricht den Bestimmungen für Minderheitenschutz im deutsch-polnischen Oberschlesien- Abkommen vom Jahre 1932. Den Vorsitz in der Kommission führte der frühere schweizerische Bundespräsident Felix Calonder. Polen war durch den früheren Minister Morawski und durch Dr. Chmilewski, Deutscn- 1 a n d durch Graf Praschna und Dr. Matuschka vertreten. Das Urteil wird in etwa drei Wochen verkündet werden und wird als Präzedenz für alle ähnlich gelagerten Fälle in Zukunft dienen. Und in Oesterreich Der vorstehende Bericht über Verletzung der Gleichberechtigung jüdischer Aerzte in Deutsch-Oberschlesien wird gewiß auch in Oesterreich besonderes Interesse erwecken. Haben wir doch in unserer letzten Nummer einen Bericht aus der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz gebracht, wonach auch dort jüdische Spitals- und Kassenärzte wegen ihres Judentums entlassen wurden. (Sie waren wohl, wie alle städtischen Aerzte in Linz, in der nunmehr verbotenen sozialdemokratischen Partei organisiert. Aber ihre christlichen Kollegen wurden im Amte belassen, nur die jüdischen wurden entfernt.) In Oesterreich bestehen aber die gleichen Gesetze zum Schutze der Alle im redaktionelles Teil befindlichen entgelt* liehen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet NACH PAUKSTINA «•"■■«"■■•«--.■—— *m c* m in ääER«« . AM 30- APRIL: 2. Mettereise mit dem Luxusmotor- COMPi&SS TOUDS SChlff "Vulcania" über Rom' Neapel, Palermo, Athen, Beirut OFFIZIELLES PROPAGANDABÜRO FUr E i n Z 81 r 9 i S 8 n d 8 der stadtgemeinde TEL-AWiw Schiffskarten zu Originalpreisen Auskünfte und Anmeldungen im Reisebüro Compass Tours, Wien IX, Spitalgasse 3, Telephon Nr. B-42-5-38 Gleichberechtigung aller Minoritäten, also auch der jüdischen, wie in Deutsch-Oberschlesien. Dieser Umstand machte die Meldung für Oesterreich besonders b3merkenswert. Wie schwer die jüdische Aerzteschaft Oesterreichs bedroht ist, geht aus nachstehender Schilderung hervor, die uns aus den Kreisen der Standesvertretung der jüdischen Aerzte zugegangen ist: Zur Frage der jüdischen Spitalsärzte „Bezüglich der Ausschaltung jüdisener Aerzte von den staatlichen Wiener Fondsspitälern ist auch in den letzten Monaten keine Wendung zum Besseren eingetreten. Die anderslautenden Gerüchte beruhen leider, wie wir uns überzeugen mußten, nicht auf Richtigkeit. Seit Juni 1933 ist kein einziger jüdischer Arzt zum Aspiranten ernannt worden. Aspiranten, OPIUM DIE ATTRAKTION VON WIEN 0. HOHLE 1, HABSBURGERGASSE 4, TEL. R-28. 4-7 7 ZUR MESSE 2 PROMINENTE TANZ-STARS die es schon von früher her sind, werden gegen den Sinn und den Wortlaut des Anstellungsvertrages nicht zu Sekundarärzten befördert. An ihre Stelle rücken junge und wenig vorgebildete Kollegen vor — sicherlich nicht zum Nutzen der zu betreuenden Patienten. Ja, sogar die Zuerkennung des Titels „aspirierender H o s p i t a n t", die noch keinerlei Anwartschaft auf eine Anstellung in sich schließt, wird jüdischen Jungärzten mit schriftlichem oder mündlichem Bescheid versagt. Und zu gleicher Zeit, da für jüdische Jungärzte, mag ihre fachliche Eignung und ihre vaterländische Gesinnung noch so erwiesen sein, an den Spitälern plötzlich kein Platz mehr ist, lesen wir am Anschlägbrett eines medizinischen Fachvereines: „Dringend werden junge Aerzte für eine Wiener Krankenanstalt gesucht", ferner „Operateurstelle zu besetzen. Auch Bewerber, dio eben erst promoviert haben, möchten sich bei uns melden", usw. Und eben zu gleicher Zeit, da sich der „Verein deutscher Mediziner" seiner „Verbindung mit zahlreichen Wiener Spitälern" rühmt, „die es ihm ermöglicht, auett SpezialWünsche der Kollegen zu berücksichtigen", hatte