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Die neue Welt · 1934-03-13 · Heft 348 (13.3.1934) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 348 (13.3.1934)
Date
1934-03-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 348 DIE NEUE WELT Seit« 3 Erez ferael auf dif h We§ta§iatisdien Olympiade f Von unserem Sonderberichterstatter Walter Frankl Bombay, 26. Februar 1934. Nach Ueberwindung der größten Schwierigkeiten, nach Beschaffung von Pässen, Visen, Urlauben und vor allem Reisegeldern ist es doch in letzter Stunde gelungen, eine Palästina-Mannschaft, wenn auch eine ganz kleine, zu don wichtigen Spielen zu entsenden. Die Western-Asiatic Games wurden eigentlich durch den Besuch des Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees, Graf Baillet-Latour, in Indien angeregt und durch das indische Olympische Komitee verwirklicht. Graf Baillet-Latour fürchtete, daß bei der Olympiade, die 1940 in Tokio (Japan) stattfinden soll, die europäischen Staaten infolge der großen Kosten nicht sehr zahlreich vertreten sein werden, und deshalb wollte er den Fernen Orient im Laufe der nächsten acht Jahre sportlich so weit erziehen und organisieren, daß die Teilnehmermassen Europas durch die Länder des Ostens ersetzt werden könnten. Zu den ersten Spielen in New Delhi, dem Sitz der Regierung von Indien (in der Zeit vom 25. Februar bis zum 3. März), wurden folgende Staaten eingeladen: Indien, Siam, Burma, Nepal, Straits Settlements, Persien, Hedjas, Syrien, Libanonien, Ceylon, Afghanistan und Palästina. Die Palästina-Regierung hat die Einladung, die der ind.ische Vizekönig Lord V i 11 i n g t o n an sie richtete, an alle Sportvereinigungen des Landes weitergegeben, und was geschah? Die Araber haben überhaupt keine Leichtathletik und keinen organisierten Schwimmsport, sondern nur etwas primitiven Fußball, aber Fußball gab es gar nicht im Programm der Spiele, sondern bloß Hockey (indischer Nationalsport), Tennis, Leichtathletik und Schwimmen. AI30 antworteten die Araber negativ. Dasselbe war mit den Armeniern in Erez Israel und mit den Christen (Y. M. C. A.) dei Fall. Die Engländer unterlagen in allen leichtathletischen und Schwimmkonkurrenzen dem Makkabi und konnten ebenfalls kein richtiges Team auf die Beine bringen. Der „Hapoe 1" gehört der Federation der palästinensischen Amateursportvereine nicht an und hat außerdem keine Athleten oder Schwimmer, die den Anspruch auf Entsendung machen könnten, da er sich als politischer Verein nur nebensächlich mit Sport befaßt. Deshalb mußte auch er die Anfrage der Regierung negativ beantworten. Von allem Anfang an lastete die ungeheure Verantwortung auf dem Makkabi, das jüdische Volk unter jüdischer Fahne zum erstenmal zu diesen Kämpfen nach dem Fernen Osten zu führen. Der Makkabi wurde sich dieser historischen Rolle vollauf bewußt, wenngleich die jüdische Oeffentlichkeit in und auch außerhalb Palästinas jedwedes Interesse vermissen ließ. Weder die Sochnuth noch der K. K. L., noch der Keren Hajessod, noch sonst ein jüdisches Institut half dem Makkabi bei der Durchführung der so wichtigen Reise. Die Iriah von Tel-Awiw, die doch an der Reise das größte Interesse haben sollte, denn es ist möglich, daß die zweiten Spiele in Tel-Awiw veranstaltet werden (im Jahre 1938) gab nicht einen Piaster für diese Reise her! Ohne Hilfe von außen und unter den größten Schwierigkeiten von innen besiegte der Makkabi die Skeptiker und brachte das große Wunder zustande, einen Schwimmer und vier Athleten sowie einen Delegierten zum Kongreß nach Indien zu entsenden. Die Repräsentanten des jüdischen Erez Israel, die im Namen Palästinas, aber in jüdischen'Farben und mit der blau-weißen Fahne und Magen David, in New-Delhi aufmarschieren, sind folgende: David Almagor, der Führer der Delegation, von Beruf Turnlehrer in Tel-Awiw, der jüdischen Jugend bekannt als Seeheld, der mit kleinen Segelschiffen von Tel-Awiw nach Port-Said und nach Beirut auf offenem Meere nach dem Kompaß fuhr und der sein Boot trotz größter Stürme heil in den Hafen brachte; Shlomoh Maranz, der schnellste Läufer von Erez Israel, der die 100 Meter schon mehrmals in 11 Sekunden lief und von Beruf Schlosser in Tel-Awiw ist; Dow Rabinowitsch, der beste Wurfathlet von Erez Israel, Absolvent der landwirtschaftlichen Schule in Mikweh-Israel, Theo Efraim L e v y, erst ganz kurze Zeit Im Lande, früher in Hamburg deutscher Hochschulineiater über 100 Meter. Seine beste Zeit ist 10,8 Sekunden. Momentan arbeitet er im Pavdess von Ness-Ziona, Walter Seew Frankl, Mittel- und Langstreckenmeister von Erez Israel, und Alfred Guth einer der besten Schwimmer aus Oesterreich, der seit einem Jahre in Erez Israel ist und schon die Landesmeisterschaft im Freistilschwimmen über 200, 400 und 1500 Meter gewann. Aus Geldmangel fuhr die Repräsentativmannschaft in der primitivsten Bahn- und Schiffsklasse von Tel-Awiw nach Kantara (Aegypten), von dort nach Port-Said und weiter mit dem Indien-China-Dampfer des Lloyd Triestino „Conte Verde" durch den Suez-Kanal, das Rote Meer, Aden und durch den Ozean nach Bombay, wo sie nach sehr guter Seereise wohlbehalten ankam, um die Bahnrcisc nach New-Delhi anzutreten. Das Protektorat über die Spiele hat der Vizekönig von Indien, Lord Villington. übernommen, der gemeinsam mit dem Maharadja Adjiray von Patiala die Spiele finanziert. Die Organisation liegt in den Händen des indischen Olympischen Komitees. Auf der Rückreise werden die Makkabim Gäste der verschiedenen jüdischen und zionistischen Organisationen in Indien sein. Der Rückweg erfolgt über Persien, Bagdad, Damaskus, Haifa. Palästina und die Fußballmeisterschaften. Palästina wird sich in diesem Jahre an den Weltmeisterschaften im Fußball beteiligen. Palästina wird bereits am 15. März 1934 in Kairo gegen Aegypten spielen und am 22. März in Alexandrien gegen die Türkei. Man muß die Aussichten Palästinas als günstig bezeichnen, da eine Reihe erstklassiger Wiener Hakoahner, darunter Weigner, Guth, Oppenheim, Rosenblatt, Haftel und insbesondere Flesch nach Palästina übersiedelt sind. Jüdischer Sport in Australien. Der jüdische Sport in Australien hat in der letzten Zeit einen starken Aufschwung genommen. Es ist bemerkenswert, daß die jüdischen Zeitungen, insbesondere die in Melbourne erscheinende ,,,J e w is h Weekly News", dem jüdischen Sport einen großen Raum einräumen. In Sydney fand Ende Dezember eine große Sportveranstaltung zwischen den führenden jüdischen Klubs der Staaten V i ct o r i a und Neu-Südwales statt. Das Programm umfaßte Tennis, Schwimmen, Cricket und Gymnastik. Besonders hervor tat sich die „Maccabean Sport Association" Neu-Südwales. Makkabi, Deutschland. Die Leistungen des Jahres 1933 zeigen in verschiedenen Disziplinen einen Rückgang. Dieser ist zurückzuführen auf den Weggang zahlreicher Spitzenkönner nach Palästina und besonders auf den Mangel an Trainingsmöglichkeiten. Den Makkabi-Vereinen wurden von den Behörden die städtischen und staatlichen Turnhallen und Sportplätze nicht wieder zurückgegeben. Die Vereine gehen daran, eigene Trainingsmöglichkeiten zu schaffen. Es ist daher zu erwarten, daß die Bestleistungen des Jahres 1934 das Niveau des Jahres 1933 übersteigen werden. Humanitärer Verein der Lemberg er In Wlep Sitz: 1, Kai 45. Telephon U-25-30;! Billige Osterfahrt nach POL Krakau-Lemberg-Stanlslau-Kolomeau. Zwischenstationen (auch Warschau) Abfahrt am Zi. März, Rückfahrt am 9. und 22. April 1934. Paß und Visu gratis. AusUiinfte und Anmeldungen: Poln. CnBiMtfMMMlAA Wien III, Rennweg 1 Verkehrsbüro «*rICHKCOPd Telephon U-16-4-90 Artur Landsberger — der Tote von Zelle 210 Aus Saarbrücken: Am 5. Oktober 1933 brachte die gleichgeschaltete „Berliner Nachtausgabe' die Nachricht, daß der bekannte Schriftsteller Doktor Artur Landsberger in seiner Wohnung im Berliner Tiergartenviertel freiwillig aus dem Leben geschieden sei. Später erfuhr man, daß sich Landsberger in der Zelle des Gefängnisses, in das er gebracht wurde, e rhängt hat. Der Tote habe sich durch sein Werk „Berlin ohne Juden", in dem er visionär Berlins wirtschaftlichen Bankrott nach einem Judenboykott schildert, den Haß der Nationalsozialisten zugezogen, weshalb er in Schutzhaft genommen wurde. Jetzt erfährt die „Deutsche Freiheit" aus ganz zuverlässiger Quelle, daß Artur Landsberger in seiner Zelle von den beiden Nazibeamten Heribert Gerhard und Gustav G ü«ather ermordet und dann aufgehängt wurde, damit ein Selbstmord vorgetäuscht werde. Landsberger war wegen „Greuelpropaganda" verhaftet worden und machte lange Irrfahrten durch die Berliner Polizeigefängnisse durch. Im Gefängnis Berlin-Schöneberg in der Gothaer Straße saß er in der Zelle Nr. 210 im zweiten Stock. Am 19. September wurde er von der Geheimen Staatspolizei nach deren Quartier in derPrinz-Albrecht- Straße „zum Verhör" abgeholt. Am 20. September war er noch nicht zurückgekehrt. Die Zelle 210 blieb leer. Als jedoch am 21. September morgens die Türen der Zellen zum Entleeren der Abortkübel geöffnet wurden, befand sich Dr. Artur Landsberger wieder in der Zelle 210; er hing am Rohr des Heizkörpers, Ucber das mysteriöse Ende des Gefangenen herrschte unter den Insassen des Gefängnisses Bestürzung. Als die Mitgefangenen erfuhren, daß in der Nacht zum 21. September die Beamten Gerhard und Günther Wachtdienst hatten, wußten sie, was sie von dem Fall zu halten hatten: Diese Beamten waren dazu ausgewählt, „delikate" Aufträge auszuführen. Die Mitgefangenen nahmen an, daß Landsberger von Organen der Geheimen Staatspolizei in der Zelle aufgehängt, also ermordet wurde; und das unter Duldung der erwähnten Beamten. Erst am 5. Oktober erfuhr die Oeffentlichkeit von dem „Selbstmord durch Vergiften in der eigenen ERGNÜGEM,, ERHOLUNG »'RIEfEN/EHIFFEKV hau cm NITTELMEER Vuloanla" vom 21. März bis 9. April: Ostern In Palfistina Neapel, Palermo, Athen, Haifa, Port Said. Genua, Rhodus, Patras. Palermo, Neapel „Roma" vom ö. April bis 23. April: Messe in Tel-Avlv Genua, Neapel, Taorniina, Malta, Haifa, Port Said, Rhodus, Athen, Neapel. . Vulcaila" vom 2. Mal bis £0. Mai: Messe In Tel-Avlv Neapel, Palermo, Athen, Beiruf, Haifa, Port Said. Haifa, Rhoduß, Pättas, Palermo, Neapel, Cannes. I;alirpreiae für die ganze Seefahl t nf.f)t klusive Verpllegu ru. Kabine ab S*fJQ»m 50%iga Ermäßigung auf den Itallanischan Bahnen ,|TAL'A* V.REINIGTE FLOTTEN - COSULICH LINE WIEN I, KÄRNTNERRING 6 ■ TEL. U-47-5-60 W 0 h n un g", wobei nirgends erwähnt wurde, daß Landsberger überhaupt verhaftet war. Die „Deutsche Freiheit" kommt zu dem Schlüsse, daß die „Sclbstmordepidemic" in Deutschland meist ähnliche Hintergründe hat. Arisch-jüdische Mischehen wegen „Irrtums" lösbar > Aus Frankfurt a. M.: Das Oberlandesgericht Karlsruhe hat die Anfechtung einer arisch-jüdischen Mischehe wegen Irrtums über die Bedeutung des Rasseprinzips und der Rasseverschiedenheit zugelassen. Das Oberlandesgericht hat zwar festgestellt, daß die Ariergesetzgebung des Jahres 1933 keine Anhaltspunkte für die zur Entscheidung stehende Frage biete. Es hat jedoch in einer ausführlichen Begründung Mischehen zwischen Ariern und Nichtariern „nicht nur als nicht wünschenswert, sondern verderblich, unnatürlich und widernatürlich" bezeichnet. Das Gericht ist dann zu der Entscheidung gekommen, daß der Kläger bei Kenntnis der wahren Sachlage die Ehe nicht geschlossen hätte und daß deshalb hier der § 1333 (Irrtum über wesentliche persönliche Eigenschaften des Ehegatten) anzuwenden sei. Das „Rndustn'egesetz" vom polnischen Sejm angenommen Aus Warschau: 11. März. (Z. T. A.) Der polnische Sejm hat in erster Lesung die sogenannte Novelle zum Industriegesetz, der gemäß die Regierung die Befugnis erhält, auf allen Gebieten des Wirtschaftslebens, in Handel, Industrie und. Handwerk, ein System von Qualifikationen " einzuführen und jeden „N iehtqualifizierten" hinauszustoßen, angenommen. Im Namen des Jüdischen Klubs warnten die Deputierten Dr. Rothenstreich, Dr. Rosmarin und Dr. Sommerstein davor, die Novelle Gesetz werden zu lassen, das als ein Instrument der Willkür zur Hinausstoßüng der Juden aus der Wirtschaftsfront ausgenutzt werden könnte. Sie beantragten eine Reihe Aenderungen, um dem Gesetz die Härten zu nehmen, die aber abgelehnt wurden. Abgeordneter Rothenstreich erklärte, das Gesetz werde der gesamten polnischen Wirtschaft Schaden bringen. Das vom Sejm angenommene Gesetz bedeutet gegenüber der von der Kommission beschlossenen Vorlage insofern eine Verschlechterung, lals der Vorschlag der Kommission, das Gesetz erst in drei Jahren in Kraft treten zu lassen, abgelehnt und die sofortige Inkraftsetzung der Novelle beschlossen wurde; allerdings mit der Einschränkung, daß die gegenwärtig Handeltreibenden keines Qualifikationsnachweises bedürfen. Palästina-Besuch des Marschalls Pilsüdski Aus Warschau.-: Marschall Pilsüdski tritt demnächst eine Erholungsreise nach Aegypten an. In dem Programm ist ein Besuch in Palästina vorgesehen, und zwar wird der Marschall einen Tag in Tel-Awiw und einen Tag in Jerusalem weilen. Antisemitische Ausschreitungen in PoPen Aus Warschau: Die unaufhörliche antisemitische Propaganda der Nationaldemokraten hatte eine weitere Reihe antisemitischer Ausschreitungen zur Folge. In K 1 o b u c k bei Czenstöchau kam es zu schweren Ausschreitungen, bei denen Viele Kaufleute verletzt wurden; Die Polizei verhaftete die Urheber. Die Menge bombardierte das Polizeigefängnis mit . Steinen. Aus einem Telegramm der jüdischen Gemeinde von Klobuck an den Warschauer jüdischen Nationalrat geht hervor, daß .bei den Ausschreitungen viele Juden Messerstiche erhielten und daß im Hospital die Juden Bichelmann, Szmulewicz, Kurzbart, Rosen und Birnbaum schwerverletzt darniederliegen.. Die jüdische Einwohnerschaft lebt in furchtbarer Panik. In Lemberg kommen täglich Ueberfälle auf jüdische Passanten und Angriffe auf jüdische G cschäfte vor. In einige Geschäfte wurden Stinkbomben geworfen, ebenso in ein meist von Juden besuchtes Theater. Bei den letzten Ueberfällen wurden die Juden Meier Weinstein, seine Frau und Alexander Rosenhaus erheblich verletzt. Am Lemberger Polytechnikum wurden jüdische Studenten überfallen und schwer mißhandelt. Im Hörsaal des Professors Kostanecki an der Warschauer Universität demonstrierten die Studenten für Einführung des Arierparagraphen. 6ht guter 9tot ift nicfjt teuer, fonbent billig alles bei ©d)iffmann ju laufen. ©rofjt? SluStuafjl in eleganten fjodjmobernen ©amen-ÜJiänteln, aparten Leibern, Ritten imb ©djuljen foiuie bie richtige grfiljjaljrS» garberobe für beu §euu unb ba3 Äinb ... beifhielloS bifligbei Stfnffmann II,,5abotftrajje48

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