Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 348 (13.3.1934)
- Date
- 1934-03-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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r fiOi%4 DIE NEUE WELT Nr. 348 Für den Herrn;! Frühjahrs-i Garderobe; '*'p£f*,»'t^ÄP^WI dürrmam ^4r/.-.^<£v-.^ Der „Dybuk" als Oper An-skis „Dybuk", auf der Bühne ein Welterfolg und sozusagen das literarische Symbol für den jüdischen Mystizismus, erscheint demnächst auf einer Opernbühne. Bisher ist bloß Joel Engels Musik zum „Dybuk", die Dybuk-Suite, populär geworden. Der Komponist der Dybuk-Oper ist der italienische Musiker Lodovico Rocco, der nach langem, intensivem Studium der chassidischen Welt an sein Werk herangegangen ist. Die Uraufführung wird an der Mailänder S c a 1 a stattfinden. Zur Inszenierung dieser Oper wurde der Regisseur der Wiener Staatsoper Dr. Lothar Wallerstein berufen. Das Textbuch stammt aus der Feder des italienischen Schriftstellers und Kritikers Prof. R. Simoni, der erklärt, daß er den Text dem lyrischen Charakter des Stoffes angepaßt habe, lieber die Oper selbst äußert sich der Komponist Rocco folgendermaßen: „Ich habe mich bemüht, mit meiner ganzen Seele in die jüdische Atmosphäre einzudringen und aus ihr die passenden Motive für meine Musik zu finden. Hiebci bemerkte ich. daß die jüdische Musik sich in ihrer melodischen Klarheit der italienischen nähert, obwohl jene oft nervöse und zaghafte Züge aufweist. Mein musikalisches Drama geht Hand in Hand mit den Aktionen der Dybuk-Personen im Stück. Ich bleibe einfach in der Melodik. Das Orchester hält sich dynamisch an die Stärke des Chors, der sich in lyrischen Bahnen bewegt. Ich lasse alle Figuren im „Dybuck" singen, obwohl sie keine „Sänger" sind. Es bleiben weder die szenischen noch die orchestralen Möglichkeiten unausgenützt. Die Chöre sind nach synagogaler Musik geformt, wie denn die ganze Oper einen tiefreligiösen Charakter tragen wird. Der Prolog ist musikalisch, nicht szenisch. Aus der Ferne hört man die Stimme des Meschulach, des Sendboten, die ein lyrischer Chor begleitet. Wenn der Vorhang aufgeht, sieht man eine Gruppe chassidischer Jünger, die in Büchern lesen und den Text im Chor deuten, während die Stimme Chanans, des Bräutigams von Lea, den Chor mit dem „Schir-Haschirim" überwölbt. Mit dem Eintritt Leas bekommt die Szene einen idyllischen Charakter, obwohl die Trennung der beiden etwas abgerissen erscheint, und geht dann zu den Tänzen der Jünger über. Der zweite Akt setzt heiter, mit einigen fröhlichen Nigunim ein. Man singt und tanzt zu Ehren der Braut. Flöte und Ziehhärmonika geben die Farbe. Leas Tanz wird von verschiedenen Instrumentengruppen begleitet, und wenn sie das Bewußtsein verliert, geht die Musik allmählich in einen Marsch voll Trauer über. Das Leitmotiv bilden hier die Worte, die der Meschulach zu Lea sagt, worauf die wilden Tänze der Dybuk-Geister beginnen, sich aber im Leitmotiv weich und traurig halten. Der dritte Akt spielt im Haus des Zaddik. Das Orchester steht im Zeichen von Streichinstrumenten con sordino, entsprechend den mystischen Geschehnissen. Beth-Midrasch-Musik begleitet die Abendgebete der Zaddik-Anhänger. Langgezogene Figuren für Streicher und scharfe, dunkle Klänge der Bläser sind während des Gerichts über Sender zu vernehmen. Ein rhythmisch betontes, viertaktiges Motiv charakterisiert den Kampf des alten Zaddik mit den „Bösen". Schofarblasen auf der Bühne ertönt. Dann kommt das Lied vom himmlischen Glanz, gesponnen aus liturgischen Melodien, um beim Tod Leas in ein verhauchendes pianissimo überzugehen. Zum Schluß vereinigen sich die Stimmen der Seelen Chanans und Leas in übersinnlicher Verzückung." Das ist in großen Zügen Inhalt und Stil der Dybuk- Oper des Italieners Lodovico Rocco. „Martha Washington" heißt jetzt „Tel Awiw" Aus Triest: Das auf der Linie Triest-Palästina verkehrende Schiff des Lloyd Triestino „Martha Washington" ist in „Tel Awiw" umbenannt worden. Eine weitere Flugverbindung mit Palästina Aua London: Sir Philip Sassoon, Unterstaatssekretär für das britische Flugwesen, bekanntlich ein Jude, kündigte im Unterhaus die Errichtung eines neuen Flughafens im Irak an, und zwar an einem Punkte, von dem aus die beste Verbindung mit Palästina gegeben ist. Die schönste Fahrt nach Palästina mit der „Vulcania". Zur Levantemesse in Tel-Awiw, zur Pfingstfeier, zum Erstlingsfest (Chag Habikurim) in Haifa. Rückfahrt nach Wunsch mit dem Riesenmotorschiff „Vulcania", der „Roma", der „Italia" oder mit dem neu eingestellten Dampfer „Gerusalemme". Die Reiseleitung liegt in den Händen des Herrn N. Racker, Nordisches Reisebüro, Wien, I., Seilergasse 3. Nach Polen und Czernowitz findet am 28. März, 8.30 vorm, (Rückkunft am 16. April, 8 Uhr), eine Gesellschaftsreise der „Czernowitzer Allgem. Zeitung" statt. Wenn Sie die Osterferien bei Ihren Lieben in Polen oder in der Bukowina verbringen wollen, fahren Sie, wenn Sie bequem, angenehm und sicher reisen wollen, mit der „C. A. Z.M, Verlangen Sie unseren Prospekt I., Schulerfitraße 1 („Der Wiener Tag"), Tel. R-21-6-78. E Für die Dame: Neue Hantel aue Kleider Frühjahrs- Wollstoffe: ScHafWOlNBOUClÖ in schönen neuartigen Bindungen, dop- 9.90 peltbieit ...........................S v Engl. gentUSt. Sportstoffe für Kostüme und Anzüge, 1.90 140 breit........ ..................S 4 ' SChafWOll-FlamiSOf, bewährt gute Kleiderware, £.90 130 breit...........................S » Shetland-uni und -diagonal} beliebt für Kostüme 7.50 und iMäntel, 140 breit.................S 9'80, S Cr£pe Frappe, das Allerneueste für elegante Kleider, reine 19.90 Wolle, 130 breit. •......................S Herren-Anxugstolfe, Schafwoll-Kammgarn, Dessins 1934. 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Keine zionistische Gruppe hat von nun an das Recht, sich „Sonderverband der Zionisten-Revisionisten" zu nennen. 3. Der Weltverband (Union) der Zionisten-Revisionisten nimmt keinerlei legale Stellung (Statut); innerhalb der Zionistischen Organisation ein. 4. Unberührt bleiben die Rechte der Zionisten« welche im Rahmen der Zionistischen Organisation revisionistische Anschauungen vertreten, a Wir erwarten eine nähere Aufklärung dieser in der vorliegenden Form nicht ganz: verständlichen J, T. Ai-Meldung, zumal die Auflösung eine zionistischen Sonderverbandes wohl nur in die Kompetenz des Zionistenkongresses fällt. Tatsache, daß die „Aufstellung e i n t r j ü '.! : < r h e n Armee auf polnischem Boden die ausländisch'. \ Interessen des polnischen Staates gefährde, 0030'.. nrl Ordnung im Lande bedrohe und vor allem eine "nr; Lrügliche Provokation der polnischen Nation darstelle". Die polnischen Antisemiten denunzieren Brith Trumpeldor als gefährliche Jüdische Armee Aus Warschau: Die nationaldemokratische Fraktion im polnischen Sejm hat an die Regierung eine Interpellation gerichtet, in der sie ihre Besorgnisse wegen der vom Brith Trumpeldor angekündigten Geländeübungen zum Ausdruck bringt. Die Interpellation, bezieht sich auf Preßberichte, denen zufolge im Jahre 1934 in der Nähe der unweit der rumänischen Grenze gelegenen Sommerfrische Zalesczyki große Geländeübungen uniformierter Betarabteilungen aus 15 Ländern, darunter auch aus Palästina, stattfinden sollen. In der Interpellation wird auch ein Bericht über die Einrichtung eines Instruktorenkurses des Brith Trumpeldor bei Warschau zitiert. Die Regierung wird gefragt,, ob ihr diese Tätigkeit des Brith Trupeldor bekannt sei und welche Maßnahmen sie zu treffen gedenke angesichts der Lefjle Meldungen Förderung der Interessen jüdischer Polizisten In Palästina Aus Jerusalem: Im Hinblick auf die Tatsache, daß in letzter Zeit zahlreiche jüdische Polizisten infolge der ungünstigen Dienstbedingungen aus dem palästinensischen Polizeikorps ausgeschieden sind, wurde in Jerusalem eine Vereinigung zur Förderung der Interessen jüdischer Polizisten gebildet. Die Vereinigung will eine Reihe von Einrichtungen schaffen, durch die die Lage der jüdischen Polizisten verbessert werden soll. Man denkt an Sprachkurse, Kurse für Straf- und Zivilrecht, Einrichtungen für medizinische und soziale Hilfe, Arbeitsvermittlung für diejenigen, deren Dienstzeit abgelaufen ist, Erziehungshilfe und Herstellung freundschaftlicher Beziehungen zwischen Zivilbevölkerung und Polizisten. Dem lögliedrigen Ausschuß der Vereinigung gehören bekannte jüdische. Persönlichkeiten an. Kein jüdischer Gefangenwärter in Jerusalem Aus Jerusalem: Wie die Tageszeitung „Daw a r" mitteilt, hat der letzte jüdische Gefangenwärter des Jerusalemer Zcntralgefangenhauses seinen Abschied genommen. Die ungünstigen Dienstbe dingung c n haben bekanntlich in letzter Zeit immer mehr jüdische Polizeibeamte veranlaßt, aus dem Staatsdienst zu scheiden. Araber-Zeitung in englischer Sprache Aus Haifa: Wie „Mcraat cl Shark" berichtet, soll Ende März eine neue, von Arabern herausgegebene Tageszeitung in englischer Sprache unter dem Namen „The P a 1 e s t i n e Daily Mail" zu erscheinen beginnen. Der Herausgeber ist ein gewisser Haddad; er will zunächst mit einem Kapital von 3000 Pfund zu arbeiten beginnen. Hauptschriftleitcr soll Labib Effemli Gridini werden, der 20 Jahre lang in Chartum die „Sudan Times" redigiert hat. Ein katholischer Großgrundbesitzer vermacht sein Vermögen der Judengemeinde Aus Budapest wird über folgenden merkwürdigen Fall berichtet: Dieser Tage starb auf seinem Gut bei Galanta im 56. Lebensjahre der Großgrundbesitzer Ai*pad F r i d c c k y. Als man sein Testament öffnete, erlebte man folgende Ueberraschung: Fridecky, der einem alten katholischen Geschlecht entstammt, hatte sein Vermögen im Werte von etwa 7 5.0 0 0 Dollar der Israelitischen K u 1 tu s g em e i n d c in Galanta vermacht. Der katholischen Kirchengemeinde fiel nur ein geringer Betrag zu. Daran war noch die Bedingung geknüpft, daß alljährlich an seinem Todestage in der katholischen Kirche eine Messe für sein Seelenheil abgehalten, sein Grab stets gepflegt und zu Allerheiligen festlich beleuchtet sein müsse. Seinen zwei Neffen hinterließ er zweieinhalbtausend Dollar. Die Verwandtschaft will nun die Rechtsgültigkeit des Testaments anfechten. Es handelt sich um eine entferntere Verwandtschaft, eine Nachkommenschaft hinterließ Fridecky nicht. Die Beweggründe, warum Fridecky die jüdische Kultusgemeinde zur Universalerbin seines Vermögens einsetzte, sind unbekannt. Man weiß nur, daß Fridecky seit Jahren mit dem katholischen Ortspfarrer, auf Kriegsfuß stand. Noch ein Protest der litauischen Regierang; gegen Hitler-Deutschland Aus Kowno: Die litauische Regierung hat der, deutschen Regierung in der Angelegenheit der IV erletzung von Rechten litauischer Juden in Deutschland eine zweite Note überreicht, In der nochmals gegen die Behandlung litauischer Juden in Deutschland protestiert wird. Zur Begründung des Protestes!werden mehrere konkrete Fälle angeführt, u. a, der Fall eines jüdischen Schlächters, der ohne jede gesetzliche Grundlage innerhalb der Grenzzone verhaftet und ohne Angabe von Gründen zu einem Monat Gefängnis verurteilt wurde. Der Verhaftete wurde gezwungen, die Kosten seines Unterhalts im Gefängnis aus eigenen Mitteln zu bestreiten. Wichtig für Folenrelsende! Wer zur Osterfahrt nach Polen billig, bequem und in guter Obhut fahren und dabei den Aufenthalt in Polen nach Belieben ausdehnen will, der benützt die Dewährten Gesellschaftsreisen des polnischen Reisebüros „Francopol", III., Rennweg 1, Gebäude des polnischen Konsulats. Tel. U-16-4-90. E LESET UND VERBREITET ™ // DIE NEUE WELT"! Eigentümer, »Verleger, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Oberbaurat Robert Stricker. Druck: Druckerei- und Vcrlags-A.-G, Ignaz Steinmann, beide Wien, IX,, Univeraitätsstraße 6—8.