Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 348 (13.3.1934)
- Date
- 1934-03-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite t DIE NEUE WELT Nr. 348 Verbringen Sie die Ostcrferifta bei Ihren Lleften in Krakau, Tarnow, Uomb«ry.......<i<rnowH« u»w., der bequeme Sonderschnelhrag der ,C.A. Z." führt Sie billigst dotthln am 28. Min und am 16. Afrrll zurück n*ch Wien. — Aach Paß and Visa werden von uns besorgt - Weitete AaiHnfte erteilt bereif willigst: Reise dienst „Oxemowttstr Allgemein« laltunf", «lern I. Soh«lw»«tr*0« f (Stadtbüro „Der Tag*). Telephon R-21-C-78. eröffnen, denen das Heldenleben der jetzigen Emigranten niemals imponiert hat. Aber wie dem auch sei — dem Judentum wird all das angelastet, was man gegen die ..austrotoarxiatiichen'' Führer vorbringt. In einer Reihe von Zuschriften werden wir auf diesen Umstand aufmerksam gemacht. „In vielen ausländischen Zeitungen", schreibt uns ein Jüdischer Leser, „finde ich Berichte über Verhaftungen von Juden in Wien. E3 werden Namen von Menschen genannt, die dem* Judentum längst den Rücken gekehrt und auch nur das entfernteste Zugehörigkeitsgefühi zum Judentum bestritten haben. Jetzt werden wir mit diesen Individuen belastet. Ich glaube, Ihr Blatt müßte gegen diese schwere Belastung des Judentums in Oesterreich entschieden Stellung nehmen." Der Horizont lichtet sich. Allmählich erinnern sich alle, deren Blick nicht durch Böswilligkeit getrübt ist, daß die nationaljttdlschen Staatsbürger Oesterreichs sich seit eh und Je von Jenen Elementen distanziert haben, die — nachdem sie durch Austritt oder Taufe das Judentum verlassen hatten — sich anmaßten, den Oesterreichern die polltischen, kulturellen und sozialen-Richtlinien vorzuschreiben. Wer also im Zusammenhang mit dieser Erscheinung von Juden, Jüdischer Führung, Jüdischen Verführern spricht, macht sich bewußter Fälschung und Verleumdung schuldig. Nichtsdestoweniger gibt sich eine Gruppe, die „zionistisch" genannt wird, die P o a 1 e 2 i o n, dem Wahn hin, die wahre Sachlage verwischen zu können. Ihr Organ in der Tschechoslowakei, „Der neue Weg" (Brünn), ▼ersucht heute noch, aus den Herren Dr. Bauer und Doktor Deutach Märtyrer zu machen und sie der Jüdischen Welt als die Wegbereiter einer glücklichen Zukunft hinzustellen — ausgerechnet die österreichischen SoziaiiStenführer, auf die sie eigentlich als Genossen nicht sehr stolz sein müßten. Als nämlich die in der Poäle Zion vereinigten jüdischen Arbeiter den Anschluß an die n. Internationale verlangten, waren es just die „jüdischen" Führer der österreichischen Sozialdemokratie, welche den Wunsch der Poale Zion ablehnten. Und als auf dem letzten Kongreß der II. Internationale in Brüssel die palästinensische Arbeiterschaft ein Sekretariat für Palästina im Gesamtbüro der II. Internationale verlangte, waren es just wieder die „Jüdischen" Führer der österreichischen Sozialdemokratie, die diesem Verlangen brüsk widersprachen, bis der Belgler Vandervelde nach einem großen Krach dem Verlangen der palästinensischen Poale Zion Rechnung trug. Jetzt aber werden die palästinensischen Arbeiter für ihren Sammeleifer zugunsten der Wiener zivilen Opfer gelobt, wiederum im Organ der Poale Zion „Der neue Weg", der andererseits mit dem Wort Verräter alle diejenigen belegt, die von der Handlungsweise der getauften und ausgetretenen „jüdischen" Sozialistenführer Oesterreichs nicht gerade entzückt sind. Die „zionistischen" Herren der Poale Zion, bezw. ihr Sprachrohr, „Der neue Weg", versuchen, ihre „jüdischen" Genossen Bauer, Deutsch usw. aus dem offensichtlichen Debakel herauszumanövrleren, ja sich heute noch in Dingen klassenkämpferischer Zukunft mit ihnen solidarisch zu erklären. Der Zionismus dieser Poale Zion sieht wahrlich sehr übel aus. Man durchschaut Ihn. Der Horizont lichtet sich. r. Die Anklage im Mordprozeß Arlosoroff Wie wir bereits in unserer Ausgabe vom 9. März gemeldet haben, wurde am Vortage die Voruntersuchung gegen die Zionisten-Revisionisten Abraham S t a w s k y, Zwi Rosenblatt und Abba Achi Meir durch Oberrichter Ralph Bodilly abgeschlossen. Die Voruntersuchung durch das britische Gericht hat also, da die ersten Verhaftungen einige Tage nach der Ermordung Dr. Chaim Arlosoroffs (16. Juni 1933) erfolgten, acht Monate gedauert. Gegen die Beschuldigten wird nunmehr die formelle Anklage wegen vorbedachten Mordes, bzw. wegen Anstiftung zum Mord erhoben. Auf diese Tat steht Todesstrafe. Die drei Angeklagten werden vor ein Geschworenengericht gestellt, das allerdings erst im Laufe des Monats Juli zusammentreten soll. Inzwischen wird, da sich die Beschuldigten bereits im Anklagezustand befinden, ihre Behandlung eine Verschärfung erfahren. Die Uebergabe des Falles an einen Strafgerichtshof entspricht dem üblichen Vorgang nach Beendigung des Untersuchungsverfahrens. Vor Verkündigung der Entscheidung des Richters Bodilly verlas der Verteidiger Horace Samuel ein von Stawsky, Rosenblatt und Achi Meir unterzeichnetes Memorandum, in welchem diese Jede Schuld in Abrede stellten und die Aussagen der von der Anklagebehörde geführten Zeugen einer Analyse unterziehen. Die Verlesung dieses Memorandums nahm vier Stunden in Anspruch. Achi Meir legte außerdem eine Erklärung vor, in der er feststellt, daß politischer Mord seiner Auffassung und derjenigen der revisionistischen Bewegung kraß widerspricht. Die Sache der Zivilisation gegen den Hftlensmus Wie wir bereits angekündigt haben, hat Mittwoch, den 7. März, im New Yorker Madison Square Garden der vom American Jewish Congress arrangierte „Prozeß der Zivilisation gegen den Hitlerismus" bei Anwesenheit von mehr als 20.000 Personen stattgefunden. Das Publikum folgte gespannt den unter dem Vorsitz des früheren Staatssekretärs Bainbridge Colby geführten Verhandlungen. Als Ankläger gegen den Hitlefismus traten Persönlichkeiten wie der Gewerkschaftsführer William Green, der Bürgermeister von New York La Guardia, der frühere Gouverneur von New Work und Präsidentschaftskandidat AI Smith, der Chefredakteur des „Jewish Daily Forward" A b Kahan, der Ehrenpräsident des American Jewish Congress Rabbi Dr. Stephen S. W i s e und der Präsident Bernard Deutsch, die Senatoren M i 11 a r d und Tydings auf. Von verschiedenen Gesichtspunkten beleuchteten die Redner Wesen und Wirkung des Nationalsozialismus und die Taten seiner Führer. Der berühmte Reformator des amerikanischen Rechtswesens Samuel S e a b u r y faßte die Ausführungen aller Redner zusammen und kam zu dem Schluß, daß der Hitlerismus eine Attacke gegen die menschliche Zivilisation und einen Rückfall in die Barbarei bedeutet. Der deutsche Gesandte und frühere Reichskanzler Dr. Hans v. Luther, der eingeladen wurde, den Hitlerismus zu verteidigen, wobei ihm zugesichert wurde, daß er respektvoll angehört werden würde, blieb der Veranstaltung fern. Er hatte beim Staatsdepartement in Washington Protest gegen die Veranstaltung eingelegt und deren Verbot verlangt. Die Regierung der Vereinigten Staaten erwiderte auf den Protest, daß es sich um eine Kundgebung privater Persönlichkeiten handle, auf welche die Regierung keinerlei Ingerenz habe und daß die dort gemachten Aeußerungen auf Grund der amerikanischen Gesetzgebung keinerlei Einschränkung gestatten. Der „Prozeß der Zivilisation gegen den Hitlerismus" hat in ganz Amerika tiefen Eindruck gemacht. * Aus New York meldet die J. T. A.: In dem bei Anwesenheit von mehr als 23.000 Personen im Madison Square Garden zu New York abgehaltenen Demonstrationsprozeß gegen das Hitlertum wurde ein Urteil gesprochen, das dahin lautet, Hitler sei der größte Tyrann aller Zelten und habe sich als der erklärte Feind von Fortschritt, Frieden und Freiheit die Aechtung seitens aller zivilisierten Menschen verdient. Den Vorsitz im Prdzeß führte der frühere Unterstaatssekretär Bainbridge Colby, als Staatsanwalt fungierte Richter Samuel S e a b u r y, die dreiundzwanzig Redner traten in der Rolle von Zeugen auf. Die ganze Versammlung bildete die Jury. Das Urteil wurde durch Radio verbreitet. Richter Seabury sagte, das Hitlertum habe sich als hemmende Kraft gegen die Zivilisation gestellt; die Gewalt der öffentlichen Meinung der Welt und die Waffe des wirtschaftlichen Boykotts werden die Macht des Hitlerismus brechen. Der frühere Gouverneur des Staates New York AI Smith drückte seinen Abscheu gegen den Nationalsozialismus aus. Der frühere Unterstaatssekretär Prof. Moley erklärte, jeder Amerikaner verabscheue den Hitlerismus als den amerikanischen Ideen zuwiderlaufend. Rabbi Dr. Stephen S. Wise, Ehrenpräsident des American Jewish Congress, forderte die Versammlung auf, sich gegen den die Zivilisation vernichtenden Nazismus zu stellen. Der Prozeß verlief sehr harmonisch, es kam zu keinerlei Zwischenfällen. Da Gerüchte umgingen, daß Nazis einen Sprengungsversuch planen, war viel Polizei zum Schutz der Versammlung aufgeboten. Arbeitermangel in Palästina Wegen der Ernte müssen Bauten eingestellt werden Aus Tel-Awiw wird gemeldet: Im Hinblick auf den außerordentlichen Mangel an Arbeiterhänden in den Kolonien und insbesondere in den Orangenhainen, durch den die Orangenernte direkt bedroht ist, wurden alle Bauarbeiter mobilisiert und in die Haine geschiokt, damit sie die Ernte hereinbringen helfen. Auch aus vielen anderen Industrien wurden Arbeiter in die Kolonien dirigiert. Die Schulkinder der älteren Klassen helfen ebenfalls bei der Ernte mit. Durch die Abkommandierungen auf das Land fehlt es der städtischen Industrie an mindestens 6000 Arbeitern, wobei allein Tel-Awiw für etwa 4 0 0 0 Arbeiter Platz hätte. Die Arbeiter-Tageszeitung „Davar" bezeichnet die Arbeitslage als katastrophal und weist darauf hin, daß Beduinen aus Transjordanien in bisher noch nie dagewesener Zahl in Petach-Tikwah und in anderen Kolonien beschäftigt sind. Das Arbeitsdepartement der Zionistischen Exekutive sammelt alle notwendigen Materialien und Daten vom Arbeltsmarkt zu deren Verarbeitung in einem Memorandum, welches als Begründung zu der Forderung nach einer erhöhten Schedule für das zweite Halbjahr, das Anfang April d. J. beginnt, der Regierung überreicht werden wird. * Angesichts dieser Meldungen tritt die Haltung der Palästina-Regierung, welcher die Pflicht zur Förderung des Aufbaues des jüdischen Nationalheimes vom Völkerbund auferlegt wurde, ganz kraß in die Erscheinung. Mit allen Mitteln behindert sie die jüdische Einwanderung in das Land ohne Arbeiter und macht Jagd auf die jüdischen „Verbrecher", welche „illegal" ins Land ihrer Väter kamen. Aus Jerusalem wird gemeldet: Die Rekrutierungskampagne unter den städtischen Arbeitern zur Beschaffung von Kräften zur E in bringung der Orangenernte geht weiter. Außer Hunderten von Bauarbeitern folgen zahlreiche Handels- und andere städtische Arbeitskräfte dem Rufe der Werber. Die Pessach-Fcrien in den Schulen sind früher angesetzt worden, damit die älteren Schüler zu den Erntearbelten herangezogen werden können. Auf Grund einer Vereinbarung mit dem Waad Leumi wird sich bereits in den nächsten Tagen eine aus mehreren hundert Schülern bestehende Abteilung freiwilliger Erntehelfer der Landwirtschaft zur Verfügung stellen. Weitere Schülerabteilungen sollen zu diesem Zwecke zusammengestellt werden. Der Geldumlauf Palästinas Aus Jerusalem: In Palästina sind gegenwärtig 3,579.000 Pfund in Währungsgeld und Scheidemünzen im Umlauf. Der verstärkte Geldverkehr hat Ende Dezember die Neuausgabe von Papiergeld und Münzen im Werte von einer Viertelmillion Pfund notwendig gemacht. Man erwartet, daß die Regierung in diesem Jahr einen Gewinn von etwa 100.000 Pfund aus ihren Geldoperationen ziehen wird. Die Osterrelsen nach Polen, veranstaltet vom Reisebüro „Marienbrücke", geben Ihnen Gelegenheit, für wenig Geld mit Ihren Lieben die Feiertage gemeinsam zu verbringen. Da die Nachfrage groß, reservieren Sie sich umgehend gute Plätze. I., Rotenturmstraße 26, Telephone: R-24»2-86 und R-24-2-87. B Wieder Arbeiterkrawalle in Palästina Aus Jerusalem wird gemeldet: In Chedera wurden bei einem Neubaue revisionistische Arbeiter eingestellt. Die Vertreter des sozialdemokratischen Arbeiterverbandes „Histadruth" erhoben dagegen Einspruch und erklärten, daß nur ihr angehörige Arbeiter eingestellt werden dürfen. Als ihrem Verlangen nicht entsprochen» d. h. die revisionistischen Arbeiter nicht entlassen wurden, umstellten Histadruth-Leute den Neubau und ließen die Revisionisten nicht zur Arbelt zu. Als sie der Aufforderung der Polizei, die Arbeit nicht zu stören, keine Folge leisteten, wurden 14 führende Mitglieder der Histadruth in Chedora verhaftet und ins Gefängnis gebracht. Unter Polizeischutz setzten die Revisionisten ihre Arbeit fort. * In der ganzen Welt, auch wo die sozialdemokratische Partei sehr stark ist, kommen Terrorakte, durch welche Andersgesinnte an der Arbeit behindert werden sollen, nicht mehr vor. Nur in Palästina beharren die sozialdemokratischen Führer auf dem Grundsätze, daß die Arbeitsvergebung ihr „Monopol" ist, daß keiner, der sich ihnen nicht fügt, im Lande der Arbeit nachgehen darf. Die sträfliche Gleichgültigkeit, mit welcher zionistische Leitung und Oeffentlichkeit dieses Vorgehen dulden, ist nicht zuletzt an der ständigen Wiederholung dieser beschämenden, den Frieden im Lande bedrohenden Krawalle schuld. Strenge Bestrafung der Terroristen Aus Haifa: Vor einem englischen Richter in Haifa hatten sich die anläßlich des letzten Konflikts zwischen Mitgliedern der sozialdemokratischen Arbeiterorganisation und revisionistischen Arbeitern in Chederah verhafteten 14 Mitglieder der dortigen sozialdemokratischen „Hi st,adruth" zu verantworten. Der Richter verhängte über die Schuldigen Gefängnisstrafen von 10 Tagen bis zu einem Monat. In Begründung des Urteils führte er aus, diese strenge Bestrafung sei notwendig gewesen, damit die häufigen Auseinandersetzungen und Zusammenstöße zwischen Arbeitern endlich aufhören. Dreieinhalb Millionen Kisten Orangen bis Ende B'ebruar Aus Jaffa: Die Zahl der während der bis Anfang März ausgeführten Orangen-Kisten hat Ende Februar dreieinhalb Millionen erreicht. Die Sendungen gingen nach England, Schottland, Frankreich, Deutschland, Rumänien, Griechenland, Bulgarien, Holland und Kanada. Eine Gesellschaft für Wasserversorgung in Palästina Aus Jerusalem: Unter der Patronanz der Zionistischen Exekutive wird in Jerusalem eine palästinensische Gesellschaft für Wasserversorgung mit einem Kapital von 2 5.0 00 Pfund gegründet. Die Aufgabe der Gesellschaft ist es, Brunnen- und Wasserleitungsanlagen in ländlichen Siedlungen durchzuführen. Sie wird nach kaufmännischen Grundsätzen organisiert. Ihre Arbeit wird durch Fachleute des Landwirtschaftsdepartements der Exekutive überwacht. In finanzieller Hinsicht ist die Gesellschaft jedoch von der AgencjJ unabhängig. ,