Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 347 (9.3.1934)
- Date
- 1934-03-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Seite 3 Herr Goebbels und Gobineau In der Saarbrückener Zeitung „Deutsche Freiheit" erschien ein Artikel des französischen Senators Henri Beranger, jenes Mannes, der vor dem Völkerbunde so energisch gegen Hitler-Deutschland und für die Wahrung der Minoritätenrechte der deutschen Juden eingetreten ist. Beranger schreibt u. a.: Ich las „M ein Kampf" und das aus dem Jahre 1932 stammende Buch „Nazi-Sozi" des heutigen Propagandaministers Goebbels, worin ich den Satz fand: „Man muß die Juden töten wie die Flöh e." Ich benützte die Anwesenheit des Ministers Goebbels in Genf, um mir bei ihm Aufklärung zu holen. Ich fragte ihn, was man in Deutschland den Juden vorzuwerfen habe. „Sie sind keine Arier." Sie sind sogar „Nicht-Arier" und deshalb haben wir sie Ausnahmegesetzen unterstellt. Also was ist ein Arier? Er sagte mir: „Lesen Sie Ihren Landsmann, den „Rassenforscher" Grafen Gobineau!" Es fällt einem Franzosen schwer, diesen Mann zu lesen, dessen Französisch uns mitunter unverständlicher ist als eine fremde Sprache. Ich nahm also Gobineau her, der Prophet in einem anderen Lande wurde, weil man ihm dazu in seinem eigenen keine Gelegenheit gab. Ich erfuhr bei Gobineau, daß die menschlichen Rassen ungleich seien. Den ersten Platz nehmen die Arier ein. Die reinsten unter den Ariern sind die Germanen. Die Deutschen aber seien gar keine Germanen. Denn die germanischen Ureinwohner sind von den Hunnen, Teutonen und Kelten vertrieben worden. Man findet die reinen Germanen nur in Schottland und Skandinavien. Was die Deutschen anlange, seien sie ein „ausgesprochenes Mestizenvol k". Zum Schluß fand ich die Behauptung, daß sich heute das arische Blut am reinsten bei den Semiten erhalten hat — weil sie die unvermischteste weiße Rasse sind. Neubesetzung des englischen Ministeriums für die Kolonien? Aus London: Im Zusammenhang mit den zu erwartenden Aenderungen in der Zusammensetzung des englischen Kabinetts wird mitgeteilt, daß mit dem Rücktritt Sir Philip Cunliffe-Listers von der Leitung des Ministeriums für die Kolonien zu rechnen ist. Der bisherige Kolonienminister soll zum Lord ernannt und an die Spitze eines anderen Ministeriums gestellt werden. Anmei'kung der Redaktion: Dem Kolonienminister untersteht die Palästina-Regierung. Zufolge der Haltung dieser Regierung gegenüber den Juden können diese einem eventuellen Weggang Sir Cunliffe-Listers ruhig entgegensehen. Schlechteres kann schwer kommen. Wieder ein Zusammenstoß in Tel«Awaw Aus Tel A w i w : Das am Tage unter Teilnahme von 100.000 Menschen so harmonisch verlaufene Purira- Fest in Tel-Awhv hatte am Abend ein blutiges Nachspiel. Zwischen dem linksstehenden „Hanoar Hazioni" und dem revisionistischen Brith Trumpeldor kam es zu einem schweren Zusammenstoß. Es gab auf beiden Seiten V e r I e t z t e, 24 von diesen wurden im Hospital behandelt, zwei Schwerverletzte, unter ihnen Josef Stavsky, ein Bruder des Angeklagten im Arlosoroff - Prozeß Abraham Stavsky, müssen sich einer längeren Spitalsbchandlung unterziehen. Zwei Personen wurden ver- . haftet. De Valera erklärt, er sei niditjüdischer Abstammung Aus London: Die irländische Regierung hat bekanntlich den Faschisten das Tragen der blauen Hemden verboten. Im irischen Parlament, wo dies Verbot behandelt wurde, erklärte der Regierungschef de V a 1 e r a: Wie 1922 wird auch heute eine schmutzige Propaganda gegen mich geführt. Man glaubt, mich schwer zu treffen, wenn man behauptet, ich sei j ü d ischer Abstammung. Mir persönlich ist es gleichgültig, was man Über mich sagt, es ist aber Tatsache: in meinen Adern fließt kein Tropfen jüdischen Blutes. Weit entfernt davon, etwas gegen die Juden sagen zu wollen, erkläre ich, daß ich väterlicherwie mütterlicherseits von Katholiken abstamme. +• Wie man hieraus erkennt, gehört auch im judenarmen Irland der „Vorwurf" jüdischer Abstammung zu den schwersten und schmutzigsten, die man gegen einen im öffentlichen Leben stehenden Mann erheben kann. Hochsaison in Palästina Die Zeit von März bis Mai ist die höchste Saison für Palästina-Touristik. Die klimatischen Bedingungen des Landes sind zu dieser Jahreszeit für den Fremdenverkehr besonders günstig. Hiezu kommen noch die traditionellen Palästina-Besuche zu Ostern. In diesem Jahre wird die Palästina-Touristik dadurch riesig verstärkt, daß im Anschluß an die Osterfeiertage die Levante-Messe in Tel-Awiw stattfindet, die Widerhall nicht nur in der jüdischen Welt gefunden hat, sondern auch in den breitesten Wirtschaftskreisen Europas und Amerikas. Das Reisebüro Compass Tours, welches als offizielles Propagandabüro der Stadtgemeinde Tel-Awiw fungiert, veranstaltet am 19. März auf der „Vulkania" eine Osterreise und die offizielle Messereise der Oesterreichischen Kollektivausstellung unter dem Protektorat der Handels- und Gewerbekammer. Alle Interessenten werden dringend ersucht, sich mit den Anmeldungen zu beeilen, damit die Möglichkeit besteht, sie gut Unterzubringen. Anmeldungen und Auskünfte im Weltreisebüro Compass Tours, Wien, IX., Spitalgasse 3, Telephon B-42-5-38. B Streng rituell... wird Kunerol erzeugt, in modernen, appetitlich reinen Anlagen, die vom Publikum jederzeit besichtigt werden können. Kunerol ist garantiert reines, 100%>ges Pflanzenfett Seine besonderen Vorzüge sind: Großer Nährwert, leichte Verdaulichkeit und lange Haltbarkeit Kunerol wird unter ständiger Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg hergestellt KUNEROL 100% REINES KOKOS NUSS FEH ti Nur echt in Originalpackung! // Verbrechen am Makfcabi in Unter diesem Titel erhielten wir aus der Tschechoslowakei folgende Zuschrift: „In der Tschechoslowakei wurde in diesen Tagen ein Uebereinkommen abgeschlossen, welches den unter Theodor Herzl geschaffenen großen jüdischnationalen Weltverband der Turner „Makkabi" zu vernichten droht. Der tschechoslowakische „Makkabikreis" POLE Osterreisen nach Krakau, Lemberg, Kolomea Abfahrt: Rückfahrten: 28. März 1934 9. und 22. April 1934 Paü und Visa gratis! Anmeldungen und Auskünfte: Reisebüro Ma r i o n h r il p Ir o'< Wien Rotenturmstraße w6 dllBIlUlUblie Telephon R-24-2-86 und R-24-2-87 und die ihm angehörige Jugendorganisation „Makkabi Hazair" haben mit der Organisation „Hechaluz" einen Vertrag abgeschlossen, wonach alle die Auswanderung nach Palästina anstrebenden Mitglieder des „Makkabi" sich im „Hechaluz" zu organisieren haben." „Der „Hechaluz" ist eine von der zionistischen Arbeiterpartei Foale Zion beherrschte, also auf dem Standpunkt des Klassenkampfes stehende Organisation, was insbesondere daraus hervorgeht, daß seine Mitglieder, wenn sie nach Palästina kommen, dort in die Klassenkampf-Organisation „Histadruth" eintreten müssen. Der „Makkabi" gibt also nicht nur seine jungen Menschen dieser tendenziösen Erziehung preis, sondern zwingt sie auch, in Palästina organisierte Klassenkämpfer zu werden. Das ist ein V e r b r e c h e n a m „M akkabi"» an der von Theodor Herzl inaugurierten jüdischnationalen Turnbewegung!" „Ist die jüdischnationale Turnbewegung geschaffen worden, um unsere Jugend in das Lager des Klassenkampfes in Palästina und hier zu treiben? loh bitte Sie, geehrte Redaktion, diesen meinen Warnruf zu veröffentlichen, da sonst nicht nur unsere Jugend, sondern auch der „Makkabi" in die größte Gefahr gerät. Hochachtend mit Zionsgruß. O. F." ii Aus dem offiziellen Presse-Bulletin Nr. 8 der Londoner Leitung des Weltverbandes „Makkabi" ist zu ersehen, daß die in vorstehendem Briefe gemachten Angaben den Tatsachen entsprechen. Die Leitung des Weltverbandes nimmt den Abschluß des Vertrages zwischen tschechoslowakischem „Makkabi" und „He<"'ialuz" und auch die damit verbundenen Verpflichtungen befriedigt zur Kenntnis. Unter diesen Umständen ist es wohl notwendig, an die Londoner Leitung des Weltverbandes Makkabi eine ernste Warnung zu richten. Sie muß kraft ihrer Autorität den in der Tschechoslowakei getroffenen Vertrag, der eine Sünde am Geiste der jüdischnationalen zionistischen Turnbewegung darstellt, beseitigen und dafür sorgen, daß nicht auch in anderen Ländern ähnliche Abkommen getroffen werden. Eine weitere Verfolgung der vom tschechoslowakischen „Makkabi" eingeschlagenen Richtung würde den „Makkabi" in aller Welt der Gefahr des Zerfalles aussetzen. Zur Hilfsaktion der palästinensischen //Histadruth" Für die österreichische Arbeitergewerltschaft Die österreichischen Februar-Ereignisse haben auch in Palästina Anlaß zu Betrachtungen gegeben. Ein größerer Betrag wurde im Rahmen einer Hilfsaktion für die österreichische sozialdemokratische Gewerkschaft gesammelt. Der palästinensische Berichterstatter des Warschauer „Hajnt", J. Klinov, schreibt nun über die Stellungnahme der palästinensischen Juden folgendes: „Als die Gewerkschaftsinternationale zu einer Hilfsaktion für die österreichische Arbeiterschaft aufrief, schloß sich ihr die sozialdemokratische Arbeiterorganisation „Histadruth" sofort an und gab die entsprechende Parole an die palästinensische Arbeiterschaft aus, welche ihr folgte und auch tatsächlich eine Sammlungskampagne mit großem Erfolg einleitete. Gleichzeitig aber machte sich auch eine Kampagne gegen die Hilfsaktion der Arbeiterschaft bemerkbar, und es kamen andersgeartete Bewertungen der Lage in Oesterreich zum Vorschein: Gegen die Geldsammlung traten die Organe einer breiteren Front im jüdischen Palästina auf, beginnend mit dem revisionistischen „Chasit Ha am" über den rechtsbürgerlichen „Doar Hajom" bis zum „Hazioni Haklali", dem Organ der palästinensischen Allgemeinen Zionisten... Die Gegnerschaft gegen die Geldsammlung basierte auf folgenden Punkten: Die Sammlung ist schädlich, weil sie die ideologisch falsche Vorstellung weckt, daß der Sieg des Faschismus unseren Untergang bedeuten würde, daß hingegen der Sieg des Marxismus eine Lösung unseres Problems und eine Rettung aus allem Elend brächte —, während dies doch eine gefährliche Illusion ist. Die Führer der österreichischen Sozialdemokratie waren immer scharfe Antizionisten und verdienen daher nicht eine Behandlung seitens der palästinensischen Judenheit, wie sie gewisse Elemente in ihrem feurigen Kampagnebestreben ihnen jetzt angedeihen lassen. Die österreichische Sozialdemokratie hat uns niemals * geholfen, weder nach den Unglückstagen von 1929 (ge- 1 meint sind die blutigen UeberfäHe der Araber gegen die jüdischen Arbeiterkolonien mit zahlreichen jüdischen WeinffEinkauf ist Vertrauenssadie! Verlangen Sie ausdrücklich: POLfiSf INR-UJEINE In allen einschlägigen Geschäften erhältlich! Autor. Vertreter für Oesterreich: Gustav Wilder, Wien BV, Rainerg« 31 Telephon U-42-4-84 asl