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Die neue Welt · 1934-03-02 · Heft 345 (2.3.1934) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 345 (2.3.1934)
Date
1934-03-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 345 I.Vorausmuß man denken, sich sichern — versichern Phönix Allgemeine Veriicherungt*Oei. Wien IX. Bei., Alt er p\a\* Nr. 3 von allen Seiten bedroht ist, insbesondere wenn man ihr Verhältnis zum „Misrachi" ins Kalkül zieht. Es ist bekannt und wurde von uns in einem eingehenden Bericht dargestellt, daß sich der Konflikt zwischen dem traditions- und thoratreuen „Misrachi" und der Exekutive seit dem Prager Kongreß wesentlich verschärft hat. Der Grund dieser Verschärfung lag in der schroffen Ablehnung der misrachistischen Wünsche seitens der Exekutive, in der die Linken die Vorhand haben. Nun liegt die Antwort des Misrachi auf den Brief der Exekutive vor, welche seinerzeit erklärt hatte, daß die Forderungen des Misrachi nicht gemäß der — Tagesordnung vorgebracht worden seien. Der Misrachi betont — und das ist das Entscheidende an diesem Briefwechsel —, daß er von der Erfüllung seiner Forderungen seine weitere Arbeit im Rahmen der zionistischen Organisation abhängig macht. Der „Misrachi" betont des weiteren in seiner Antwort, daß seine Erregung auf rein religiöse Differenzen zurückzuführen sei. Seine Forderung in Verbindung mit der Wahl der neuen Exekutive (auf dem Prager Kongreß) waren nicht an Personalfragen gebunden, da er, der Misrachi, zuerst eine Erledigung seiner religiösen Postulate verlangt habe. Einen breiteren Raum in der Antwort des „Misrachi" nehmen die zahlreichen, von der linken Arbeiterschaft Palästinas öffentlich verübten Verletzungen religiöser Vorschriften ein. Der „Misrachi" zitiert den Teil der Antwort der Exekutive, die sich über die Gefühle der thoratreuen Zionisten mit der Phrase „Respektierung der Ueberzeugung Andersgesinnter" hinwegsetze, und erklärt zum Schluß: „Wir fordern, daß unsere religiösen Postulate auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung des Aktionskomitees gestellt werden." Unter den geschilderten Voraussetzungen wird die Tagung des Aktionskomitees schwerlich in jener Atmosphäre vor sich gehen, die für eine ersprießliche Arbeit erforderlich ist. Die Mißachtung elementarer Wünsche weiter zionistischer Kreise seitens der zionistischen Exekutive hat eine Erbitterung hervorgerufen, der man endlich Rechnung tragen muß. Aber diese Erbitterung kann etwas Nützliches zeitigen: die Bildung einer einheitlichen, judenstaatlerischen Front. Suspendierung der Rechte des Brith Trumpeldor. Aus London: Das Zionistische Zentralbüro In London teilt mit: Im Sinne der Kongreßbeschlüsse hat sich die Exekutive für verpflichtet gehalten, gegen den Brith Trumpeldor, welcher durch einen Erlaß an seine Mitglieder sich einer schweren Verletzung der zionistischen Disziplin schuldig machte und trotz der Aufforderung sich weigerte, seine strafbare Haltung zu ändern, beim Ehrengericht einzuschreiten. Wegen dieses Tatbestandes hat der Ehrengerichtsanwalt die Klage beim Ehrengericht gegen den Brith Trumpeldor erhoben und hat gleichzeitig bei der Exekutive den Antrag gestellt, bis zum Urteil des Ehrengerichtes alle Rechte, die der Betar in bezug auf die Regelung der Immigration innerhalb der Zionistischen Organisation genießt, zu suspendieren. Die Exekutive hat diesem Antrage Folge geleistet. Somit gelten bis auf weiteres die erwähnten Rechte des Brith Trumpeldor (Betar) als suspendiert. Zur Einagungsaktion der Juden* staat§parfei Aus Jerusalem wird berichtet: Die von Meir Großmann, Richard Lichtheim, S. E. S o s k i n, Israel R o s o f f, Robert Stricker und J. Machower geführte Judenstaatspartei hat an alle zionistischen Parteien, die am letzten Kongreß teilgenommen haben, die Einladung gerichtet, an einer Konferenz teilzunehmen, auf der die Schaffung einer politischen Aktionszentrale in Palästina besprochen werden soll. In der Einladung wird betont, daß die schwierige politische Situation im Zinonismus die Bildung einer geschlossenen zionistischen Front ohne Partei- oder Fraktionsunterschied erforderlich mache. Es soll ein gemeinsames Aktionszentrum geschaffen werden, durch das die öffentliche Meinung der Welt ständig über die Forderungen und Ziele der zionistischen Bewegung in bezug auf Palästina unterrichtet werden soll. Ein solches Zentrum würde die poliitsche Arbeit der Agency-Exekutive nicht durchkreuzen, sondern in vieler Hinsicht ergänzen. Um einen Zerfall im zionistischen Lager zu verhüten und die gesonderte Aktivität der politischen Parteien einzuschränken, müsse ein Zusammenschluß aller aktiven Kräfte im Zionismus erfolgen. Die Exekutive der Judenstaatspartei beabsichtige, der Konferenz einen detaillierten Plan vorzulegen, der in einem gemeinsamen jüdischen V o 1 k s a p p e 11 an die Bevölkerung des Britischen Reiches gipfle. Es wird die Hoffnung zum Ausdruck gebracht, daß es möglich sein werde, die Konferenz für Ende Februar nach Palästina einzuberufen. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, haben die Allgemeinen Zionisten und die Misrachi-Organisation die Einladung angenommen. Brief am Jisgoilawien Entartung im Zionismus „Sonst aber fordern wir als Postulat des politischen Kampfes, daß keine Toleranz gegenüber politischen Gruppen, die in scharfem Gegensatz zu unserer eigenen Grundeinstellung stehen, geübt wird." Dieser Satz steht im „vertraulichen" Zirkular des Arbeitsausschusses des Verbandes der Zionisten Jugoslawiens vom 1. Jänner 1934, und zwar in bezug auf die Stellungnahme unserer Gruppe, der Judenstaatszionisten. Gut gemerkt: In einem offiziellen Rundschreiben der Leitung einer Landesorganisation der Zionistischen Weltorganisation wird diese Kampfesweise als einzig seligmachende zur Pflicht gemacht. Weh dem, der sich erlaubt, anderer Meinung zu sein als die Herren „Führer" in Zagreb! Entweder läßt du dich gleichschalten, einfacher Zionist in Jugoslawien, oder es darf dir gegenüber keine Toleranz geübt werden. Aber es bleibt nicht dabei! Alles, was einmal zur Opposition gehört, also auch die Judenstaatspartei, wird „revisionistisch" benannt und verfemt. Man sollte aber glauben, daß es doch gewisse Grenzen gibt, die ein Mensch, ein Zionist, ein zionistischer Führer, eine zionistische Führung einhalten muß. Im Rundschreiben steht aber wörtlich: „Wir betrachten es weder für möglich noch für zulässig, daß „Revisionisten" Mitglieder der Ortsgruppen, noch weniger aber in deren Leitung sein sollen." „Die Ortsgruppen haben den „Revisionisten" bei der Propaganda und Arbeit jedwede Unterstützung zu versagen, Unterstützung in welcher Form i m m e r." „Die Ortsgruppen haben, immer in erster Reihe das Programm eines „fortschrittlichen" Zionls- SIEGM. KORNMEHL GROSSFLEISCHHAUEREI Zentrale: IX.. Berggasse 19. Tel. A-l7-3-99 u. A-16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für ^>Ftelsch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der isr. Kultusgemeinde Wien Autozust«l!ung kostenlos IX. Berggasse 15 ✓ XVIII., Währingerstr. 97 mus hervorhebend, mit einer entsprechenden Propaganda die Tendenzen und Agitation der Revisionisten zu bekämpfe n." Das klingt wie ein Purimscherz! In der Zionistischen Organisation, im „Staate unterwegs", werden solche Methoden angewendet. Wie ist dies möglich? Sind wir noch weiter in der Gesamtorganisation aller Juden, die ihr neues Leben aufbauen wollen, oder aber sind wir plötzlich in Hitlers „Drittes Reich" verschlagen worden? Wer ist derjenige, der die Einheit der Zionistischen Organisation gefährdet? Wir, die von den anderen tagtäglich in ihrer verblendeten Presse beschimpft werden, oder eine Führung, die in „vertraulichen" Zirkularen den anderen die Gedankenfreiheit und Existenzgrundlage nehmen will — wie Hitler — „auch dann, wenn es in einzelnen Fällen den Verlust einzelner wertvoller Kräfte bedeuten würde"? Wer g-efährdet die Einheit der Zionistischen Organisation? Es ist echt jesuitisch, ständig die unbedingte Wichtigkeit der Stärkung der Zionistischen Organisation im Munde zu führen, tagein, tagaus über die demokratischen Grundlagen der Organisation zu faseln und mit unschuldigem Gesicht Solidarität und Disziplin zu predigen, aber dagegen zu handeln, wie dies die Herren vom Arbeitsausschuß in Zagreb tun. Es ist tatsächlich am bequemsten, der eigenen Gefolgschaft alles Schöne zu erzählen, unterdessen aber „vertrauliche" Zirkulare vom Stapel zu lassen. Im Rahmen dieses Briefes ist es leider unmöglich, auf alles das einzugehen, was in diesem Rundschreiben enthalten ist. Da wird in enggedrängten Sätzen zu vielen Problemen Stellung genommen. Es wird mit einer kurzen Handbewegung die Forderung nach der Schaffung des Judenstaates erledigt; die Opposition als die „billigen Zionismus ohne Arbeit und Verantwortung" propagierende gebrandmarkt. Klingt es nicht unglaublich, daß in einem offiziellen, wenn auch vertraulichen, Zirkular einer Landesleitung folgender Passus steht: „Wenn auch die Umstände der Privatinitiative gegenüber Rücksicht erfordern..."? Man kann gespannt sein, ob nicht demnächst alle diejenigen, die Verständnis für Privatinitiative, für diese „reaktionäre" Erscheinung, haben, auf die schwarze Liste gesetzt werden. Dann wird eine „klare Zensur" verlangt! Alle, die sich nicht gleichschalten lassen, sollen verschwinden. Von vornherein wird festgestellt, wer gegen die Disziplin verstoßen wird! Wozu ist das gut? Der letzte Kongreß und auch die Sitzung unseres Verbandsausschusscs vom 8. Oktober 1933 haben sehr deutliche Disziplinarbeschlusse gefaßt. Wie kann man es aber als „gerechtfertigten Kampf" erklären, wenn als erste die Leitung selbst die Statuten des Verbandes klar und eindeutig bricht? Oder gelten diese Disziplinarbeschlüsse nur für die Opposition, nur für die „Schädlinge"? Deutlich soll es gesagt werden: Die Herren, die dieses Zirkular zur „Rettung" des Zionismus in Jugoslawien verfaßt haben, waren seit jeher begeisterte Anhänger der Erweiterung des „Jewish Agency" durch Nlchtzionisten. Und in einer Zeit, wo sich diese Partner schon als wahre Antlzlonisten entpuppt haben, sollen Leute aus der Zionistischen Organisation entfernt werden, die mindestens ein so aufrichtiges Bekenntnis zum Zionismus ablegen, wie die Verfasser des „vertraulichen" Zirkulars! Ihnen sind antlzionlstische Mitarbeiter genehmer als Zionisten, die es sich erlauben, in zionistischen Fragen anders als die Landesleitung zu denken. Zum Schlüsse will ich noch kurz auf eine andere Begebenheit reagieren, auf welche noch ausführlich zurückzukommen sein wird. Der Arbeitsausschuß hat dl© Gründung der zionistischen Ortsgruppe in Ogulin nicht erlaubt, weil der Vertrauensmann ein Judens t a a 11 e r ist. Lieber sollen Zionisten nicht organisiert bleiben. Was nützt die klare Sprache der Statuten? Die sind doch nur für „Parias" da, sie existieren nur dann, wenn man einen Oppositionellen mundtot machen will! Aber die Leitung braucht sich nicht um sie zu scheren. Sie ist ja durch die Majorität gegen alles gedeckt. Und eben an diese Majorität haben wir eine Frage zu richten. Wir Judenstaatszionisten haben unser Bekenntnis, wir sind überzeugt von der Richtigkeit unserer Arbeit und Einstellung in der Zionistischen Organisation. Wir werden uns auch durch „vertrauliche" Zirkulare des Zagreber Arbeitsausschusses nicht ab« schrecken lassen. Wir werden treu auf unserem Posten ausharren. Wir fragen aber die Majorität der Zionisten Jugoslawiens, wir fragen die Allgemeinen Zionisten und die zionistische Jugend: Wie lange wollt ihr euch noch von den Pseudopropheten vom Dolac verführen lassen?, Wie lange wird es noch dauern, bis ihr euch aufraffen und eine solche zionistische Geschäftsführung unmöglich machen werdet? Stevan Herczog, Zagreb. Au§ Italien Das faschistische Welt-Komitee gegen Rassenpolitik Aus Rom: Unter dem Vorsitz des Deputierten Eugenio C o s e 1 s c h i wurde soeben in Rom das Comitatl d'Azione per la Universalita de Roma (Aktionskomitee zur Verbreitung der römischen universellen Idee)] gebildet, dem die einflußreichsten politischen Persönlichkeiten des faschistischen Italiens angehören. Coselschi erklärte dem JTA-Vertreter auf dessen Frage nach der1 Stellung der neuen Organisation, die jetzt daran geht, Zweigorganisationen in anderen Ländern zu schaffen, zur Judenfrage und zum Rassenproblem u. a.: Die europäischen Völker müssen zur Ueberwindung der ökonomischen, der moralischen und der politischen Krise vertrauensvoll zusammenarbeiten. Diese Zusammenarbeit findet ihren harmonischen Ausdruck am besten in dem römischen Kulturgedanken, der seit Jahrhunderten eine zivilisatorische Funktion übt und auf verschiedene Kulturen und Traditionen eingewirkt hat. Unser Begriff „romanita" ist eine Synthese von Gerechtigkeit, Harmonie und starkem Staat, die sich gegen jede Exklusivität, gegen jede Ausschließung irgendeines Volkes oder irgendeiner Rasse wendet. Die Einheit des alten Rom war keineswegs dadurch gestört, daß verschiedene ethnische Gruppen dort ihre freie Entwicklung und ihre Intentionen pflegen konnten. Die einzelnen Völkerschaften waren autonome Stämme. Das eben machte die Größe des alten Rom aus, und dies beeinflußt auch heute unsere Stellung zu der Judenfrage. Der italienische Pavillon auf der Levantemesse in Tel-Awiw Aus Rom: Das staatliche Institut für Exporthandel teilt offiziell seine Beteiligung an der Levantemesse in Tel-Awiw im Frühjahr 1934 mit. In einem speziellen Messepavillon werden die wichtigsten! italienischen Industrie- und Exportfirmen ausstellen. Gouverneur General Balbo bei jüdischen Sportlern in Tripolis Aus Tripolis: Der frühere italienische Luftfahrtminister und jetzige Gouverneur von Tripolitanien General Balbo besuchte den Sportplatz der jüdischen Sportverbände in Tripolis, wohnte längere Zeit den Darbietungen der jüdischen Sportler bei und sprach seine Bewunderung über die außerordentliche sportliche Schulung der jüdischen Mannschaften aus. General Balbo übergab der Fußballgruppe „Tel Awiw" den Pokal, den die jüdische Mannschaft in den Treffen gagen alle anderen lokalen Fußballverbände gewonnen hat. Dr. Weizmann bei Mussolini Aus Rom: Professor Dr. Chaim Weizmann, der auf der Durchreise nach Palästina in Rom weilt, ist soeben vom italienischen Regierungschef Benito Mussolini in längerer Audienz empfangen worden. Eingehend wurden in dieser Zusammenkunft Fragen der Unterbringung der deutschen Flüchtlinge besprochen. In diesem Zusammenhang wurden auch Palästina- Fragen erörtert, wobei Ministerpräsident Mussolini ein starkes Interesse für die allgemeine Lage in Palästina und die Probleme der zionistischen Aufbauarbeit bekundete. Die jüdische Gemeinde in Rom hat zu Ehren Professor Weizmanns einen feierlichen Empfang veranstaltet dem die Führer des italienischen Judentums und eine Anzahl bekannter nichtjüdischer Persönlichkeiten beiwohnten. Zwei neue jüdische Senatoren. Aus Rom: Unter den in Italien neu ernannten Senatoren befinden sich auch zwei Juden: der prominente Rechtsanwalt Felicl Alfredo und der Großindustrielle Falck Giorgio. Die PAG r. den. m.b.H„ Wien VI, Capistranaasse 2 (Telephon B-25-3-81), veranstaltet für ihre Mitglieder PALÄfTINA-REIfEN ab Wien: 20. Iii., 10. IV., 24. IV. II. Kl. Schiff, III. Kl. D-Zug, 15 Tage Verpflegung nur S 440 detto Jedooh Schiff I. Kl. 5 560. / Besuch aller Mittelmeerläfider! / Sprechstunden täglich von 9 bis 12 Uhr Prospekte gratis

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