Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 345 (2.3.1934)
- Date
- 1934-03-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite z DIE NEUE WELT Nr. 345 RUNDSCHAU In Beruf und Sport sich frisch und ausdauernd zu erhalten, gib1 es nichts Besseres als ständige Körperpflege Ein ideales Mittel dazu finden Sie in dem seit Jahrzehnten bewährten, in tausenden Familien beliebten DIANA- Franzbranntwein mit Menthol Erhält durch tägliche Massagen (Einreibungen) die Spannkraft, kräftigt Muskeln und Nerven, verleiht Ausdauer. Ebenso wertvoll zur Mund- und Haarpflege und zu mannigfachen anderen Zwecken. Das anerknnnie Hausmittel. In Jedem besseren Geschäfte erhältlich. Aber verlangen Sie ausdrücklich „D 1 A N A" und nehmen Sie nur „D 1 A N A". Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurückzuweisen. Regierung seit dem letzten Jahr mit einer schärferen Sichtung der Einwanderer begonnen. Auf kulturellem Gebiet haben die Juden Großes geleistet, so unter anderem mehrere Schulen, eine Universität, ein Technikum und eine Musikakademie ins Leben gerufen. Das kollekitve Moment ist vorerst insbesondere auf dem Gebiete der Hygiene und der Nahrungsmittel* Versorgung verwirklicht, während sich im übrigen, so besonders ausgeprägt in der Buntheit der verschiedenen Baustile, der Individualismus noch weitgehend behauptet. Zum Schluß kam Prof. Meyer auf die naheliegende Konfrontation mit Palästina: „Biro-Bidschan kann mit Palästina nicht verglichen werden, das viel günstiger liegt und namentlich über ein bedeutend höher qualifiziertes Menschenmaterial verfügt. Die Sowjetregierung plant die Ansiedlung von 44.000 Juden in Biro-Bidschan innerhalb zehn Jahren. Schon diese Tatsache bezeugt die engen Grenzen des Experiments, daß es heute neben Palästina kein zweites, auch kein „rotes" Palästina gibt." Die Schlußfolgerung des hervorragenden Fachmannes wird wohl dazu beitragen, daß die Illusionen gewisser jüdischer, antizionistisch eingestellter Kreise bezüglich der Lösung der Judenfrage in Rußland endlich schwinden und daß die einzige Realität das jüdische Palästina bleiben wird. So wie das sowjetrussische Experiment hoffnungslos war, so sind auch, alle anderen ähnlichen Versuche, wie sie im Zusammenhang mit der jüdisch-deutschen Flüchtlingshilfe projektiert wurden, zum Scheitern verurteilt. Pariser Beratung über den ludischen Weltkongreß Aus Paris: Am 24. Februar abends wurde in Paris eine Sitzung der westeuropäischen Mitglieder des Comite des Delegations Juives und des Vorbereitungskomitees für den Jüdischen Weltkongreß in Paris eröffnet. Es sollen Zeitpunkt, Ort und Tagesordnung des Jüdischen Weltkongresses festgesetzt werden. Vermutlich wird Genf als Kongreßort gewählt werden. An den Beratungen nehmen u. a. der Präsident des Verbandes jüdischer Hilfsorganisationen Dr. Jochelman, das Mitglied des englischen Unterhauses Major Nathan, der Präsident der Federation of Synagogues Stadtrat Davis, der Oberrabbiner von Rom Dr. Angelo Sacerdoti, M. Kubowitzky (Antwerpen), Dr. Kahn (Holland), Doktor Nahum Goldmann, Isaac Naiditach, Dr. Victor Jacobson, Dr. M. Kreinin. Adv. Leonce Bernheim und Robert Bollak teil. Am Montag, den 26. Februar, begab sich der Vorsitzende des Comite" des DeUegations Juives Dr. Nahum Goldmann zunächst nach Holland und von dort nach Italien und Palästina, wo er mit der Jüdischen Arbeiterorganisation und mit dem Waad Leumi Verhandlungen betreffend deren Beteiligung am Jüdischen Weltkongreß abhalten wird. In Palästina wird Dr. Goldmann auch an einer Sitzung des Aktionskomitees der Zionistischen Organisation teilnehmen, die dort Ende März stattfinden soll. Abschluß der Pariser Beratungen der Weltkongreß-Exekutive. Aus Paris: In der Sitzung der Weltkongreß-Exekutive wurde die Frage des D a t a u m s und Ortes des Weltkongresses, seiner Tagesordnung sowie der Wahlmodalitäten für die einzelnen Länder eingehend besprochen, nachdem in einer Sitzung am 12. Februar, die in Prag stattfand, die mittel- und osteuropäischen Mitglieder des Exekutiv-Komitees schon vorher zu diesen Fragen Stellung genommen hatten. Die Einberufung des Weltkongresses wurde für August beschlossen, wobei das genaue Datum in einer Sitzung, die für Mai in Aussicnt genommen wurde, definitiv festgesetzt werden wird. Als Ort des Weltkongresses kommt eine Schweizer Stadt in Frage, vermutlich Genf. Auf Grund der Berichte der Vertreter der verschiedenen Länder ergab sich ein Bild von der wachsenden Popularisierung des Weltkongreß-Gedankens. Die Wahlmodalitäten für die einzelnen Länder wurden festgelegt. Man rechnet mit einer Zahl von etwa 30 0 Delegierten beim Weltkongreß. Auch die verschiedenen Punkte der Tagesordnung wurden eingehend diskutiert, die genaue Tagesordnung wird ebenfalls auf der Mal-Sitzung des Exekutiv-Komitees festgelegt werden. Unserer heutigen Auflage liegt der neue Katalog der Buchhandlung Joaef Belf, Wien,. L, Rabensteig 3, bei, Ein Begeisterter Bronislaw Huberman Uber Palästina Aus London wird berichtet: Auf einem in London zu Ehren des berühmten Geigers Bronislaw Huberman, der soeben von einer Konzerttournee durch Palästina nach Europa zurückgekehrt ist, von Mr3. Dougdale, der Nichte von Lord Balfour, veranstalteten Empfang schilderte der KUnstler, der auch ein Führer der Paneuropa-Bewegung ist, seine Eindrücke von dem jüdischen Aufbauwerk. Ich komme aus einem Lande, erklärte er, das wahrhaftig als ein Paradies auf Erden gelten kann. Ich bin überzeugter Europäer und war niemals von dem Gedanken begeistert, daß das europäischste Volk der Welt, die Juden, in ein asiatisches Land gehen solle. Aber das, was ich in Palästina gesehen habe, hat mich begeistert. Nirgendwo anders kann man solchen Idealismus, solchen Enthusiasmus finden wie dort. Gewiß, einzelne Idealisten gibt es Uberall. Aber ein Massenidealismus, ein kollektiver Idealismus, wie er in Palästina besteht, kann in keinem anderen Lande der Welt gefunden werden. Das ist einer der Gründe, warum ich nicht länger irgend eine Unvereinbarkeit zwischen meinem Europäertum und dem Palästina- Gedanken empfinde. Was ich in Palästina gesehen habe, scheint mir wie ein neues und besseres Europa. Vielleicht wird sich der dort herrschende Idealismus auch auf Europa auswirken und es aus dem Chaos erlösen, in dem es sich jetzt befindet. Und wenn es jemals zu einem europäischen Bunde kommen sollte, so wird dieser noch einen weiteren Staat, Palästina, mitumfassen. Heute ist Palästina die einzige wirkliche europäische Oase in Asien. Ich habe in Palästina, fuhr Huberman fort, zwölf KonzeTte gegeben, die von insgesamt 18.000 Menschen besucht waren; jede Veranstaltung war ausverkauft. Wenn wir die Tausende mitberücksichtigen, die keinen Einlaß finden konnten, so können wir rechnen, daß es in Palästina ein konzertbesuchendes Publikum von etwa 3 0.0 00 Personen gibt, eine ungeheure Zahl, wenn man bedenkt, daß die gesamte jüdische Bevölkerung des Landes, Männer, Frauen und Kinder, bloß eine Viertelmillion Seelen umfaßt. Das Verhältnis der Konzertbesucher zur Gesamtbevölkerung ist somit f ü n f- bis zehnmal so hoch wie in jedem anderen mir bekannten Lande. Dies spricht Bände für die Höhe des kulturellen Lebens im Jischuw, die übrigens auch aus anderen Tatsachen ersichtlich ist. So ist z. B. die erst vor zehn Jahren begründete Bibliothek der Hebräischen Universität heute schon die größte Bibliothek der weißen Rasse in Asien und Afrika. Und das kulturelle Streben, selbst unter sogenannten Bauern, ist so stark, wie anderwärts nur bei den oberen Zehntausend. Ich hatte das Empfinden, daß Palästina das erste Land ist, das sich endlich von der Klassenkultur Europas befreit hat und eine die gesamte Volksgemeinschaft erfassende Kultur entstehen läßt. Heute Wiedereröffnung des ehem. Restaurant Zollner II, Hammer - Purgstallgasse J durch den bekannten Re§taurateur W+Spritzer Zur Verabreichung gelangen: SpezialSpeisen für den verwöhnten Gaumen äla Carte wie auch Menüs von S 1.60 aufw. und Speisen am Rost Zerklüftetes Judentum Unter diesem Titel haben wir vor einer Woche über die Zustände innerhalb des deutschen Judentums berichtet und darauf hingewiesen, daß in Deutschland gerade in dieser schweren Zeit die Unterschiede zwischen assimilatorischer und jüdischnationaler Anschauung stärker hervortreten als je und die Bildung einer jüdischen politischen Gesamtvertretung unmöglich machen. Wir haben an den letzten, von den Vertretern aller Gruppen erlassenen Aufruf zur Einigkeit angeknüpft und Zweifel hinsichtlich seiner Wirkung ausgesprochen. Die Berechtigung dieser Zweifel hat sich rascher als erwünscht erwiesen. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten (R. J. F.), der auf dem Aufruf unterzeichnet war, hat jetzt eine Erklärung zur „Frage der Zusammenarbeit der jüdischen Organisationen Deutschlands" veröffentlicht, welche die Versuche der Einigung über den Haufen wirft. Sie lautet: „Der It. j. F. aieht die Grundlage seiner Arbeit in einem restlosen Bekenntnis zur deutschen Heimat und wendet sich aufs schärfste gegen jede B c- 81 r e b u n g, die uns deutsche Juden zu dieser deutschen Heimat in eine Fremdstellung bringen will. Er glaubt auch, daß auf dieser Grundlage und im Rahmen des heutigen Staates und seiner heutigen Gesetze eine ehrenhafte Befriedung der jüdischen Frage in Deutschland durchführbar ist. Von diesem Standpunkt erscheint es uns ausgeschlossen, mit judischen Organisationen, die auf einem anderen Standpunkt stehen, in Fragen, bei denen die Gestaltung des Verhältnisses zu deutscher Umwelt, zu deutschem Volk und Staat in Betracht kommt, zusammengehen. Das hindert aber nicht, daß wir in praktischen Dingen wie z. B. Berufsumschichtung, soziale Fürsorge, wirtschaftliche Hilfe, Unterstützung derer, die auswandern müssen usw., mit der Reichsvertretung der deutschen Juden zusammenarbeiten . . ." Das heißt nicht mehr und nicht weniger, als daß der R. j. F. die p o 111 i s c h e Zusammenarbeit mit der von allen Gemeinde- und Landesvertretungen, in Ueberelnstimmung mit den jüdischen Organisationen Deutschlands gewählten Reichsvertretung ablehnt und ihr da» Recht abspricht, im Namen der deutschen Judenschaft zu sprechen und zu handeln. Der R. j. F. geht aber noch weiter. Es ist klar, daß seine Erklärung eine Verdächtigung anderer Gruppen, vor allem der jüdischnational und zionistisch eingestellten, bedeutet. Er spricht ihnen das Gefühl der Vaterlandstreue ab. Unter normalen Umständen bedeutet das eine gefährliche Bloßstellung dieser Gruppen. In Hitler-Deutschland bedeutet es viel mehr. Es ist wirklich allzu schwer geworden, jetzt noch an die Möglichkeit eines gedeihlichen Zusammengehens der Juden in Deutschland zu glauben. IflNOPROGRAMME W% DIESER WOCHE KREUZ-KINO'' WolSV724-2-16 Vom 2. bis 8. März 1934: „Mädchenraub in Wildwest" nach ZaneGrey mit Randolph Scott und Verna Hillie Sonn- und wochentags: 4, 5.45, 7.30, 9.15 Uhr Berafsumsdudihing in Deutschland Und ihre Widersacher ... einer großen Versammlung in Frankfurt a. M. berichtete einer der Vorsitzenden der Reichsvertretung deutscher Juden Dr. Otto Hirsch über die Bemühungen der Reichsvertretung um die Beruf sumschichtung der Juden, d. h. um die Unterbringung der aus den Intelligenzberufen verdrängten Juden im Handwerk und in der Landwirtschaft Deutschlands. Er wies mit Nachdruck darauf hin, daß es einen besonderen jüdischen Sektor in , der deutschen Gesamtwirtschaft nicht gebe. Bei der Fürsorge für die jüdischen Arbeitnehmer seien Hilfsmaßnahmen sehr schwer, zumal die Organisation hier noch nicht abgeschlossen sei. Nachdem vor einiger Zeit ein zentraler jüdischer Arbeitnehmerausschuß in Berlin geschaffen wurde, sollen jetzt in den wichtigsten jüdischen Zentren in Deutschland Unterausschüsse gebildet werden. Besonders wichtig ist die Frage der Berufsumschichtung; so sei man bestrebt, nicht nur Einzelstellen, sondern auch Lehrwerkstätten und Lehrgüter für Handwerk und Landwirtschaft ausfindig zu machen. * Während sich die Juden so bemühen, in der deutschen Wirtschaft und Arbeit festen Fuß zu fassen, sind draußen starke Kräfte daran, ihnen jede Möglichkeit der Arbeit zu rauben. Man hat die Juden wohl aus den Intelligenzberufen verdrängt, denkt aber nicht daran, ihnen andere Arbeitsgelegenheiten zu lassen. Diese Tendenz findet in nachstehender Meldung ihren Ausdruck: Solange nur ein Deutscher arbeitslos ist . . . Aus Köln: Der „Westdeutsche Beobachter" nimmt in Nr. 74 zu einem die Umschichtungsbestrebungen innerhalb der deutschen Judenheit und ihre Förderung durch die Reichsvertretung der deutschen Juden betreffenden Aufsatz Dr. Otto Hirsch* folgendermaßen Stellung: „. . . Solange noch ein Deutscher arbeitslos ist, kommt eine Diskussion dieses Themas überhaupt nicht in Frage. Krst nach völliger Beseitigung der Arbeitslosigkeit kann man dem Problem nahetreten. Wir glauben jedoch nicht, daß der knappe deutsche Lebensraum auch nur im geringsten die Möglichkeit bietet, fremdrassige Elemente in den genannten Berufen (als Arbeiter, Handwerker und Landwirte) unterzubringen. Viktoria Goldenberg Jassy David Solomon ücencfot {/er Handelshochschule Liege (Belgien) Jassy Verlobte