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Die neue Welt · 1934-02-27 · Heft 344 (27.2.1934) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 344 (27.2.1934)
Date
1934-02-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NETTE WELT Nr. «41 und dem Comite" National wird Uber den Aufbau einer produktiven Hilfe verhandelt. Von den zur Zeit noch etwa 1500 Unterstützten sollen schon in den nächsten Tagen 100 bei Hilfsarbeiten in der Landwirtschaft, 100 in Handwerks- und Landwirtschaftsumschulungen untergebracht werden. Nach Palästina geht jetzt ein weiterer Transport von 100 Flüchtlingen ab, ebenso sollen etwa 100 in anderen Ländern Unterkunft und Arbeit finden. Etwa 500 Emigranten will man durch Etablierung von 300 Familienvätern produktiv in den Wirtschaftsprozeß in Frankreich einreihen. Uebrig blieben dann etwa 600 Aeltere, Kranke und Arbeitsunfähige. Man will versuchen, diese 6 0 0 Hilflosen bei den jüdischen Gemeinden der verschiedenen französischen Provinzen in Heimen oder Privatquartieren gut unterzubringen. Das nötige Geld zur Realisierung dieses ganzen Planes soll in Frankreich, Amerika und England aufgebracht werden. Man hofft tun so mehr auf Verständnis, als es sich hier um Spenden für produktive Hilfe handelt, durch die die Beendigung der bisherigen so unproduktiven reinen Fürsorge erreicht werden würde. Aus der judisdien Well Zum Mordproieß Arlosoroff Abdul Medschid — ein Polizeispitzel Aus Jaffa wird gemeldet: Im Zuge der Arlosoroff-Morduntersuchung wurde von Richter Ralph Bodilly die Vernehmung von Zeugen fortgesetzt. Der auf Verlangen der Verteidigung vorgeladene Isaac Cham Soni machte Angaben über den jungen Araber Abdul Medschid, der bekanntlich behauptet, von den Angeklagten Stavsky und Rosenblatt unter Anbietung einer Bestechungssumme zu seinem später widerrufenen Geständnis, er sei einer der Männer, die den Ueberfall auf Dr. Arlosoroff verübt haben, veranlaßt worden zu sein. Der Zeuge bezeichnete Abdul Medschid als einen Lockspitzel der Polizei. Er habe wiederholt der Polizei Berichte gebracht und sei oft unter den Spaziergängern von Tel-Awiw gesehen worden. (Auch der Verteidiger Horace Samuel hatte schon früher erklärt, er halte Abdul Medschid für einen Geheimagenten der Polizei. Dieser jedoch stellte j dies entschieden in Abrede und behauptete, er verdiene j seinen Lebensunterhalt ausschließlich durch den Betrieb einer Fahrradreparaturwerkstätte). — Der Mitgefangene der Angeklagten, Subhi Zablawi, der die Verbindung zwischen diesen und Abdul Medschid hergestellt haben soll, wurde ein zweites Mal vernommen. Er behauptete, zwei jüdische Grundstücksmakler, Israel Avivi und Jakob Hillelsohn, hätten ihm 500Pfund versprochen, wenn es ihm gelänge, Abdul Medschid zu dem Geständnis zu bewegen, er habe Dr. Arlosoroff ermordet. Helft den russischen Juden I Ein kürzlich in Warschau gegründetes „Hilfs komitee für die Juden in Rußland" veröffentlich einen Aufruf, worin es u. a. heißt: „Unaufhörlich dringen zu uns Hilferufe unserer armen Brüder aus Rußland, die buchstäblich Hunger leiden. Der Hungertod ist eine täglich sich ereignende Tatsache. Keiner, der den Namen „Jude" trägt, darf die Ohren vor dem Jammerschrei unserer russischen Brüder verschließen. Keiner darf ihnen seine Hilfe versagen Zwar ist unsere wirtschaftliche Lage sehr bitter, aber trotzdem mit der ihrigen nicht zu vergleichen, Wir appel i Heren daher an jeden einzelnen, ohne Unterschied des Standes und der Partei, die brüderliche Pflicht gegenüber unseren Stammesgenossen in Rußland zu erfüllen, die ihrerseits immer ihre offene und großzügige Opferbereit schaft uns gegenüber an den Tag gelegt haben. Be> sonders jetzt zu P e s s a c h, wo unsere Brüder vor der Gefahr stehen, auch ohne Mazzoth zu bleiben, ist die Hilfeleistung dringend." Der Aufruf ist von den führenden Persönlichkeiten des polnischen Judentums gezeichnet. Judisdie Opfer in BirosBicfechan Aus Charbin wird gemeldet: In Biro-Bidschan sind große Feuersbrünste ausgebrochen, deren Ursache geheimgehalten wird. Tagelang brannten ganze Häuserzeilen, wobei eine Anzahl Juden, die sich nicht rechtzeitig retten konnten, den Tod fand. Die Feuersbrünste sollen die Folge schwerer Kämpfe zwischen konterrevolutionären und sowjetrussischen Militärabteilungen sein. * (Jedenfalls bestätigt sich mit dieser Nachricht die seit jeher gehegte Befürchtung, daß die Kolonie Biro- Bidschan der Schauplatz von Kämpfen sein werde, unter denen natürlich ausschließlich die jüdischen Kolonisten zu leiden haben. Anm. d. Red.) Aus Jaffa wird weitere gemeldet: Im Zuge der Untersuchung wurde als Zeuge Polizeimajor Rice vernommen, der seinerzeit die Konfrontation zwischen Frau Sima Arlosoroff und den des Mordes Beschuldigten vorgenommen hat. Major Rice sagte unter Eid aus, daß während der Konfrontation sich außer Frau Arlosoroff noch eine zweite Frau im Zimmer aufgehalten habe. Beide Frauen hatten dichte Schleier vor dem Gesicht, so daß es unmöglich war, sie zu erkennen. Nichtsdestoweniger sei Abdul Medschid schnurstracks auf Frau Arlosoroff zugegangen, um neue Einzelheiten über den Mord mitzuteilen. (Nach dieser Darstellung muß der Araber Abdul Medschid einmal bereits Frau Arlosoroff gesehen haben, wenn er sie jetzt trotz der Verschleierung bei der Konfrontation erkannt hat. Anm. d. Red.) Verfahren gegen Zeitungen im Zusammenhang mit dem Arlosoroff-Mord Aus Jerusalem: Der Generalstaatsanwalt von Palästina hat beim Obersten Gerichtshof Strafantrag gegen den Herausgeber der revisionistischen Halbmonatsschrift „C h a s i t h H a'A m", Dr. Yevin, wegen Veröffentlichung von Artikeln, die geeignet scheinen, dem Verfahren in der Arlosoroff-Morduntersuchung vorzugreifen, gestellt. Die inkriminierten Artikel trugen die Ueberschriften „Warum sollen wir Abdul Medschid nicht glauben?" und „Wie Issa und Abdul Medschid Dr. Arlosoroff ermordeten". Die erste Vernehmung in diesem Verfahren hat am 17. Februar stattgefunden. Ein weiteres Verfahren läuft gegen die Herausgeber der sozialistischen Tageszeitung „Davar" und der einmaligen Sonderausgaben „Baschaar" und „Mischpatim". Die Vernehmung in dieser Sache ist auf den 23. Februar festgesetzt. Mercurbank In der am 24. Februar unter Vorsitz des Präsidenten Ing. Dr. Anton Apold abgehaltenen Sitzung des Verwaltungsrates der Mercurbank wurde die Bilanz für das Geschäftsjahr 1933 vorgelgt und genehmigt. Es wurde beschlossen, der Generalversammlung den Antrag zu stellen, von dem nach Vornahme von entsprechenden Abschreibungen und Rückstellungen verbleibenden Gewinn per S 94.572,56 den Betrag von S 50.000,— zur Dotierung des Reservefonds II zu verwenden und den Rest auf neue Rechnung vorzutragen. Herr Dr. Ing. h. c. Dr. jur. Otto Kämpfer, Berlin, wurde In den Verwaltungerat kooptiert. E 700 polnische Palästina-Wanderer Aus Warschau: Soeben haben sich siebenhundert Juden, in der Hauptsache Chaluzim und Mittelstandsangehörige, mit Zertifikaten nach Palästina begeben. Infolge der Palästina-Touristen bereiteten Schwierigkeiten sind nur ganzwenigeTouristen mit diesem Transport mitgefahren. Gleichzeitig reisten dreißig Chaluzim aus Litauen mit. Die Juden in der Sowjetregi'eruiag Aus Moskau: Unter den von der 17. Konferenz der Kommunistischen Partei in die Körperschaften der Parteiexekutive gewählten 292 Personen sind 4 0 Juden. Dem 71gliedrigen Zentralkomitee gehören folgende Juden an: Lazar Kaganowitsch (gleichzeitig einer der drei Sekretäre der Partei und Mitglied des Polit-Büros), dessen Bruder Moses Kaganowitsch, der Minister des Aeußern Maxim Litwinow, der Direktor der Kohlenindustrie des Don-Bassins, Moses Ruchimowitsch, G. Jagoda von der Ogpu, der Oberbefehlshaber der ukrainischen Armee J. Jakir, der Landwirtschaftsminister Jakob Jakowlew, das Mitglied des Militärrates und Vizekriegsminister I. B. Gamarnik und Chatejowitsch, einer der Führer der Kommunistischen Partei der Ukraine; ferner als stellvertretende Mitglieder: der Chef der Zivilflotte Joseph Unschlicht, der Leiter der Ural-Bergwerke Moses Kalmanowitsch, der Generalsekretär der Sowjetgewerkschaften Salomon Lozowsky, der Minister für auswärtigen Handel A. Rosengolz, S. Schwarz, G. Brojda und G. Weinberg. Dem 61gliedrigen Parteikontrollkomitee gehören folgende Juden an: Lazar Kaganowitsch, Emilian Jaroslawsky, Wladimir Groman, R. Davidson, B. Dwinsk, A Lewin, M. Tiomkin, A. Frankel, S. Chawkin und W. Scharangowitsch. Der 70gliedrigen Kommission der Sowjetkontrolle gehören die Juden an: Belenki, einer der Leiter der Ogpu, der Vorsitzende der Waldarbeitergewerkschaft G. Anzelowitsch, A. Gejster vom Finanzministerium, einer der Führer der Gewerkschaftsbewegung, A. Zichon, R. Zemliatschko vom Verkehrsministerium, B. Rosenman vom Verkehrsministerium, B. Rosenman von der Staatskontrollkommission, der Generalsekretär des Gewerkschaftsverbandes Z. Weinbaum, der Chef eines Departements in der Ogpu Trelisar, J. Gindin, der Direktor des Bautrusts M. Deutsch, R. Kissis, G. Melamid und W. Feigin. Der 22gliedrigen Revisionskommission gehören vier Juden an: J. Scheleches, Lew Aronstam, Jakob Sofar und E. Kogan. Bombenanschlag auf eine Synagoge in Bulgarien Aus Sofia: Auf die Synagoge in Kjustendil wurde ein Bombenanschlag verübt. Verluste an Menschenleben sind nicht zu beklagen. Der Sachschaden ist bedeutend. Den Urhebern des Anschlags ist es gelungen, zu entfliehen. Behördliche Nachforschungen wurden eingeleitet, Zum Mord an Theodor Lessing Aus Prag: Am 30. August v. J. wurden in Milienbad im Zusammenhang mit dem Lessing-Mord elf Peräonen verhaftet, unter ihnen ein relchadeutscher Staatsangehöriger, der Zahntechniker Anton Richter. Jetst hat die Staatsanwaltschaft Biger daa Verfahren fegen neun der Verhafteten eingestellt und ihre Haftentlassung bewilligt. Nur zwei Personen, Josef Dohner und ein gewisser Strasser, bleiben in Haft; gegen sie und gegen den flüchtigen Rudolf Eckert läuft das Verfahren welter. Buchhändler Max Höhne wird «ich nur wegen einer; Uebertretung zu verantworten haben. Die Judenstaatspartei gratuliert Herrn Dr. Leopold Ehrlich (Hichler) herz ltdist aus Anlaß der Bar- Mizwah seines Sohnes Josef Rückgang der jüdischen Bevölkerung auch in Rumänien Aus Bukarest: Die Statistik der Bevölkerungsbewegung in Rumänien verzeichnet für Oktober 1933 an Geburten 21,9 Promille, an Sterbefällen 16,3 Promille. Bei den Minderhelten ergeben sich folgende Ziffern: a) Geburten: Deutsche 4,7 Prozent, Ungarn 2,8 Prozent, Juden 1,6 Prozent; b) Sterbefälle: Ungarn 6,7 Prozent, Deutsche 3,5 Prozent, Juden 2,9 Prozent. Es ergibt sich ein allgemeiner Geburtenrückgang bei der Stadtbevölkerung, speziell bei der jüdischen Bevölkerung, die in Rumänien in der Hauptsache eine städtische ist. Gefängnisstrafen für antisemitische Exzedenten Aus Warschau: Das Lodzer Kreisgericht hat elf junge Leute, die in der vorigen Woche an den judenfeindlichen Ausschreitungen in Lodz teilgenommen, Ueberfälle auf jüdische Passanten verübt und Schaufensterscheiben jüdischer Geschäfte zertrümmert haben, zu je einem Monat Gefängnis verurteilt. Inzwischen gehen die Terrorakte nationaldemokratischer Jugendlicher gegen Juden weiter. Jüdische Läden in einem nichtjüdischen Viertel Warschaus wurden von Nationaldemokraten angegriffen, die Fensterscheiben eingeschlagen. In der Nähe des Warschauer Hauptbahnhofs wurden drei Universitätshörer, unter ihnen ein Mädchen, verhaftet, die eben daran waren, die Schaufensterscheiben eines jüdischen Geschäftes zu zertrümmern. In ihrem Besitz fand man eine Liste von Geschäftsläden, auf die Ueberfälle verübt werden sollten. Wegen Anti-Hitler-Boykottätigkeit geehrt Aus New York: Tausend prominente Juden und Nichtjuden New Yorks versammelten sich zu einem Dinner, um William Green, Präsidenten der amerikanischen Arbeiterföderation, wegen seiner erfolgreichen Boykottpropaganda gegen Hitler- Deutschland zu ehren. Hauptredner beim Dinner waren Rabbi Abba Hillel Silver und der Bürgermeister von New York La Guardia. Von dem in Kalifornien weilenden S. Untermyer wurde eine Botschaft verlesen, in der dieser sich scharf gegen jene amerikanisch-jüdischen Führer ausspricht, die gegen eine Boykottierung Hitler-Deutschlands sind. Sämtliche Redner forderten einen neuen Kräfteeinsatz zur Vollendung der Organisation des Boykotts, der eo lange dauern soll, als Juden und Arbeiter in Deutschland entrechtet sind. In Litauen wird antideutscher Boykott bestreit Aus Kowno: Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Ponlewiesch, Well er, und der Gemeindesekretär Joffe wurden wegen Propagierung des anttdeutschen Boykotts in Litauen zu je einem Monat Gefängnis, ablösbar durch eine hohe Geldsumme, verurteilt. Das lettländische Parlament lehnt Numerus-clausus- Antrag ab Aus Riga: Der lettländische Sejm hat mit über* wältigender Mehrheit einen antisemitischen An* trag, für jüdische Angestellte den Numerus clausus einzuführen, abgelehnt. In der Debatte bemerkte der jüdische Deputierte Rabbiner Du bin, es würde den Juden; gar nicht so schlimm ergehen, wenn sie in allen Beruf skategorien, auch in der Beamtenschaft, entsprechend ihrer Zahl vertreten sein, würden. Das Protokoll der Zweiten Jüdischen Weltkonferenz, die im September 1933 in Genf stattgefunden hat, liegt jetzt im Druck (104 Seiten) vor. Es ist durch das Zentralbüro des Exekutivkomitees zur Vorbereitung des JUdichen Weltkongresses, Genf, 121 nie de Laueahne, wt beaUbsn, (

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