Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 343 (23.2.1934)
- Date
- 1934-02-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 343 Gelehrte, Beamter Arbelfer/ Künstler sind üch einig darüber, daß erfolgreiche Arbelt nur bei bestem KrSftezustand. mit ruhigen Nerven und in guter Stimmung austande kommen kann. Zur Kräftigung und Erfrischung des Körpers, zur Gesunderhaltung der Organe, asur Bekämpfung von Mattlgkettsgefühlen gibt os ein iuvertassiges Mittel: DIANA- Franzbranntwein mit Menthol Anwendung: AeuBerlich zu Einreibungen, Umschlägen. Abwaschungen: innerlich als Mund- und Qurgelwasaer sowie *u verschiedenen anderen Zwecken. — 8«U Jahrzehnten bekannt und anerkannt als gvsnndheitsföfderndes Hausmittel. Diana-Franzbranntwein ■oll In keinem Hanthaft fehlen! Verlangen Sie ausdrucklich DIANA und nehmen Sie nur DIANA. Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurückzuweisen. In jedem besseren Geschäft erhältlich : Die Vertreter des ganzen Volkes müssen sich versammeln, um diese Frage zu prüfen und eine klare Antwort zu geben. Dazu ist der Jüdische Weltkongreß nötig, der nun seit zwei Jahren in Konferenzen europäischer und amerikanischer Juden erörtert wird. Die letzte Konferenz hat bestimmt, den Kongreß auf Grund allgemeiner und demokratischer Wahlen einzuberufen. Das ist ein kluger Beschluß. Es sollen nicht Parteien und Cliquen wählen, sondern Juden. An den Wahlen können sich alle Juden in allen Ländern beteiligen. Ausgenommen sind zwei Länder, wo man freie Wahlen als todeswürdiges Verbrechen betrachtet: Hitler-Deutschland und das sowjetistische Rußland, das sich von der ganzen Welt abgeschlossen hat und seine zweieinhalb Millionen Juden vom jüdischen Volk gewaltsam fernhalt. Wer „teilhaben" will „an Israel", muß zu den Wahlen gehen ohne Rücksicht auf seine Parteizugehörigkeit. Alle ehrlichen jüdischen Parteien müssen ihren Mitgliedern volle Freiheit gewähren, am überparteilichen jüdischen Weltkongreß Anteil zu nehmen. Die Partei, welche ihre Mitglieder daran hindert, erklärt, daß sie außerhalb des jüdischen Lagers, außerhalb der jüdischen Volksgemeinschaft steht. Der Weltkongreß wird den Beweis erbringen, wieviel Lebensenergien noch im ältesten Kulturvolke der Welt vorhanden sind, im alten Volke, das alle Sturmzeiten der Weltgeschichte überdauert hat. D?'e /gotf Io§e' Est her?Rolle Von Dr. Israel Zwi Kanner (Wien) Bekanntlich fehlt im Buche Esther die Erwähnung des Gottesnamens. Verschiedenartig sind die Gründe, die hiefür im Lauf der Zeiten angegeben worden sind: Ein Kunterbunt von Deutungen, je nachdem sie vom nationalen, kulturhistorischen, literarischen oder religiösen Standpunkt ausgehen. * Als zur Zeit der Römerherrschaft in Palästina die Rebellionen junger Juden sich mehrten, hegten die Rabbiner die Befürchtung, junges jüdisches Blut könnte nutzlos vergossen werden. Die Uebermacht der Römer war zu groß, der Heroismus der Jugend, für das Vaterland zu sterben, zu stark entwickelt. Dem tollkühnen Eifer der Jugend mußte daher irgendwie Einhalt geboten werden. Was geschah? Man entzog ihnen die Makkabäerrolle, die von der Rettung der Juden durch Waffen erzählte, und gab ihnen die E s t h e r - R o 11 e, die von der Rettung der Juden durch die Diplomatie einer Frau erzählte. Auf diese Weise wollte man das stürmische Blut der Jugend besänftigen. Der Name Gottes mußte unerwähnt bleiben, damit die Purimgeschichte nicht für eine unglaubwürdige Erzählung, aufgebaut auf Gotteawunder, gehalten werde. * Sprachlich hängt P u r i m mit F u r d i g a n, dem Frühlings- und Neujahrsfest der Perser, zusammen, an dem sich noch heute die Perser Geschenke und Süßigkeiten zusenden. Die Juden feierten bei ihrem Aufenthalt in der persischen Hauptstadt das Purimfest und gebrauchten dabei den Namen Gottes nicht, um ihn im Taumel des Festes nicht zu schänden. Das griechische Fest der Oeffnung der Weinfässer, das angeblich Ptolemäus Philopator aus Aegypten nach Judäa verpflanzte, soll sich ins Purimfest gewandelt haben. (Pura, hebr. — Kelter). Da man den Namen des jüdischen Gotts nicht mit diesem Bacchusfeste in Verbindung bringen wollte, wurde das religiöse Moment geflissentlich ausgeschaltet. * Das rätselhafte Fehlen des Gottesnamens im Buche Esther wollte man auch aus dem Umstände erklären, daß die Trauer am Fasttage Esther der Trauer um einen Toten gleiche und daß wir daher in ihm eine Religion des Toten kults und nicht des Jahwe-Kults haben. Die Esther-Rolle war als Brief gedacht, der an alle Provinzialbewohner in Form eines Zirkulars gesandt v/urde. Da ein Brief leicht mit Unrat in Berührung kommen könnte, vermied man darin den Gottesnamen; durch das Liefen an einem unreinen' Orte könnte eV entweiht werden. Geistreich ist der Gedanke, daß das Büchlein eine Verteidigungsschrift der Hellenisten mit der Tendenz «ei, ihre treue Stellung zum Hofe des Heidenkönigs m rechtfertigen. (Mordechai entdeckt den Mordanschlag gegen den Heidenkönig: ein Sprößling de» Hauses Saul heiratet den heidnischen König usw.). Der Verfasser hatte sich daher gescheut, den Namen des einig-einzigen Adonai, an dessen Stelle die Grtechenschwttrmer oft den hellenischen Zeus gesetzt haben, anzuführen, da man sich an die verwundbarsten Stellen derer erinnern müßte, deren Verteidigung zu führen er unternommen hatte, * Jüdische Propheten traten den Bestrebungen der jüdischen Könige oft in der Weise wirksam entgegen, daß sie sich auf Gott beriefen. Daher ließ irgend ein König das Esther-Buch verfassen, das nicht müde wird, das Wort melech (König) unzählige Male zu wiederholen. * Während die alten Kirchenväter alle Bücher der Bibel nach ihrer Art aufs genaueste kommentierten, mochten sie mit dem Buche Esther nichts zu tun haben. Sie fanden darin nichts Religiöses. Ein rein nationaljüdiaches Buch zu behandeln, lag ihnen fern. Lilly Schflehter Dr. med. Paul StryKs Wien II. Wien II. Verlobte Zum Mordproxeß Arlosoroff Aus Jaffa wird u. d. 21. d. gemeldet: Die Vernehmung des Arabers Abdul Medschid durch den Jaffaer Richter Ralph. Bodilly wurde abgeschlossen. Das Kreuzverhör durch den Verteidiger Horace Samuel hat zu dem Ergebnis geführt, daß Abdul Medschid bekannte, daß der Anklagevertreter Shitreet ihn auf eine Anzahl von Widersprüchen zwischen seinen Aussagen und denen Frau Arlosoroffs aufmerksam gemacht hat. Ein hierauf vom Verteidiger Horace Samuel gestellter Antrag, die arabische Mittelsperson zu vernehmen, die die Verbindung zwischen den Angeklagten und den arabischen Mithäftlingen hergestellt hat, wurde zunächst von Richter Bodilly abgelehnt. * Polizeirichter Bodilly vernahm hpute Abdul Medschids Zellengenossen Sulejma Nabu Sch'aahun, der. aussagte, Stawsky habe versucht, Abdul Medschid zu bestechen, damit dieser die Mordschuld auf sich nehme. Es folgte die Einvernahme von Subhi Zablawi, der den Vermittler zwischen Stawsky und Medschid gespielt haben soll. Der Zeuge erklärte, er habe im Jänner bewußt falsch ausgesagt, als er Abdul Medschid als den Schuldigen bezeichnete; er war hiezu durch den jüdischen Mithäftling Joseph U r p h a 1 i, der im Zusammenhang mit den Unruhen 1929 zum Tode verurteilt und dann zu mehrjährigem Kerker begnadigt worden war, beeinflußt worden. Urphali hätte ihn zu überreden versucht, die Mordschuld auf sich zu nehmen, weil er dadurch seine Lage nicht verschlechtere. Er aber habe geraten, diese Rolle Medschid zuzuteilen, der ebenfalls keine höhere Strafe, als sie ihm jetzt schon zukommt, zu erwarten habe. Schutz für Stavsky und Genossen! Zum Mordprozeß Arlosoroff Herr Vladimir Jabotinsky und E. Sliosberg Übersenden uns, mit dem Ersuchen um Publizierung unter obigem Titel einen an die jüdische Oeffentlichkeit gerichteten Brief, in welchem es heißt: „Drei junge Menschen — Stavski, Rosenblatt und Achimeir — werden seit vielen Monaten gefangen gehalten, weil die palästinensische Polizei sie beschuldigt, Dr. Arlosoroff ermordet zu haben. Die Untersuchung wird fortgesetzt, trotzdem sich Umstände ergeben haben, die bei normalem Verlauf der Angelegenheit schon längst zum Fallenlassen der Anklage hätten führen müssen. Aber in dieser Sache spielen leider politische Leidenschaften eine entscheidende Rolle. Die in der jüdischen Geschichte kaum erhörte Beschuldigung, Juden hätten einen geachteten jüdischen Staatsmann ermordet, droht infolge der von den Untersuchungsbehörden angewandten Methoden mit einem nicht wieder gutzumachenden Unglück, mit der Verurteilung Unschuldiger zu enden, wenn nicht die energische Verteidigung, die bisher den Gefangenen zuteil wurde, fortgesetzt wird. Es wäre ein schweres Verbrechen an unserem ganzen Volke, wenn die Angeklagten — an deren völlige Unschuld viele fest glauben — ohne ausreichende Verteidigung blieben. Die Juden aller Parteien müssen mit allen Kräften danach streben, daß die ganze Wahrheit Über die Ermordung'von Dr. Arlosoroff ans Licht gebracht werde". „Dies ist nur möglich, wenn die energische Verteidigung fortgesetzt und darüber hinaus eigene Nachforschung angestellt wird. Aber die Organisierung der Verteidigung erfordert bei aller Opferbereltschaft der Verteidiger selbst erhebliche Geldmittel. Man muß mit der außerordentlich starken Organisation jener Seite rechnen, die eine Verurteilung erzwingen will. Man war genötigt, zur Führung der Verteidigung einen bekannten Juristen aus London zu berufen, der schon viele Monate in Palästina weilt, um sich ausschließlich den Interessen der ihm anvertrauten Angeklagten widmen zu können." „Augenblicklich hat die Angelegenheit noch eine Komplizierung erfahren. Ein junger Araber, der unter Verdacht des Mordes in Haft sitzt, hat einen anderen Araber des Mordes an Dr. Arlosoroff bezichtigt. Die Untersuchungsbehörde erhebt nur, gegen Stavski, Rosenblatt und Achimeir die zusätzliche Beschuldigung, diesen Araber bestochen zu haben, trotz offenkundiger Unwahrscheinlichkeit einer solchen Annahme. Das droht, den Prozeß noch weiter zu verschleppen. Und die Freunde der Angeklagten, die bis jetzt die mit der Verteidigung verbundenen Ausgaben selbst getragen haben, sind dazu nicht mehrimstandc. Nach ungefährer Berechnung belaufen sich die für die Verteidigung noch benötigte Summe auf nicht weniger als 1500 Pfund." „Schrecklich ist der Gedanke, drei junge Menschen in Lebensgefahr zu lassen, deren Unschuld heute mehr als wahrscheinlich ist. Und nur deshalb, weil aus Geldmangel der Wucht der Anklage nicht genügender Widerstand einer organisierten Verteidigung entgegengesetzt werden kann." „Wir wenden uns an alle, denen die Ehre des jüdischen Volkes teuer und das Recht Angeklagter auf Verteidigung heilig ist, mit der Bitte, mitzuhelfen. Möge jeder nach seinen Möglichkeiten einen Beitrag spenden, damit die zu diesem Zwecke nötige Summe aufgebracht werde. Wir erwarten mit Bestimmtheit, daß unser Aufruf nicht auf taube Ohren trifft." * Das Schreiben schließt mit der Bitte, Spenden an die Verwaltung unseres Blattes, bzw. an die Adresse des Herrn E. Slivsberg, Paris XVI, Rue Jules Claretic 16, zu übermitteln. Vaterlandsliebe und Zionismus In Erwiderung auf eine von der römischen Zeitung „Tevcre". eröffneten Polemik, in der das Thema „Va terlandsliebe und ~Z i p nisraus" behandelt und das Problem erörtert wird, ob es möglich ist, zionistische Einstellung und vaterländisches Empfinden miteinander in Einklang zu bringen, veröffentlicht der Verband der jüdischen Gemeinden Italiens (Unione dellc Comunitä Israelische I^a^i0)''e-3b<e;..^^:l|r%jn^ in der festgestellt wird, daß der Patriotismus der italienischen Juden, sowohl der Zionisten wie der Nichtzionisten, über allern Zweifel steht und daß das italienische Judentum bei allen Gelegenheiten und in allen Lagen seine tiefe patriotische Verbundenheit mit Italien bewiesen hat. Der Verband der jüdischen Gemeinden Italiens, so heißt es in der Erklärung weiter, bekundet feierlich, daß alle italienischen Juden, Zionisten und Nichtzionisten, aus Tradition und ■ Ueberzeugung von den reinsten' patriotischen Gefühlen beseelt sind. Unabhängig davon,' welche Stellung die, einzelnen italienischen Juden innerhalb des Judentums selbst einnehmen, wird die Größe und Reinheit ihres Italienertums durch nichts gemindert. Am Schluß seiner Erklärung betont der Gemeindeverband, daß zwischen zionistischer Idee und Hingabe an das italienische Vaterland vollste Harmonie möglich ist. * Die Erklärung des jüdisch-italienischen Gemeindeverbandes ist sicher gut gemeint und ehrlich. Aber sie wird diejenigen, welche den Zionismus als vaterlandsfeindlich denunzieren, nicht daran hindern, weiter zu verleumden. Der Kulturwelt braucht man nicht mehr zu beweisen, was der Zionismus ist. Der Völkerbund und hervorragende Führer großer Völker haben sich enthusiastisch für den Zionismus ausgesprochen. Zwei Kategorien von Menschen werden ihn immer und immer wieder verleumden: Juden, welche verbissene Heinde des jüdischnationalen, zionistischen Gedankens sind, und Raudauantisemiten, welche die Vernichtung des jüdischen Volkes anstreben. Diese werden nie aufhören, den Zionismus zu denunzieren, denn diese Denunziation ist ihr einziges Argument. Heinrich YorksStefoger gestorben In Palästina (Tel-Awiw), dem Land, mit dem er seit dreieinhalb Jahrzehnten seelisch verknüpft war, starb in der Vorwoche, 75 Jahre alt, der bekannte Schriftsteller und Zionist Heinrich York-Steincr. Zu Herzls engerem Freundeskreis gehörend, fühlte sich der Verblichene schon in den ersten Jahren des politischen Zionismus als publizistischer Streiter für die zionistische Sache, der er insbesondere als Mitbegründer und Mitarbeiter des Wiener Zentralorgans „Die W e 11" diente. Herzl übertrug ihm eine Reihe wichtiger Missionen, darunter die Werbung für die C o 1 o n i a 1 b a n k, die die Aufgabe hatte, die ersten Etappen der palästinensischen Kolonisation zu finanzieren. Eine Reihe von Büchern machte York-Steincrs Namen in der literarischen Welt bekannt, darunter „D c r Talmudbauer" und „Die Kuns, als Jude zu leben". Die letzten Jahre verbrachte York-Steiner teils in Wien, teils in Tel-Awiw, wo er nun die letzte Ruhestätte Sooät