Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 343 (23.2.1934)
- Date
- 1934-02-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Butte 30 Groschen lahrgang » a*». tfe>»»v 18? M*. 343 V, b. b* Zeitang vom Verleger versende* »Journal erpetBe" par r^ditetn*« n"- tv ""»«w,» Wll BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S4.20, ganzjährig S16.—;Polen monatlich Zloty 2.~, vierteljährig Zloty 6.-; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Balgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—; Ita1Ien monatlich Lire 5.—. vierteljährig Lire 14.—: Schweiz und die übr igen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, viertel iährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: IX, üniversitätsstr. 6-8, 7c/. B-48-504 — ErscheintDienstag und Freitag REVUE Mu§§olini für einen wirklichen Judenstaat Aus Mailand wird gemeldet: Das von Mussolini gegründete offizielle Organ der faschistischen Partei „II Popolo d'Italia" beschäftigt sich in seiner letzten Nummer im Anschluß an einen im „Mercure de France" erschienenen Artikel mit der Judenfrage, die das Blatt als von größter Aktualität für ganz Europa bezeichnet. Zu den Bestrebungen, die Judenfrage durch Schaffung eines Nationalheims in Palästina zu lösen, wird in dem Aufsatz im „Popolo d'Italia", als dessen Verfasser in Mailänder politischen Kreisen Ministerpräsident Mussolini selbst vermutet wird, bemerkt, der Begriff „Nationalheim" sei zweideutig und vom politischen Standpunkt aus bedeutungslos. Eine gewisse Lösung hätte die Schaffung eines wirklichen Judenstaates in Palästina bedeutet. Zu den anderen im „Mercure de France" erwähnten Lösungsversuchen, wie Zuerkennung der palästinensischen Staatsangehörigkeit, Assimilation usw., bemerkt das italienische Blatt, derartige Lösungsmöglichkeiten mögen von einem juristischen Standpunkt zutreffend sein, seien jedoch in der Praxis schwer durchführbar. Wozu die Lügen über Oesterreich? Ueber die traurigen Vorgänge, welche sich im Kampfe zwischen den österreichischen Regierungstruppen und den sozialdemokratischen Aufständischen abgespielt haben, bringen viele Auslandsblätter Berichte, welche die Zahl der Opfer und die Größe des angerichteten Schadens ins Ungeheuerliche übertreiben. Diese Sensations- und Lügenberichte stellen die Sache so dar, als wären Wien und viele Provinzstädte in Trümmer geschossen, unter deren Haufen erschlagene Männer, Frauen und- Kinder liegen, als hätte alles Leben aufgehört. Soweit sich diese Berichte auf die allgemeine Lage-beziehen, kommen sie größtenteils aus e i n e r Quelle, aus dem Berliner Büro und von den Auslandsagenten des nationalsozialistischen Propagandaministers Göbbels. Die Lügen von dieser Seite her haben einen Sinn, verfolgen einen bestimmten Zweck. Die österreichische Regierung, welche sich bisher gegen die auf Oesterreich gerichteten Machtgelüste Hitlers energisch gewehrt hat und weiter wehren will, soll als barbarisch hingestellt und so der Sympathien und Hilfe der Mächte beraubt, Oesterreich soll auf diesem Wege sturmreif gemacht werden. Die knüppeldicken Lügen der Hitler-Leute haben einen Sinn. Welchen Sinn aber haben die Falschberichte und lügenhaften Sensationsmeldungen über die Lag e der Juden in Oesterreich, über das Schicksal der österreichischen Juden in diesen Sturmtagen? Welchen Sinn hat es, wenn von manchem jüdischen Berichterstatter unwahre Greuelmeldungen über nichterfolgte antisemitische Einzel- und Massenausschreitungen und Regierungshandlungen ausgegeben werden, die von einem Teil der jüdischen Auslandspresse gebracht und dann von den nichtjüdischen übernommen werden? Um nur einige solcher Meldungen herauszugreifen: „In Oesterreich hat eine Massen-, flucht der Juden eingesetzt." Tatsache ist, daß weder Juden geflohen, noch auch nur Anzeichen einer jüdischen Fluchtbewegung zu merken waren und zu merken sind. — „In den Judengassen tobten besonders heftige Kämpfe, denen viele Juden zum Opfer gefallen sind." Tatsache ist, daß gerade in den Judenvierteln überhaupt keine Kämpfe stattgefunden haben. — „Die jüdischen Spitäler sind von Verwundeten überfüllt." Tatsache ist, daß in dem einzigen jüdischen Spital Oesterreichs, im Spital der Wiener Judengemeinde, kein einziger Verwundeter gelegen ist oder eingebracht wurde. — „Das Amtsblatt der Bundesregierung, die .Wiener Zeitung', bringt die Meldung, daß die Regierung Dollfuß die Bürgerrechte der jüdischen Bevölkerung verkürzen wird!" Tatsache ist, daß in der „Wiener Zeitung" eine solche Meldung n i e enthalten war. Soweit Erklärungen der Regierung vorliegen, gehen sie dahin, daß nicht daran gedacht wird, die Rechte irgend eines Teiles der Bevölkerung, also auch der Juden, zu verkürzen. In einigen, dieser Erklärungen wird der Arierparagraph ausdrücklich abgelehnt. Wozu diese Lügen? Den jüdischen Journalisten, welche sie erfunden und verbreiten um der Sensationslust zu dienen und mit Sensationen ein Geschäft zu machen, sei gesagt, daß ihre Handlungsweise verbrecherisch ist, vom jüdischen Standpunkt besehen, doppelt verbrecherisch. Denen aber, die da glauben, durch Entstellungen die Sicherheit der österreichischen Juden zu fördern und ihnen einen Dienst zu erweisen, sei gesagt, daß sie das Gegenteil bewirken. Durch Diskreditierung Oesterreichs im jetzigen Zeitpunkt, arbeiten sie den Hitler-Leuten, das heißt, der völligen Vernichtung der österreichischen Juden, vor. Und noch eines: Sie gefährden durch erfundene und phantastisch übertreibende Meldungen die Sicherheit der Juden. DieUn glaub Würdigkeit von jüdischen Klagen im jetzigen Zeitpunkte bewirkt, daß die Welt nicht glauben wird, wenn einmal berechtigte jüdische Klagen erhoben werden. Es muß festgestellt werden, daß der von der österreichischen Regierung in diesen Tagen geführte Kampf von antisemitischen Ausschreitungen irgend welcher Art frei war. Den jüdischen Bürgern ist nicht mehr und nicht weniger widerfahren, als allen anderen Bürgern. Die Regierung hat die jüdischen Bürger als gleichberechtigt behandelt und hat von Anbeginn der Kämpfe bis zum heutigen Tage keinerlei Handlung oder Erklärung gesetzt, welche auf Beeinträchtigung der Gleichberechtigung der Juden hinzielt. Das muß jeder ehrliche und gewissenhafte Beobachter zugeben. Damit ist nicht gesagt, daß die österreichischen Juden von jeder Sorge frei in die Zukunft blicken können. Es sind auch in Oesterreich antisemitische Kräfte am Werke und arbeiten dahin, die Juden der bürgerlichen, politischen und menschlichen Gleichberechtigung zu berauben, und sie fühlen sich durch die Barbarei in Hitler-Deutschland ermutigt. Das ist genug Anlaß für Sorge um die Zukunft. Aber alle übereifrigen Freunde der österreichischen Judenschaft mögen sich gesagt sein lassen: Wenn den österreichischen Juden ein Unrecht widerfahren sollte, dann wird die zu ihrem jüdischen Volkstum stehende Judenschaft in Oesterreich nicht schweigen. Aber die Lügen über Oesterreich sind verbrec herisch sinnlos. r. st. lionistisches Jucgendseminar Veranstaltet von der Judenstaatsjugend Dienstag, den 27. Februar, spricht Herr David Nebenzahl um 8 Uhr abends im Heim, H., Untere Augartenstraße 38. Gäste willkommen! Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgelt* UcbeD Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet Nächste Nummer erscheint Dienstag früh Preis 10 Grosehen Warum ein Jüdischer Weltkongreß? Von Professor Simon Dubnow In diesem Artikel spricht sich der r epräsentative Historiker des jüdischen Volkes in entschiedener Weise für den Weltkongreß aus. Wer die obige Frage ironisch stellt, ähnlich wie der Bösewicht in der Pessachhagadah fragt: „Was soll euch diese Zeremonie?", beweist, daß er den Ernst der Lage nicht begreift, in welchen das jüdische Volk in der ganzen Welt geraten ist. „Wir brauchen keinen Jüdischen Weltkongreß.'" Jene Parteifanatiker oder „Diplomaten", die so antworten, sagen damit, daß siekeinjüdischesVolkwollen, das zum Kampfe für seine Existenz alle Kräfte konzentriert. In den letzten 150 Jahren haben wir derartige Zeiten nicht erlebt. Das „Haus Israel" brennt an allen Ecken. Das Gebäude steht in Flammen, das wir seit der großen französischen Revolution gebaut haben. Noch schlimmer: Das Fundament des Hauses ist ins Wanken geraten. Die letzte „deutsche Revolution", wie sich die hitleristische, barbarische Reaktion nennt, hat die jüdische Emanzipation zunichte gemacht, an die Stelle der Prinzipien von Freiheit und Gleichheit setzt sie Knechtschaft, Ungleichheit, Rassenhaß. Vom hitleristischen Deutschland geht die . je gesellschaftliche Epidemie über die ganze Welt. Offen oder heimlich dringt sie in die Kreise Polens, der baltischen Länder, Rumäniens, Ungarns ein, und Oesterreichs, welches dem wilden hitleristischen Untier zunächst liegt. Eine Quarantäne gegen diese gefährliche Epidemie gibt es kaum. Und wo sie existiert, da erweist sie sich als zu schwach. Die größte Gefahr besteht darin, daß die Ju^u i in fast allen Ländern von der hitleristisch-antisemitischen Seuche ergriffen ist. Es wächst ein Geschlecht voll wilder Sitten und Gedanken heran, welches über Generationen des jüdischen Volkes großes Leid zu bringen droht. Es ändert sich aber nicht nur das politische, sondern auch das ökonomische Antlitz der Welt. Die Weltkrise fordert überall gebieterisch eine gründliche Umschichtung des wirtschaftlichen Lebens der Juden. Nicht nur in Europa, sondern auch in Amerika, nachdem dort die „Prosperity" verschwunden ist. Schärfer und tragischer als vor 50 Jahren spitzt sich heute in der ganzen Welt die Frage der jüdischen Wanderung zu. Millionen müssen wandern, doch die Tore, die einst weit offen standen, sind jetzt für die jüdischen Wanderer geschlossen. Die Aufbauarbeit in unserem historischen E rez Israel hat einen grandiosen Aufschwung erlebt. Dorthin wenden sich Millionen liebender und sehnender jüdischer Herzen, bittender Augen. Können wir aber angesichts der dort herrschenden Zustände dessen sicher sein, daß das Land wirklich unser werden wird, ein Nationalheim für Millionen? Vorläufig läßt man nur Tropfen des Emigrantenmeeres ins Land. Nicht einmal Arbeiter, die für das große Aufbauwerk unbedingt notwendig sind, finden freien Einlaß. Zwischen Erde und Himmel steht ein riesiges Fragezeichen: Was wird aus dem jüdischen Volke werden? NACH PAUKSTINA MIT DER COMPASS TOURS OFFIZIELLES PROPAGANDABÜRO DER STADTGEMEINDE TEL-AWIW AM 19a MWRZS Osterreise mit dem Luxus schiff „Vulcania" über Rom, Neapel, Athen, Beirut AM 17. APRIL: Offistelle Messereise der Kollektiv- Ausstellung Oesterreichs auf der Levante-Messe iuTel-Awiw unter dem Protektorate der Wiener Handels-u Gewerbekanimer Von 530 Schilling aufwärts Billige Gesellschaftsreisa nach New York mit 5 tägigem Aufenthalt Preis: Wien—Wien 180 Dollar Auskünfte und Anmeldungen im Reisebüro Compass Tours, Wien IX, Spitalgasse 3, Telephon Nr. B-42-5-38