Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 342 (20.2.1934)
- Date
- 1934-02-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2711613-2711952-2711965--4192-2717639- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 342 DOS NÄÜE WELT Seite 3 Aus der judfsdien Well Bürgermeister Dfzengoff berfdifef Riesiger Erfolg det palästinensischen Messe m erwarten. Ueber die Fortachritte der Vorarbeiten f&t die Levante-Messe in Tel-Awiw 1934 erstattete ßuVge> meister Dizengoff dem Verwaltungsrat der Levante'*" Messe folgenden Bericht: Das Messekomitee hat allen Grund zu der Erwartung, daß die Auslandsbeteiligung an der bevorstehenden Messe noch nie dagewesene Dimensionen annehmen wird. In dieser Hinsicht kommt den amtlichen und halbamtlichen Abordnungen, welche letzthin Tel-Awiw im Zusammenhange mit der Messe besuchten, ein besonderes Interesse zu. Unter diesen Besuchern befanden sich Direktor M o s n i e r, Leiter des Ausschusses für Auslandsausstellungen und Auslandsmessen im französischen Handelsministerium sowie Delegierte Rumäniens, Ungarns, Dänemarks und anderer Staaten. Der Levante-Messe ist es gelungen, in verschiedenen Ländern wirksamste Unterstützung von hervorragendster Seite dadurch zu finden, daß dort Komitees aus einflußreichen Kreisen ins Leben traten, die sich die Beteiligung ihrer einheimischen Industrien an der Messe zum Ziele setzten. Beispielsweise umschließt das britische Komitee den Kolonialrainister Sir Philip Cunliffe Lister, den Handelsministcr Walter Runciman sowie den Leiter des Departements für Ueberseehandel, Sir George Co 1 vi 11 e, und hat zum Vorsitzenden Sir George Macdonogh, Präsidenten der Föderation der Britischen Industrien (FBI.), welche die Organisation der britischen Ausstellung auf der Messe übernommen hat. Das ungewöhnlich starke Auslandsinteresse zeigt sich vor allem im unaufhörlichen Zustrom von Platzbestellungen für den Palast des Aualandes, wodurch es notwendig wurde, den ursprünglichen Bauplan erheblich zu erweitern, so daß dieser Messepalast nunmehr über 3000 Quadratmeter an Ausstellungsfläche aufweisen wird. Neben dieser allgemeinen Auslandsschau werden zahlreiche Länder mit eigenen nationalen Pavillons und Kollektivausstellungen in Erscheinung treten, so Großbritannien, Frankreich, Belgien, Polen, Tschechoslowakei, Schweden, Griechenland, Bulgarien, Jugoslawien und viele andere. Die hiefür erforderlichen Bauten, worunter der britischePavillonzu den eindrucksvollsten Schöpfungen zählen wird, dürften mehr als 12.000 Quadratmeter Grundfläche bedecken. Die Weltpresse legt für die Levante-Messe ein bemerke'flswe'rtes Interesse an den Tag. Bisher sind Meldungen und Artikel über die Messe in gut 500 Zeitungen und Zeitschriften in 22 verschiedenen Sprachen erschießen, insbesondere in den führenden Tageszeitungen Englands, Frankreichs und Amerikas. Neben der Aufgabe, die sie als internationale Handelsmesse erfüllen soll, hat die Levante- Messe es sich ebensosehr zum Ziele gesetzt, eine lückenlose Uebersicht von Palästinas Fortschritten auf allen Gebieten von Wirtschaft und Kultur zu geben. Der stattliche Palast der palästinensischen Industrien — „Tozereth-Haaretz"- Palast — wird ausgezeichnete Möglichkeiten bieten, moderne palästinensische Fabrikate mit bester Werbewirkung auszustellen. Besondere Pavillons werden die Fortschritte in Palästinas Landwirtschaft und Siedlungswesen veranschaulichen. Die Bauwirtschaft, die gerade in neuester Zeit zu so außerordentlicher Aktivität und Bedeutung in Palästina gediehen ist, wird natürlich ihre eigene Abteilung erhalten, und nicht minder werden Sondergruppen für Maschinenbau, Kraftfahrzeuge usw. vorhanden sein. Besondere Bedeutung kommt der Ausstellung vorbildlicher Wohnhausbauten zu. Musterwohnhäuser, zur Werbung für neue, preiswerte Bauweisen, werden besondere Anziehungspunkte der großen Baumesse sein, die im Rahmen der kommenden Levante-Messe Tel-Awiw 1934 abgehalten wird. Diese „Modellhäuser", jedes über 60 Quadratmeter bedeckend, werden auch nach Messeschluß dem Publikum zugänglich bleiben, um die Qualität und Dauerhaftigkeit der benützten Baustoffe und ihre Eignung unter den wechselnden klimatischen Verhältnissen darzutun. Ein Preisgericht wird darüber entscheiden, welche dieser Modellhäuser am besten die beiden Hauptansprüche erfüllen: Anpassung an die besonderen palästinensischen Bedingungen und finanzielle Erre ichbarkeit auch für Baulustige begrenzten Einkommens. Amerikanische Kundgebung gegen das Hitlertum Der amerikanische Arbeiterverband teilt mit, daß er sich an der am 7. März im Madison Sqare Garden vom American Jewish Congress angesagten Kundgebung beteiligen wird, „um die Zivilisation gegen das Hitlertum zu verteidjg e n". Auch mehrere andere nichtjüdische Organisationen haben ihre Teilnahme zugesagt mit der Begründung, daß das Hitlertum die Zivilisation bedroht. . Marokkanische Moslems gegen den Zionismus Aus Rabat (Französisch-Marokko): Eine Abordnung von Moslems aus Rabat, Marrakesch und anderen Städten Marokkos überreichte dem englischen Konsul in Rabat einen Protest gegen das angeblich prozionis tische Regime Englands in Palästina, der Hunderte von Unterschriften trägt. Der Konsul versprach, den Protest der britischen Regierung zu Ubermitteln. Es handelt sich hier nicht um eine spontane Aktion der Moslems, sondern um eine Folge der Propaganda der nationalistischen Araber Palästinas, die kürzlich nach Marokko eine Abordnung entsandten. Theodor Herzls „Judenstaat" in Deutschland wieder erlaubt Aus Berlin: Das „Deutsche Kriminalpolizeiblatt" Nr. 1758 teilt mit, daß die Beschlagnahme der Broschüre „Der Judenstaat" von Theodor Herzl aufgehoben ist. Ein deutscher Generalkonsul hetzt Aus Zürich: Ein Züricher Theater führt jetzt mit großem Erfolg Ferdinand Bruckners „Die Rassen" auf, das ein Stück deutscher Judentragödie darstellt und Palästina als Lösung andeutet. Der Züricher deutsche Generalkonsul ist nun an den Theaterdirektor mit der Forderung herangetreten, das Stück nicht zu „populären Preisen" aufführen zu lasser, widrigenfalls die in dem Stück beschäftigten reichsdeutschen Schauspieler, ohne die die weiteren Aufführungen vorderhand nicht möglich sein werden, i n d e n Streik treten würden. Der Theaterleiter hat der Forderung .des Konsuls stattgegeben. Einige deutsch-schweizerische Zeitungen kritisieren scharf die Haltung des deutschen Generalkonsuls und kommentieren diese als eine ungebührliche Einmischung in innerschweizerische Verhältnisse! „Vereinigte Staaten, erwachet!" Aus New York: In den Vereinigten Staaten hat sich — wie die Zeitungen feststellen: mit deutschem Gelde — ein „Bund völkischer Europäer" gebildet, der sich in einem Aufruf zu den Zielen Hitlers bekennt und als seinen „Schlachtruf" den Ausspruch „Vereinigte Staaten, erwachet!" gewählt hat. Der „Bund" fordert die Arier auf, sich von den gelben und den schwarzen Rassen abzusondern und die Juden noch unter die Neger zu stellen, da diese für die amerikanische Rasse noch gefährlicher sind als die Neger, weil sie sich nicht immer von den Ariern unterscheiden lassen. Wenn nicht, heißt es in dem Aufruf weiter, sohneUe Maßnahmen gegen die Juden ergriffen werden, werden die Amerikaner aus ihrem todesähnlichen Schlaf in den wirklichen Tod hinübergleiten. Deutsche Filmproduktion und Judenfrage Aus Berlin: In der großen Rede, die Reichsminister Dr. Goebbels in der Berliner Kroll-Oper vor den Filmschaffenden gehalten tyat, kam er auch auf die Ausschaltung der Juden aus dem Filmwesen zu sprechen. Hierzu bemerkte der Minister, den Berichten der Tageszeitungen zufolge: „Wir mußten die Juden vom Film ausschließen. Das mag hier und da zu einer menschlichen Tragödie führen. Das kann uns aber so leicht nicht berühren, da in den vergangenen 14 Jahren auch manche menschliche Tragödie zu verzeichnen war, die in dem Falle aber nicht die Juden, sondern uns betraf. Nunmehr ist den jungen deutschen Talenten wenigstens der Weg freigemacht, sich zu bewegen." Neue Devisenerschwerung für Emigranten in Deutschland Aus Frankfurt a. M.: Laut „Frankfurter Zeitung" sind in einem Runderlaß des Wirtschaf tsministeriume neue Bestimmungen hinsichtlich der Devisengenehmigung für Auswanderer erlassen worden. Sie bringen eine Erschwerung für Mitnahme von Bargeld mit sich. Während bisher die Devisenstellen in eigener Zuständigkeit die Mitnahme bis 15.0 0 0 Mark in bar (Devisen) gestatten konnten, ist nunmehr dieser Betrag auf 10.000 Mark herabgesetzt worden. Darüber hinaus muß die Zustimmung des Ministeriums, bzw. der Reichsstelle eingeholt werden. Man darf an Juden nichts verkaufen Aus Frankfurt a. M.: Wie die „Bauernzeitung Rhein-Main-Neckar" meldet, wurde in einer Generalversammlung der Viehverwertungsgenossenschaft Butzbach und Umgebung (Oberhessen) bekanntgegeben, daß den Mitgliedern der Genossenschaft der Verkauf von Schlachtvieh an Juden verboten ist; wer gegen dieses Verbot verstößt, werde aus der Genossenschaft ausgeschlossen; sein Geschäftsanteil werde eingezogen. Hebräisch - palästinensische Lieder im tschechoslowakischen Rundfunk. Der hebräische Liedersänger J. Segal-Rosenbach, dessen Prager Konzert neuhebräisch-palästinensischer Lieder die gesamte Prager Presse lobend besprochen hat, singt am 24. Februar um 8 Uhr abends im Brünner Rundfunk neuhebräische und arabisch-yemenitische Lieder. Dauer-Besucherkarte für die Levante-Messe gratis! Die Teilnehmer der PAG.-Levante-Messerelsen, ab Wien 10. und 24. April 1934, erhalten die Dauer-Besucherkarte für die Tel-Awiwer-Messe (26. April bis 26. Mai) kostenlos beigestellt! Auch stehen die Büros der PAG. in Haifa und Tel-Awiw, die sich vornehmlich mit Ex- und Import befassen, den Reiseteilnehmern gerne zur Verfügung. Nähere Auskünfte durch die PAG. r. Gen. m. b. H., Wieni VI., Capistrangasse 2, Tel. R-2Ö-3-81, Zum Arbeiterkonlliki in Petadi Tikwah Die .T. T. A. meldet aus Tel-Awiw: Der sozialistische Arbeiterrat in Petach Tikwah hat eine Erklärung veröffentlicht, daß er das Urteil des Schiedsgerichts nicht annimmt, wonach die Revisionisten 80 Prozent der Arbeitsplätze in der Ziegelfabrik von Petach Tikwah zugesprochen erhalten haben. Palästina und die englische Baumwollindustrie Aus London: Im Unterhaus richtete der konservative Abgeordnete Captain Dow er an den Staatssekretär für Ueberseehandel die Frage, welche Vorkehrungen für die Vertretung der englischen Baumwollindustrie auf der bevorstehenden Levante- Messe in Tel-Awiw getroffen worden seien und ob der Staatssekretär im Hinblick auf die Bedeutung des Marktes im Vorderen Orient und des Wettbewerbes um diesen Markt versichern könne, daß diese Gelegenheit in vorteilhaftester Weise ausgenutzt wurde. Für das Staatsamt erklärte Colonel Co 1 vi 11 e: Um die Ausstellung von Waren aus dem Vereinigten Königreich auf der Levante-Messe in Tel-Awiw zu erleichtern, organisiert der Verband der britischen Industrie einen britischen Pavillon auf der Ausstellung. Diese wichtige Werbemöglichkeit wurde den Häusern des Baumwollhandels in Lancashire zur Kenntnis gebracht. Die Araber kündigen eine Konkurrenzmesse an Aus Jerusalem: Arabische Kreise kündigen für den 6. April die Eröffnung einer arabischen Messe in Jerusalem als Konkurrenz zu der jüdischen Levantc-Messe in Tel-Awiw an. Die Zeitungen, auch arabische, nehmen diese Ankündigung nicht ernst und weisen darauf hin, daß die vorjährige Konkurrenz- Messe eher einem gewöhnlichenorientalischen Basar als einer Ausstellung glich Syrien fühlt sich durch Palästina wirtschaftlich bedroht Aus London: Die „Times" melden aus Beirut, daß der französische Hochkommissar für Syrien, Comte de M a r t e 1, vor seiner Abreise aus Beirut nach Paris Pressevertretern erklärt hat, angesichts der Prosperität in Palästina müsse Syrien auf seine Konkurrenzfähigkeit bedacht sein. Die französische Regierung werde 40 Millionen Francs zur Erweiterung des Beiruter Hafens bereitstellen, damit er iraksche und persische Waren aufnehmen könne und sich vom Haifa-Hafen nicht verdrängen lasse. Zwischen Damaskus und Bagdad werde ein Autoweg durch die Wüste erbaut. Der Segen der jüdischen Landwirtschaft Aus Tel-Awiw wird berichtet:: Hier fand eine Konferenz des Verbandes der jüdischen Landwirte Palästinas statt, der 50.000 in den jüdischen Vorkriegskolonien wohnhafte Mitglieder, unter ihnen 15.000 erwachsene Arbeiter, umfaßt. Auf der von 180 Delegierten besuchten Konferenz wurden technische und organisatorische Angelegenheiten von 25 landwirtschaftlichen Siedlungspunkten erörtert. In seiner Eröffnungsansprache machte der Vorsitzende des Verbandes, der bekannte Landwirt und landwirtschaftliche Schriftsteller Mose he Smilanski, bemerkenswerte Feststellungen Uber die Beziehungen der jüdischen Landwirte zur Mandatarmacht und über die Vorteile, die die jüdische Kolonisation der arabischen Bevölkerung bietet. «Smilanski wies darauf hin, daß in den von den Mitgliedern des Verbandes besiedelten Kolonien 5000 Araber ihren Lebensunterhalt verdienen. Während früher ein Dunam Land in Palästina zwei Araber ernährt habe, zögen jetzt von demselben Bodenausmaß infolge der durch die jüdische Landwirtschaft herbeigeführten Intensivierung 3 0 Juden und fünf Araber ihre Nahrung. Das heißt Kolonisation, das heißt Zionismus, rief Smilanski unter dem Beifall der Versammlung aus. Wir sind englandfreundlich, erklärte Smilanski, weil wir der Ueberzeugung sind, daß, zum mindesten, was unsere Generation betrifft, in Palästina vom jüdischen Volk nichts ohne englische Hilfe getan werden kann. Wenn auch die Landwirte für die von der englischen Verwaltung Palästinas begangenen Fehler und die Hindernisse, die dem jüdischen Aufbau in den Weg gelegt wurden, nicht blind sind, so könne er, Smilanski, seine Haltung der Toleranz gegenüber den nichtjüdischen Faktoren des Landes doch durchaus rechtfertigen. Starke Einfuhrsteigerung Palästinas 1933 Aus Haifa: Die palästinensische Wareneinfuhr ist 1933 mengen- und wertmäßig weiter stark gestiegen. Sie belief sich dem Werte nach auf 10,1 Millionen Pfund gegen 7,9 Millionen Pfund 1932 und 5,9 Millionen Pfund 1931. Bemerkenswert ist, daß der Anteil der Fertigwareneinfuhr weiter gesunken ist; er betrug 1931 noch 58 Prozent der Gesamteinfuhr, 1932 52 und 1933 rund 50 Prozent. Dies bedeutet, daß in einem » ' steigenden Maße Fertigwaren in Palfistina selbst heri gestellt werden. „Hasit Haam" — Tageszeitung. Aus Tel-Awiw: Die revisionistische Wochenzeitung „Hasit Haam" teilt mit, daß sie ab Februar als Tageszeitung Erscheinen wird. Eindrucksvolle Chamlscha - Assar - Feier in Jerusalem. Das Neujahrsfest der Bäume, Chamischa Assar b'Schwat, wurde von der jüdischen Schuljugend Jerusalems in diesem Jahre in eindrucksvoller Weise begangen. 4000 Schulkinder nahmen an der Feier, die in der modernen jüdischen Vorstadt Talpioth abgehalten wurde, teil. Die traditionelle Pflanzung junger Bäume wurde in einem Park, von dem aus man eine prächtige Fernsicht über das Tote Meer genießt, vorgenommen. Die Wahlen in den Gemeinderat von Jerusalem. Für die bevorstehenden Gemeindewahlen in Jerusalem ist zwischen der Agudas Jisroel und dem Rat der Juden Jerusalems ein Abkommen getroffen worden, demzufolge der Agudah zwei von den sechs jüdischen Ratssitzen zur Verfügung gestellt werden sollen. Einem vorläufig noch unbestätigten Gerücht zufolge soll der Bodenkommissär Albert Abramson für den Posten des Bürgermeisters in Aussicht genommen sein. Abramson, der 57 Jahre alt ist, steht seit 1918 in englischen Verwaltungsdiensten. Hau§ in Palästina neu, modernst gebaut, mit Garten, preiswert zu verkaufen. Zuschriften unter „Tel-Awiw" an die Administration des Blattes.