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Die neue Welt · 1934-02-20 · Heft 342 (20.2.1934) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 342 (20.2.1934)
Date
1934-02-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DDE NEUE WELT Nr. 342 Der stärkste Hort jfidi'sdien Rechtes! Der Jüdische Weltkongreß muß kommen. — Professor Georg Bernhard für den jüdischen Weltkongreß Unter dem Druck der antisemitischen Tendenzen In fast allen von Juden bewohnten Ländern, der durch die allweltliche Hitler-Propaganda ganz enorm verstärkt wird, hat die Erkenntnis platzgegriffen, daß die außerordentliche jüdische Lage eine außerordentliche Anstrengung der Judenschaft erfordert. Immer unwiderstehlicher dringt die Ansicht durch, daß die voneinander isolierten Judenschaften nicht stark genug sind, den Angriffen auf ihre Rechte standzuhalten, und ein Zusammenschluß aller jüdischen Kräfte zu gemeinsamer Verteidigung gegen den in den Grundtendenzen geeinigten antisemitischen Gegner den stärksten Hort jüdischen Rechtes auf der ganzen Welt bildet. Diesen notwendigen, rettenden Zusammenschluß bildet der für August 1934 vorbereitete Jüdische Weltkongreß. Vor ungefähr ein und einem halben Jahre wurde der Plan für diesen Kongreß vor die Oeffentlichkeit gebracht. Er fand begeisterte Zustimmung. Aber auch leidenschaftlichen Widerstand, bei jenen, die von einem jüdischen Volkstum — das heißt von einer jüdischen Gemeinsamkeit, die über das religiöse Bekenntnis hinausgeht — nichts wissen wollen. Zu ihnen gesellten sich noch gewisse Gruppen im trennungsorthodoxen und leider auch im zionistischen Lager (Poale Zion und allgemeine Zionisten von der Weizmann-Gruppe). Mit Befriedigung kann konstatiert werden, daß die begeisterte Zustimmung immer größer, die Zahl der Widersacher immer kleiner wird. Der Jüdische Weltkongreß kommt! Wie stark die Wandlung der Meinungen geworden Ist, beweist ein Artikel, welchen uns die Exekutive des Weltkongresses in Paris zum Vorabdruck eingesendet hat. Der Artikel stammt von Professor Georg Bernhard, dem früheren Chefredakteur der „Vossisoben Zeitung" und einer der Stützen des deutschen Assimilationsjudentums. Prof. leorg Bernhard hat sich ganz dem Jüdischen Weltkongreß zur Verfügung gestellt und schreibt unter anderem: „Aber soviel Einwände und Befürchtungen man gegen den Kongreß früher äußern konnte, seitdem Hitler in Deutschland zur Macht gelangt und sein Judenprogramm restlos durchgesetzt hat, kann ihnen eine praktische Bedeutung überhaupt nicht mehr zugesprochen werden. Die deutschen Juden haben ja inzwischen vielleicht eingesehen, daß es Ihnen nichts mehr nützt, zu leugnen, daß jüdische Gemeinsamkeit über die gemeinsame Religion hinausgehe. Die deutschen Staatsgesetze haben sie ins Unrecht gedrängt. Inzwischen Ist nun immer deutlicher geworden, daß Hitler den antisemitischen Teil seines Programms als Exportartikel verwertet. Auch wenn er es nicht täte, so lehrt die jüdische Geschichte, daß auf dem Gebiete des Antisemitismus jedes Beispiel ansteckend wirkt. Aber die immer intensiver betriebene antisemitische Auslandspropaganda Ider Hitler-Partei läßt für die Juden alle Hoffnung darauf schwinden, daß man vielleicht draußen nicht merken könnte, was in Deutschland vorgeht. Mag der englische und französische Jude sich heute noch so sicher fühlen, er kann gar keine Garantie dafür tibernehmen, daß nicht die deutschen Ereignisse auch auf ihn reflektieren. Aber viel wichtiger ist das Schicksal, das den Massen der Juden in jenen Landern droht, in denen die Emanzipation überhaupt noch nicht vollzogen oder doch in Formen vor sich gegangen ist, die sich mehr oder weniger auf die Voraussetzung besonders jüdischer Eigenart oder überhaupt auf die Anerkennung der Juden als völkischer Minderheit stützen. Das Schicksal dieser Massen ist schon quantitativ von ungeheurer Bedeutung für das Gesamtjudentum. Aber diese Bedeutung ist von viel größerer Tragweite, als es heute noch die Juden in den Emanzipationsländern des Westens wahrhaben wollen. Es ist eine ganz große Illusion, anzunehmen, daß die Zukunft des Judentums durch die Spitzenleistungen einiger seiner hervorragenden Vertreter in diesen Emanzipationsländern entschieden werden. In Wirklichkeit ist das Gegenteil richtig. In den Ländern der jüdischen Massensiedlung wird die Entscheidung über die Zukunft des Gesamtjudentums, auch über die Zukunft der Emanzipation fallen. Nachdem durch das Auftreten Hitlers ganz klar die Judenfrage zu einer politischen Frage von Weltbedeutung gestempelt worden ist, bleibt den Juden gar nichts anderes übrig, als den Kampf, der ihnen aufgezwungen ist, auf dem Felde anzunehmen, das ihnen von den Gegnern als Schlachtfeld abgesteckt wurde. Die Hitler-Theorie, die bereits in den östlichen Ländern eine ganze starke Resonanz findet, bezeichnet die Juden als einen politischen Weltfaktor. Es besteht für sie gar keine andere Wahl mehr, als diesen in die ganze Welt geschleuderten Kampfruf auch in der ganzen Welt zu beantworten. Sie müssen sich jetzt politisch organisieren. Und selbst, wenn es n'cht gelingen sollte, einzelne Prominente der Emanzlpat^nsländer von der Notwendigkeit und dem Nutzen dieser Organisation zu überzeugen, so muß der Kampf ohne, und wenn es notwendig ist, selbst gegen sie geführt werden. Es hat immer, zu allen Zeiten Menschen gegeben, die man gegen sich selbst schützen muß. Selbst wenn im Augenblick wirklich die Interessen gewisser jüdischer Einzelindividuen dadurch geschädigt würden, daß die große Masse des Judentum * ihre Intere^en richtig wahrnimmt, so müßte das Einzelschicksal gegenüber dem Gesamtinteresse zurücktreten. Aber es wird sich sehr bald zeigen, wie falsch diese Einzelindividuen ihre wirklichen Interessen einschätzen. Und wir dürfen nicht warten, bis diese Einsicht erfolgt, denn dann wird es für sie und für das Gesamtjudentum zu spät sein." Wie §ie lugen! Um gewisse wichtige geschäftliche Beziehungen mit dem Auslande aufrechterhalten zu können, läßt die Hitler-Regierung von Zelt zu Zeit verbreiten, daß die Juden als Händler, Gewerbetreibende und Industrielle nicht verfolgt werden, daß es keinen „wirtschaftlichen" Antisemitismus in Deutschland gibt. Wenn demgegenüber auf die überall grassierende Boykotthetze verwiesen Wird, erklärt man, daß es sich um das Treiben „unverantwortlicher" Elemente handle, und daß die Regierung und vor allem die maßgebenden Wir tschaft sf Uhr er gegen diese Hetze seien. Wie verlogen diese Beteuerungen sind, geht aus einer Zuschrift hervor, welche die jetzt in Paris erscheinende Zeitung „Das neue Tagebuch" aus deutschen Wirtschaftskreisen erhalten hat. Da heißt es: „Sogar .Wirtschaftsführer', wie der Herr von Schröder, Bankier und Präsident der Industrie- und Handelskammer von Köln, wollen die rassische Säuberung der Wirtschaft nicht mehr von der „elenden materialistischen" Erkenntnis aufhalten lassen, daß der überstürzte Ruin einiger tausend jüdischer Unternehmungen einige Hunderttausende arische Arbeiter erwerbslos machen könnte. Herr von Schröder hat vor einigen Wochen in einer Rede bekannt: »Heute sage ich Ihnen, daß nunmehr die Zeit gekommen ist, die wirtschaftliche Neuordnung vorzunehmen und die Wirtschaft so aufzubauen und zu organisieren, daß die letzten Reste liberalistischer Betätigungsmöglichkeiten und jüdischen Krämergeistes aus ihr verschwinden. Bei dieser Gelegenheit sei ausdrücklich betont, daß wir die Mitarbeit von Juden und Judenstämmlingen ebenso in der Wirtschaft ablehnen, wie in unserem übrigen Staatswesen. Wir wollen auch in der Wirtschaft endlich rein arisch geführt werden!' Die Zeitschrift der .Stürmer' bringt ein Inserat der Schuhfirma Salamander A. G., in dem man folgendes liest: ,Die Firma Salamander A. G., die bisher nicht zu den rein deutschen Unternehmungen gerechnet werden konnte, ist nunmehr in völlig arische Hände übergegangen. Die im Besitz von Juden befindlichen Aktien wurden durch vertragliche Abmachungen der Dresdner Bank als Treuhänderin übergeben und dem Börsenhandel zugeleitet. Die im Betriebe selbst befindlichen Angehörigen der jüdischen Rasse werden laufend abgebaut und durch Deutsche ersetzt. Die gesamte Leitung des Unternehmens ist nunmehr in deutschen Händen. Die Fa. Salamander A. G. unterhält hier am Platze Filialen in der Karolinenstraße 23 unter neuer Geschäftsleitung des Herrn Seidel. Die vor einigen Monaten neu eröffnete Filiale in der Kaiserstraße 37 leitet Pg. Krengel, ein alter SA.-Mann.M * Bemerkung der Red.: Die Salamander A. G. hat auch in Wien ihre Filialen. Es wäre interessant zu erfahren, ob auch diese „rassisch gleichgeschaltet" sind. Der Name Rothschild wird ausgemerzt Aus Frankfurt a. M.: Die Freiherrl. Carl von Rothschildsche Bibliothek in Frankfurt a. M. ist auf Anordnung der städtischen Behörden in „B i b 1 i othek für neuere Sprachen und Musik" umbenannt worden. Die Bibliothek am Hermann-Göring- Ufer in Frankfurt ist im Jahre 1887 von Freifrau Luise von Rothschild (gestorben 1892) zum Andenken an ihren Vater gegründet worden und am 23. Jänner 1888 der öffentlicher Benützung übergeben worden. Nach dem Tode der Gründerin wurde die Einrichtung von ihrer Mutter Freifrau Oarl von Rothschild in eine feste Stiftung umgewandelt. Nach dem Tode des Freiherrn Carl von Rothschild waren besonders seine Töchter, Frau Baronin Salomon von Rothschild in Paris, Lady Rothschild in London und Baronin James von Rothschild, an der Erweiterung des Hauses und der Buchbestände beteiligt. Bekanntlich ist vor einiger Zeiü in Frankfurt a. M. auch die Rothschild-Allee in Karolinger- Allee umbenannt worden. im Exportgeschäft kein „luda, verrecke! ' Jüdische Arbeit, Energie, Schöpferkraft und Kapital haben Palästina heute schon zu einem ökonomischen und kulturellen Faktor im Vordem Orient gemacht. Die Augen der Weltwirtschaft sind auf dieses kleine Land gerichtet, denn es ist zu einem wichtigen — — Importland geworden. Deutschland, das von vielen Ländern boykottierte Hitler - Deutschland, sucht Absatzmärkte. Die „Deutsche Wirker-Zeitung" empfiehlt den deutschen Kaufleuten, die Frühjahrsmesse in Tel-Awiw (das Werk jüdischen Fleißes) und das Handelsgebiet Palästina nicht zu übersehen... Hitler-Deutschland will mit den palästinensischen Juden handeln. Wie es an den deutschen Juden gehandelt hat, das werden wir sicherlich nicht übersehen. Mag auch das berüchtigte Transferabkommen mit der deutschen Regierung (Verpflichtung detitscier Juden, ihr Kapital aus Deutschland in Form deutscher Waren nach Palästina zu transferieren) mit dem Hakenkreuz beklebte Waren nach Palästina dirigiert haben — unserere palästinensischen Brüder werden sich jedenfalls nicht soweit vergessen, die Ehre der Judenhelt gegen Waren „Made in Hitler-Germany" einzutauschen. Billige Reise nach Polen! Ohne Paß und Visa. Vom 21. Februar bis 7. März. Billig, bequem. Anmeldung1 raschest: „Francopol", III., Rennweg 1, „Marienbrücke", I., Rotenturmstraße 26. Auskünfte; E. Ferste]. X* KArntuerrin* 12, T( wmmmmnmmmmmammmammmummmmmmmamaammm Aus Polen Zuviele luden » * Während der Debatte über das Budget im polnischen Sejm erregte es außerordentliches Aufsehen, daß ungeachtet der wiederholten Erklärungen der Regierung, daß sie jede Judengegnerschaft bekämpfen will, der Sprecher der Regierungspartei, Oberst Miedzinski, als Generalreferent für das Budget eine die Juden verletzende Rede hielt. Zunächst trat er wohl den radauantisemitischen Ausführungen des Nationaldemokraten Ribarski entgegen, dann aber sagte er: Als wir die Macht in Polen übernahmen, fanden wir hier bereits 2,700.000 Juden. Gewiß hätte man in Polen leichter regieren können, hätten wir nicht 30 Prozent Minderheiten und unter ihnen eben die 2,700.000 Juden. (Zwischenruf jüdischer Deputierter: „3,300.000 Juden!") Gut: 3,300.000. Es ist sehr traurig, daß es so viele sind. Die Städte sind geradezu von Juden besetzt. Aber wir haben nun einmal eine Verfassung, die allen Bürgern Gleichberechtigung gewährt. In Deutschland mit seinen 60 Millionen Einwohnern gibt es 600.000 Juden, also 1 :100; bei uns aber beträgt das Verhältnis der Juden zur allgemeinen Bevölkerungszahl 9:100. Auch ihr Nationaldemokraten habt, als ihr an der Macht wäret, die Zahl der Juden nicht verkleinern können. Gebt uns ein anständiges europäisches Programm zur Lösung der Judenfrage, wir werden es verwirklichen. Aber wir müssen kategorisch erklären: die Art, mit der ihr die Judenfrage lösen wollt, können wir nicht akzeptieren! Ungeachtet dieser letzten persönlichen Wendung hat die Rede des Sprechers der Regierungspartei auf die jüdischen Deputierten und Journalisten im Sejm einen niederdrückenden Eindruck gemacht. Jüdische Sozialisten und Kommunisten Aus Warschau: In das Redaktionslokal der Warschauer jüdischen Tageszeitung „Hajnt", des Organs der büigerlichen Zionisten, das in den letzten Tagen die Haltung der österreichischen Sozialdemokratie kritisierte, drang am 14, Februar nachmittags eine größere Gruppe jüdisch-sozialistischer Arbeiter ein, demollerte die Inneneinrichtung der Redaktionszimmer und schlug alle Fensterscheiben ein. Als Polizei erschien, waren die Täter bereits geflüchtet. Aus Warschau: Einen ganzen Tag lang dauerten in dem hauptsächlich von Juden bewohnten Warschauer Geschäftsviertel Nalewki die Straßenkämpfe zwischen jüdischen Kommunisten und Angeörigen der jüdisch-sozialistischen Partei „B u n d". Die Kämpfe gingen um die Arbeitsplätze in der Konfektion. Die Schaufenster in den Konfektionsgeschäften wurden eingeschlagen. Auf beiden Seiten gab es viele Verletzte. Schwer verletzt wurden Alter Gszemaner, 17 Jahre alt, die 20jährige Pesach Gruszkewiez und Abraham Schulsinger. Die Polizei verhaftete über 40 Kommunisten. 20*000 Juden nadi Palästina gewandert Nach den polnischen „Statistischen Mitteilungen" sind im Jahre 1933 10.344 Juden aus Polen nach Palästina ausgewandert. Von 1927 bis 1932 haben sich 9829 Juden aus Polen dorthin begeben, insgesamt also in den letzten sieben Jahren 20.243 Personen. Die Zahl der jüdischen Rückwanderer belief sich In dieser Zeit auf 4076 Personen, so daß also 16.167 Juden Polen verlassen haben. Saubere jüdische Unternehmer Aus Paris: Das „Pariser Tageblatt" schreibt: „Wer sich dagegen einmal die Mühe macht, den umfangreichen Stellenmarkt durchzugehen, wie er in der „Frankfurter Zeitung" jeden Sonntag veröffentlicht wird, kann dort feststellen, daß jeder ausgeschriebene Posten nur für Arier bestimmt ist, daß also Juden von jeder wirtschaftlichen Beschäftigung ausgeschlossen werden. Besonders eifrig auf der Suche nach arischem Personal scheinen allerdings die jüdischen Warenhäuser und Großunternehmungen zu sein, denn in einer einzigen Nummer finden wir, daß für die Conrad Tack A. G., die große deutsche Schuhfabrik, die Hermann Wronker A. G. und das Leinenhaus Bielschowsky in Breslau „nur arische Herren in Frage kommen". Es ist gleich schön, so die L ü g e n der nationalsozialistischen Regierung wie die durch nichts zu entschuldigende Schwäche dieser jüdischen Unternehmer zu entlarven,"

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