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Die neue Welt · 1934-02-20 · Heft 342 (20.2.1934) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 342 (20.2.1934)
Date
1934-02-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 10 Groschen Jahrgang 8 Dienstag, den 20« Februar 1934 Nr» 348 V« b. b. Zeitung vom Verleger versendet «Journal exp6di6 par V4ditenr*« Ranai Mai mm mmm BEZUGSBEDINGUNGEN: OestemiCh monatlich S II ■ ■ ^F* Tschechoslowakei monatlich Kc 6.-, vierte^^ Z^mtStSrnSi M M ■ B wmm r el 40 — vlertellährie Lei 120.—: Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.*-: Bulgarien monatuca r .—, Y1*"61)**"1* Ifl V" ]^\^^^&j^\&rut\ 5.-. viertel|ährlK Lire 14.-: Schwei* und die ülr I g en Lau d er monatlich Schweix« r.-ncs 1.50. vlerteP W§f Wütß HB ,ährlg Scnwelzer Franc9 4'50 HERAUSGEBER ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: IX, üniversitätsstr. 6-8, Tel. B-48-504—ErstheintDienstag undFreüag Jirlg Zloty 6.-; ilen monatlich New York für Boykotti'erung Deutschlands Aus New York wird gemeldet: Der Bürgermeister von New York La Guardia erklärte auf einem vom amerikanischen Pro Palästina-Verband zu Ehren von Mr. Charles Edward Russell, einem Führer des amerikanischen Komitees Pro Palästina, gegebenen Dinner, man müsse den antideutschen Wirtschaftsboykott strengstens durchführen, um das barbarische Nazi-Regime in Deutschland an einer seiner verwundbarsten Stellen zu treffen. Wir wollen durch immer .sich wiederholenden Protest und durch ein System des Boykotts deutscher Waren dem deutschen Volk vor Augen führen, daß es, solange es das Hitler-Regime duldet, Freundschaft von der Welt nicht erwarten kann. Bürgermeister La Guardia erklärte weiter, unter den heutigen Bedingungen sei die Oeffnung der Tore Palästinas für jüdische Einwanderung strengstes Gebot der Notwendigkeit. Aber auch in allen anderen Ländern müsse sich jedermann der Aktion für Hilfe an die deutschen Flüchtlinge anschließen. Neue industrielle Unternehmungen in Palästina Aus Jerusalem: Zwei deutsche Juden, Jakob Grünberg und Wilhelm Sand, eröffneten hier eine große Zigarettenfabrik. Von deutschen Einwanderern wurden soeben Fabriken für Alkohol- und Essigerzeugung und für Metall-Gebrauchsgegenstände errichtet. Geplant wird die Errichtung einer großen Zuckerfabrik. In Nachlath-Ganim wurde eine Zuckerwarenfabrik eröffnet, die 70 Arbeiter beschäftigt. In Ramath-Gan hat die erste A1 uminiurafabrik im Nahen Osten zu produzieren begonnen und hat bereits große Bestellungen aus Aegypten und Syrien erhalten. Neben ihr arbeitet eine Papierfabrik. Polnische Juden haben bei Neß-Zfonah eine große Glashütte eröffnet. Niederlage der 9r£edii§dieii Anfi§emiten Aus Saloniki wird uns berichtet: Bei den in Saloniki soeben durchgeführten Gemeindewahlen, denen ein heftiger, von den Oppositionsparteien zum großen Teil unter scharfen antisemitischen Losungen geführter Wahlkampf vorangegangen war, hat die Volkspartei (Regierungspartei), die sechs jüdische Kandidaten auf ihre Liste gesetzt hatte, einen starken Wahlsieg errungen. Zum Bürgermeister wurde der Kandidat der Regierungspartei Nikolaus M a n o s gewählt. Die antisemitische Gruppe EEE, die nach ihrer Auflösung als Organisation und Umwandlung in eine politische Partei zum erstenmal selbständig an den Wahlen teilnahm, konnte trotz der von ihr getriebenen, mit Terror und Einschüchterungsversuchen verbundenen ausgedehnten Agitation nicht mehr als 757 Stimmen auf sich vereinigen. Die Verkündigung des Wahlergebnisses wurde von den Mitgliedern der EEE mit Rufen „Nieder mit den Juden" aufgenommen. Die venizelistische Zeitung „Makedonia", die in der EEE ebenfalls eine maßlose judenfeindliche Propaganda getrieben hat, droht den Juden, man werde „die Rechnung mit ihnen glattstellen". Für alles, was nunmehr geschehen könnte, müßten die Juden sich selbst verantwortlich machen. Boykott geg era da§ Dritte Aus Warschau wird uns gemeldet: Die Direktion der Leipziger Muster- Messe hat sich an die jüdischen Firmen in Polen durch Tausende Prospekte und Einladungen mit der „aufrichtigen B i 11 e" gewandt, daß diese „alten und in Deutschland gut bekannten Firmen" die Leipziger Messe wieder mit ihrem Besuche „beehren" mögen. Der Zcntralausschuß für die wirtschaftliche Anti-Hitler-Aktion spricht nun in einer Erklärung die Ucberzcugung aus, daß auch diesmal wieder kein jüdischer Käufer oder Industrieller nach Leipzig fahren werde. In dem Aufruf wird zum Schlüsse gesagt: "Wir sind entschiedene Gegner der barbarischen Methoden, die von» gegenwärtigen Regime in Deutschland gegen die aller Rechte entkleideten Brüder in Deutschland angewendet werden. Solange die jüdische Bevölkerung in Deutschland nicht alle bürgerlichen und Menschenrechte zurückerlangen wird, wird kein polnischer Jude mit deutschen Firmen in Geschäftsbeziehungen treten und weder die Leipziger Messe noch irgend ein anderes deutsches Unternehmen besuchen." Die polnischen Wirtschaftsorganisationen wandten Sich an das Postministerium mit der Beschwerde, daß für E n g 1 a n d bestimmte Briefe und Pakete unterwegs in Deutschland aufbehalte n und wahrscheinlich auch kontrolliert werden, da sie mit sehr großer Verspätung in England eintreffen. Das Postministerium wird ersucht, nach England und dem übrigen Westeuropa bestimmte Postsendungen nicht mehr über Deutschland, sondern über den Hafen Gdynia und auf dem Seewege gehen zu lassen. Vom Mordprozeß Arlosoroff Aus Jaffa: Der Führer der Verteidigung in der Arlosoroff-Morduntersuchung, Horace Samuel, unterzog den jugendlichen Araber Abdul Medschid, der sich bekanntlich selbst der Teilnahme am Mord an Arlosoroff bezichtigte und dann dieses Geständnis widerrief, einem scharfen Kreuzverhör. Abdul Medschid blieb dabei, daß er mit dem Mord an Arlosoroff nichts zu tun gehabt hat und daß seine Selbstbezichtigung ohne jede Grundlage war. Horace Samuel deckte eine Reihe Widersprüche zwischen dem Mordgeständnis und dem Wi d e rr u f auf; so hatte Medschid in seinem ursprünglichen Geständnis bekundet, daß er am 16. Juiü um 10.15 Uhr abends — um diese Zeit fand der Mord statt —, Arlosoroff gegenübergestanden habe, während er laut dem Protokoll des Widerrufs gesagt hat, er habe Arlosoroff um 7 Uhr nachmittags gesehen. Auch gab Medschid im Kreuzverhör zu, daß er am Mordabend einen braunen, nicht einen blauen Anzug getragen habe, wie er letzteres dem Untersuchungsleiter Hauptmann Rico erzählt hatte. Der Verteidiger wies auch darauf hin, daß in den Aussagen von Frau Arlosoroff und von anderen Zeugen viele Details, auf die sich die Anklage stützt, nicht erwähnt wurden. Der Leiter des Untersuchungsdepartements Hauptmann Rice verlas unter großer Spannung den in seiner Gegenwart geführten Dialog zwischen Abdul Medschid und Issar Darwish, der laut dem ursprünglichen Geständnis Medschids den Schuß auf Arlosoroff abgegeben haben soll. Während der Verlesung unterbrach Abdul Medschid Rice und sagte, man möge Stavsky und Rosenblatt fragen, wieweit sie nach Instruktionen Achi Meirs gehandelt haben. Der Angeklagte Achl Meir sprang erregt auf und rief Medschid zu: „Sie Lügner und Mörder!" Nächste Nummer Freitag früh in doppeltem .Umfange. Enthällt u. a. die herrliche Erzählung „MariBka" von N. Bialik, neueste Situattoniberiebte aus aller Welt, Artikel und Glossen, politische und wirtschaftliche Palästina-Rundschau usw. Bei Kolporteuren, in Trafiken und Verschleißstellen. Dr. Otto Bauer und Dr* Julius Deutsch Die Namen dieser beiden Männer sind und bleiben mit einem schmerzlichen und beschämenden Erlebnis des Judentums verbunden. Dr. Bauer war der geistige Lenker der jetzt zu Boden geworfenen, vernichteten österreichischen Sozialdemokratie und Dr. Deutsch der Organisator und Kommandant ihrer bewaffneten Macht. In Kämpfen, in denen sie Führer waren, sind viele, viele ihrer Genossen als Streiter gefallen, in schwere Gefangenschaft geraten, manche dem Henker verfallen. Ihnen aber ist, nachdem die Entscheidung gefallen war, die Flucht ins schützende Ausland gelungen. Da setzte der Aufschrei ein: Die jüdischen Führer haben, nachdem sie Hunderte von hinten in den Tod getrieben haben, in feiger Niedertracht die Flucht ergriffen. Seht doch, wie volksfremde jü das ehe Führer geartet sind! So schreit es aus den Reihen ihrer Gegner, so tönt es aber auch aus Kreisen der Genossen und früheren Freunde. Eine große deutschliberale Prager Zeitung, das „Prager Tagblatt", das den jüdischen Führern der österreichischen Sozialdemokratie in ihren günstigen Tagen freundschaftlich verbunden war, begrüßt das Eintreffen des Dr. Bauer und Dr. Deutsch in ihrer Stadt in einem Leitartikel mit der Feststellung, daß ihre Namen für die demokratische Sache eine Schande geworden seien. Die berufensten Richter über Dr. Bauer und Dr. Deutsch sind wohl ihre leidenden Genossen und ihre oberste Parteibehörde, die Internationale. Die mögen vom Standpunkt ihrer Moral und ihres Interesses das Urteil fällen. Aber wie dieses Urteil auch ausfällt, von der jüdischen Seite her besehen ist es ohne jede Bedeutung. Wenn jüdische Männer der Sache ihres Volkes, der jüdischen Sache, den Rücken kehren, wie das Dr. Deutsch und Dr. Bauer getan haben; wenn sie sich als Führer vor eine fremde Sache stellen, dann erwächst ihnen aus dem an der jüdischen Sache begangenen Unrecht eine Pflicht: Ausharren bei der fremden Sache bis zum letzten, den Kelch zu leeren bis zur Neige! Für Juden auf fremdem Kampffeld gelten nicht Regeln des Parteünteresses und der Parteimoral. Sie haben zu stehen und zu stehen! Dr. Bauer und Dr. Deutsch aber sind gegangen und haben damit sich, gerichtet und das Judentum, das an ihrem Tun und Lassen unbeteiligt war, der Schmähung ausgesetzt. Dr. Bauer und Dr. Deutsch sind Männer von großer Begabung. Das leugnen ihre erbittertsten Feinde nicht, das beweist ihr Aufstieg zu den höchsten Stellen der sozialdemokratischen Partei. Im Dienste der jüdischen Sache hätte diese Begabung Segen bringen können. Doch Dr. Bauer und Dr. Deutsch waren Renegaten des Judentums. Es ist ein Kennzeichen des Renegatentums, daß es den Segen hoher Begabung in einen Fluch verwandelt. r. st. Phantastischer Budget*Ubcrsdiuß Die J. T. A. meldet aus Jerusalem: Ein offizieller Bericht stellt fest, daß in den ersten neun Monaten des laufenden Finanzjahres die Palästina-Regierung einen Budget-Ueberschuß von mehr als 900.000 Pfund hatte. Die wichtigsten Einnahmspositionen nehmen die Zölle und Abgaben ein. Alle im redaktionellen Teil befindlichen entfielt« liehen Notizen sind dureb ein beigefügtes E bezeichnet ■ Seit 40 Jahren die Besten sind »SCHMIDL'M AZZOTH«

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