Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 341 (16.2.1934)
- Date
- 1934-02-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 341 DIE NEUE WELT Seite 5 Von der Juden§faatfsparfei Meir Großmann in Warschau und Czernovvitz Vor seiner Abreise nach Palästina benutzte das Mitglied des Exekutivkomitees der Judenstaatspartei Herr Meir Großmann die Gelegenheit, in Warschau und Czernowitz in öffentlichen Vorträgen die Stellungnahme der Judenstaatspartei darzulegen. Diese Vorträge fanden in der zionistischen und jüdischen Oeffentlichkeit stärkste Beachtung. Meir Großmann führte aus, daß die zionistische Bewegung einen Kampf an vier Fronten auszutragen habe. Zuerst behandelte der Vortragende die arabischjüdische Front, deren Bedeutung von den führenden zionistischen Kreisen stets unterschätzt wurde. Heute allerdings sieht man klar, daß sich hier der wichtigste Kampf um die Weiterentwicklung Palästinas abspielt und nur die Schaffung eines jüdischen Staatswesens die Lösung der Judenfrage und der arabischen Frage bringen kann. Meir Großmann weist darauf hin, daß es der arabischen Nationalbewegung — ganz im Gegensatz zur zionistischen — gelungen ist, eine einheitliche Organisation zu schaffen, die, innerlich konsolidert, von ener Reihe fähiger, entschlossener und ihres Programms bewußter Führer geleitet wird. Die Tatsache, daß sich der Widerstand gegen das jüdische Aufbauwerk nicht auf Palästina beschränkt, sondern das 70-Millionen-Volk der Araber bis Indien mobilisiert, sei ebenso gefährlich wie der wachsende Boykott jüdischer Erzeugnisse, die früher oder später auf den Absatzmarkt um Palästina herum angewiesen sein werden. Es ist nicht zu leugnen, daß der ungeheure Druck der arabischen Bewegung auf die englische Politik in Palästina nicht, ohne Wirkung blieb, die Maßnahmen der englischen Mandatsregierung seine unmittelbare Folge. Die wichtigste Frage ist nun, ob die zionistische Bewegung den Druck der arabischen Bewegung zu paralysieren vermag. Meir Großmann zeichnet in klaren Umrissen die Linien, in denen der Kampf zu führen sei. Auf politischem Gebiete liegt die Voraussetzung bei uns selbst. Eine einheitliche zionistische Kampffront, nicht, eine durch innere Zerrissenheit geschwächte, wird das Weltgewissen von der Unhaltbarkeit der Lage des jüdischen Volkes in der Galuth und von seinem historischen und politischen Recht, in Palästina einen Judenstaat zu schaffen, überzeugen. Wird weiter die zionistische Bewegung, die Tozereth-Haarez-Arbeit, nicht wie bisher als Spielerei behandeln, sondern auf weitester Basis organisieren, dann wird dem Jischuw damit ein natürlicher Absatzmarkt für seine Produktion gesichert sein. Schließlich kann jede Gefahr eines physischen Kampfes zwischen Arabern und Juden durch eine einheitliche „Haganah", d. h. Selbstschutz, gebannt werden. Was die englisch-jüdische Front anlangt, so ist die Tendenz der Mondatarmacht, das Tempo des Aufbaues zu verlangsamen, deutlich festzustellen. Die Gründe liegen einerseits im auffallenden Tempo der Industrialisierung Palästinas — ein Faktor, der für England von Bedeutung igt —, andererseits sind sie in der antisemitischen Tendenz gewisser englischer Kreise zu suchen. Vor allem aber der gewaltige Druck der arabischen Agitation. Auch hier sieht Großmann die Möglichkeit für eine gute zionistische Politik. Die Tatsache, daß gerade England in Fragen seiner Kolonialpolitik immer eine ungeheure Elastizität bewiesen hat, gibt die Sicherheit, daß eine zielbewußte, einheitliche Führung im Zionismus der englischen Mandatspolitik ihren Stempel aufdrücken kann. Aber nicht nur die großangelegte Aufklärungsarbeit der zionistischen Organisation in der ganzen Welt wird England beeinflussen können, der Jischuw in Palästina selbst bietet im Kampf um den jüdischen Aufbau einen gewaltigen Rückhalt. Die 25 0.0 00 Juden in Palästina sind der Mandatsregierung gegenüber in einer Machtposition, die nicht umgangen werden kann. Gerade dieser Umstand bietet der zionistischen Bewegung eine treffliche Kampfbasis in der Galuth und in Palästina selbst. Vor allem aber hält der Redner die unermüdliche Aufklärungsarbeit in England selbst für ungemein wichtig. Die seinerzeit verpaßte Chance des „Seventh Dominion" darf nicht wiederum versäumt werden und die kürzlich gehaltene Bankettrede Lord Rothschilds über die Notwendigkeit der „League for Seventh Dominion" erweist nicht nur die Richtigkeit der damaligen Anschauung, sie weist vor allem klar den Weg, England in zionistischem Sinne zu beeinflussen. Sehr scharf warnt Oroßmann vor Experi ni ent.en. Die Frage, ob England die Mandatarmacht bleiben soll oder nicht, steht nicht zur Diskussion, könnte von uns gar nicht gelöst werden und würde in keiner Weise für uns günstige Folgen zeitigen. Auf der dritten Kampffront, der antisemitisehiüdischen, ist eine Desorganisation zu konstatieren, die betrüblich wirkt. Hier trägt wiederum die Leitung der Zionistischen Organisation die Hauptschuld. Es wurde bewußt und geflissentlich die Lehre H e r z 1 s übergangen, daß Zionismus die jüdische Frage in der Galuth und in Palästina zu behandeln und zu lösen habe. Durch Außerachtlassung dieser zionistischen Lebensfrage steht das Galuthjudentum ratlos den Verhältnissen gegenüber und der Antisemitismus stößt nicht nur auf keinen geschlossenen Widerstand, sondern kann noch an dem jüdischen Volke Erpressungen ausüben. Das traurigste Bild bietet die vierte Front: die inner jüdische. Sehr eingehend behandelt der Redner die gegenwärtige Lage im Zionismus und schildert vor allem den 18. Zionistenkongreß. Das Versagen der Mehrheitsparteien wurde nicht nur am Kongreß offenbar, sondern die von ihm gewählte Exekutive, die das Vertrauen der breiten zionistischen Massen nicht besitzt, ist einer Apathio verfallen. Durch den verderblichen Klassenkampf zerspalten, ist die Zionistische Organisation ein Fpielball der Parteileidenschaften geworden. Palästina ist dem Terror des linken Histadruth ausgesetzt und das jüdische Volk sieht sich führerlos. Gerade in diesem Augenblick hat die Judenstaatspartei den unerschütterlichen Willen, die so notwendige jüdische Einheitsfront zu schaffen. Unbeeinflußt vom demoralisierten Kampf um parteiische Machtpositionen, geht die Judenstaatspartei den Weg Theodor Herzls. Unter dem frenetischen Beifall der Anwesenden macht Meir Großmann Mitteilung von der Initiative der Judenstaatspartei, durch eine gemeinsame Aktion aller: zionistischen Parteien die nationale Front her- 1 zustellen und den unbeugsamen Willen des jüdischen; Volkes zum Judenstaate zu manifestieren. 1 Die Vorträge, die überall einen Massenbesuch ' aufzuweisen hatten, hinterließen einen tiefen Eindruck. Das allgemein« Vertrau"«!, iiq« der Jude*"?ta«.tsDartei und ihren führenden Persönlichkeiten entgegenbringt, zeigt «ich darin, daß die Judenstaatspartei in den fünf Monaten i Es ist ein stadtbekanntes Geheimnis... daß es tür den Kenner und Feinschmecker zu Pessach nichts Besser«s gibt, als die auf höchster Stufe stehenden, in Hygiene der Erzeugung, Geschmack, Bekömmlichkeit und Kaschruth unübertrefflichen Seit 40 Jahren sind „Schmidl-Mazzoth" als das beste und bezüglich Kaschruth durchaus einwandfreies Erzeugnis bekannt und beliebt! Ein Versuch wird Sie Uberzeugen! Erzeugt untei streng orthodoxer Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Babad - Die Ma?zoth werden aus dem feinsten Mehl erzeugt I Verlangen Sie die neue, besonders schmackhafte ■ MAZZOTH fj GR.ESS u. FARVEL i Tel. A-46-1-90 A-60-2-63 A-48-4-48 In allen besseren Geschäften erhältlich E ihres Bestehens in fast allen Ländern einen gewaltigen Aufschwung genommen hat. Speziell der B r i th Hak a n a i m und der vor kurzem entstandene B r i t h J e h u d a zeigen schnelles Wachstum. Die Tätigkeit der Judenstaatspartei wird von fast allen Zionisten mit Interesse und Sympathie beachtet. Um so bedauerlicher mußte es wirken, daß in einigen Städten hiezu kommandierte Betargruppen den allerdings vergeblichen Versuch machten, die Versammlungen Großmanns zu sprengen. /Die Schamrote wird euch ins Gesicht steigen" Aus Genf: Die meistgelesene Tageszeitung der romanischen Schweiz, „La Tribüne de Geneve", widmet dem vom Comite des DtHegations Juives heraus- DIESER WOCHE z- 1, Wollzeile 17 Tel. R-24-2-16 Vom 16. bis 23. Februar 1934 „Das Geheimnis von Madame Blanche" mit Irene Dünne Sonn- und wochentags: 4, 5.45, 7.30, 9.15 Uhr gegebenen Schwarzbuch über die Lage der Juden in Deutschland 1933 einen redaktionellen Aufsatz, in dem gesagt wird, man begegne sehr oft der Behauptung, alles über die tragische Lage der Juden in Deutschland Erzählte wäre übertrieben, den Juden in Deutschland ginge es gar nicht so schlecht, da ja doch nur ein Zehntel von ihnen ausgewandert ist, der Rest aber ruhig im Lande bleibt. Das unter Goebbels' Leitung stehende Propagandaministerium versteht es sehr wohl, die öffentliche Meinung im Auslande einzuschläfern und benützt zu diesem Zwecke sogar die deutschen Juden, die es durch Drohungen, Einschüchterung oder andere Mittel als Geiseln im Lande festhält und zu beruhigenden Erklärungen im In- und Auslande zwingt. Das Schwarzbuch, welches fast ausschließlich Artikel der gleichgeschalteten Presse des Dritten Reiches oder offizielle deutsche Regierungsdokumente als Unterlage benützt, muß selbst die Ungläubigsten glauben machen. „La Tribüne de Geneve" schließt: „Lest dieses Buch, und die Schamröte wird euch ins Gesicht steigen für die Menschheit, die sich zu derartigen Feigheiten erniedrigen läßt." in Eine Gefahr für die jüdische Wirtschaft In Palästina gibt es keine Einkommensteuer. Die Regierung holt aus den Zöllen, Gebühren und Monopolen ihre Einkünfte in reichlichem Maße heraus. Ist sie doch heute vielleicht die einzige Regierung in der Welt, welche kein Defizit, sondern einen ganz gewaltigen Ueberschuß aufzuweisen hat, wobei noch zu berücksichtigen ist, daß Palästina, wohl als einziges Land in der Welt, alle auf ihm lastenden Kriegsschulden ohne Aufnahme neuer Anleihen bezahlt hat. Der Plan, eine Einkommensteuer einzuführen, hat im jüdischen Palästina große Aufregung hervorgerufen, weil, zufolge der eigentümlichen Verhältnisse, die ganze Last dieser neuen Steuer auf die Juden fallen wird, welche schon jetzt pro Kopf an Abgaben ein Vielfaches dessen zu leisten haben, was von den Arabern eingetrieben wird. Die Erregung erscheint begreiflich, aus vielen Gründen, die in der Besonderheit der palästinensischen Wirtschaft zu suchen sind. Um einen hervorzuheben: Die Besteuerung der Einkommen stützt sich vornehmlich auf Prüfung der Geschäftsbücher. In Palästina führen aber nur die Juden Geschäftsbücher, die Araber nur in verschwindenden Ausnahmen. * Aus Jerusalem wird gemeldet: Eine amtliche Ankündigung der Palästina-Regierung bestätigt die ITA-Meldung über die Einsetzung einer Kommission zur Vorbereitung einer Einkommensteuer. J. F. Huntington vom British Board of Inland Revenue ist der Kommission als Berater beigegeben. Schon im Jahre 1932 hatte die Palästina-Regierung die ersten Schritte zur Vorbereitung einer Einkommensteuer in Palästina getan. Die Jewish Agency und die arabische Exekutive Palästinas waren damals von der Palästina-Regierung eingeladen worden, ihre Vertreter in der zu bildenden Einkommensteuerkommission zu nominieren. Die Absichten der Regierung stießen schon damals bei der palästinensischen Juden heit auf heftigen Widerstand. Gegen die Einführung der Einkommensteuer wurde geltend gemacht, daß diese den weiteren Zustrom jüdischen Kapitals hemmen würde. Ferner wurde darauf hingewiesen, daß die Steuerlast vor allem auf den Schultern der jüdischen Bevölkerung ruhen würde. Der Waad Leumi, die offizielle Vertretung der Judenheit Palästinas, sprach sich im Dezember 1932 in einer Entschließung entschieden gegen die Einführung der neuen Steuer aus. Der Nationalrat der Juden Palästinas, hieß es in dieser Entschließung, ist von der Absicht der Regierung, eine Einkommensteuer einzuführen, durch die Vertreter der Jewish Agency .verständigt worden. Nach eingehender Beratung ist der Nationalrat zu dem Schluß gekommen, daß er ein System der Einhebung von Einkommensteuern zu dem Zwecke, es der Regierung zu ermöglichen, höhere Zahlungen auf Anleihen und Schulden zu leisten als irgend eines der angrenzenden Länder, nicht unterstützen kann. Der Waad Leumi kann in dem Plan der Einführung der neuen Steuer nicht die Absicht erblicken, eine gerechte Verteilung der Steuerlast vorzunehmen, nachdem die Regierung die Einführung von progressiven Steuern bei der jüdischen Bevölkerung abgelehnt hat und solange von jedem mittellosen Einwanderer eine drückende Kopfsteuer eingehoben wird. Auch kann der Waad Leumi seine Zustimmung zur Einführung neuer Steuern nicht geben, solange der jüdische Jischuw weit mehr Steuern zahlt als es im Verhältnis zu seiner Zahl gerechtfertigt wäre, während ihm die Leistungen der Regierung in weit geringerem Maße zukommen, als sie es sollten. Der Waad Leumi ist der Meinung, daß das kul- Hochsaison in Palästina! Die Zeit von Februar bia Mai ist die höchste Saison für Palästina-Touristik. Die klimatischen Bedingungen des Landes sind zu dieser Jahreszeit für den Fremdenverkehr besonders günstig. Hiezu kommen noch die Karnevals-Festlichkeiten zu Purim in Tel-Awiw und die traditionellen Palästina-Besuche zu Ostern. In diesem Jahre wird die Palästina-Touristik dadurch riesig verstärkt, daß im Anschluß an die Osterfeiertage die L evantR-Mes.se in Tel-Awiw stattfindet, die Widerhall nicht nur in der jüdischen Welt gefunden hat, sondern auch in den breitesten Wirtschaftskreisen Europas und Amerikas. Dieser Umstand macht es schon jetzt sehr schwer, günstige Hotelreservierungen vorzunehmen. Das Reisebüro Compass Tours, welches als offizielles Propagandabüro der S t a d t g e m c i n d 3 T e 1- A w i w fungiert, hat bereits im September v. J. die Hotelreservierungen für seine Reiseteilnehmer auf dem Luxusschiff „Oonte di fiavoia" am 21. Februar, auf der „Vulcania" am 19. März und für die von ihm veranstaltete offizielle Messereiße der Oestcrrct'-hischen Kollektiv-Ausstellung unter dem Protektorat der Handels- und Gewerbekammer vorgenommen. Nichtsdestoweniger werden alle Interessenten dringend ersucht, sich mit den Anmeldungen zu beeilen, damit die Möglichkeit besteht, sie gut unterzubringen. Anmeldungen und Auskünfte im Weltreisebüro Compass Tours, Wien, IX., Sjjitalgas'sc 3. Tel. B-42-5-S1,