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Die neue Welt · 1934-02-16 · Heft 341 (16.2.1934) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 341 (16.2.1934)
Date
1934-02-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 341 SIEGM. KORNMEHL GROSSFLEISCHHAUE8Ei! Zentrale: IX., Bcrggasse 19. Iet. A-17-3-99 u. A-lb-9-34!! «■MMaaMBMMMaMMMMaaManMMaMMMM^^BMHMaMHHB I! Lieferant für Heilanstalten;; jlbleilunjj^ <; unter Aufsicht des L'hrwürdijreti Rabbinals der Isr j; Kultusgeraeiiule Wien <j <! autozustellung kostanio?;| i; IX. Berggasse IS - XVHf., Währinger tj-. S7 :; I........................................M~~~~~~t teien. Baldwin freut sich wenn sein Programm von MacDonald durchgeführt und verantwortet wird. Auch er, wie alle anderen Parteiführer, fürchtet seine extremen Anhänger mehr als seine politischen Gegner." „Hieraus ist zu schließen, daß in England ein Sieg des Faschismus nicht zu erwarte t-' Obwohl bei den nächsten Wahlen vermutlich die Labour Party viele neue Parlamentsmandate gewinnen wird, steht doch fest, daß die konservative Regierung bleiben wird. Die eigentlich Regierenden sind nicht die Minister, sondern die Beamten, welche alle parlamentarischen Veränderungen überdauern." Schwer, ein jüdischer SCünstier zu sein Aus Prag: In der chirurgischen Klinik zu Preiiburg ist, 55 Jahre alt, der akademische Maler Alfred J u s t i t z gestorben. Die gesamte Presse der Tschechoslowakei hebt hervor, daß Justitz einer der begabtesten Künstler in der Tschechoslowakei gewesen und lange | icht 3einer wirklichen Bedeutung entsprechend g e w ü r- J d i g t worden war. Alfred Justitz iat ais Sohn eines jüdi-! sehen Arztes in Neu-Cerekwe bei Pilgram geboren worden, studierte an der Prager Kunstakademie und lebte längere Zeit in Pari3. Man nennt ihn einen Geistesverwandten des französisch-jüdischen Malers Pissaro. Als der tschechische Schriftsteller Michael Maros ch ihm sagte: „Dauernd wird jemand zum Professor der Kunstakademie ernannt; an dich scheint man vergessen zu haben", erwiderte Justitz: „Ja, mein Lieber, ich bin eben ein echter Prager. Die Deutschen wollen mich nicht und behaupten, ich sei ein Tscheche. Die Tschechen wieder behaupten, ich sei ein Deutscher. Die Juden kaufen mir nichts ab, weil sie meinen, ich sei längst kein Jude mehr, und die Christen letzten Endes wollen wieder keinen jüdischen Künstler •unterstützen." Streit um die Beisetzung verbrannter Leadien Aus Prag: Die Frage, ob die Israelitische Beerdigungsbrüderschaft verpflichtet ist, Aschenurnen auf dem jüdischen Friedhof beizusetzen, hat das Oberste Verwaltungsgericht beschäftigt, eine meritorische Entscheidung ist jedoch nicht gefallen. Das Verwaltungsgericht hat über Beschwerde der Israelitischen Beerdigungsbrüderschaft in Prag, vertreten durch Dr. Simon Freiberger, die Entscheidung des Schulministeriums, mit dem der Beerdigungsbrüderschaft aufgetragen worden war, eine Aschenurne auf dem jüdischen Friedhof beizusetzen, wegen Mangelhaftigkeit des Verfahrens aufgehoben. Die staatlichen Verwaltungsbehörden werden demnach abermals über die Sache verhandeln. Horthy verhandelt mit den Führern des Pfeilkreuzes Aus Budapest: Reichsverweser Nikolaus Horthy empfing die Führer der ungarischen Nationalsozialisten (Pfeilkreuzler), Grafen Fest e t i c s und Abgeordneten Meszko, die ihm die Bitte unterbreiteten, die Regierung zu ersuchen, der Tätigkeit der Pfeilkreuzler in Ungarn keine Hindernisse entgegenzusetzen, da diese keineswegs einen Pangermanismus propagieren und einzig und allein den Antisemitismus mit Hitler gemeinsam haben. Die Pfeilkreuzführer gaben zu, daß in einigen Städten auch antisemitisch betonte Pfeilkreuzler-Exzesse vorgekommen seien, meinten aber, dies rechtfertige nicht die Behinderung einer „mächtigen Bewegung ungarischer Patrioten". GeneralSmutS'Koiome in Palästina Aus Johannisburg: Der südafrikanische Zionistenverband hat beschlossen, in Palästina eine Kolonie zu gründen, die zu Ehren des ehemaligen Ministerpräsidenten und bekannten Freundes der zionistischen Bewegung General Smuts den Namen Kfar Smuts tragen soll. Einer Delegation, die dem General j Mitteilung von diesem Beschluß machte, erklärte dieser, I die Dienste, die das zahlenmäßig kleine jüdische Volk der Menschheit geleistet habe, seien unvergleichlich groß, j Noch heute lebe die abendländische Kultur nach den i Visionen der jüdischen Propheten und Seher. Daß ein; solches Volk weiterhin in der Verbannung I leben sollte, wäre eine historische Anomalie und Ungerechtigkeit, die Abhilfe verlange. Es sei nicht zu erwarten, daß das Volk, das der Welt die höchsten Glaubenswerte gegeben habe, sich durch zeitweilige Rückschläge von seiner Arbeit abschrecken lassen sollte. Das Jüdische Nationalheim werde errichte,t werden, und dereinst würden „wieder die Jesajas und Spinozas den Weg , des Menschengeschlechts mit ihrem Licht erleuchten". i 300 jüdische Hafenarbeiter nadi Palästina Aus Saloniki: Die Zionistische Föderation Griechenlands gibt bekannt, daß in Haifa eine Besprechung über die Organisierung der Einwanderung jüdischer Hafenarbeiter aus Saloniki nach Palästina stattgefunden hat. Es wurde betont, daß mit den 200 jüdischen Hafenarbeiterfamilien aus Saloniki, die im Hafen von Haifa bereits Beschäftigung gefunden haben, die besten Erfahrungen gemacht wurden, so daß die weitere Einwanderung jüdischer Hafenarbeiter aus Griechenland höchst wünschenswert erscheine. Das Mitglied der Palästina-Exekutive J. Grünbaum hat nunmehr der Zionistischen Föderation Griechenlands mitgeteilt, daß dem Palästina-Amt in Saloniki eine Sonderquote von 500 Einwanderungszertifikaten für Hafenarbeiter unabhängig von der ordentlichen Zertifikatquote für Grichenland, zur Verfügung gestellt werden soll. Die Zertifikate werden in zwei Teilen zu je 250 Stück im laufenden und im kommenden Halbjahr ausgegeben werden. So erfreulich es ist, daß den Hafenarbeitern in Saloniki teilweise geholfen wird, darf man leider nicht außer acht lassen, daß bei der Einstellung der Palästina- Regierung ihre Zulassung nur auf Kosten der Juden in anderen Ländern erfolgen wird. Antisemitische Propaganda im Elsaß Aus Straßburg: Im Elsaß haben die antisemitischen Strömungen in letzter Zeit zugenommen. Die von den französischen Royalisten herausgegebene Zeitung „L e Combat" verbreitet offen antisemitische Verleumdungen und arbeitet mit denselben Argumenten wie die deutschen Antisemiten. So wird u. a. die Echtheit der „Protokolle der Weisen von Zio n", die neuerdings vom Leipziger Hammer-Verlag in Tausenden von Exemplaren im Auslande verbreitet werden, ohne weiteres unterstellt. Wie die JTA erfährt, besteht die Absicht, daß Organisationen und Körperschaften des öffentlichen Rechtes, deren Aktivlegitimation ohne weiteres feststeht, die Klage gegen die Verbreiter der „Protokolle" und der in den Protokollen ausgesprochenen Verleumdungen gegen die Juden einreichen. Deutsche Juden nach Abesshüen? Aus Paris: Einem vorläufig von offizieller Seite noch nicht bestätigten Havas-Bericht aus Adis Abeba zufolge hat die dortige Regierung ihre Einwilligung zur Niederlassung von 1000 deutschen Juden in Abessinlen gegeben. Es wird angenommen, daß die Niederlassungserlaubnis den Bemühungen des aus Berlin stammenden Professors Reinhard zu verdanken ist, der von der abessinischen Regierung mit der Reorganisierung und Leitung des Sanitätswesens der Hauptstadt beauftragt wurde. Jüdisch-mohammedanische Annäherung in iVflarokko Aus Tanger: In Rabat (Französisch-Marokko) kam es anläßlich des Beginnes des Neuaufbaues des alten Judenghettos zu einer Kundgebung, die als Anfang einer Annäherung zwischen der jüdischen und der mohammedanischen Bevölkerung gewertet wird. An dem von der Jüdischen Gemeinde veranstalteten Empfangsabend nahmen Vertreter der französischen Behörden und eine Anzahl mohammedanischer Notabein mit dem mohammedanischen Bürgermeister Si-Abdu-Rachman Pascha an der Spitze teil. Der Prozession, die sich anläßlich der Einweihungsfeier durch die Straßen des Ghetto bewegte, voran schritten neben dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, Isac Abu, der Pascha und die Vertreter der französischen Verwaltungsbehörden. In Rabat ist eB in den letzten Jahren wiederholt zu Zusammenstößen zwischen der mohammedanischen und der jüdischen Bevölkerung gekommen. Die letzten Unruhen größeren Umfanges fanden im Mai v. J. statt. Die Ordnung konnte damals erst wiederhergestellt werden, nachdem zur Unterstützung der Polizei militärische Verstärkung herangezogen worden war. Einige Tage hindurch standen die Zugänge zum Ghetto (Mellah) unter militärischer Bewachung. Ueber hundert Personen wurden im Zusammenhang mit diesen Unruhen verhaftet. Nach der letzten amtlichen Zählung Im Jahre 1932 betrug die Zahl der Juden in Französisch-Marokko damals 107.613. In dieser Zahl waren jedoch nur die eingeborenen Juden inbegriffen, nicht aber französische und ausländische Juden, deren Zahl auf 5000 bis 6000 geschätzt wird. Die internationalen Zonen in Tanger und in Spanisch-Marokko haben eine jüdische Bevölkerung von etwa 2 0.0 0 0 Seelen. Die jüdische Bevölkerung in ganz Marokko kann somit auf etwa 1Ö0.000 Seelen ge- ' Die PAQ r. Oen. m. b.M., Wien VI, Caplitrangatae 2 ^Telephon B-25-3-bl), veranstaltet für ihre Mitgüder PALÄSTINA-REISEN ab Wien: 20. 11., 20 III, 10.IV., 24. IV. II. Kl. chiff. III Kl. D-Zug, 15 Tage Verpflegung nur S 440 detto jedoch Schiff I. Kl. S SSO. / Besuch aller Mittel meerländer! / Sprechstunden täglich von 9 bis 12 Uhr Prospekte gratis schätzt werden. Rabat, Residenz des Sultans von Marokko und administratives Zentrum der französischen Zone, zählt unter einer Gesamtbevölkerung von 14.0 0 0 Einwohnern etwa 5000 Juden. Die von Juden am stärksten bewohnten Städte in Marokko sind C a s ablanca mit 20.000 und Fez mit 12.000 jüdischen Einwohnern. Der polnische Gesandte in Rumänien über Palästina Aus Bukarest: Der Gesandte Polens in Bukarest, Miroslaw Arciszewski, sprach vor einem auserwählten Kreis interessierter 3uhÖrer über seine letzte Pa 1 ä s t. i n a-Re i s e, die er in Gesellschaft jüdischer Palästina-Einwanderer aus Polen gemacht hat. Es hat ihn in Erstaunen gesetzt, mit welcher Kraft und mit welchem Vertrauen namentlich die junge jüdische Generation Palästinas den Weg zu sich selbst sucht und findet. Polen nimmt einen besonders starken Anteil an dem Palästina-Aufbau; die Hälfte aller Palästina-Einwanderer sind polnische Juden. Nach Ansicht des Gesandten Arciszewski erfüllt der Zionismus nicht allein die Aufgabe, das Judentum zu verjüngen, er gibt auch den anderen Völkern die Möglichkeit, ihre Judenfrage zu lösen. Die Ideologie des Zionismus ist überzeugend, sein Ziel ist klar. Die moralischen Triebkräfte sind erstaunlich. In dieser Zelt der Weltwirtschaftskrise gibt es in Palästina keine Arbeitslosigkeit. Tel-Awiw ist Herz und Hirn des Drei interessante Palästina-Reisen. Siehe Inserat! neuen Landes, sein Bürgermeister Dizengoff verdient aufrichtige Bewunderung. Der Hafen von Haifa wird ein bedeutender Umschlagplatz für den Nahen Osten. Solange die Juden in Palästina noch eine Minderheit bilden, könne Palästina kein unabhängiger Staat sein. Aber eines sei von allen Staaten, bei denen jüdische Emigration eine Rolle spielt, wie auch vom Völkerbund zu fordern: eine moralische und materielle Unterstützung des so kühn und erfolgreich begonnenen jüdischen Aufbauwerkes in Palästina. Die litauische Regierung protestiert bei der deutschen Regierung Aus Kowno: Das litauische Arbeitsministerium hat bei der deutschen Regierung gegen die Anwendung des Arierparagraphen auf in Deutschland lebende litauische jüdische Bürger Protest eingelegt. In der Protestnote werden mehrere Fälle von Boykott gegen in Deutschland lebende Juden litauischer Staatsangehörigkeit angeführt. Wegen eines „Erev" antisemitischer Aufruhr in einer rumänischen Stadt Aus Bukarest: In der siebenbürgischen Stadt D e j ist es zu turbulenten antisemitischen Ausschreitungen gekommen, die ihre Ursache darin hatten, daß die Leitung der Jüdischen Gemeinde und das Rabbinat, einer rituellen Vorschrift entsprechend, um die Stadt einen sogenannten „Erev" aus Draht gezogen haben. (Da nach dem jüdischen Gesetz das Tragen von irgendwelchen Gegenständen am Sabbat im flachen Lande verboten ist, zieht die jüdische Gemeinde in der Regel um die Stadt, wo diese nicht schon durch elektrische und andere Drahtleitungen eingekreist ist, eine besondere Drahtleitung, um die Stadt vom flachen Lande abzugrenzen, damit das Tragen von Gegenständen, wie z. B. Gebetutensilien, erlaubt sei.) Antisemitische Agitatoren alarmierten die christliche Einwohnerschaft von Dej, der sie einredeten, die Juden verleihen der Stadt durch die Errichtung des „Erev" einen „jüdischen C h a r a kt e r". Die christliche Bevölkerung zog lärmend durch die von Juden bewohnten Gassen und warf überall die Fensterscheiben ein; auch das Haus des Vorstehers der jüdischen Gemeinde, Dr. Ordenthale, wurde hiervon nicht verschont. Die gesamte Polizei mußte aufgeboten werden, um die Ruhe wieder herzustellen, was ihr nur mit großer Mühe gelang. Die Stimmung In Dej ist immer noch erregt. PanvArisdie Front Aus Berlin: Der in deutscher, englischer und französischer Sprache in Berlin erscheinende und vom Reichspropagandaministerium geförderte „W e 11- D i e n 81", desaen Organisation darauf aufgebaut ist, daß er unter den Ariern In der ganzen Welt von Hand zu Hand weitergegeben wird, veröffentlicht einen Aufruf zum Zusammenschluß aller bereits bestehenden und noch zu gründenden antijüdischen Organisationen in Europa zu einem Verband, der den Namen „Vereinigte Pan-Arische Front" führen soll. Der „Welt-Dienst" teilt mit, daß zunächst die nachstehenden Organisationen für einen Zusammenschluß innerhalb der j „Vereinigten Pan-Arlschen Front" in Betracht kommen: Eiserne Garde in Rumänien, Rozwoj in Polen, EEE In Griechenland, Erwachende Magyaren in Ungarn, Lappos in Finnland, die „Fronten" in der Schweiz, die Faschisten Lettlands und L1t a u e n s u. v. a. Die nlchtjüdlsche Welt, heißt es in dem Aufruf, kennt noch nicht die jüdische Gefahr; die Bildung der vereinigten antisemitischen all-europälscho* Front werde der Welt die Aww» öffnen.

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