Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 339 (9.2.1934)
- Date
- 1934-02-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 ME NEVE WELT Nr. 339 All werden und jung bleiben möchte jeder. So schwierig es scheint, es is* dennoch leicht erreichbar durch standige, sorgsame Körperpflege. Ein hervorragendes Mittel dazu ist DIANA- Franzbranntwein mit Menthol Massagen (Einreibungen) mit Diana-Franzbrantwein erfüllen mit verjüngender Kraft. Ebenso werlvoll sur Hund* und Haarpflege. Und dabei sehr billig. Nehmen Sie nur Diana und weisen Sie wertlose Nachahmungen energisch zurilck. Ueberau erhältlich! einem Leitartikel ab, der eine vernichtende Kritik bedeutet. Im Leitartikel heißt es u. a.: „Das Bild, das General Goering gemalt hat, ist sehr illustrativ, aber es hat, wie wir glauben, die genau entgegengesetzten Gefühle hervorgerufen, die der Autor beabsichtigt hat. Tatsächlich konnte keine schädlichere Propaganda gegen den Nazismus seitens seiner ärgsten Gegner gemacht werden als die seitens seines eigenen Oberhauptes. Denn in dem Artikel, vom ersten bis zum letzten, ist ein Fanatismus, der jeden englischen Instinkt anekelt. Abschnitt für Abschnitt enthält niedrigste Angriffe gegen die Gegner und eine unerträgliche Selbstüberschätzung, wobei darin nicht einmal die geringste Spur eines konstruktiven Zwecks zu finden ist." Palästina stellt sidi politisch um (Von unserem Palästina korrespondenten) Jerusalem, Anfang Februar. Das öffentliche Leben im jüdischen Palästina steht noch heute unter der Herrschaft der auf Klassenkampf eingestellten Arbeiterpartei Poale-Zion und ihrer Gewerkschaft „Histadruth". Auf politischem, wirtschaftlichem und rein gesellschaftlichem Gebiete ist der Druck dieser raffiniert organisierten Macht zu verspüren. Sie beherrscht das nationale Kapital, worunter hier die Gelder der zionistischen Sammel-Fonds verstanden werden. Sie hält den gesamten Beamtenstand in fester Hand. Sie verdrängt alles, was sich ihr nicht fügt. Dieser Zustanr' schien noch vor kurzem als unabänderlich. Aber ein Entwicklungsprozeß in anderer Richtung kündigt sich an. Allmählich begreifen auch die von ihrem Prager Kongreß-Sieg geblendet gewesenen linken Kreise, daß das politische, wirtschaftliche und kulturelle Leben des jüdischen Palästina in einem Umformungsprozeß begm7en ist,, der die aus Europa importierte sozialdemokratische Ideologie mächtig untergräbt. Die Anhänger der Zweiten Internationale im jüdischen Palästina beginnen den Umschwung zu wittern. Der letzte Kongreß brachte ihnen große Erfolge, ja das Privileg der Führung der zionistischen Politik. Aber die Wirklichkeit des Tages, die Zwangsläufigkeit historischen Geschehens ist stärker als der Machtapparat der palästinensischen Histadruth-Herren. Das fühlen sie scheinbar selber und versuchen die Entwicklung aufzuhalten. Aber das bemerkenswerteste Symptom ist ihre Angst vor der nächsten Zukunft: sie, die Beherrscher des Landes, des Organisationsapparats und der Fonds, sie, die zur letzten Kongreßwahl im Sommer 1933 Massen für sich an die Urnen brachten, fühlen ein neues Zeitalter zionistischen Denkens und Aufbauens aufdämmern. Mit Betrübnis stellen die palästinensischen linken Berichterstatter in der jüdischen linken und allgemeinzionistischen Presse fest, daß die wirtschaftliche Entwicklung des Landes eine Umgruppierung der Kräfte herbeiführen müsse und daß wir bereits inmitten dieser Umgruppierung stehen. Der Chaluz, gestehen sie betrübt, gilt nicht mehr als einzig beachtenwerter Pionier der zionistischen Verwirklichung. Seine heroische Zeit ist vorbei, der jüdische Mittelständler hat sich gleichfalls die Wertung als produktiver Faktor erobert. Das nationale Kapital, das in der anfangs kleinen jüdischen Wirtschaft eine Rolle spielte, ,ja eine Macht darstellte, kann dem Arbeiter nicht mehr den großen Rückhalt bieten, da es gegenüber dem privaten ständig zurückgeht. Denn während der Mittelstand aus seiner schmalen Kasse früher für die Fonds spendete, will er sich selbst jetzt nach Palästina transponieren. Das nationale Kapital, das ist das vom kleinen Mann für die Fonds gestiftete Geld, will jetzt nicht mehr so reichlich fließen für die Propagandisten und Gefangenen der Internationale. Den Resultaten des Umbildungsprozesses, dem Industriellen- und Pflanzerverband, den Tendenzen der Privatwirtschaft und ihren neugeschaffenen Positionen muß man nunmehr sein Augenmerk zuwenden. Eine neue Aera beginnt. . Die Erstarkung dieser Position brachte es mit sich, daß der Kampf gegen die neue Exekutive, deren Prestige sich zunächst auf die Masse der linken Schekelzahler und Kongießwähler stutzte, nicht bloß seitens der Ooppositionsparteien geführt wurde, sondern auch jene Elemente tinschloß, die bisher jedem Kampf fernstanden: die Träger der neuen palästinensischen Wirtschaft. Das unselige System des Nachgebens gegenüber dem englisch-arabischen Druck, das Ignorieren des Willens jener Kreise, die bereitstanden, Palästina Energien und Kapitalien zur Verfügung zu stellen, die Monopolisierung der Arbeit, das Festhalten an abgestorbeneu sozialistischen Dogmen — all die Sünden fanden auch in nichtpolitischen Kreisen schärfste Ablehnung. Aber das Wesentliche bestand darin, daß die Prinzipien der Privatwirtschaft und Privatinitiative die schönsten Resultate zeitigten und der jüdischen Welt bewiesen, man könne endlich mit den kostspieligen sozialistischen Experimenten Schluß machen. Der Begriff „intensiv" gegenüber dem Dogma „extensiv" begann in allen Bereichen, nicht nur im wirtschaftlichen, die Oberhand zu gewinnen. Das Bild des gegenseitigen Interessendruckes hat sich geändert. Die Phrasen von den „nationalen Interessen, die einzig und allein von der sozialistisch organisierten Arbeiterpartei geschützt werden können", verfangen nicht mehr. Die Erkenntnis, daß das Monopol einer Partei unhr'tbar geworden ist, hat Im jüdischen Palästina sich Bahn gebrochen. Dieser Sachlage müssen die verantwortlichen Leiter des zionistischen Werkes Rechnung tragen. Der machtlo§e Mmfoter Der Reichswirtschaftsminister Schmidt ist eine der umstrittensten Figuren in Deutschland geworden. Der Mann, der für die ins Wanken geratene Wirtschaft die Verantwortung trägt, hat es gewagt, gewissen Uebergriffen gegen jüdische Kaufleute und Fabrikanten entgegenzutreten, weil sie seiner Ansicht nach ruinös wirken. Jetzt wird er von vielen Naziblättern als Judenknecht angegriffen. Aber nicht genug daran. SA.-Leute verhindern einfach die Durchführung seiner Verordnungen. Hiezu wird aus München gemeldet: Aus dem Münchener Braunen Haus wurden an die Kreiskommissare der NSDAP, in ganz Deutschland Instruktionen versandt, in denen diese ersucht werden, die Parteimitglieder aufzufordern, die Regierungsverordnungen, betreffend gleiche Behandlung jüdischer Wirtschaftsunternehmungen, n i ch t zu befolgen; Zuwiderhandlungen würden als Bruch der Partei-, disziplin angesehen werden. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen Reichs-' Wirtschaftsministerium und NSDAP, werden durch folgenden Fall charakterisiert: Als auf dem Vieh-, markt zu Essen (Ruhrgebiet) die jüdischen Viehhändler ihre gewohnten Plätze besetzten, erschienen SA.-Leute .und; forderten sie zum Verlassen des Marktes auf. Ein Vertreter des Wirtschaftsministeriums, selbst Mitglied der NSDAP., erklärte dem Nazikreiskotnmissar, er dürfe im Sinne der Regierung die Juden in der Ausübung ihrer wirtschaftlichen Funktionen nicht; stören. Der Nazikreisleiter erwiderte, er kümmere; sich nicht um die Regierungsverordnung. Daraufhin wurde Polizei zum Schutz der jüdischen Viehhändler herangeholt. Der Markt blieb von einer großen Abteilung uniformierter SA.-Leute besetzt, die sich vor der. Polizei-- kette postierten. Das Resultat war, daß sich kein christlicher Händler oder Fleischer an die jüdischen Händler heranwagte. Nazi-Agitatoren hielten Boykottreden, es wurden lakate mit der Aufschrift: „Wer mit Juden handelt, verrät das deutsche Volk" herumgetragen. Aehnliche Vorfälle werden aus anderen Provinzstädten gemeldet. Die Anstrengungen der jüdischen Organisation „Land und Handwerk", jüdische Jugendliche im Handwerk unterzubringen, begegnen dem scharfen Widerstand der nationalsozialistischen Führer in den Provinzen, die gemäß Weisung des Münchener Braunen Hauses, entgegen den Verordnungen des Reichswirtschaftsministeriums, nicht zulassen, daß Handwerker, auch Juden; jüdische Lehrlinge beschäftigen. Handwerkern, die dieser Weisung nicht gehorchen, wird mit der Entziehung ihrer Lizenzen und mit Boyk o 11 gedroht, auch sollen sie als „S t a a t s f e i n d e" erklärt werden. Die von den Nazi beherrschten Handwerkerkammern machen scharfe Propaganda gegen das Reichwirtschaftsministerium wegen dessen These, daß in der Wirtschaft Arier und Nichtarier gleich zu behandeln sind. Hitler gegen Minister Schmidt — antisemitismus für Wirtschafts- Die folgende letzte Berliner Meldung macht klar, daß der radikale Wirtschaftsantisemitismus nicht „von der Gasse" her, sondern von höchster Stelle aus betrieben wird: In der im Berliner Sportpalast anläßlich des Jahresr tages der Hitler-Kanzlerschaft abgehaltenen Festversammlung erklärte der Reichspropagandaminister Dr. G ö b b e 1 s, der im deutschen Wirtschaftsleben begonnene liberalere Kurs gegenüber den Juden habe nicht die Billigung Hitler». Wenn wir, fuhr Göbbels fprt, von der Stabilität im Wirtschaftaleben sprechen, so bedeutet das nicht, daß Aenderungen nicht stattfinden sollen; wir wünschen nur nicht, daß uns die Aenderungen von der Straße her diktiert werden. Die Regierung selbst bereitet solche Aenderungen vor, und diese Aenderungen — es ist wichtig, daß Sie es wissen! — werden radikal sein. Gottfried Feder, der autoritative Wirtschaftsexperte der NSDAP, und stellvertretende Reichswirtschaftsminister, erklärte anläßlich, des Beginns des zweiten Hitler-Jahres im „Völkischen Beobachter", die Arisierung des deutschen Handels und die Verwirklichung der revolutionären Wirtschaftspolitik müssen bald Tatsachen werden. Jeder Jude werde aus dem Wirtschaftaloben eliminiert werden. Nicht umsonst haben" seinerzeit dreieinhalb Millionen Mitglieder; der NSDAPda* vön Hitler unter- <:S c h r 1 ebene nationalsozialistische Programm mit seinen 25 Punkten (Feder ist der Autor dieser 2S Punkte) angenommen. Nicht umsonst sehen Millionen Nationalsozialisten in der restlosen Durchführung dieses Programms die Vollendung der deutschen Revolution gegen alles Nichtdeutsche. Informierte Kreise sehen in diesen Acttßerungen Feders das deutliche Symptom einer Spaltung des Reichswirtschaftsministeriums in zwei Richtungen: Richtung Schmidt und Richtung Feder. Allerdings ist es wenig zweifelhaft, daß Feder siegen wird. Die Selbstittordserie Aus Berlin: In einem Darmstädter Motel haben sich, wie der Polizeibericht meldet, der ölj&hrige jüdische Rechtsanwalt Dr. Fink und seine 4Rjährige Ehefrau, beide aus Berlin, mit Veronal vergiftet und beide starben nach der Einlieferung ins Krankenhaus. Dr. Fink ist auf Grund des Arierparagraphen aus der Anwaltsliste gestrichen worden. Der in Flensburg bekannte und beliebte Augenarzt .Dr. Thieme hat Vor einigen Tagen Selbstmord verübt. Er inachte den Krieg als Oberstabsarzt mit, wurde aber trotzdem auf Grund des Aricrpnragraphen aus der Aerzteschaft ausgeschlossen, weil seine Mutter jüdischer Abstammung war. Als jetzt auch noch seine Tochter, die als Fürsorgerin bei der Stadt Flensburg tätig war, aus dem gleichen Grunde entlassen wurde, machte er seinem Leben ein Ende. Erste Jahresbilanz der Juden unter Hitler Ein Schwarzbuch Seit einem Jahre leiden die deutschen Juden unter der Herrschaft des Nationalsozialismus. Wie groß ihre Katastrophe in politischer, rechtlicher, moralischer, sozialer und ökonomischer Beziehung ist, haben verschiedene kleinere Publikationen darzustellen versucht. Eine gründliche, ausführliche und wissenschaftlich durchgearbeitete Darstellung der Wandlung auf den mannigfaltigsten Gebieten des Lebens hat aber bisher gefehlt. Genau auf den Tag ein Jahr nach der Machtübernahme in Deutschland durch Adolf Hitler erscheint, vom Comitfi des Dfilögations in Paris herausgegeben, eine Denkschrift, welche das gesamte Material zur jüdischen Lage in Deutschland zusammenfaßt. Das im Jahre 1919 während der Friedensverhandlungen in Paris zum Schutze der jüdischen Rechte begründete Comite des Dölegations Juives, welches anläßlich der Behandlung der Petition Berheim im Mai 1933 und während der Herbstsession des Völkerbundes im vergangenen Jahre unter Leitung des leider inzwischen verstorbenen Leo Motzk-in in Genf so mannhaft, für die deutschen Juden gearbeitet hat, ermöglichte die Abfassung und das Erscheinen 'es Werkes durch eine großzügig organisierte Sammlung allen einschlägigen Materials, das von einem bekannten Publizisten und Rechtsanwalt bei der Niederschrift des Buches verwendet wurde. Die in deutscher' Sprache erscheinende Schrift, der eine französische und englische Uebersetzung folgen werden, führt den Namen „Das Schwar.zbuch. Tatsachen und Dokumente. Die Lage der Juden in Deutschland 193 3" Die DenkfichVift, ein stattlicher Band von zirka 540 Seiten Großoktav, ist mit peinlichster Gewissenhaftigkeit durchgearbeitet und korrigiert. Sie gliedert sich in 10 Kapitel. In der Einleitung wird, ausgehend vom nationalsozialistischen Parteiprogramm und von den Reden und Schriften der Führer, gezeigt, was der Nationalsozialismus für den Fall der Machtergreifung bezüglich der Entrechtung der Juden geplant hat. Die weiteren Kapitel behandeln die Diskrimination der Juden in Deutschland seit Beginn der Kanzlerschaft Adolf Hitlers. Hierauf werden die Gewalttat n geschildert, die gegen Juden wegen ihrer Eigenschaft als Juden begangen wurden. Schließlich werden die Wirkungen der gewaltsamen Veränderungen auf die deutschen Juden dargestellt. Das Buch gibt fast lückenlos die authentischen Texte aller Gesetze und Verordnungen sowie aller offiziellen Verlautbarungen wieder, die in bezug auf die Juden im Jahre 1933 im Dritten Reiche erflossen sind. Eine geradezu erdrückende Fülle von Zitaten aus der in Deutschland erschienenen Presse sowie aus Aeußerungen der nationalsozialistischen Gewalthaber vervollständigen das Bild der tragischen Entwicklung der jüdischen Situation in Deutschland. Wer aus politischen, historischen, soziologischen oder allgemein menschlichen Gründen an dem Schicksal der deutschen Juden Interesse nimmt, wird in der erschienenen Denkschrift ein unentbehrliches Handbuch erblicken. „Dybuk" in der Mailänder Skala. Mailand, 6. Februar. (Z. T. A.) Eine Bearbeitung aus dem Jiddischen, von An-skis bekanntem Schauspiel „Der Dybuk" wird demnächst als Oper in der Mailänder Scala uraufgeführt. Das Textbuch schrieb der Mitarbeiter Puccinis Renato Simoni, die Musik stammt von dem jüdisch-italienischen Komponisten Lodovico Rocca. Uraufführungen an der Mailänder Scala werden bekanntlich in der gesamten musikalischen Welt als künstlerisches Ereignis gewertet. Dementsprechend sieht man der Premiere der Oper „Dybuk" mit großer Spannung entgegen. PAltfSTINA-GESELLSCHAFTSREISE PURIM IN TEL-AWIW Abreise 20. Februar 1934, mit dem Uxusdampfer. Anmeldungen: „Reisebüro", WienI,Fleischmarkt 1 „Conte dl Savoia« (48.000 To.) u. „Roma" (33.000 To.) ' (EckeRotenturiwtr^