Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 339 (9.2.1934)
- Date
- 1934-02-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 20 Groschen lahrgang 8 Freitag/ den 6* FeF '** «934 DIE NEUE Nr. 339 V« b» b* Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedic par l'e'diteur*« ''(I. JV\ *>*6 W'bn w °">ok *i ,e"> l mm hl REVUE BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteil" Lei 40.-, vierteljährig Lei 120.—; Oeutschf Lewa 120.—; Itaifen monatlich Lire 5. ' jährig Schweizer Francs 4.50 atllch S 1.50, vierteljährig S4.20. ganzjährig S16.-; Polen monatlich Zloty 2.—.vierteljährig Zloty ü.- iljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich schland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übr Igen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, viertel- HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: IX, Universüätsstr, 6-8, leL B-48-504 — ErscheintDiensiag und F reit Die Pala§tina*Regierung „fordert" die Touristik! Der Menschenstrom ins aufblühende Palästina hat einen jähen Abbruch erfahren: Nicht etwa deshalb, weil die Lage im Lande sich verschlechtert oder der Drang der Juden aller Welt nach Palästina eine Schwächung erfahren hätte. Im Gegenteil! Das jüdische Palästina blüht und blüht und die Zahl der Juden, welche als Einwanderer oder Touristen das Land ihrer Sehnsucht erreichen wollen, wächst und wächst. Wenn trotzdem immer weniger und schwächer besetzte Palästina-Schiffe die europäischen und amerikanischen Häfen verlassen, so liegt das daran, daß die englische Palästina-Regierung nicht nur die Ein wanderungaaerlif ilute auf ein lächerliches Minimum reduziert, sondern auch die Touristenreisen nach Palästina in scliikatiöser Weise unterbunden hat. Währenü in allen andern Ländern Staat und Gesellschaft alles daran wenden, Reisende anzuziehen, wird der jüdiaeso Tourist, der nach Palästina will und zu diesem Zwecke sein englisches Konsulat aufsucht, dort inquiriert, wie ein des größten Verbrechens verdächtigter Mensch. Wenn er die Erlaubnis doch erhält, muß er eine Kaution von 6 0 Pfu n d (2000 Schilling, 2000 Zloty, 8000 Tschechokronen usw.) erlegen. Daß unter solchen Umständen viele Juden auf die Palästina-Reise verzichten, ist begreiflich. Es ist nicht jedermanns Sache, sich so demütigend behandeln zu lassen, und überflüssige 60 Pfund hat auch nicht jeder. Wenn man das in Betracht zieht, so klingt es wie Hohn, wenn gemeldet wird, daß die Palästina-Regierung eine- K o m m i s s i o n zu r Förderung der Touristik eingesetzt und zum Leiter derselben den bisherigen Einwanderungskommissär Hyamson, den berüchtigten Judenfänger, bestellt hat. Das tut die Regierung in Palästina und hat gleichzeitig eine Ordre an die englischen Konsulate gegeben, welche die Bedingungen für Touristen verschärft. Insbesondere — eine neue Sache — für „Ost ju den". Aus Jerusalem wird gemeldet: Die Palästina- Regierung hat eine Kommission zur Förderung der Touristik eingesetzt und mit deren Leitung den Einwanderungakommissär Hyamson betraut. Dies gibt Anlaß zu sarkastischen Bemerkungen in Presse und Oeffentlichkelt, wo Hyamsons Tätigkeit von je als Abschreckungsmittel gegen die Touristik beurteilt wird. Von 5 9 Touristen, die soeben im Jaffaer Hafen mit dem Dampfer ,,P a t r 1 a" aus Konstantza eingetroffen sind, durften zehn Touristen auf Veranlassung Hyamsons das Land nicht betreten. Aus Warschau: Die britische Gesandtscnatt in Warschau hat dem dortigen Palästina -Amt der Zionistischen Organisation mitgeteilt, daß die Garantie des Palästina-Amtes an Stelle der grundsätzlich festgesetzten Barkaution von 60 Pfund bei Erteilung von Touristenvisen nach Palästina als Garantie dafür, daß der Tourist die legale Aufenthaltsdauer nicht überschreiten wird, in Zukunft nicht mehr anerkannt w i r d. Jeder Tourist, der sich aus Polen nach Palästina begibt, wird nunmehr beim britischen Konsulat den vollen Betrag von 60 Pfund erlegen raüss e n, bevor er das Visum erhält In jüdischen Kreisen wird befürchtet, daß die strikte Durchführung der neuen Maßnahme sien höchst ungünstig auf die Touristenbewegung aus Polen nach Palästina, mit deren wesentlicher Verstärkung anläßlieh des Purim- und des Pessach-Festes und der Lovantc-Messe gerechnet wurde, auswirken wird. Das Warschauer Palästina- Amt hat die Zionistische Exekutive in London ersucht, bei den maßgebenden Stellen zu intervenieren, um eine Zurücknahme der neuen Einschränkungsbestimmung zu erwirken. * Aus London: Im englischen Unterhaus hatte der konservative Abgeordnete Rankin an den Minister für die Kolonien die Frage gerichtet, ob die Bestimmung, daß Palästina,-Touristen zwecks Sicherung ihrer Wiederausreise eine Kaution erlegen müssen, auf alle Touristenkategorien Anwendung finden soll. Für den Kolonienminister antwortete Malcolm Mac- Donald: Es ist beabsichtigt, diese Bestimmung nur bei Palästina-Besuchern anzuwenden, die nicht 1. Klasse reisen und aus Polen, Deutschland, Rumänien, Bulgarien und einigen anderen Ländern in Osteuropa und Zentralasien kommen. * Bemerkung der Red. In Oesterreich wird die Vorschrift auch gehandhabt, obzwar dieses Land weder in Osteuropa noch in Zentralasien liegt. Das britische Kolonialministerium scheint in Geographie nicht ganz gut beschlagen zu sein. Inda verrecke" — in London // Aus London: In einem Park im Zentrum Londons haben unerkannt gebliebene Täter, offenbar antisemitische Faschisten, ein 1 5 F u ß hohcsHakenkrouz mit der Inschrift „Perish Judeal" errichtet, es mit in Petroleum getränkten Fetzen umwickelt und angezündet, wodann „Perish Judea" (Juda verrecke!) weithin sichtbar wurde. Es war dies der erste Fall eines derartigen antisemitischen Bubenstreiches in England. Polizei und Zivilisten löschten den Brand und brachten die Uoberbleibsol des Hakenkreuzes zur Polizei- Htatioij, um durch sie die Urheber feststellen zu können. Es meldeten sich freiwillig Passanten, die aussagten, sie hätten uniformierte.Faschisten, mit Hakenkreuzen geschmückt, in einem Lastwagen, das zu verbrennende Hakenkreuz mit sich führend, gesehen. Aus Manchester wird berichtet, daß dort die antisemitischen Taschisteu immer frecher werden. Aehnliche Meldungen kommen aus Leeds, wo die jüdische Gemeinde 30.000 Seelen zählt. In beiden Städten fordern die Faschisten durch Maue ran schlage und Flugblätter zur Austreibung der Juden aus England, wie dies im Mittelalter geschah, auf. Die englischen Zeitungen weisen insbesondere auf die Agitation der rein antisemitischen „Nationalen Vereinigung zum Widerstand gegen j U d i- Bchc Mo n op o 1 be s t r e b u n g e n", die ihren Sitz In Liverpool hat, hin. Diese Vereinigung wird direkt beschuldigt, mit dem Gelde des deutschen Reichsp r o p a g a n d a m i n i s t e r i u m s zu arbeiten. Die Vereinigung betont in einem Manifest, sie wolle Englands Bevölkerung zum Widerstand gegen die jüdische n Bestrebungen erziehen. Die englische Presse fordert dlo Regierung auf, rechtzeitig Schritte zu unternehmen, um die Versuche des Berliner Reichspropagandaministerlums, auf diese Weise in England Boden zu fassen, Im Keim zu ersticken. <; Aus London berichtet unser Mitarbeiter: Die neue Form der antisemitischen Propaganda in England, insbesondere im Londoner Judenviertel, E a s tend, hat die Entrüstung der Juden und zahlreicher Nichtjuden hervorgerufen. Eine ganze Flut ketzerischer Flugzetteln war in den letzten Tagen auf der Eastend verbreitet. Viele Fenster, Wände und Türen jüdischer Geschäfte und Häuser waren mit diesen Zetteln beklebt. Der Inhalt dieser Zettel lautet wie folgt: Engländer! Erlaubt nicht, daß sich Juden an weiße M ä d e h e n anschließen. Wählet keine Juden ins Parlament! Der Völkerbund ist eine Organisation von Juden, die Welt zu kontrollieren. Erotische Filme sind stets jüdisch. Die Friedenskonferenz war eine jüdische Konferenz. Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet ,Three Stars1 Kohle Koks Anthrazit mmammmm höchster Qualitäten ■■■■■mm Basdi, IV >gentimersjraße 22 * Tel, Serie 11-47-5-40 Nächste Nummer erscheint Dienstag früh Preis 10 Groschen VORANZEIGE Jüdische Volfapartei für Oesterreich Großer Vortragsabend am 14. Februar um ll2Q Uhr abends im Hotel Continental, II, Taboistraße, über: Lage des* Juden in aller Welt— Der jiidasdie Wellkongreß Referent! Oberbaiirat Robert Stricker Seid nicht so verrückt, eure Politik von Juden kontrollieren zu lassen! Einzelne Klebzettel schlagen einen noch schärferen Ton an, z. B.: Der Krieg ist von Juden hervorgerufen worden ebenso wie der Frieden. Die rote Fahne ist die jüdische Fahne! Die Zettel werden jetzt gesammelt und der Polizei übergeben. Gövinq in der „Morning Post" Aus London: „Morning Post" bringt nun den zweiten Artikel aus Görings Serie „Wiedergeburt Deutschlands". Göring schreibt: „Der Jude ist so recht in seinem Element, wenn er lügt, Greuel geschienten braut, aus sicherer Entfernung Schmutzkübel gegen Land und Leute wirft, deren Gastfreundschaft er jahrzehntelang genoß. Die anständigen Juden haben es ihren eigenen Rassegenossen zu danken, wenn sie ihnen gleich behandelt werden. Sie sollten ihre Proteste an die jüdischen Organisationen im Ausland senden, die die Hauptrolle in dem Greuelfeldzug spielen." „Unsere Anklage gegen die Juden gründet sich nicht nur darauf, daß die Rolle, die sie in jedem Berufszwei» spielten, in gar keinem Verhältnis zu ihrer Zahl stand; daß sie sich zu den Herren des Finanzkapitals gemacht hatten; daß sie Wucher und Korruption in weitem Maßstabe trieben; daß sie Deutschland das Blut aus den Adern sogen; daß sie das Verbrechen der Inflation auf sich luden und mitleidlos ihre wirtschaftlich schwächeren deutschen Gastgeber erdrosselten; — nein, unsere Hauptanklage gründet sich darauf, daß die Juden den Marxisten und Kommunisten die Führer stellten, daß sie die Redaktionen der umstürzlerischen und verleumderischen Zeitungen besaßen, die all das, was uns Deutschen heilig ist, mit Gift und Haß beschmierten." „Was Wunder, wenn das deutsche Volk, von gerechtem Zorne ergriffen, diesen Parasiten und Bedrückern nicht weiter gestattete, den Herrn zu spielen. Die Judenfrage ist noch nicht ganz gelöst. Was bisher geschehen, ist nichts als Abwehr des Volkes gegen Ruin und Korruption der jüdischen Rasse. Von diesem Gesichtspunkt betrachtet, ist die Revolution völlig geordnet und unblutig verlaufen." „Morning Post" erklärt, daß sie sich auch mit diesen Ausführungen Görings nicht identifiziert, sondern durch die Wiedergabe seiner Artikelserie, einen Einblick in den Seelenzustand Nazi-Deutschlands gewähren will. Das Urteil der „Morning Post" Die „Morning Post" schließt die von ihr gebrachte Artikelserie des deutschen Nazigenerals Goering mit An alle Palästinafflnteressenten 5 Das offizielle Propagandabüro der Stadtgemeinde Tel-Awhv veranstaltet am 19. März 1984 eine Osterreiso nach Palästina mit dem Luxusschiff „Vulcania" und am 17. April 1934: die offizielle Messereise der. Oesterreichischen Kollektiv-Ausstellung auf der I^evante-Messe in Tel-Awiw unter dem Protektorate der Handels- und Gewerbekajnmer. Für den Luxusdampfer „Conte di Savoia" am 21. Februar werden für die noch wenigen vorhandenen Plätze Buchungen entgegengenommen. Comnass Tours* Wien, IX., SpitalgasM «, Tel.