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Die neue Welt · 1934-01-30 · Heft 336 (30.1.1934) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 336 (30.1.1934)
Date
1934-01-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 336 DIE NEUE WEL v Seite 9 ' Aufediwung der Palä§ti'na4ndu§trie Aus Jerusalem wird uns berichtet: Während früher da« nach Palästina eingewanderte Kapital vornehmlich dem Häuserbau, der Orangenwirtschaft und Handelsgeschäften diente, wendet es sich jetzt in immer steigendem Maße Industriegründungen und der Ausgestaltung bereits bestehender Werkstätten und Fabriken zu. In den letzten sechs Monaten sind über 100 neue Fabriken und Werkstätten eröffnet worden. 35 weitere große Betriebe stehen vor der Vollendung. Zu den Erzeugnissen, die binnen kurzem von den neuen Unternehmungen auf den Markt gebracht werden sollen, gehören Bier, Eisenwaren, Textilien und Fertigkleidung. Es wird ererwartet, daß tausende jüdische Arbeiter in den neuen Unternehmungen Beschäftigung finden werden. Aus Tel-Awiw wird uns berichtet: Die industrielle Entwicklung der Stadt Tel- Awiw hat im Jahre 1933 einen riesigen Aufschwung genommen. Es wurden im Gebiet der Stadt und ihrer Nachbarschaf* in diesem Jahre 63 neue Fabrikationsbetriebe mit einem Grundkapital von über 100.000 Pfund errichtet. Davon entfallen auf die Tex tilindustrie 18 Betriebe, und zwar 11 in Tel-Awiw selbst und 2 In Ramat Gan, mit einem Kapital von Uber 25.000 Pfund. 20.000 Pfund wurden in 17 Metall Verarbeitungsbetrieben investiert, der unge fähr gleiche Betrag in chemischen Betrieben. Neu gegründet wurden ferner neun Fabriken für Baumaterial mit einem Kapital von über 12.000 Pfund 4500 Pfund wurden in Papier- und Druckereiwerkstätten investiert, 4000 Pfund in drei Holz Verarbeitungswerkstätten. Ferner wurden neun Fabriken für verschiedene Arten von Baumw o 11- und Schnittwaren mit einem Kapital von 14.000 Pfund eröffnet. Durchschnittlich entfiel auf jeden Betrieb ein Grundkapital von 1700 Pfund. Die Mindestinvestierungssumme betrug 500, die Höchstsumme 8000 Pfund Das tatsächliche Betriebskapital war bedeutend höher als das Gründungskapital. Von den 63 Neugründungen haben 61 Betriebe ihre Produkte bereits auf den Markt gebracht. Die „ausgebeuteten" Araber In der letzten Nummer der von Adolf Böhm redigierten Zeitschrift „Palästina" findet sich unter dem Titel „Einfluß der jüdischen Kolonisation auf die arabische Wirtschaft" folgende Uebertragung aus der englisch-palästinensischen Tageszeitung „Palestine-Post": „Seit Mitte 1932 haben die Araber 15.0 00Dunam Zitrus neu bepflanzt und weitere Flächen sind in Vorbereitung. Die Gärten befinden sich in der Umgebung von Kalkilya, Saraiend, Ramie, Kfar Anna, Tul Kann und im Süddistrikt. Teilweise stammen die Gelder für diese Anlagen aus dem Verkauf von überflüssigen Bodenflächen an die Juden, oder aus Entschädigungen von Juden, oder aus guten Verdiensten vom Verkauf von Produkten auf den jüdischen Märkten. Seit Anfang des Krieges bis Beginn 1932 haben die Araber 55.000 Dunam mit Zitrus bepflanzt. Die arabischen Pächter haben sich jetzt auch solchen Distrikten zugewendet, die bisher als u n f r u c h tb a r bezeichnet worden waren: 5000 Dunam Wein, Oliven und Fruchtbäume sind bei Jerusalem, Nablus und Nazareth gepflanzt worden, deren Früchte hauptsächlich an Juden verkauft werden. In den arabischen Dörfern bei Tel-Awiw und in Scheich Munis, Safria, Lydda, Ramien und Gaza hat der Gartenbau infolge des stark gestiegenen Bedarfes der Juden an deren Produkten ungemein zugenommen. Die Volkszählung vom November 1932 bezeugte, daß die arabische Bevölkerung nur dort stark zugenommen hat, wo die Juden siedeln. Diese Tendenz hat auch seither vorgeherrscht. Die Hypothekendarlehen in Jaffa sind von 1931 auf 1932 fast um 50 Prozent gestiegen. (101.500 gegen 76.150 Pfund.) Der Wert der Immobilien hat sich in den Gegenden, wo die Juden siedeln, vermehrt, in den anderen vermindert. Die Arbeitslosigkeit ist nicht genau zu erfassen und die Ziffern der Regierung sind ungenau, weil sie auch Leute umfaßt, die Gelegenheitsarbeiter sind und die einigen Besitz haben. Immerhin hat selbst nach den Ziffern der offiziellen Statistik die Arbeitslosigkeit unter den Arabern um 40 Prozent abgenommen, trotz des starken Zustromes von Arbeitern aus dem Hauran und Trans jordanien. Die Erhöhung des Regierungsbudgets für Sanität und Unterricht, das in den letzten zwei Jahren 70.000 Pfund beträgt, kam nur den Arabern zugute, ebenso die 29.000 Pfund des landwirtschaftlichen Budgets. Die arabischen Städte und der oberste moslemische Rat erhielten große Subventionen. Nur die Fellachen haben ihre Lage nicht verbessern können, teils wegen der anhaltenden Dürre, teils wegen der drückenden Schulden an den Grundherrn. Die Regierung könnte ihnen dank der riesigen Einnahmen aus Zöllen und anderen von der jüdischen Einwanderung herrührenden Posten die Oschersteuer fast ganz nachlassen. (Der Nachlaß betrug bisher */a Million Pfund.) Die Regierung gab aus ihren großen Ueberschüssen mehreren arabischen Dörfern Gelder zur Einführung der Bewässerung." * Diese Zahlen bilden eine richtige Illustration des jetzt von Antizionisten so oft behandelten Kapitels von der „Ausbeutung und Verdrängung „des armen arabischen Volkes in Palästina durch die gierigen unbarmherzigen Juden". Jüdisches Geld wird direkt genommen oder auf dem Umwege über die Regierungskassa, welche von den jüdischen Zoll- und Steuerzahlern gefüllt wird. Aber da gibt es auch noch Juden, welche den Zionismus ablehnen, weil man den armen Arabern nicht weh tun darf. Die schönste Palästina-Relso führt über Rom und Neapel mit dem „Conte di Savoia" zu Purim nach Tel-Awiw. Billige Pauschalpreise von S 580.— aufwärts. Verlangen Sie Prospekte vom Reisebüro „Marienbrücke" (Palästina-Dienst, Leitung Berta Taubes), Wien, I., Rotenturmstraße 26, Tel. R-24-2-86 u. R-24-2-87. E Broitfelav Huberman in Palästina Aus Tel-Awiw: Der berühmte Geiger Bronislav Huberman, der in Tel-Awiw ein Konzert gab, wurde auf dem Podium vom Bürgermeister Mayer Dizengoff begrüßt, der dem Künstler für sein mutiges Eintreten für die verfolgten jüdischen Künstler in Deutschland, das in seinem berühmten Absagebrief an den deutschen Staatskommissär Furtwängler zum Ausdruck gekommen ist, dankte. Auf einem Bankett zu Ehren des Künstlers antwortete Huberman mit einem Bekenntni s zum jüdischen Palästina. Weitere 21 Grundstücke im Gebiete der Haifa-Bucht zugeteilt Aus Ha i f a : Der Beirat des Jüdischen Nationalfonds und der Palestine Economic Corporation hat weitere 21 Ansuchen um Zuteilung von Grundstücken in der Industriezone des Gebietes an der Haifa-Bucht (Emek-Sebulun) bewilligt. Auf den zugeteilten Grundstücken werden Industriebetriebe errichtet. Wunder über Biro-Bidsdhan Sowjetrußland setzt die Potemkinsche Tradition fort. Die Menschen, welohe dieses Land besichtigen, bekommen eine Dosis Bluff vorgesetzt, eine Dosis eigener Unkenntnis tritt hinzu. Und sie alle, die Experten, Fachleute, Politiker, Literaten, wissen Wunder zu erzählen. Ein interessanter Besucher Rußlands, beziehungsweise der „Judenrepublik" in Biro-Bidschan, ist der gewesene liberale Minister und jetzige Vizepräsident des englischen Oberhauses Lord M o r 1 e y. Zwischen ihm und einem Pressevertreter in London hat sich ein Frage- und Antwortspiel begeben, das die Urteilskraft Morleys in nicht gerade schmeichelhaftem Licht erscheinen läßt. Bezüglich der Erklärung der Sowjetregierung, den jüdischen Flüchtlingen aus Deutschland gute Territorien anzubieten, äußerte sich Morley sehr günstig, indem er behauptete, daß es fruchtbare Landstriche in Biro- Bidschan für diesen Zweck gebe. Es bestehe auch juristisch keinerlei Begrenzung für eine jüdische kolonisatorische Tätigkeit, und die Möglichkeiten für jüdische Ansiedler seien unbegrenzt. Herr Morley erzählte auch das, was seit fast einem Jahrzehnt durch die Weltpresse geht, daß nämlich gelernte Handwerker und Landarbeiter mehr Chancen haben als Akademiker. Das Interessanteste aber, das Lord Morley den Pressevertretern in London zu erklären weiß, bezieht sich auf die Ernähungsverhältnisse. „Im letzten Winter", läßt sich Herr Morley vernehmen, „gab es einige Ernährungsschwierigkeiten, während es jetzt an Lebensmitteln, wie Brot, Fleisch und Fisch, nicht fehlt. Jeder Arbeiter bekommt im Sommer eineinhalb Liter Milch täglich. Ich habe zusammen mit den Arbeitern in zwei Kollektiven gegessen. Auf den Tisch kamen Suppe, Gemüse, Fisch, Kartoffeln, Huhn, Tee, Honig, Milch und E i e r". Beim oberflächlichen Leser könnte diese Schilderung den Eindruck erwecken, als ob Biro- Bidschan ein Land wäre, wo Milch und Honig fließt. Aber die Wirklichkeit spricht eine etwas weniger lukullische Sprache. Wir erinnern an die zahlreichen Jammerbriefe sowjetrussischer Biro-Bidschan-Kolonisten, die von nichts anderem erzählten als von Hunger und Elend, das zum Beispiel jüdische Mädchen zwingt, um eines Stückchen Brotes willen der Prostitution anheimzufallen, von Sumpffieber, Krankheit und Siechtum. Wie unrichtig aber Lord Morley informiert ist, ersieht man daraus, daß er von 20.000 angesiedelten Juden spricht, während die russische Regierung selbst gestehen muß, daß ihr unter den größten Schwierigkeiten die Ansiedlung von bloß 7000 Juden geglückt sei Lord Morley hat also den Pressevertretern mehr Dichtung als Wahrheit vorgelegt, wahrscheinlich hat man dem englischen Lord Morley genau so ein Potemkinsches Dorf vorgeführt wie seinerzeit dem englischen Dichter Bernhard Shaw, Palästina mit den vorzüglichen, großen Salonschiffen der direkten Eillinie TRIEST—JAFFA des LLOYD TRIESTINO Abfahrten Jeden Mlttwooh um ISühr Ferner: Luxuseillinien nach Athen, Istanbul, Alexandrien, Bombay, Ceylon* Singapore, Shanghai Schnellste Schiffe Höchster Komfort Ausk.: Lloyd Trlestlno, Wien I, Kflrntnerrlng 6, Tel. IM7-M0 RUNDSCHAU Neue§ vom Hitler - Rabbiner Der in unserem Blatte erschienene Artikel über den als Rabbiner aus Breslau und Präsidenten der Rabbinerschule in Miron (Palästina) zeichnenden Herrn J. M. Mortenfeld, der ganz im Geiste der Hakenkreuzler gehaltene Briefe gegen den antideutschen Boykott an viele Wiener Juden richtete, hat uns eine Fülle von Zuschriften gebracht. In einer Zuschrift aus Kreisen der Wiener Flüchtling shilfe wird festgestellt, daß Mortenfeld, der sich religiöser Führer deutscher Juden nennt, nie Rabbiner in Deutschland war. Er ist in Kucow (Polen), geboren, dorthin zuständig, kam vor zehn Jahren nach' Deutschland und richtete sich in Breslau ein kleines,, privates Bethaus „Jereim" ein. Am 28. Juli 1933 kairi er nach Wien und gab bei der Flüchtlingsstelle, an die er sich um Beistand wandte, protokollarisch an, daß er wegen Lebensgefahr aus Deutschland flüchten mußte. Wenn er jetzt für die Sache Hitlers agitiert, so scheint er in der Zwischenzeit für die ausgestandene Angst vor den hakenkreuzlerischen „Mördern" von diesen selbst ausreichend und in klingender Münze entschädigt worden zu sein. Am wichtigsten ist der uns jetzt vorliegende Brief der Jeschiwah in Miron, in welchem erklärt wird, daß Mortenfeld niemals mit der Leitung dieser Schule weder direkt noch indirekt das geringste zu tun hatte. Wohl hat er sich um die Ermächtigung beworben, für die Schule in Europa Geld zu sammeln. Er hat wohl diese Ermächtigung, aber die Schule nicht einen Groschen vom Ertrage seiner Sanimlungen erhalten. Aus Tri est wird uns geschrieben: Der in Ihrem Blatte gekennzeichnete Herr Mortenfeld hält sich auf der Durchreise nach Palästina hier auf. Die Kunde Ihres Blattes vom Hitler-Rabbiner ging wie ein Lauffeuer durch das zionistische Triest. Zirka 30 junge Zionisten aller Parteirichtungen stürmten zum „polnischen Minjan", wo Mortenfeld als „Wunderrabbi" auftritt und „predigt", um ihn zu verjagen. Mit Mühe gelang es, Gewalttätigkeiten zu verhüten. Die Leute vom polnischen Minjan erklärten, nach Erhalt näherer Informationen das „Wegjagen selber besorgen zu wollen". Nun sind die näheren Informationen da. Herr Hitler weiß, an welche Juden er sich zu halten hat. Goebbels siegt in Kairo Aus Kairo: In diesen Tagen fand vor dem Internationalen Gericht in Kairo die Verhandlung über die Klage des jüdischen Beamten Umberto Jabes gegen den nationalsozialistischen Deutschen Klub, der antisemitische Broschüren des Reichspropagandaministeriums in Aegypten verbreitet hat, wodurch sich Jabes als Jude geschädigt fühlt, statt. Der Anwalt Jabes', Dr. Castro, begründete die Klage damit, es sei Pflicht des Internationalen Gerichts, alle Schichten der ägyptischen Bevölkerung in ihrer Ehre und ihren Interessen zu schützen, und erinnerte an das historische Faktum unter der Herrschaft des englischen Königs Georg II. (1727 bis 1760). Damals hat ein englischea Gericht der Klage eines Mitglieds der Jüdischen Gemeinde gegen die Verbreiter eines antijüdischen Pamphlets stattgegeben und damit anerkannt, daß jeder jüdische Einzelmensch berechtigt ist, für die Beleidigung der jüdischen Gemeinschaft Satisfaktion ztf fordern. Als Präsident des Deutschen Klubs war Herr von Mettern angeklagt, dem der Landesleiter der ägyptischen Nationalsozialisten Heß, ein Bruder des Stellvertreter Hitlers in Deutschland, Rudolf Heß, und alf Verteidiger Professor Grimm, Dahm und Kamel BeJP Sidky zur Seite standen. Castro richtete an den StMtt»

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