Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 335 (26.1.1934)
- Date
- 1934-01-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 335 DIB NEUE WELl Seite 5 derheitenkongresses in Bern zum Austritt der jüdischen Gruppen und zur Niederlegung des Mandats seitens Leo Motzkins im Vollzugsausschuß geführt haben, bringen. Wie der JTA.-Vertreter von anderer Seite erfährt, wird in der ersten Hälfte des Februar auf Veranlassung Dr. N. Goldmanns, des Vorsitzenden des Comit6 des Delegations Juives, eine Beratung der früheren Vertreter der jüdischen Minderheiten auf dem Minderheitenkongreß stattfinden, die über eine definitive Stellungnahme zu den erwähnten Vorgängen, eventuell über den endgültigen Austritt der jüdischen Gruppen aus dem Minderheitenkongreß, zu beschließen haben wird. Hermann Bahr über den Judenhaß Der vor kurzem verstorbene Dichter und KuJtur- und Gesellschaftskritiker Hermann Bahr hat noch 1894 in Berlin eine Schrift „Der Antisemitismus. Ein internationales In terview" veröffentlicht, in der er Politiker, Gelehrte, Künstler und Schriftsteller verschiedener Nationen zu Worte kommen ließ, die ihre Ansichten über den Antisemitismus kundgaben. In der Einleitung zu der Schrift gab Hermann Bahr eine Definition des Antisemitismus, den er als eine „Narkose des Hasses" bezeichnete, der zumeist Leute verfallen, die der Leidenschaft der Liebe ermangeln. * „Der Antisemitismus", so schreibt Hermann Bahr, „will nur sich selber. Er ist nicht etwa ein Mittel zu einem Zweck. Der einzige Zweck des Antisemitismus ist der Antisemitismus. Man ist Antisemit, um Antisemit zu sein. Man schwelgt in diesem Gefühle. Es liegt an der Zeit, daß, um die welken und verwüsteten Nerven zu montieren, künstliche Reize begehrt sind. Den holden Rausch, den sonst der den Massen jetzt verlorene Glaube und die entwichenen Ideale gaben, sollen sie ersetzen. Die Reichen halten sich an Morphium und Haschisch. Wer sich das nicht leisten kann, ist Antisemit. Der Antisemitismus ist der Morphinismus der kleinen Leute." Hitlers „Völkischer Beobachter" schreibt zum Tode Hermann Bahrs, er, Bahr, der mit der jüdischen Sängerin Mildenburg verheiratet war, sei in seiner Glorifizierung jüdischer Geisteswelt „W a h 1 j u d e" gewesen. Movdbrudersdiafft Aus Berlin: In der von der deutschen Regierung1 ausgegebenen „Außenpolitischen Umschau" schreibt der Regierungskommissär von Leers über die Ermordung des rumänischen Premiers Duca wörtlich: „In Rumänien wurde auf dem Bahnhof in Sinaia der rumänische Ministerpräsident Duca von dem Mitglied der von ihm zu Unrecht verbotenen judenfeindlichen Eisernen Garde, Constantinescu, durch Revolverschüsse getötet. Eine wüste Verfolgung aller Judengegner ist jetzt in Rumänien eingetreten; über 1200 Angehörige der Eisernen Garde sind verhaftet, darunter ihr Führer, der Frontkämpfer Codreanu; sein greiser Vater wurde bei Ploesti durch Judenbestien ermordet. In Rumänien herrscht nicht ohne eine Einwirkung der .Esther von Rumänien', der jüdischen Geliebten des Königs Carol, Madame L u p e s c u, eine nur mit den Greueltaten der Juden im biblischen Buch Esther zu vergleichende Verfolgung der volksbewußten Rumänen." (Die Meldung, daß der Vater Codreanus „durch Judenbestien ermordet" wurde, hat sich Herr von Leers ausgedacht; die Wahrheit ist, daß der alte Codreanu nach dem Mord an Duca in Haft genommen worden ist. Ueber Madamae Lupescu meldeten die Zeitungen, daß sie Rumänien schon vor einiger Zeit endgültig verlassen hat.) Die Verschwörung der „Eisernen Garde" Aus Bukarest: Die Untersuchung in der Angelegenheit des Mordes an dem Ministerpräsidenten Duca hat ergeben, daß der feste Plan bestand, eine radikal - antisemitische Regierung der „Eisernen Gard e" einzusetzen. Zum Präsidenten war Zelea Codre-* anu, zum Außen- und Innenminister General Zizi Cantacuzino, zum Unterrichtsminister der Direktor des Pogrom- Blattes „Calendaru 1", Crainic, ausersehen. Alle bei den Eisengardisten vorgefundenen Waffen sind deutschen Ursprungs, die Gebrauchsanweisungen sind in deutscher Sprache abgefaßt. IflNOPROGRAMME 1%_DIESER WOCHE_ KREUZ-KINO 1 Wo»734.2-i6 Vom 26. Jänner bis 2. Februar 1934 „Simone kann nicht anders" mit Mag Lamonnier und Henry Garat Sonn- und wochentags: 4, 5.45, 7.30, 9.15 Uhr SCHWEDEN-KINO Vom 26. Jänner bis 2. Februar 1934: „Weib auf der Folter" mit Nancy Caroll und Cary Graut Beginn wochentags: */45, 7, */t10 Uhr, Sonntags ab 3 Uhr AUS PALÄSTINA Großer palästinensischer Orangenexport Aus Jaffa: Der Oltrusexport aus Palästina hat in dieser Saison bis zum 7. Jänner die Höhe von 1,608.872 Kisten erreicht. Der Hauptteil des Exports betraf Orangen. Außerdem wurden 115.600 Kisten Orape Fruits und 13.200 Kisten Zitronen verladen. In einer einsigen Woche, vom 30. Dezember bis zum 6. Jänner, wurde Uber eine Viertelmillion Kisten exportiert. Der Hauptteil des Exports ging Uber den Hafen Jaffa. Aus England wird berichtet, daß die Jännersendungen auf dem dortigen Markt gute Preise erzielen konnten. Großer Erfolg einer Spezialfabrik in Palastina Der Industriellen-Verband Palästinas teilt uns mit: Eine Erhöhung ihrer Arbeiterzahl von 6 0 auf 200imLaufedes Jahres 1933 meldet die American Porcelain Toot Co. Ltd., in Tel-Awiw. Diese Fabrik für künstliche Zähne wurde vor einigen Jahren von Amerika nach Palästina verlegt, wobei das gesamte Rohmaterial auch weiterhin von Amerika importiert wird. Die Oeschicklichkeit der jüdischen Arbeiter und die modernen Fabrikationsmethoden, haben diesem Betrieb ermöglicht, seine Erzeugnisse in besonders guter Qualität wohlfeil herzustellen, so daß mehr als 9 0 Prozent der Erzeugung nach dorn Ausland geht. Zu den 56 Ländern, wo der Absatz der Porzellanzahne aus Palästina gute Fortschritte gemacht hat, zählen auch dentistüsch anspruchsvolle Länder, wie England, Schweden und Kanada. In einigen Ländern des britischen Reiches stammt bereits ein großer Teil der überhaupt abgesetzten künstlichen Zähne aus Palästina. lieber die Aussichten im Handelsberuf In einem umfassenden Artikel über Berufsmöglichkeiten in Palästina schreibt der wirtschaftliche Fachmann Dr. Paul Arnsberg (Tel-Awiw) im Hamburger „Isr. Familienblatt" u. a.: „Gerade jetzt wird eine Statistik bekannt, nach der in Palästina 18,3 0 Prozent Menschen im Handel beschäftigt sind. Handelsberufe sind also überbesetzt. Neue Einwanderer, die aus kaufmännischen Berufen kommen, müssen deshalb damit rechnen, unter allen Umständen in andere Berufe zu gehen. Nur in einzelnen Fällen mag eine gewisse Chance bestehen. Sie liegt nicht in der guten kaufmännischen Ausbildung des Bewerbers, sondern in seiner Sprachbefähigung. Ist der deutsche Jude an sich schon nicht sprachbegabt, so tritt dieser Mangel besonders kraß In Erscheinung, wenn man sich die Sprachgewandtheit der hiesigen Bevölkerung vor Augen hält. Die Fälle sind außerordentlich häufig, daß ein einzelner Angestellter sechs bis sieben Sprachen perfekt beherrscht. Die sehr häufige. Versicherung des Bewerbers, er werde sich „rasch einarbeiten", ist wertlos. Denn bei voller Beschäftigung findet man nur schwer noch genügend Zeit, um so gut Hebräisch zu lernen, daß es für kaufmännische Korrespondenz ausreicht. Es mag schließlich für Zwecke der Konversation gehen, aber nicht für mehr. Auch die häufig vorhandenen englischen Schulkenntnisse reichen für hier nicht aus. Nur wer erstklassig qualifiziert ist und erstklassige Sprachkennt.nisse besitzt, hat eine Chance. Die Auffassung, Hebräisch habe nur eine „national-ideologische" Bedeutung, ist — zumindest für den palästinensischen Alltag — falsch. Im Wirtschaftsleben ist Hebräisch eine nicht genug zu überschätzende reale Macht. Wer Geld nur ausgibt, mag sich jiddisch oder deutsch radebrechend verständigen; von demjenigen aber, der als Arbeitnehmer Geld verdienen will, wird weitgehende Kenntnis des Hebräischen verlangt." Autobusverkehr Jerusalem—Tel-Awiw—Beirut Aus Jerusalem: Eine zu gleichen Teilen aus jüdischen und arabischen Teilhabern bestehende Autobusgesellcshaft eröffnet demnächst einen direkten Verkehr zwischen Jerusalem, Tel-Awiw und Beirut. Durch die Eröffnung der neuen Linie werden die Kosten des Personenverkehrs zwischen Beirut und Jerusalem um über 50 Prozent gesenkt. Statt wie bisher ein Pfund wird die Reise nur noch neun Schilling kosten. Aufbaukredite für deutsch-jüdische Palästina-Einwanderer Aus Jerusalem: Die Tageszeitung „D o a r Hayom" erfährt, daß die Jewish Agency mit der Bank Zerubabel. dem zentralen Finanztnstrument der jüdischen Kreditkooperativen Palästinas, und mit der Bank des Industriellenverbandes in Tel-Awiw eine Vereinbarung getroffen hat, dahingehend, daß besondere Mittel zur Gewährung von Aufbaukrediten an deutschjüdische Einwanderer zur Verfügung gestellt werden. Kredite werden nur zum Zwecke der Errichtung neuer Fabriken und Werkstätten gegeben. Für ihre Rückzahlung wurden günstige Bedingungen festgesetzt. „Der Morgen" mit der sensationellen Gratisbeilage in Tiefdruck das „Moment-Magazin" ist das führende Montagblatt Wiens. Es bringt die ausführlichsten Berichte aus dem In- und Auslande auf politischem und volkswirtschaftlichem Gebiete, in Theater und Sport. Bestes Insertionsorgan für alle Branchen. Große PreisauMfchreiben. „Reisebüro larieiMke" Wien I, RotentarmstraBe 26jei mm/v Vom 15. Febr. PKrakau . Rn ^^u. retour |sj}|J4» LIMBERG o PASS u. VISA GRATIS PLATZKARTEN L bis 4. März E u. retour N 80/ WARSCHAU u. retour 87.- Misrachi zieht seine Vertreter aus der politischen Kommission zurück Aus Jerusalem: Auf der letzten Sitzung der Exekutive des Misrachi-Weltverbandes wurde nach Entgegennahme von Berichten Rabbi Meir Berlins und H. Farbsteins über die ersten Beratungen des vom Waad Leumi geschaffenen außerordentlichen politischen Komitees des Jischuw beschlossen, zu den, weiteren Sitzungen dieses Komitees solange keine Vertreter mehr zu entsenden, als nicht die Beteiligung aller Parteien der palästinensischen Judenheit an der Kommission zugestanden und dieser das Recht, endgültige Entscheidungen zu treffen, eingeräumt werden würde. * Erläuternd sei bemerkt, daß die Arbeiterpartei, welche den Jüdischen Nationalrat (Waad leumi) beherrscht, die Fernhaltung ihr nicht genehmer Parteien von der Kommission durchgesetzt hat. Der Schritt des Misrachi bedeutet auch eine neuerliche Kundgebung gegen die zionistische Exekutive, in welcher die Arbeiterführer Ben Gurion und Shertok ausschlaggebenden Einfluß ausüben. Reitsport in Palästina Aus Tel-Awiw: Zur Förderung des Reitsports in Palästina wird der auf ein Jahr beurlaubte jüdische Rittmeister der Schweizer Armee Felix E. O o 1 d m a n n demnächst in Tel-Awiw eine moderne Reitschule einrichten. Später sollen auch in Haifa und Jerusalem gleichartige Institute geschaffen werden. Rittmeister Goldmann, der an den Reitkonkurrenzen in Olympia, Hurlingham, Ranelagh und an anderen Reitturnieren hervorragend mitgewirkt hat, wird seine Kurse nach den Regeln der neuesten italienischen Heeresreitschulmethoden organisieren. April 1935 s Zweite Makkabiah Aus London: Die Zweite Makkabiah wird im April 1935 in Palästina stattfinden. Am 1. Jänner 1934 ist in London ein Makkabiah-Hauptbüro eröffnet worden. Das Sportprogramm der Makkabiah wird in aller Kürze bekanntgegeben werden. Der Makkabi-Weltverband, welcher die nationaljüdischen Turn- und Sportvereine in aller Welt umfaßt, erläßt folgenden Aufruf: Der Zweiten Makkabiah entgegen l Makkabim! Im April 1935 soll in Palästina die Zweite Makkabiah stattfinden. In einer Zeit großer jüdischer Not rufen wir Euch auf, Euch zur Zweiten Makkabiah zu rüsten. Anders als das erstemal klingt uns heute der Name Makkabiah. Unvergeßlich sind die leuchtenden Festtage der Makkabiah von 19 3 2 in unserer Erinnerung verwurzelt. Seither hat unser Volk schwere Tage erlebt. Eine neue Epoche jüdischer Wanderung hat eingesetzt. Wieder befindet sich unsere tausendjährige Geschichte in einem Stadium der Umwandlung. Wie ein Magnet aber zieht ein Land die Besten der in Bewegung geratenen jüdischen Volksmassen an: Erez Israel! Die Makkabibewegung ist in ihr entscheidendes Stadium getreten. Unsere Verknüpfung mit unserem Lande wird täglich inniger. Die Besten aus unseren Reihen gehen hinüber und tragen die Makkabi-Idee in den Aufbau. War die Erste Makkabiah ein Fanal zum Aufbruch, so wird die Zweite Makkabiah ein Ruf zur Sammlung sein. Das erstemal empfing uns der Jischuw mit Staunen und Verwunderung, das zweitemal erwartet er uns mit Wiedersehensfreude und gespannter Erregung. Das erstemal haben wir uns selbst beweisen müssen, daß wir ein Weltverband des jüdischen Sportes sind, das zweitemal müssen wir den anderen zeigen, daß wir die Kerntruppe der nationalen Disziplin und nationalen Sammlung sind. Die Zweite Makkabiah muß viel größer und viel schöner als die Erste werden. Deshalb rufen wir Euch auf, mit allen Kräften die Vorbereitungen zu beginnen, um die Zweite Makkabiah Wirklichkeit werden zu lassen. Makkabim! Wir wissen, daß wir uns auf Euch verlassen können. Die Zeit ist kurz. Unsere Lage ist schwer. Die Not ist groß, und viele von uns werden bedrängt von den Sorgen des Alltags und dennoch: Unser Glaube an unsere Kraft und unser Werk ist riesengroß! Jedes neue Hindernis verdoppelt unsere Energie. Mit zusammengebissenen Zähnen, mit Ernst und Entschlossenheit, aber mit dem tiefen Gefühl des Glückes, mithelfen zu dürfen am Aufbau unserer Heimat, an der Sammlung unseres Volkes und der Erziehung unserer Jugend, gehen wir der Zweiten Makkabiah entgegen. Schließt die Reihen! Rüstet Euch! Bereitet den Weg zur Zweiten Makkabiah! Sichru, ki et schem Jehuda Hamakkabi atem nossim! Lord Melchett; Dr. Hermann Lelewer; Die Exekutive des ""'ak kabi we Itverbandes. * Die Erste Makkabiah, die erste jüdische Sportolympiade fand in de*- Zeit vom 28. März bis fr. April auf dem Boden Palästinas im eigeu« erbauten Makkabi-Stadion in Tel-Awiw statt. 5000 jüdische 3portler aus allen Ländern nahmen an ihr teil. 30.000 Gäste wohnten ihr bei.