Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 335 (26.1.1934)
- Date
- 1934-01-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 335 DIE NEUE WELT Seite 3 POIEN! BILLIGE SONDERFAHRT nach______ Abfahrt: 15. F«ber 1994, Rückfahrt: 4. MB» 1994 Wien—Krakau CA Wien—Lemberg AA und retour S 3Wi" und retour S OVi1" Paß- und Visas;ebühren gratis! Numerierte Sitzplätze in beiden Richtungen, geheizte Pullmanwagen «Polnisches Verkehrsbüro, <■ ia>f ff• B______aj _ | «FRANCOPOL Wien Uli Rennweg Nr. Tel. U-16-4-90 Von den ihoraireuen Zionisfen Die Spannung zwischen Misrachi und Zionistischer Exekutive Schon seit längerer Zeit war sich der Misrachi darüber klar, daß die von der „aufgeklärten" Linken geführte zionistische Exekutive seine religiösen Forderungen ignoriere, ja nicht einmal Verständnis für sie aufbringe. Das provokatorische Verhalten großer Teile der „H istadruth"- Arbeiterschaft gegenüber den Gefühlen der religiösen Zionisten in Palästina hatte bei diesen tiefste Mißstimmung erregt. Der letzte Kongreß, auf welchem der Misrachi seine Beschwerden und Wünsche vorbringen wollte, hatte bekanntlich keine Zeit, sich mit diesen, den Aufbau Palästinas wesentlich tangierenden Fragen zu befassen; denn die linken Delegierten hatten ihre Aufmerksamkeit auf die Einsetzung einer Untersuchungskommission für die Arlosorof f- Mordaffäre, die iüliminierung eines Flügels aus der Z i onistischen Organisation und auf die Niederbaltung der gegen Hitler-Deutschland angestrebten Boykottresolutionen konzentriert. Die letzte Misrachi-Tagung wies bereits im Zusammenhang mit der Mißstimmung der Misrachisten gegen die linke Exekutive schärfste Kampftendenzen auf. Daß der Misrachi nichts anderes anstrebe als die Möglichkeit einer positiven Lösung der religiösen Fragen, bezeugt ein Schreiben, das er am 26. November 1933 an die zionistische Exekutive richtete und hierin folgende Forderungen aufstellte: 1. Sabbattage und jüdische Feiertage gelten als Ruhetage für den gesamten Jischuw. 2. Diesem Grundsatz entsprechend obliegt es dem Jüdischen Nationalfonds, in seine Verträge mit Siedlern auf Nationalfondsboden eine Klausel aufzunehmen, in der als Vertragsbedingung die Einhaltung des Sabbats festgelegt wird. 3. Der Kongreß soll alle zionistischen Parteien, die in Stadt und Dorf öffentliche Küchen und Gaststätten erhalten, sowie die von ihnen erhaltenen oder ihren Namen tragenden Kibuzzim verpflichten, dafür Sorge zu tragen, daß die Kaschruth-Gesetze in diesen Einrichtungen eingehalten werden. (Diese Forderung gilt auch für die Ausbildungsgruppen sämtlicher Parteien in der Diaspora.) 4. Der Kongreß soll allen zionistischen Parteien und Organisationen verbieten, an Sabbat- und jüdischen Festtagen Versammlungen, Ausflüge und öffentliche Spiele zu veranstalten. 5. Der Kongreß beauftragt die Exekutive, von der Palästina-Regierung zu verlangen, daß sie alle im Regierungsdienst oder bei öffentlichen Arbeiten beschäftigten Juden von der Dienstleistung an Sabbat- und jüdischen Feiertagen befreie. 6. Der Kongreß beauftragt die Exekutive, von der Palästina-Regierung die Erfüllung der Forderung des Jischuw nach Ratifizierung einer Sabbat-Schutzverordnung für jüdische Siedlungsgebiete zu verlangen. Die Antwort der Exekutive, die am 8. Jänner 1934 erfolgte; zeigt die Verlegenheit der kompetenten Faktoren und den Versuch, die Sache auf ein Nebengeleise zu verschieben. Es heißt darin, daß die Exekutive die Anträge des Misrachi auf dem Kongreß nicht erledigen konnte, da sie nicht geschäftsordnungsmäßig eingebracht worden seien. Die auf dem Prager Kongreß vollzogene Aenderung sei bloß eine Aenderung betreffs der Zusammensetzung der Exekutive, keineswegs aber hinsichtlich der Stellung der zionistischen Organisation zu religiösen Fragen. (Besonders pikant wirkt in der Antwort der Satz, „die zionistische Exekutive und die Leitung des Fonds seien nicht berechtigt und hätten nicht die Macht, sich in Fragen der Religionsübung seitens der Siedler einzumengen" und sie halte es „für eine Beeinträchtigung und Gefährdung der Ruhe des Jischuw und der Bewegung, des Friedens im zionistischen Werk und der der Gesamtbewegung gemeinsamen Aspirationen, wenn der Versuch gemacht wird, moralische Dinge dem Herzen und Gewissen irgend eines Juden aufzuzwingen.") Wir glauben nicht, daß solch eine Antwort die Bedenken des Misrachi zerstreuen wird, zumal seitens der linken Anhänger der Exekutive bekanntlich ständig der Versuch gemacht wird, politische Dinge dem Herzen und Gewissen tausender Juden aufzuzwingen. Die Geschichte der Faustherrschaft der „Histadruth" bietet hiefür unzählige Beweise. m SBGsriJp ff ^fr***"^ » LEOPOLD JELLINEK ™äVii.BURGGA/SE5 UNDSCHAU Ge§tern Türke/ heute Grieche — nur nicht Jude! Aus Athen wird gemeldet: Im Verlauf einer im griechischen Oberhauso (Senat) stattgefundenen Aussprache wurde auch der Status der Juden von Saloniki erörtert. Der in Saloniki gowählte jüdische Senator Sciaki gab Im Verlauf der Debatte folgende Erklärung ab: „Die Juden Salonikis betrachten sich nicht als Minderheit. Dies geht daraus hervor, daß sie wiederholt von den früheren Regierungen durch Delegationen, Gesuche und Proteste die Aufhebung der besonderen jüdischen, Wahlkuric, einer sie von der übrigen Bevölkerung unterscheidenden Institution, gefordert haben. In dieser Unterscheidung erblickten sie eine Beleidigung ihrer Eigenschaft als gleichberechtigte Bürger. Wir wollen Griechen sein und von den Regierungen als solche betrachtet werden. Wir Juden nehmen Minderhelte nrechte nicht in Anspruch." Die „Renassencla Djoudia" (Jüdische Wiedergeburt), Organ der Zionistischen Vereinigung Griechenlands, wendet sich scharf gegen die Erklärung Soiakls. Wir sind, erklärt das Blatt, eine Minderheit. Wir wollen die Erhaltung unserer Gemeinschaft und den Fortbestand der jüdischen Schulen. Ueber biologische Tatsachen kann man nicht diskutieren, sie können nur festgestellt werden. Vor 450 Jahren sind unsere Väter ins Land gekommen und seitdem haben wir uns mit niemandem vermischt. Wir sind eine nationale Minderheit und wollen es bleiben, well wir damit der Welt einen Wert erhalten. Noch vor zwanzig Jahren gehörte Saloniki zur Türkei. Daraals schlössen sich die Herren Sciaki und Genossen der jungtürkischen Bewegung an und bekannten sich zur türkischen Nation und führten einen heftigen Kampf gegen die Zionisten, weil sich diese zur {Jüdischen Nation bekennten, Jetzt 0in<3 öie am SBMfih» echten Türken ebenso waschechte Griechen geworden. Was werden sie morgen sein? Rumänen, Bulgaren, Serben, alles — nur keine Juden! Hitlerismus in England Jetzt hat sich in London eine dritte antisemitisch-französische Gruppe, die „United British Party",, gebildet, die auch schon in die politische Arena getreten ist und ihren Führer Captain Cecil Serocold S k e e 1 s zu ihrem Kandidaten für das Unterhaus anläßlich der bevorstehenden Ersatzwahl in Cambridge proklamiert hat. Die neue Partei erklärt zwar in ihrem Programm, keine Feindschaft gegen Angehörige irgendeiner „Religion" zu hegen, man weiß aber, daß .Skeels ein waschechter Antisemit ist, der erst in der vergangenen Woche im Nürnberger „Stürmer" einen scharfen Angriff gegen Sir Oswald Mosley, den Führer der "British Union of Fascists", richtete und ihn als ein „Werkzeug in den Händen der Juden", „einen von Juden bezahlten Charlatan" bezeichnete und hinzufügte, Mosley selbst sei jüdischer Herkunft und mit einer Jüdin verheiratet, während er, Skeels, an der Nazi-Arbeit in Deutschland teilgenommen und zusammen mit seinem „Freund" Julius Streicher in zahlreichen Versammlungen auf die jüdische Gefahr hingewiesen hat. Skeels gehörte bis vor wenigen Tagen der antisemitischen „Imperial Fascist League" an und ist nun selbst als Parteigründer aufgetreten. In England hält man Skeels für einen bezahlten nationalsozialistischen Agenten. Fortschrittliche Zeitungen erklären, durch die Existenz dreier faschistischer Gruppen werde der Faschismus zu einer sonderbaren Erscheinung; immerhin erhalte der Faschismus einen starken Impuls durch die Unterstützung, die ihm Lord Rothermere angedeihen läßt, der in einem im „Daily Mail" unter der Ueberschrift „Ein Hurrah den Schwarzhemden!" veröffentlichten Artikel die englische Jugend auffordert, sich dem Faschismus anzuschließen. Rothermere bezeichnet den Faschismus der Mussolini und Hitler als die zukünftige Staatsform JBJrjglaads, Ja einem von der. Presse, gebrachten Intertythfnuyut und *bJu*(uiif, ou^ £Uebcnb<Jußjin imbenMqcnfaiÜdmuK tr$0lgßWM y/-^C ,™ ' * „Conte di Savola", vom 22. Februar bis 7. Mir*: Genua. Neapel. Haifa (Jerusalem). Fort Said (Kairo), Athen, Neapel, Genua. „Roma", vom 22. Februar blt 11. März: Neapel, Athen, Istanbul, Rhodus, Haifa (Jerusalem), Port Said (Kairo), Haifa, Neapel, Genua. „Vulcanla", vom 21. Mürz bis 9. April: Ostern in Palästina Neapel, Palermo, Athen Haifa, Port Said, Haifa, Rhodos, Patras, Palermo, Neapel, Genua. „Roma", vom 5. April blt 23. April: Messe In Tel-Avlv Genua, Neapel, Taormina, Malta, Haifa, Port Said, Rhodos, Athen, Neapel. „Vulcanla", vom 2. Mal bis 20. Mal: Messe In Tel-Avlv Neapel, Palermo, Athen, Beirut, Halft, Port Said. Haifa. Rhodos, Patras, Palermo, Neapel, Cannes. Fahrpreise für die ganze Seefahrt in- _ klusi ve Verpilegung u, Kabine ab S 420.— I TAL ("A' VEREINIGTE FLOTTEN - COSUU CU LINE I.KÄRNTN EBBING 6 - TEL.' U *»7- 5 60 view gibt Skeels zu, persönliche Beziehungen zu Hitler zu unterhalten, erklärt aber, die Judenfrage sei in England anders gelagert als in Deutschland, in England bestehe die Mehrheit der Juden aus Sephardim (Abkömmlinge der aus Spanien und Portugal vertriebenen Juden), die ein besseres Element darstellen, während die Aschkenasim (Abkömmlinge deutscher Juden) wirkliche Unruhestifter und Urheber der Welterschütterung seien. Was alles ,sinnlos' geworden ist Vor einigen Monaten hat sich der „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" in Deutschland selbst aufgelöst. Im Auflösungsbeschluß hieß es, daß der Verein seine Tätigkeit als — beendet betrachte. Es gibt also keinen Antisemitismus mehr . . . Dazu kommt jetzt nur noch die Nachricht, daß die deutsche Regierung das Vermögen des Vereins beschlagnahmt hat. Auch die christlichen Missionsgesellschaften zur Bekehrung der Juden haben zu bestehen aufgehört. Der Oberste Kirchenrat hat die Auflösung verfügt und die Weisung gegeben, die Fonds und Sammlungen für die Judenmission in Sammlungen zur Bekehrung von — Moslems umzuwandeln. Der Kirchenrat weiß warum. Er sagt nämlich in seiner Begründung, „daß die Tätigkeit der Judenmission sinnlos geworden sei". Jud bleibt Jud, meint heute der nationalsozialistische Kirchenrat, und dann hat man auch sonst mit den Juden, wenn man sie bekehren will, seine Schwierigkeiten. Sinnlos geworden: Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus und die christlichen Missionsgesellschaften zur Bekehrung der Juden. Dort allerdings wird das Vermögen beschlagnahmt, hier zur Bekämpfung von Moslems verwendet! In der Rasse liegt die Schweinerei Die Juden sihd nicht nur eine Rasse, sondern eine mindere, minderwertige Rasse — so argumentieren die nationalsozialistischen Propagatoren des Germanentums. Da nun aber— vorläufig noch — in Deutschland das Christentum Staatsreligion ist, das von Jesus gegründete Christentum, bemühen sich die hakenkreuzlerischen Rassentheoretiker, die Herkunft Christi zu verdunkeln oder zu verfälschen. Ein Jude als Gründer des auch in Hitler-Deutschland beheimateten Christentums — welche Blasphemie in den Augen der Nazis! Deswegen ist eine Erklärung des päpstlichen Organs „Osservatore Romano" zu der leidenschaftlich umkämpften Christus- Frage eine schwere Niederlage für den hitleristischen Rassenwahn: „Es gibt in- Deutschland Christen", schreibt das Blatt, „die aus der Heiligen Schrift gerne das Alte Testament ausschalten würden. Es gibt auch solche, die Christus nicht anerkennen, aus dem Grunde, weil er jüdischer Abkunft war. Schließlich gibt es auch Christen, die behaupten, daß Christus ein Arier aus Galiläa war. Diese Herren vergessen, daß Christus nicht in Galiläa geboren wurde, wo verschiedene Rassen wohnten, sondern in Bethlehem, in Judäa. Sie vergessen, daß Christus ein Nachkomme des Königs David war und als solcher ein Vertreter der reinsten jüdischen Rasse." Es wird somit festgestellt, daß Christus derselben Rasse angehört wie die 500.000 deutschen Juden, deren Rasse der Anlaß ihrer Verfolgung, Demütigung und Entrechtung ist. PalästinasBeridit eines deutschen „Professors" Der Diffamierung des jüdischen Wesens im Machtbereich des deutschen Nationalsozialismus zu dem durchsichtigen Zweck, um die Notwendigkeit der Eliminierung der Juden auch m.oraiisch zu begründen, ist kein Mittel absurd genug. Der Jude als Parasit, Kulturverderbef und Ausbeuter fremder Kräfte — das ist da« wiedef»