Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 334 (23.1.1934)
- Date
- 1934-01-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 334 Jetzt müssen Sie kaufen! s^snnnnnnnnnnnijjniHiiinn Nur noch eine Woche „Sdrifffmann»Inventur'' Um Platz für die Waren der kommenden Frühjahrs-Saison zu schaffen, müssen wir die Lagerbestände aller Abteilungen zu den niedrigsten Preisen abstoßen, die Überhaupt möglich sind. Schiffmanns „Inventur- Kaumungsverkauf" — nur lmal im Jahr — bietet allen eine ungewöhnliche Gelegenheit, durch besonders günstigen Einkauf viel Geld zu ersparen. Nur noch 4 Tage haben Sie Zeit, denn . . . am Samstag (27. Jähner) ist unbedingt Schluß! Hier einige Beispiele: (SeorgcttcsSBouelcs ober anongoLSlufen . . . S ajcIour0»51qncß*Sd)Iofröifef geblümt aber geftreitt . '............S ®<$afwoa*»öncl^fttciber mit mob. Sragenpufc S (5tepe*HRarocßtttcsÄietbcr ("2ßoItc mit Scibc) S Ä. > Crepe * be * (Sfjtne s fttetbet mit ^tiffe* (Spaiiletten mtb Ian^eit Sltrmeln . . . . S <Ste»c«8faifle«£lcioer (ißolle mit Seibe) mit großen onbereforbigen Sßuffärmeln . . . s Orig. Xrnd)tensS»trnbI aus Ä.-Seiben^iongol ober yjlatocainc..........S Clegontc anaitetepcsKJeiber (Ä.*Seibe) nach neueften SJiobetten.........S Sl):tfanbs9näntet mit ed)tem ^clsfragen, gefüttert unb mattiert....... . S €öSn)at3c 2Bottftoffs3J?äntet mit echtem <$tifc •fragen, -Ä.sSetoe 'gefüttert unb mattiert . S Sfjeffan&sÄofttimc, %a<tc, R.&ci'öc gefüttert S £. * Setben 2l6cnbjdjul)c, spumps, fötueua . . S elegante Sxtmenjdjufyc (9J?üfterpaaie) in Sämifdj, Cacf, 33orcalf ober fombin.iert, nur Größe 37V9.............S S>errcns£amiKgarns5ln3üge, Ä.=Seibe gefüttert S $erren*2acf^albfd)u^e, ÜOTarfe „Union" . . S 5.90 4.80 9.80 11.50 14.50 24- 25.— 39.— 39 — 49.— 35.— 7.90 7.90 42.— 14.90 ©emuftette 3I««eHe für £ausfletber, 75 cm S —.79 2Bajä}}eibe für SBäfdje unb JBIufen (5lefte 2 bis 7 m), alle garten.......S —.98 Älctbcr*3:mccbsSouc^, 80 cm breit . . . S 1.79 SKeinwottsWngora, bas mobernfte für ßletbtr S 3.90 Ä.sSeibetts©corgettc*3mprimc neue 3)cf)ins, 95 cm breit..........S 2.90 fl.5Scibcn*9J?ongol ober Setin, 80 cm breit S 2.50 3>amen4lnter3iehljösd)en, mit Seinanfak, alte Grö&en............S —.79 anaifosSRipsKombinationcn, fleifdjfarbcn, alte ©röfjcn ............S 1.45 ^opclinsSkuncn^cmbcn, mit £anbajour unb ^eftieftem 37iu|ter, aUe SBäfdjcfarben . . S 3.90 3)amen*6d)afmoU«lßuUoi}er, ©arbo^-gaffon, mit fiofjcm ^atenbÄragcn........S 4.90 9Jappa*Scberhanbfd)tific für Samen, mit $Iüfa> futter unb breiter £cbermcm|cf)ette . . S 7.90 $crrens5J5opeltn*$emb, Streifenmufter, mit jroei feparaten Äragen . .......S 7.90 gufebobenslBclag, 2 m breit (üRefte bis a m) per Äubifmetc...........S 1.90 3 9lf«mtnium*2;öpfe (1, VI, unb 21/2 Sit«) . . S 4.90 Alle in unserem Inserat vom Freitag, den 18. d. M., angekündigten Warenpreise bleiben bis inklusive Samstag, 27. Jänner, in Kraft. Jetzt ist jeder Einkauf ... ein Sparkauf. Nützen Sie. die letzten Tage der „Inventur-Räumung" . . . Kommen Sie in Sdiiffmanns //Warenhaus der Sparsamen" II., Taborstraße 48. Sie werden sehr zufrieden sein. Provinzkunden bestellen per Nachnahme. Fahrtvergütung. Verkauf — soweit Vorrat. des Primarius des Kinderspitals Prof. Dr. O r e 1 berichtet, der.die zugewanderten Juden-Marxisten beschuldigte, durch Angriffe auf die christliche Eh e und Propaganda für G e b u rtenverhütung unter der christlichen Bevölkerung, die bodenständige österreichische Gesellschaft zu zerstören. Durch die Einschiebung des Wörtchens „bodenständig" fälscht nun die „Reichspost" die offizielle Statistik so um, als brächte sie eine Bestätigung der antisemitischen Behauptung des Professors. Ei» andere Frage: Wie hat .Professor Orel seine ungeheuerliche Beschuldigung begründet? Er hat darauf. hingewiesen, daß unter den Ehere formern viele Juden an der Spitze marschieren und die von den Sozialdemokraten eingerichteten Beratungsstellen für Gebürtenverhütung vielfach von Jüdinnen geleitet werden. Leider verleiht ihm. der äußere Anschein recht. Weder die Bewegung zur Ehereform noch die Lehre von der Geburtenverhütung sind jüdische Erfindungen. Aber der unselige Hang gewisser jüdisch-assimilatorischer Kreise, bei jeder „neuen" Sache dabei zu sein und den anderen vorzulaufen, fördert Erscheinungen zutage, welche dem Judentum immer geschadet haben und es jetzt, in der gefährüchsten aller Zeiten, aufs schwerste bedrohen. Die zwei Beispiele zeigen augenfällig, daß Takt auf politischem und wirtschaftlichem Gebiete für die Juden strenges Gebot sein muß. Heute mehr denn je ist die Beschränkung auf die Beschäftigung mit den eigenen jüdischen Angelegenheiten und die Vermeidung jedes vordringlichen Gehabens in der Oeffentlichkeit unerläßlich. Zur Petition der Revisionisten Widerstände und Bedenken Die Ankündigung des Führers der Zionisten-Revisipnisten Jabotinsky, daß seine Partei jetzt in der ganzen Welt mit der Sammlung von Unterschriften für eine Petition beginnt, in welcher eine Aehderung der jetzigen auf die Behinderung des Aufbaues des jüdischen Nationalheims gerichteten Politik Englands verlangt wird, hat Widerstände im zionistichen Lager hervorgerufen. Links gerichtete zionistische Zeitungen und allen voran die Berliner „Jüdische Rundachau" und die Prager „Selbstwehr" fordern in mehr oder minder offener Art die zionistische Exekutive in London auf, ein Gerichtsverfahren gegen die Revisionisten einzuleiten und sie wegen Disziplinbruch aus der Zionistischen Weltorganisation auazuschließen. Die Exekutive selbst hat eine, ni c h t vom Präsidenten S o k o 1 o w, sondern von den extrem antirevisionistisch eingestellten Herren Brodetzky und Locker unterfertigte Erklärung gegen die Petitionsbewegung veröffentlicht. Die Erklärung besagt, daß die Aktion Jabotinskys ohne Beratung mit der Exekutive und ohne ihre Billigung erfolgt ist. Die Exekutive erachtet sie als im jetzigen Zeitpunkte schädlich und unzweckmäßig. Den zionistischen Körperschaften und Zionisten wird unter Berufung auf die Disziplinbeschlüsse des Kongresses die Teilnahme untersagt. Eine eingehende Stellungnahme wird angekündigt. Weder die Angriffe der „Rundschau" und „Selbstwehr" noch die Erklärung der Exekutive können die Tatsache aus der Welt schaffen, daß die angesichts der katastrophalen Lage des jüdischen Volkes ganz verwerfliche Politik der Palästina-Regierung eine Entrüstung im jüdischen Volke hervorgerufen hat, welche zu mächtigem Ausdruck drängt. Es ist nur bedauerlich, daß die Zionisten- Revisionisten das Gelingen eines an sich guten Unternehmens durch die Art der Durchführung in Frage stellen: Sie haben die Zusammenarbeit mit anderen zionistischen Gruppen nicht gesucht und aus der großen Angelegenheit die Sache einer Partei gemacht. Sie nehmen das Recht für sich in Anspruch, den Inhalt der Petition (den sie übrigens bis heute nicht einmal der Oeffentlichkeit zur Kenntnis gebracht haben), ihre Adresse und die Art der Organisation der Petitionsbewegung selbstherrlich zu bestimmen. Die anderen sollen einfach folgen. Das ruft Bedenken auch bei solchen zionistischen Gruppen hervor, welche die schwächliche Politik der jetzigen Exekutive unbedingt verurteilen und zur Einleitung großer Aktionen bereit sind, sie selbst fordern. Bedenken, nicht aus Gründen des Prestiges, sondern der Verantwortung. Die Zeit für eine große Aktion der jüdischen Massen ist da. Aber Vorbedingung für ihr Gelingen ist die Verständigung und Zusammenarbeit aller zur Tat gewillten Gruppen. Kommando von einer Stelle her ist hier wirklich fehl am Platze und wenig geeignet, jenen Gleichklang der Gemüter und jenen Enthusiasmus hervorzurufen, welche allein die Gewähr für den Erfolg einer großen Aktion unter den jüdischen Massen bieten können. Zwei Revisionisten xu 6 Monaten verurteilt Aus Warschau: Im November 1988 demonstrierten mehrere Zionisten-Revisionisten vor dem Gebäude der englischen Gesandtschaft in Warschau gegen die von der Palästina-Regierung verfügte Einschränkung der jüdischen Einwanderung und Landesverweisung eingewanderter Personen. Während der Demonstration wurde aus der Menge ein Stein gegen das Gesandtschaftsgebäude geworfen, wodurch einige Scheiben zertrümmert wurden. Die Polizei verhaftete zwei junge Leute, Baruch Mllewski und Jecheskiel Kaczynski, die fünf Wochen in Untersuchungshaft zubrachten und sodann gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt wurden. . In der Verhandlung vor dem Warschauer Gericht I wurden Mllewski und Kaczinski zu je sechs Monaten Gefängnis verurteilt. In Anbetracht der berechtigten Erregung, in «reicher sich diese Jungen Zionisten befunden haben, muß die Strafe als übermäßig hoch empfunden werden. Wir zionistischen Frieden in Polen Aus Warschau: Auf Einladung des zionistischen Zentralkomitees Polens hielten Vertreter aller zionistischen Landeskomitees und Jugendorganisationen eine Beratung zur Regelung der innerparteilichen Beziehungen in der zionistischen Bewegung ab. Vertreten waren zionistische Organisationen Polens, Liga für das Arbeitende Palästina, Landeskomitees der Revisionisten, der Poale Zion, der Hitachduth, der Judenstaatspartei, der Gordonia, des Hanoar Hazioni, des Hechaluz, des Brith Trumpeldor, des Haschomer Hazair, des Brith Hakanaim u. v. a. Nach einer Aussprache, in der Redner sämtlicher vertretenen Gruppen das Wort ergriffen, wurden einstimmig die folgenden Entschließungen gefaßt: 1. Der jetzt mit Gebrauch physischer Kraft geführte Parteikampf bringt die zionistische Bewegung in Gefahr und untergräbt ihre gesellschaftlichen, moralischen und kulturellen Grundlagen. 2. Alle Versammelten drücken den kategorischen Wunsch aus, daß den herrschenden Zuständen ein Ende gemacht wird. 3. Die nächste gemeinsame Beratung wird Methoden und Schritte zur Verwirklichung dieses Wunsches bestimmen, Audi in England! Aus London wird berichtet: Nach sturmischer Debatte liat der Vorstand des Middlesborough Autoklubs, eines der größten in England, die Sperre für Juden beschlossen. Der Präsident des Klubs John G. J e e r s, ein bedeutender Industrieller und Nichtjude, hat zum Protest gegen den antisemitischen Beschluß seine Würde, die er seit Gründung des Klubs innehatte, niedergelegt. Die sechs jüdischen Mitglieder des Klubs und einige nichtjüdisohe Mitglieder haben sofort nach Annahme der Entschließung ihren Austritt aus dem Klub vollzogen. Martyrium jüdischer Kinder im Saargebiet Auch in dem von Franzosen besetzten und von einer Kommission des Völkerbundes regierten Saarland sind die jüdischen Bewohner den härtesten Mißhandlungen durch die Nationalsozialisten ausgesetzt. Aus Genf wird hiezu gemeldet: Das Schreiben der Saarländischen internationalen Regierungskommission an den Völkerbund als Antwort auf die Petition der „Deutschen Front" enthält den folgenden auf die Juden im Saarland Bezug habenden Passus: „Der heimtückische Boykott und die Verfolgung der Juden durch die hiesigen Nationalsozialisten hat sich in solcher Weise breitgemacht, daß die Kommission fast täglich mit Klagen verschiedener Teile der Bevölkerung überhäuft wird. Die Kommission war sogar genötigt, einer Bitte der Jüdischen Gemeinde stattzugeben und eine besondere Schule für jüdische Kinder zu gründen. Die Tatsache allein, daß die jüdische Gemeinschaft des Saargebietes sich entschlossen hat, nach Jahrhunderte währender Emanzipation für ihre Kinder wieder die Absonderung zu suchen, genügt schon, um das Ausmaß dieser Verfolgungen zu unterstreichen." Australien will keine deutschen Juden Aus Melbourne: Der bekannte jiddische Dichter Melech Rawitsch, Sekretär des jiddischen Pen-Klubs, der sich auf einer Reise durch Australien befindet, hat der australischen Bundesregierung den Vorschlag unterbreitet, die Ansiedlung von etwa 3 0.0 00 deutschen Juden in Nordaustralien, wo größere zur Ansiedlung geeignete Territorien vorhanden sind, zu erlauben. Die Bundesregierung beantwortete jetzt diesen Vorschlag mit einer offiziellen Erklärung, in der sie kundtut, sie habe nicht die Absicht, die bestehenden Einwanderungsbestiramungen zu ändern und werde — von anderen Erwägungen abgesehen — keine Aktion ergreifen, die dazu führen könnte, die Beziehungen zwischen Großbritannien und Deutschland zu trüben. Das australische Arbeitslosenproblem, heißt es zum Schluß, mache ohnehin jede auf eine beträchtliche Einwanderung abzielende Aktion nicht wünschenswert. Die Antwort, welche — wenn auch indirekt ~ Deutschland das Recht auf barbarische Behandlung seiner Juden zuerkennt, hat auf die australische Judenschaft peinlich und befremdend gewirkt. Man erblickt in der unfreundlichen, schroffen Art der Regierungserklärung ein Zeichen der hier von Hitler-Agenten betriebenen Juden- Eine weitere Meldung aus Melbourne: In zahlhetze. . * reichen in Australien zur Verteilung gelangten sogenannten „St. Nikolaus-Strümpfen" wurden Metallhakenkreuze und Kinderreime antisemitischen Inhalts gefunden, worüber die Entrüstung hier groß ist. Sir MacPherson Robertson, der diese Waren aus Deutschland eingeführt hat, erklärte dem JTA.-Vertreter, er habe von den Provokationen der deutschen Erzeuger nichts gewußt, bedaure den Vorfall und werde die noch vorhandene Ware vernichten. Purlm in Polen! Am 15. Februar 1934 findet eine bülige Fahrt nach Polen statt. Dauer des Aufenthaltes dortselbst bis 4. März 1934. Die Reisenden sind aller Reiseschwierigkeiten der Nachkriegszeit enthoben, da Paß- und Visagebühren gratis! Die Leitung befindet pich in den bewährten Händen des Polnischen Verkehrsbüros „Francopol". Es Ist wichtig, sich schon jetzt Platzkarten zu sichern. Näheres: Polnisches Verkehrsbüro „FrancopoT^ Wien, III., Rennweg 1, Tel. U-**-4-90,