Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1934-01-23 · Heft 334 (23.1.1934) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 334 (23.1.1934)
Date
1934-01-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2711613-2711952-2711957--4134-2717573
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Preis 10 Groschen Jahrgang Dienstag* den •!* Mnner 1934 Nr* IM V* *. fc» Zeitung vom Verleger versendet «lonrnal expe'die' per redHenr\ BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50. vierteljährig bi.20. «pmriährtg S lö.-; P<rteo m^^^^ zloty?.;'S? Tschechoslowakei monatlich Ke 6.-, riertettthrlR Kc 15.-; M«to«HiHra Dinar 14.-, vltrteljlhrlR Dinar 40.-: Rtralattti RoiiflUb Lei 40.-, vierteljährig Lei I».-; Deutschland monatlich Mark I.—, vierteljährig Mark 8.-3 Bulgarien raonattteb Uw» 4a—, vtertelBhr!* Lewa laol—; Italien monatlich Lire 5.—. Wertelflhrie Lire 14.—: Schwele and die übr igen Lander monatlich Schweiber Praaea IM, vierte* (Ihrig Schweizer Francs 4.80 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion o. Verwaltung: Wien IX» Universitätsstr. 7 et. B-48-504 — Erscheint jeden Freitag REVUE Berlin und Moskau heizen in Palästina Ana Jerusalem wird gemeldet: In den letzten Wochen hat sich eine stärkere nationalsozialistische Propaganda Im Lande bemerkbar gemacht. Die Polizei hat jetzt eine Spur, die zu den Arrangeuren führt, aufgedeckt. In Haifa wurde ein Araber verhaftet, der nationalsozialistische Flugblätter mit Lobreden auf Hitler und seine judenfeindliche Politik in französischer Sprache verteilt hat. Der Verhaftete erklärte, die Flugblätter habe ihm ein Offlzier des Dampfers „Smyrna" von der deutschen Levante-Linie zur Verteilung tibergeben. Die „Smyrna" hat in Haifa Orangen für Deutschland in Ladung genommen. * Wir erhalten gleichzeitig einen Brief eine3 unserer palästinensischen Mitarbeiters, in welchem es heißt: Berlin und Moskau benützen die aufgeregte politische Stimmung im Lande zu einer wieder lebhafteren antijüdischen und antizionistischen Hetze unter Arabern. Helfer der'Hitler-Propagända sind die deutschen Kolonisten, also jene Menschen, die nicht nur an der Belieferung der Juden mit ihren Agrarprodukten reich geworden sind, sondern ihre ganze Existenz dem Zionismus verdanken. Denn im Weltkriege, nach Vertreibung der türkischen und deutschen Armee aus Palästina, hatten die Engländer, welche die deutschen Kolonisten als unerwünschtes Element betrachteten, den Zionisten den Antrag gemacht, die evakuierten deutschen Kolonien für billiges Geld zu erwerben. Die Zionisten aber, haben das aus Gründen der Rechtlichkeit abgelehnt. Nun statten ihnen die Deutschen in Form antijüdischer Hakenkreuzhetze den „Dank" ab, — Was die von Moskau anbefohlene und bezahlte Aufwiegelung derArabergegendenZionismus, der als Rache am arabischen Volke hingestellt wird, anbetrifft, so sind ihre Träger fast ausschließlich Juden. Teils haben sie sich ins Land eingeschlichen, teils sind sie abtrünnige Zionisten. Die marxistische Erziehung jugendlicher Elemente durch die zionistische Arbeiterpartei in Europa hat es dahin gebracht, daß jugendliche Einwanderer, und nicht immer die schlechtesten, infolge von Enttäuschungen oder durch konsequentes „Weiter denken" in marxistischer Richtung, vom zionistischen Lager ins kommunistische übergehen, das heißt erbitterte Feinde des Zionismus werden, der sie ins Land geführt hat. Aus Haifa wird unterm 20. Jänner gemeldet: Der Konflikt, der zwischen den Arbeitern der nationalen Organisation „I r g u n" und der sozialdemokratischen „Histadrutli" ausgebrochen war und zu blutigen Exzessen führte, ist beendet. Der „Histadruth" ist es nicht gelungen, die Bauunternehmer Weidcnfeld und Lewin zur Annahme ihrer Forderungen zu zwingen. Bloß bei einem Bau sind ein Drittel Histadruth-Mitglieder und zwei Drittel ,,Irgun"-Mitglicder beschäftigt. In allen anderen Betrieben der beiden Unternehmen arbeiten ausschließ lieh Arbeiter des „Xrgun". Verfolgungen und kein Ende Nicht einmal Hilfsarbeiter Aus Berlin: Das Präsidium der Reiohsrechtsanwaltskammer hat folgendes beschlossen und allen Anwälten bekanntgegeben: 1. Unzulässig ist jede irgendwie geartete berufliche Verbindung mit einem Rechtskundigen, dessen Zulassung nichtarische Abstammung oder kommunistische Betätigung entgegensteht. Als berufliche Verbindung güt auch eine Bürogemeinschaft sowie ein Mietverhältnis über Büroräume, welche mit Büroräumen des nicht zugelassenen Rechtskundigen räumlich zusammenhängen. Als berufliche Verbindung gilt ferner die Anstellung oder Beschäftigung eines nichtarischen Rechtskundigen als Hilfsarbeiter oder Angestellter. 2. Unzulässig ist jede Uebernahme und Führung von Mandaten unter Beteiligung eines mit Vertretungsverbot belegten nichtarischen Anwalts. S. Unzulässig ist die Eingehung einer Sozietät oder Bürogemeinschaft zwischen Anwälten arischer und nichtarischer Abstammung sowie die Aufrechterhaltung. Die ÄralberaöeBisoissfifföaöiön in Palästina Wir haben bereits berichtet, daß die von der arabischen Exekutive am 17. Jänner in ganz Palästina veranstaltete Demonstration gegen die jüdische Einwanderung und den Kauf von Boden durch Juden einen ruhigen Verlauf genommen hat. Jetzt liegt folgende Meldung aus Jerusalem vor: In Jerusalem nahraon an dem Zug, der sich um ä Uhr morgens von der König- David-Straße in Bewegung setzte und bis zum Zion-Tor geführt wurde, nicht ganz 2000 Personen teil. Am Zion-Tor wurde eine Resolution verlesen, wo dann die Polizei den Zug auflöste. In Jaffa demonatrieten etwa 1500 Araber. Ein Streik wurde nicht proklamiert, die Arbeit im Hafen ging normal vor sich. In Haifa machte die Demonstration keinen besonderen Emdruck. Gleiche Nachrichten laufen aus dem ganzen Lande ein. Die Gerüchte, daß maßgebende arabische Führer in Präventivhaft genommen wurden, sind unzutreffend und auf eine Verwechslung zurückzuführen; es wurden einige kommunistischer Umtriebe verdächtige Personen in Schutzhaft genommen. Judenhetzer in Polen schwer bestraft Aus Lodz: Drei junge Nationaldemokraten, die vor ein paar Monaten Flugblätter mit dem Aufruf zum Judenboykott in den Straßen verbreiteten und außerdem an verschiedene Personen Briefe mit Aufforderungen zum Judenboykott durch die Post versandten, hatten sich vor dem Lodzer Gericht zu verantworten. Zwei wurden zu je einem Jahre Gefängnis, der dritte zu acht Monatien Gefängnis verurteilt. Während der Ueberfälle auf jüdische Spaziergänger in Lodz am vergangenen Sonntag hat die Polizei zwanzig Huligans festgestellt und vor Gericht gebracht; drei wurden zu je zwei Monaten, drei zu je einem Monat, zwei zu je drei Wochen, acht zu je zwei Wochen, zwei zu je sieben Tagen, eine Frau zu drei Tagen, eine zweite Frau zu einem Tag Gefängnis verurteilt. Die Gefängnisstrafen müssen sofort verbüßt werden. 1000 deutsdujüdisdie Familen nach Amerika ausgewandert! Aus Berlin: Die amerikanischen Konsulate in Deutschland berichten, daß seit Beginn des Hitler-Regimes bis Ende 1933 mehr als 1000 jüdische Familien aus Deutschland in die Vereinigten Staaten eingewandert sind. Ueber 90 Prozent der jüdischen Bewerber haben Visen erhalten, und zwar nicht nur solche, die Eltern oder Kinder in Amerika haben, sondern auch solche die sich zu Geschwistern oder entfernteren Verwandten begaben. In der letzten Zeit hat diese Auswanderung nachgelassen. Alle im redaktionellen Teil befindlichen entfielt« liehen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet Nächste Nummer Freitag früh Mittwoch, den 24. Jänner 1934, um halb 9 Uhr abends im Heim der Judenstaatspartei, Wien II., Augartenstr. 38 VORTRAG Thema: Judenstaatsdichtungen im Mittelalter d«« Rabb. Professor Or. BtnJ« Murmolstoln Regiebeitrag 20 Groschen Takt ♦ * ♦ Takt! Alles war da! Das sonnige, liebenswürdig© Wien ist jetzt düster und traurig. Es ist in einen Kampf geraten, den die ganze Welt gespannt verfolgt. Es kämpft gegen markzerstörendes wirtschaftliches Elend und gegen den rohesten, rücksichtslosesten politischen Feind, gegen Hitler-Deutschland, das seine ganz« Kraft spielen läßt, um Wien und Oesterreich an sich zu reißen und seiner Schreckensherrschaft zu unter» werfen. Einer gedankenarmen, der billigsten Tages« Sensation nachjagenden Clique von Freunden und Freunderln ist es gelungen, die unglückliche Stadt mit einem „rauschenden, gesellschaftlichen Ereignis" zu beschenken. Der Einzug eines Operettenkomponisten in die Staatsoper wurde veranstaltet und unter Anwendung monatelanger, schreiendster Reklame zu einer „gewaltigen Sache" gemacht. Triumphierend wurde berichtet, daß für eine Karte Beträge gezahlt wurden, von denen eine Arbeiterfamilie zwei Monate, eine Arbeitslosenfamilie vier Monate leben muß. Alles, was eigenes und fremdes Geld verpraßt, wurde aufgetrieben. Durch bewaffnetes Spalier fuhren befrackte, feiste Männer und mit Juwelen bepackte Weiber auf. Hinter dem Spalier eine ausgehungert« Menge, an deren Nerven die Hitler-Agitatoren reißen und zerren, denn dort, wo das österreichische Elend haust, dort setzt die Propaganda der reichsdeutschen Agitatoren am wirksamsten ein. Alles war da! Christliche Minister, Aristokraten, Industrieherren und Juden und Jüdinnen. Die wenig günstigen Blicke der Menge auf die christlichen Größen wurden zu glühenden Pfeüen, wenn sie auf die Juden trafen. Seht,, seht die Juden! Sie prunken und prassen auf unserem Elend! Die Juden! Die Juden.., Dafür stand in den Zeitungen, daß alles herrlich schön war und die vor der Oper hinter feldausgerüsteter, schmucker Wache versammelte Menge sichtlich befriedigt das imponierende Schauspiel des Prachtauffahrt verfolgte. Geburtenrückgang Die christlicbsoziale „Reichspost" berichtete gestern, daß laut der letzten Statistik in Wien doppelt soviele Menschen sterben, als geboren werden. Sie schreibt dazu: „Die Entvölkerung Wiens, soweit das bodenständige Element in Betracht kommt, macht entsetzliche Fortschritte." Auf den ersten Blick scheint das Wörtchen „bodenständig" ganz unverständlich, denn aus der Statistik ist nicht zu ersehen, daß unter der in den letzten Jahrzehnten zugewanderten Bevölkerung das Verhältnis zwischen Geburten und Sterbefällen ein günstigeres wäre. Aber die „Reichspost" weiß, was sie tut Sie hat. einige Tage früher über das antisemitisch gefärbte Referat üuoj dualitatsmorett jeber 9lrt befummelt <5te jefct — ober nur bi« 3am0« tag, 87. b. 3&, $u ben ejjeptionefl billigen greifen ber „3«öentur-9iattm««9" rat „Warentyrot ber ©parfamen" II,, Sat>0tftrafee 48« 6d)iffmatm

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.