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Die neue Welt · 1934-01-19 · Heft 333 (19.1.1934) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 333 (19.1.1934)
Date
1934-01-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 333 ECKSTEINES FAMILIEN-PENSION Restauration, Kaffeehaus / Täglich S-Uhr-Tee CEMMEDIMA Telephon 11,Hochstraße4C JCPIPIEKm\l neben Hotel Panhans Mäßige Preise, vorzügliche Küche, Zimmer mit Pension S 12.- aufwärts. Zentralheizung, fließendes Warm und Kaltwasser in jedem Zimmer. Auskunft unter Telephon U-27-6-24 gierung, soweit sie die Regierung der Balfour-Deklaration ist, war. Und dieses einzige Moment lenkte das Auge Samuels auf ihn. Friedenswege zu suchen, sich zu bemühen, ein Bündnis mit dem Feind und gerade mit dem offenen Feind abzuschließen, das heißt politische Weisheit. Allein Samuel tat nichts dergleichen. Er setzte sich nicht mit dem Feind von gestern, der heute zum Frieden bereit ist, an einen Tisch und arbeitete mit ihm nicht Grundlagen eines wahrhaften Friedens aus. „Hier verzichte ich — dort du." Samuel beschloß, Emin El Husseinl das Einwanderungsheim überfallen hatten, durch Einzu kaufen, so wie er das Herz der Pogromisten, die Wanderung und die der Beduinen durch guten Boden gewinnen wollte. Er ging nicht auf der Linie der politischen Weisheit, sondern der politisierenden List vor. In seiner palästinensischen Politik war er kein Liberaler im englischen Sinne, sondern ein Kolonialbeamter des üblichen Stils. Seine Araberpolitik, scheinbar eine Politik der Achtung vor dem arabischen Volke und seinen Führern, war in Wirklichkeit eine Politik der Geringschätzung und der Mißachtung. Die Wahrheit, daß Großbritannien beschlossen und sich verpflichtet hatte, ein jüdisches Nationalheim in Palästina zu fördern und dieser Politik trotz der Pogrome treu geblieben ist — diese Wahrheit durfte man den Arabern seiner Meinung nach nicht sagen. Deshalb mußte man die Araber kaufen, — ihre Führer durch Titel und Posten, die Massen mit Böden. Und jetzt ist es klar, warum gerade der Anstifter der Pogrome Titel und Posten und die Beduinenstämme Böden erhalten mußten. Wenn schon kein Friedensbund, sondern Kauf, dann hat es seinen Grund, gerade Emin el Husseini und nicht etwa Djeralla, gerade die Beduinen und nicht etwa die Fellachen zu kaufen. Die Früchte dieser Politik, einer Politik der B e- Btechung und der Korruption, genießen wir heute. Ein HiflerxRabbmer Während die größten jüdischen Wirtschaftsführer und Organisationen in allen Kulturländern den antideutschen Boykott als die wirksamste Waffe gegen das Hitler-Regime deklarierten und betätigten, während diese Taktik bereits Resultate gezeitigt hat und z. B. der deutsche Reichsbankpräsident Dr. Hjalmar Schacht bei einer Konferenz in Basel den Boykott gegen Deutschland als empfindlichen wirtschaftlichen Schlag zugegeben hat, gibt es immer noch einzelne Gruppen, die den Boykott boykottieren: es sind die Kommunisten und die in der Poale Zion vereinigten jüdischen Sozialdemokraten. Die Kommunisten Sowjetrußlands haben den Handelsvertrag mit Hitler-Deutschland verlängert und die Histadruth-Führer das sogenannte Transfer-Abkommen zwischen Palästina und dem Hakenkreuz getroffen. Trotzdem die Zweite Internationale, ihre Internationale, die Boykottparole ausgegeben hat, trotz der Behandlung ihrer Genossen in Deutschland. Nun erscheint ein weiterer Befürworter des geistigen und wirtschaftlichen Verkehrs mit dem heutigen Deutschland — ein Rabbiner aus Breslau namens J. M. Mortenfeld, der sich überdies noch Präsident der talmudischen Hochschule zu Miron (Palästina) nennt und vorgibt, „im Namen einer größerer Gruppe aus Deutschland stammender Juden in Wien" zu sprechen. Wir wissen nicht, woher Herr Mortenfeld die Legitimation für sein Vorhaben bezieht; wir kennen auch nicht die Motive, seines Handelns. Aber wir müssen aufs schärfste dagegen Stellung nehmen, daß Herr Mortenfeld, der zusammen mit einer „größeren Gruppe" aus Deutschland stammender Juden Wiens gastliches Heim dazu benützt, die jüdische Zuversicht in bezug auf die Wirksamkeit der Boykottwaffe gegen Deutschland untergraben zu wollen. Die Weltjudenheit im allgemeinen und die Wiener Juden im besonderen sind nicht gewillt, von dem obskuren Rabbiner und „Präsidenten" Mortenfeld wirtschaftspolitische Ratschläge entgegenzunehmen und gar solche, die er unter dem Rechtstitel einer autoritativen Persönlichkeit geben will. Denn Herr Mortenfeld tut das, was die deutschen Pogromhelden tun: Er verteidigt Deutschland gegen die sogenannten Greuelnachrichten. In dem Flugblatt, das unser deutscher Rabbiner an die „Brüder, Juden in Oesterreich!" versendet, heißt es unter anderem: Abgesehen davon, daß unzählige, weit übertriebene, auf Unwahrheit beruhende Geschichten Uber da» Schicksal unserer Brüder in Deutschland in der ganzen Weltpresse verbreitet wurden und werden, müssen wir mit größter Entschiedenheit und Im Verantwortungsgefühl als religiöse Führer deutscher Juden feststellen, daß nichts der deutschen Judenschaft mehr geschadet hat als eben der Boykottsturm, den unsere Brüder Im Auslande gegen das Deutsche Reich entfacht haben." j Man erinnere sich hier an die rabbintstische Front gegen Herzl! Das ist kein Protestrabbiner, das ist ein Denunziationsrabbiner. j Der saubere Herr Mortenfeld appelliert an alle „Brüder im Auslande, ganz besonders in England, Amerika und Polen, im Interesse unserer Brüder in Deutschland, alle Boykottrufe deutscher Waren energisch abzuweisen", und verlangt: Wiederaufnahme geschäftlicher Beziehungen mit Deutschland! Wir brauchen an unsere Brüder nicht erst zu appellieren, den Appell Mortenfelds energisch abzuweisen. Aber wir empfehlen dem Herrn aus Breslau, seine und unsere „Brüder" mit seinem Aufruf weiterhin zu verschonen. Der Renegat Er zählt zu den verabscheuungswürdigsten Menschengestalten. Der Renegat ist ein Mensch, der von der Lebensstraße abweicht, nicht in Verirrung, sondern in der Absicht, zu überfallen. Er verleugnet Rasse und Tradition, Bluts- und Geistesgemeinschaft aus nacktem Egoismus. Er ist heimtückisch, ein Meuchelmörder an seinem Volke, stellt persönlichen Vorteil vor alles, was gut und rein im Menschen ist. SIEGM. KORNMEHL GROSSFLEISCHHAUEREI Zentrale: IX.. Berggasse 19, Tel A-17-5-99 u. A-16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Ableitungen für ■^■Fleisch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr Kultusgemeinde Wien Autozusteilung kostenlos : IX. Berggasse 15 ✓ XVIII., Währingerstr. 97 Der jüdische Renegat ist leider keine vereinzelte Erscheinung. Seine Taten füllen die traurigsten und beschämendsten Kapitel der Geschichte seines Volkes, dem alle Verfolgungen nicht so geschadet haben wie die Taten seiner Abtrünnigen. Viele Rückschläge, die es im Laufe der Zeit zu ertragen hatte, sind auf das Konto von Renegaten zu buchen. Das typisch Gefährliche an diesen Meuchlern ist, daß ihre Entlarvung in der Regel zu spät erfolgt. Der Renegat ist wie der schleimige, blasse Molch, der das Licht scheut, sich da verkriecht und dort plötzlich unvermutet auftaucht. Molche werden von allen Tieren gemieden. Der Renegat kennt das große IvTaß der Verachtung, die ihm gebührt. Daher ist sein Haß grenzenlos, sinnlos. Er sucht nicht nur jene zu vernichten, die seinen Weg kreuzen. Sein Haß züngelt auch zu jenen hinüber, die ihm ferne stehen. Gegen Renegatenhaß und Renegatentücke gibt es nicht Schild und Schutz. Er kennt das Gesetz und windet sich durch seine Maschen, weiß jede Angriffsbasis zu zerstören. Er ist trotz seiner Minderwertigkeit unantastbar. Die moralische Verachtung der Mitwelt belächelt er zynisch und beantwortet sie mit neuen Orgien seines Hasses. Im Wirtschaftsleben findet der Renegat unbegrenzte Möglichkeiten der Entfaltung. Der politische Renegat ist rasch erkannt. Auf der Wirtschaftsbühne kann er rasch das Kostüm wechseln, in immer neuer Form die Opfer hinterrücks anfallen. Wenn bei Ueberfällen auch kein persönlicher Vorteil für ihn resultiert, dem Renegaten genügt es, den Dolchstoß zu führen, zur Sättigung seines Hasses, seiner inferioren Lust. Renegaten sind Sadisten, Lustmörder. Der Renegat ist immer Denunziant, Angeber. Er verleumdet, erfindet Handlungen, die nie begangen wurden, und benützt jede Gelegenheit, um am Gegenstande seines Mißvergnügens sein Mütchen zu kühlen, ihn zu verdächtigen, mit unlauteren Dingen zu belasten. Er übt niedrigsten Verrat an jenen, die ihm aus irgend einem Grunde nicht zu Gesicht stehen. Niedrigste Ranküne für vermeintliches Unrecht ist bei ihm zur Selbstverständlichkeit geworden. Der Renegat ist ein bestialischer Unmensch, der aus sicherem Versteck her das Opfer mit vergiftetem Pfeil niederstreckt. Gesegnet ist, wer dem Renegaten nie begegnen, ihm nie die Hand reichen, nie mit ihm an einem Tisch sitzen muß Dr. Carl Wilger. Zum Kampf um die z5om§ti$d*en Redite Von B. Weinstein (Tel-Awiw) (Schluß) Wenn nach dem mißglückten Versuch Simpsons bezüglich der „dislozierten, von der Scholle verjagten Araber" die Regierung neue Befehle bezüglich der Bodenpolitik herausgibt, so ist es doch für jedes Kind klar, daß die Statistik nur die Dienerin der Politik ist. Wenn nach dem unerhörten Aufschwung der Wirtschaft im Lande — ein Aufschwung, der der Gegenstand vieler Aufsätze und Reden von internationalen Tribünen ist, über den man auf den Märkten Europas und Amerikas spricht und im britischen Parlament Debatten führt — wenn nach alldem die Regierung die Einwanderung arbeitender Menschen beschränkt, so ist es klar, daß nicht die ökonomischen Voraussetzungen und die finanziellen Untersuchungen die politische Richtung der Regierung beeinflussen. Wenn nach dem Erfolg der jüdischen Touristik, welche ein Riesenvermögen ins Land gebracht und die wirtschaftliche Entwicklung des Landes mächtig gefördert hat, die Regierung die Touristen verfolgt, so sieht man doch deutlich, daß die besten Argumente der Regierung ihren Irrtum nicht zu beweisen vermögen. Sie weiß selbst, daß sie einen Rechenfehler begeht. Aber mit Hilfe dieses unternimmt sie es, ihre Absicht, im Zionismus eine künstliche Krise herbeizuführen, zu verwirklichen. Diese Absicht und dieser Versuch haben verschiedene Stufen durchmessen: Eine Periode größter Geringschätzung unserer offiziellen Institutionen; nachher ein äußerlich zur Schau getragenes Wohlwollen; dann wiederum Zeiten, in denen die Palästina-Regierung elementarste Bedürfnisse, wie zum Beispiel die Verlegung des Zentralbahnhofes von Ludd nach Tel-Awiw, ablehnte. Alle diese Abstufungen aber bezeugten immer nur das eine Bestreben, den Juden zu zeigen, daß sie sich in bezug auf den Ernst des Mandates und seiner Ausführung einem Irrtum hingegeben hätten. Wir selbst trösteten uns während der letzten Jahre damit, daß Schuld an diesen Zuständen die palästinensische Beamtenschaft trage und eine Aenderung uns zugute kommen werde. Wir gaben uns der trügerischen Meinung hin, daß die Londoner Regierung vielleicht die wirkliche Lage nicht kenne und einer Aufklärung bedürfe. Auch das war eine falsche Einstellung. Unser Kampf darf sich also nicht etwa um den Mangel an Informationen bewegen oder sich für eine großzügige Aufklärung einrichten, sondern gegen die Haupttendenzen der britischen Regierung und gegen die Mißachtung der von ihr übernommenen Verpflichtungen gerichtet sein. ö Erst vor kurzem gab ein Mitglied der zionistischen Exekutive in Palästina bei einer Pressekonferenz eine Erklärung, die sich folgendermaßen zusammenfassen läßt: Die zionistische Bewegung ateht auf dem Standpunkt, daß die politische Verwaltung Im Lande ohne Rücksicht auf das gegenwärtige oder zukünftige Zahlenverhältnis der Bevölkerung, auf die Gleichberechtigung der beiden Elemente Juden und Araber gegründet sein müsse. Ja mehr noch: die politischen Leiter der gegenwärtigen Exekutive meinen, daß im Interesse der gegenseitigen Verständigung die gemeinsame Organisation der jüdischen und arabischen Arbeiter befestigt werden müsse. Wir waren uns dessen bewußt, daß der unglückselige Prager Zionisten-Kongreß, der in der Sphäre einer provokatorischen Verleumdung seitens der Linken geführt wurde, die Leitung der zionistischen Organisation einer Partei mit einer bestimmten Welt- und Gesellschaftsanschauung anvertraut hat. Wir wußten aber nicht, daß der Kongreß auch die Beschlüsse der p o a 1 e - zi o n is t i s c h e n Partei in Palästina angenommen hat. In einer Sitzung des Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat) hielt ein Vertreter der Leitung ein sehr pessimistisches Referat über die Lage. Er sprach auch darüber, welche Aktionen jetzt zu unternehmen seien, und niemand war da, der sich im Wesen und im Umfange dieser Aktionen ausgekannt hätte. Oeffentlicha Versammlungen? Hiefür bedarf es doch keiner Agency. Vorsprache bei den Behörden bezüglich Anforde» rung von Zertifikaten? Das könnte doch ein politischer Sekretär mit englischen Sprachkenntnissen unternehmen. Unseren Standpunkt publizieren? Protestresolutionen annehmen? Das kann doch wohl nicht die Form unserer großen, traditionsreichen Freiheitsbewegung sein. Um dieser Situation willen haben wir doch nicht Jahre schwerster Prüfung und Epochen von Krisen mitgemacht. Das große Uebel liegt im Innern. Vor dem letzten Kongreß wurde viel über nationale Konzentration als die Trägerin der Macht im Zionismus gesprochen. Die innere Zerrissenheit der bürgerlichen Parteien hat diese Chance vergeben und den Sieg der Linken ermöglicht. Im schweren politischen Kampf, den die zionistische Bewegung heute zu führen hat, stehen wir ohne nationale Leitung da. An der Spitze unserer Bewegung steht eine Partei, deren sozialpolitische Tendenzen einen systematischen Kampf im großen Maßstab ausschließen. Eine Partei, deren Parole „gemeinschaftliche jüdisch-arabische Organisation und politische Parität" verkündet, die in Whitechapel ft< r den Labour-Kandidaten gegen den zionistischen agitiert hat; die gewagt hat, das Blut ihres Genossen zu einer ruchlosen Agitation auszunützen; deren Freunde vor außenstehenden Faktoren von „ungesetzlicher Einwanderung der Juden" sprechen; die eine ganze Bevölkerung unter ihre Faustherrschaft gesetzt hat, kann und darf MIT DER MARIEN BRÜCKE AUF DEM CONTE DI IAVOIA NACH PALÄSTINA 21. Februar bis 14. März 1984. Zehn Tage Palästina, zweieinhalb Tage Aegypten, Rom und Neapel. Rückreise mit der „Roma" oder über Aegypten mit der „Esperia". Auskünfte und Prospekte durch Reisebüro „Marlenbrücke" (PaWstlna-Dlehst), Leitung Berta Taubes, I., Rotenturrastraße S5Ü, Telephone R-84-3-86 und R-J54-3-87.

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