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Die neue Welt · 1934-01-19 · Heft 333 (19.1.1934) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 333 (19.1.1934)
Date
1934-01-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 333 DIE NEUE WELT ^ite £ S Ü PAF RI KA- E XTiJ? NZUBR LUXUSEILÜIENST EUROPA r SÜDAFRIKA L MIT DEN (rtÖDEÄNEN J OZEANRIESEN ^4 ■^■^■^■^■Y ÖJtti/^.^tt^jm^m1 ' ^JoH / i Im Lokal anwesenden Hechaluz-Mitglieder die Worte „Da habt ihr die Revanche für Haifa!" zu. Einige Chaluzim wurden verwundet und liefen auf die Straße. Hier kam es zu Zusammenstößen, wobei es wiederum einige verletztc'Chaluzim gab. Die Polizei stellte nach fast halbstündiger Schlägerei die Ruhe wieder her und verhaftete drei Betarim. Wirkung des Boykotts Aus Berlin: Die deutschen Blätter bringen Nachrichten über den Leipziger Pclzhandcl, welche zeigen, daß durch die Nazirevolution dieser Handel nahezu vernichtet ist. — Ferner den Bericht, daß der Weltkurort Wiesbaden infolge „Wegbleibens von Juden und Ausländern" einen riesigen finanziellen Entgang zu verzeichnen hat, durch den alle Stadtbewohner empfindlich getroffen sind. In der letzten Badesaison hatte Wiesbaden 8000 Besucher weniger als in der gleichen Periode des Jahres 1932 zu verzeichnen gehabt. Mit deutscher Gründlichkeit Aus Berlin wird gemeldet: Gemäß einer neuen Verordnung der Regierung Bind Arier, die jüdische Geschäfte oder Geschäftskonzerne übernehmen, von der üblichen, übrigens sehr hohen Uebertragungssteucr befreit. Arische Firmen, die diese Steuer bereits entrichtet haben, haben Anspruch auf Rückvergütung. In der Begründung zu der Verordnung wird gesagt, dieses außergewöhnliche 'Privilegium liege im Interesse des nationalen Wiederaufbaues. In Unterwasser, in der Nähe von Mannheim, wurde soeben eine Schule zur Ausbildung nationalsozialistischer Kommissäre für die Verwaltung ehemals jüdischer Warenhäuser eröffnet. Der Eröffnungszeremonie wohnte als Vertreter der Reichsregierung Dr. Paul Rinteln bei. Das Landgericht Breslau hat die Bezeichnung „Christliches Spezialgeschäft" einer offenen Handeisgesellschaft untersagt, in der ein Gesellschafter getaufter Sohn eines Juden war. In dem Beschluß heißt es: Auf die Rassenzugehörigkeit, nicht aber auf das Bekenntnis komme es an. Deshalb sei die Bezeichnung „Christliches Spezialgeschäft" irreführend und zugleich sittenwidrig. * Die fortdauernde Uebertragung von durch Juden geleiteten Unternehmungen indasAusland wird in Wirtschaftskreisen mit beträchtlicher Besorgnis verfolgt. Mehrere jüdische Firmen aus der Textil- und der Stahlindustrie, die ihre Tätigkeit nach dem Ausland verlegt und ihre hochwertigen Maschinen mitgenommen haben, machen jetzt im Ausland dem deutschen Export Konkurrenz. Besonders die Rasierklingenindustrie Solingen ist dadurch stark betroffen worden. Der Stadtrat von Solingen, dem Zentrum der deutschen Stahlindusrie, fordert in einer Entschließung die Regierung auf, die Verlegung deutscher Fabrikationszweige nach dem Ausland durch ein Gesetz zu unterbinden. Raslere dich besser! die einzige schwedische Weltmarke Herbert Samuel, der Korruptioni's! lieber die Gründe des jüdisdh«arabisdieii Konfliktes Der Großmufti und Vorsitzende de3 Obersten Rates, Emin el Hussein, dessen Aufstieg hier geschildert wird, hat die Pogrome 1929 veranstaltet und führte jetzt die große Demonstration gegen die jüdische Einwanderung. In Berlin ist soeben ein Sammelbuch „Z u m jüdisch-arabischen Proble m" erschienen. Herausgeber ist die auf Klassenkampf eingestellte Organisation „Hechaluz" und die Schrift ist demzufolge nicht objektiv eingestellt. Aber sie enthält Tatsachenmaterial, das gerade heute, in der Zeit hoher Spannung zwischen Arabern und Juden in Palästina, für die Betrachtung der Vorgänge im jüdischen Nationalheim von großem Werte ist. In einem Artikel des palästinensischen Publizisten M. Beilinson wird auf die Tätigkeit des ersten Gouverneurs von Palästina, des Juden Sir Herbert Samuel, zurückgegriffen und die Wirksamkeit dieses Mannes, mit Recht, als einer der Hauptgründe für die heute bestehende gefährliche jüdisch-arabische Spannung im Lande dargestellt. Es war eine tragische Fügung, daß ein englisch-assimilatorisch und ghettomäßig eingestellter Jude im entscheidensten Momente zum Träger der Regierung im Lande der jüdischnationalen Zukunft bestimmt wurde. Manche Engländer glaubten damals, dem jüdischen Volke sei durch die Ernennung dieses Juden ein gewaltiger Dienst erwiesen. Sie war ein Unglück. Auf diesen Posten durfte nur ein Nationaljude oder ein ehrlicher, pflichttreuer Nichtjudc gestellt werden. Sir Herbert Samuel brachte aus dem Ghetto die Abneigung gegen das frei nationale Bekenntnis und den Hang zu krummwegiger Hintertreppenpolitik, die auf Verschleierung und Bestechung eingestellt ist, mit. Die Politik wird im Sammelbuche wie folgt charakterisiert: Im Mai 1921 wurde der Vorsitzende des obersten mohammedanischen Rates gewählt, der oberste Posten der palästinensischen Mohammedaner und daher auch wichtigste für die ganze mohammedanische Welt. Der diesen Posten innehat, erhält dadurch entscheidenden Einfluß auf den größten Teil der arabischen Einwohner des Landes. Er hat die Berechtigung, in ihrem Namen zu sprechen. Die Nachbarländer schenken seinen Worten Gehör. Er konzentriert die ganzen Fäden der arabischen Politik und Intrigen in seiner Hand. Er verfügt über öffentliche Gelder und religiöse Besitztümer (Wakuf), er verteilt Posten, schließt Verträge ab, die keiner Kritik unterworfen sind, arrangiert Geldsammlungen im Ausland. Von ihm, von seiner Rechtschaffenheit, seiner Toleranz und seinem Gewissen hängt in nicht geringem Maße der Frieden des Landes ab. Bei den Wahlen im Jahre 1921 konkurrierten zwei Kandidaten miteinander: Djeralla — Mitglied einer vornehmen und ruhigen arabischen Familie ■— wegen seiner Einsicht und Besonnenheit bekannt, nach aller Ansicht ein Mann des Friedens und der Duldsamkeit, und Emin El Husseini — ein junger Mensch, der einer wegen ihrer Herrschsucht und politischen Intrigen berüchtigten arbischen Familie entstammt; er selbst wurde als Führer der Pogromhelden gegen die Juden verhaftet und durch die palästinensischen Gerichte zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Djeralla erhielt die Stimmenmehrheit, 18 Stimmen, sein Gegner die Hälfte. Die Entscheidung lag in den Händen des palästinensischen Oberkommissärs, Sir Herbert Samuel. Er entschied zugunsten des Pogromstifters und überließ Emin El Husseini die Herrschaft über die palästinensischen Mohammedaner. Samuel tat nicht nur dies. Er unterband die jüdische Einwanderung ins Land; wie bekannt, war das Hauptziel der Pogromanstifter das Chaluzheim in Jaffa. Samuel verfaßte das „Weißbuch" und schlug es Churchill zur Bestätigung durch die Regierung vor. Dieses Weißbuch kam einem Entgegenkommen gegenüber der Hetzbewegung auf Kosten der zionistischen Bewegung gleich. Im Gegensatz zum Wortlaut des Mandates und seinem Geiste weigerte sich Samuel, diejenigen palästinensischen Regierungsländereien, die ihm zur Verfügung standen, an die jüdischen Siedler zu verteilen. Die ehemaligen Kriegsteilnehmer — sie sollten doch die natürlichen Anwärter, nach aller Meinung und auch nach rein angelsächsischer Auffassung, für Ansiedelung sein — mußten entweder das Land verlassen oder sie bemühen sich bis heute vergeblich, Möglichkeiten der Ansiedlung zu erlangen. Die Regierungsländereien erhielten Beduinen, W**i*&. BRvfa*^ S LEOPOLD JELLINEK *^VII.BURGGA/SE5 u GENUA MARSEILLE GIBRALTAR DAKAR KAPSTADT NATAL EASTUNGSFAMOT VON GENUA am 6.f EB;1934 fOia€£a\ VEREINIGTE FLOTTEN.GENUA WIEN,L,KÄftNTNERRING64 U-klS-bQ die damit nichts anzufangen wußten. Die palästinensische Regierung bemühte sich vor einigen Monaten, sie von der überflüssigen Last zu befreien, die in den Händen anderer zu einer Quelle des Segens und der Zivilisation hätte werden können. Samuel schlug den palästinensischen Arabern wiederholt in verschiedener Form „repräsentativ© Institutionen" vor, angefangen von einem „Erwählten Regierungskonzil" bis zur „Arabischen Agentur". Welche Folgen lassen sich aus der Erfahrung, die uns Samuel hinterlassen hat, ziehen? Etwa nur die, daß sich unter den Arabern ein Mensch fand, der keine Dankbarkeit kennt und Gutes mit Schlechtem vergilt? Diese Folgerung allein wäre kindisch. Die Politik kann nicht auf persönlichen Eigenschaften dieses oder jenes Menschen basiert werden. Wenn jemand käme und aus der Haltung Samuels, im Lichte der letzten Ereignisse, von der Schädlichkeit einer Friedenspolitik und von der Notwendigkeit einer „starken Hand" sprechen würde, so würde das sicher ein Irrtum sein. Denn die Taten Samuels sind keine genügende Basis zur Beurteilung einer Friedenspolitik. Zwischen ihnen und Taten des Friedens besteht keinerlei Zusammenhang. Sir. Herbert Samuel ist überhaupt kein Mann des Friedens, des Verzichtes und der politischen Weichheit. Sir Herbert Samuel legte seiner palästinensischen Politik nicht das Prinzip des Friedens oder des Verzichtes zugrunde. Was er im Lande in entscheidenden Augenblicken seiner Politik tat, tat er nach dem Prinzip der Korruption und der Bestechung. Dieses Prinzip wird besonders deutlich im Falle Emin El Husseini. Wodurch erlangte dieser Mensch seinen Posten?, Warum entschied Samuel zu seinen Gunsten? Forderten dies etwa die arabischen Massen oder wenigstens die obersten Schichten des arabischen Volkes? Der Mann war ja im mohammedanischen Rat in der Minderheit geblieben. Zeichnete er sich durch Besonnenheit, Duldsamkeit und Vernunft aus, oder leistete er der englischen Regierung besondere Dienste, und war er deshalb einer Belohnung, und sei es auch gegen den Willen der Menschen, als deren Vertreter er zu gelten hatte, würdig?, Und nun, er war es doch, der den palästinensischen Aufstand mit hervorrief. Er stand bewaffnet an der Spitze der Pogromisten und ihn verurteilte ein englisches Gericht, vor dem er nicht zu erscheinen wagte, zu Zuchthaus. Warum also wurde er zur Herrschaft erhoben?. Nur eins sprach zu seinen Gunsten, und zwar, daß er ein Pogromist, ein Feind der englischen Re- Die Hochsaison in Tel-Awiw Die Zeit zu Purim und Pessach ist die Hochsaison für Touristik in Tel-Awiw, sowie auch allgemein in Palästina. Es ist daher unsere Pflicht als offizielles propagandabüro der Stadtgemeinde Tel- Awiw, alle Interessenten darauf aufmerksam zu machen, daß sie ihre beabsichtigten Reisen in dieser Saison rechtzeitig anmelden, da sonst die Gefahr besteht, keine Zimmer in den Hotels in Palästina zu bekommen. Auskünfte und Anmeldungen im Weltreisebüro Compass Tours, Wien, IX., Spitalgasse 3, Tel. B-42-5-38. f lim Vfl*n0llfll am 21- Februar bis 10. März 1934 ZUlU ItUrilgvUI - „Conte di Savoia« „Roma" Compass-Tours Anmeldestelle: Offizielles Propagandabüro der Stadtgemeinde Tel« Awlw IX, Spitalgatse Nr. 3 Telephon B-42>?-38

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