Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 333 (19.1.1934)
- Date
- 1934-01-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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! Nr. 333 DIE NEUE WELff Seite 5 in diesem Augenblick nicht an der Spitze der Bewegung /■sehen. Eine geeinigte nationale Front? Ja, aber das BÜrfte nicht bedeuten, sich dem Befehle einer Partei zu (unterwerfen und ihre Dogmen anzunehmen. Diejenigen, ^reiche von einer gemeinsamen Front sprechen, müssen zunächst die Basis dieser Front klarstellen. Eine vereinigte Front mit der Linken? Wir sehen in ihren Reihen weder einen McDonald noch einen Snowden und wir glauben nicht an eine Möglichkeit, solche Figuren bei Ihnen zu sehen. Der linke Flügel im Zionismus hat in den vielen Jahren seiner Wirtschaft immer nur Mißerfolge gehabt. Er soll von der Leitung abtreten. Unser Antrag vor dem Kongresse, die Errichtung einer nationalen Konzentration, kehrt nun wieder, aber wohlverstanden: Es wird gut für den Zionismus sein, wenn der linke Flügel in die Opposition tritt und die nationale Konzentration die Leitung übernimmt. Die thoralreuen Zioiusten lordern den Rücktritt der zionistischen Exekutive Aus Jerusalem: Die Exekutive des Welt- Misrachi teilt mit, daß der Misrachi-Weltverband sich offiziell an die Leitung der Zionistischen Weltorganisation in London mit der Forderung gewandt hat, auf die Tagesordnung der bevorstehenden Sitzung des Zionistischen Aktionskomitees eine Aussprache über den Vorschlag zu setzen, daß die gegenwärtige Exekutive zurücktrete, um die Wahl einer Koalitionsleitung zu ermöglichen. Ferner schlägt Misrachi vor, daß sich das Aktionskomitee mit den dem Kongreß unterbreiteten misrachistischen Forderungen, betreffend die Einhaltung der religiösen Vorschriften in Palästina, sowie mit Einwanderungsfragen, insbesondere mit der Art der Verteilung der Zertifikate und mit der Mittelstand ssiedlung, befasse. Der Tageszeitung „Doar Hayom" zufolge wird sich die Exekutive des Misrachiverbandes in ihrer nächsten Sitzung ausführlich mit der Forderung nach Umbildung der Zionistischen Exekutive im Sinne einer alle Parteien umfassenden breiten Koalition beschäftigen. Der noch im Verlauf dieses Monats stattfindenden Sitzung werde in allen misrachistischen Kreisen mit größter Spannung entgegengesehen. Die Hauptleitung der Organisation sei nunmehr zu einem radikalen Standpunkt gelangt, während die Opposition erheblich geschwächt sei. Die Diskussion auf der nächsten Tagung der Misrachi-Exekutive werde vor allem das Verhältnis zur derzeitigen Zionistischen Exekutive zum Gegenstand haben. Der deul§die Dichterfürst von j heute Was nun folgt, ist ekelhaft, aber es kommt von einer Stelle, die für das Geistesleben und die Gemütsverfassung des großen Deutschland so maßgebend ist, daß man davon Kenntnis nehmen muß. Hanns Johst, ein Schriftsteller, der sich vor den Tagen Hitlers großen Ansehens erfreute, ist von Hitler zum Intendanten der Staatstheater ernannt worden. Mit der „Berufung" ist über Hanns Johst ein neuer Geist gekommen, und er hat ein Stück „Die Propheten" geschrieben, in welchem Judenszenen folgenden Inhaltes vorkommen: Baruch, ganz und gar als widerwärtiger Geld jude geschildert, trifft in Begleitung seines Sohnes Isaac den Ritter und sein Gefolge, dem er gerade das Geld bringt, das dieser von Baruch leihen wollte. Dies ist des Ritters Gruß: „Man hetzt die Sau — und trifft den Juden! Wo ist das Geld?" Baruch ahnt, daß er geprellt werden soll, und erklärt vorsichtig, nur den Vertrag bei sich zu haben. Das hilft ihm aber nichts, denn mit den Worten: „Wo der Christ das Herz trägt, trägt der J u d das Gel d", zieht ihm der Jagdmeister den Beutel aus dem Halsausschnitt. Der Ritter lacht: „Gut Spur genommen! Gebt!' und indem er den Beutel nimmt, befiehlt er: „Zur Jagd! .. . den beiden Juden jezwanzigübers Kreuz als Quittung!" Was denn auch geschieht: „Die Röcke runter! Den Rücken frei! Die Haselgerte streicht gut Salbei!" Noch 3chlimmer ergeht es den beiden Juden später. Baruch, der das Christentum haßt, muß es erleben, daß sich seine beiden Kinder taufen lassen. Rahel hat ihren Schmuck in den Dom gebracht und ihn der Mutter Gottes geweiht. Isaac ist aber damit nicht einverstanden. Er will den Schmuck aus dem Dom zurückholen und in die Synagoge tragen. Dabei handelt er mit dem jüdischen Gott: „Ich verspreche dir, ich trage es nicht zur Synagoge! Soll es ohne Prozente in deiner Lage liegen? Ich stehe dir gut! Zwölf — die Zeiten sind grausig, sagen wir acht — Prozent." Bei der Flucht aus dem Dom wird Isaac von einigen wilden Kumpanen überfallen, ausgeraubt und aufgehängt. Die Hinrichtung mit dem Strick vollzieht sich auf offener Szene. Da- JDDISCHE8 LEXIKON komplett, zu kauten gesucht Anträge an Deslder Forgacs, Baoka Topoia (jugosi. Höhensonne im eignen Heim strahlt unabhängig von Wetter und Jahreszeit. Für beruflich Angestrengte bedeutet die kleine Höhensonne Urlaubsersatz und Nachurlaub. Die Bestrahlungen dauern nur wenige Minuten, stärken den Gesamt-Organismus und sind wertvoll für die ganze Familie. Auch Ratenzahlung nach Vereinbarung. Bitte, verlangen Sie Prospekt Nr. 231 Quarzlampen-Gesellschaft m. b. II., Fabrik Linz, Postfach 731 Verkaufslager: Wien, III., Kundmanngasse 12, Tel. U-ll-2-27. 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So was schreibt ein Schriftsteller von wirklichem Format, der mit Recht eine gute Kritik fand. Weil er Dichterfürst von Hitlers Gnaden geworden ist. Was sollen erst da drüben die „kleinen" Federhelden zusammenschreiben? Ihr Präsident, Herr Johst, läßt ihnen wirklich nicht viel Spielraum im Ekelhaften übrig. Hans Pfitzner kränkt sich! Aus Berlin: In der Zeitschrift „Die Musik" findet man ein „Fanfare für Hans Pfitzner!" betiteltes Gespräch mit dem berühmten Dichter-Komponisten, aus dem man erfährt, daß das Dritte Reich Pfitzner bisher vollkommen übergangen hat. Er wirkt nicht als Lehrer an einer der staatlichen Hochschulen oder Akademien, nicht als Dirigent oder Regisseur an einem der staatlichen Theater, er wurde nicht in den Staatsrat, nicht in die Musikkammer berufen und seine Werke werden weniger denn je aufgeführt. Pfitzner erzählte dem Interviewer, er habe ein Horst-Wessel-Drama entworfen und komponiert, eine nationalsozialistische Hymne geschaffen, ohne daß man von ihm Notiz nahm. Gekränkt berichtete er, er, Pfitzner, habe den Kampf gegen das Judentum zu einer Zeit geführt, da er noch gefährlich gewesen sei, und er habe an der nationalsozialistischen Weltanschauung mitgearbeitet. Es ist bekannt, daß der Jude Gustav Mahler Pfitzners erste Oper „Rose vom Liebesgarten" in der Wiener Hofoper und der Jude Bruno Walter seine Oper ,,Palästrina", ein großes Wagnis, in Berlin zur Uraufführung brachte. Auch sonst wurde Pfitzner stark von Juden gefördert. AUS PALÄSTINA Von der Levanfesfciesse Französischer Pavillon Die ständige Kommission für Messewesen im französischen Handelsministerium veröffentlicht ein Kommunique", in dem mitgeteilt wird, daß auf Wunsch des Handelsministeriums auf der nächsten Levante-Messe in Tel-Awiw ein französischer Pavillon errichtet wird. Bei dieser Gelegenheit wird auf die Bedeutung der Messe hingewiesen, die sich „ebenso wunderbar entwickelt habe wie die Stadt, in der sie abgehalten wird". Es wird festgestellt, daß auf der letzten Tel-Awiwer Messe 23 Länder vertreten waren und daß der außerordentliche Erfolg dieser Veranstaltung darauf zurückzuführen ist, daß Palästina, ein Land, in dem ungewöhnlicher Wohlstand herrsche, im Verkehr zwischen Ost und West eine immer größere Rolle spiele. Während fast alle Länder der Welt in den letzten fünf Jahren bemüht gewesen seien, den Warenbezug aus dem Ausland — in einzelnen Fällen um über 50 Prozent — zu vermindern, sei Palästina in dieser Beziehung die einzige Ausnahme. Denn es habe seinen Import nicht verkleinert, und während in anderen Ländern die Einfuhr pro Kopf der Bevölkerung höchstens 20 bis 25 Franken betrage, sei der entsprechende Betrag für Palästina 640 Franken. Es folgt eine Aufzählung von Warengattungen, die für die Einfuhr von Frankreich nach Palästina in Betracht kommen. Die Libanon-Regierung beteiligt sich an der Messe Aus Beirut: Die Beiruter Zeitungen melden, daß die Regierung des Staates Libanon sich offiziell an der Tel-Awiwer Levante-Messe 1934 beteiligen wird. Die jugoslawische Regierung bewilligt 100.000 Dinar für einen Pavillon auf der Levante-Messe in Tel-Awiw Die jugoslawische Regierung hat dem Jugoslawisch-palästinensischen Wirtschaftskomitee die Summe von 10 0.0 0 0 Dinar zur Errichtung eines jugoslawischen Pavillons auf der Levante-Messe in Tel- Awiw im Frühjahr 1934 zur Verfügung gestellt. Der Präsident des Wirtschaftskomitees, Dr. Friedrich Pops, besuchte in Begleitung des Chefs des Instituts zur Förderung des Außenhandels im Handelsministerium, Doktor Juraj Tomitschic, den Finanzminister, der ein besonderes Interesse für die Levante-Messe bekundete. Der jugoslawische Pavillon wird die erste jugoslawische Wirtschaftsausstellung im Orient sein. Spanien sucht Handelsbeziehungen zu Palästina Aus Jerusalem: In Palästina ist ein Delegierter des spanischen Handelsministeriums aus Madrid eingetroffen. Der Delegierte wird das ganze Land bereisen und versuchen, wirtschaftliche Beziehungen zwischen Spanien und palästinensischen Erzeugern und Verbrauchern herzustellen. Bekanntlich besteht auf dem englischen und kontinentalen Orangenmarkt zwischen Palästina und Spanien eine starke Konkurrenz. ttftS Erhöhter Import, verminderter Export im Jahre 1933 Aus Jerusalem: Wie aus soeben veröffentlichten Statistiken hervorgeht, ist der Import nach Palästina in den Monaten Juli, August und September 1933 gegenüber dem gleichen Zeitabschnitt des Vorjahres bedeutend gestiegen, der Export hingegen um etwa 60 Prozent gesunken. Diese Erscheinung wird darauf zurückgeführt, daß einerseits die starke Neueinwanderung im Jahre 1933 eine bedeutende Einfuhr von Uebersiedlungsgut mit sich gebracht hat, anderseits ein großer Teil der früher dem Export zur Verfügung gestandenen Waren vom Binnenmarkt aufgenommen wurde. Dies bezieht sich vor allem auf landwirtschaftliche Produkte, die im Lande selbst einen günstigeren Markt fanden als im Ausland. Im Juli, August und September 1933 betrug der Palästina-Import 930.215, bzw. 937.572 und 1,011.182 Pfund gegenüber 554.947, 790.981 und 899.611 Pfund in den gleichen Monaten des Vorjahres. Die entsprechenden Exportziffern lauten für 1933 99.815, 125.989 und 107.891 Pfund gegenüber 234.170, 216.873 und 187.831 Pfund im Jahre 1932. Gold- und Kupfererze in Südpalästina? Aus Gaza: Arabische Zeitungen berichten, daß Captain Williams, der Direktor der Sulphur Quarries Ltd., die eine Lizenz erworben hat, in Südpalästina nach Schwefel zu forschen und etwa vorhandene Lager abzubauen, 200 Kilometer südlich von Beer Sheba bei der Ortschaft Marschusch Lager von Gold- und Mangankupfererzen gefunden habe.' Eine offizielle Bestätigung der Nachricht steht aus. Eine landwirtschaftliche Mittelschule bei Chedera Aus Jerusalem: Unter den Auspizien des Verbandes jüdischer Landwirte und der „Pica" soll demnächst zwischen Pardess, Channah und Karkur in der Gegend von Chedera eine jüdische landwirtschaftliche Mittelschule errichtet werden. Mit dem Bau der Schulgebäude und einer den Bedürfnissen des Landes angepaßten Musterfarm soll in allernächster Zeit begonnen werden. Vom ArlosovoffrMordprozeß Aus Jerusalem: In der letzten Verhandlung im Arlosoroff-Mordprozeß kam die Broschüre von Ben-Zion Katz „Ich kann nicht länger schweigen!" zur Sprache, in der die Aussage Schammai K u p e rsteins reproduziert wird, wonach Frau Arlosoroff kurz nach dem Mord erklärt hätte, ihr Mann sei durch Araber erschossen worden. Kuperstein, nochmals als Zeuge vernommen, blieb bei der Aussage, daß Frau Arlosoroff diese Erklärung abgegeben hätte. Der BÜroangestellte Samuel Moldawsky sagte aus, er sei an dem Mordabend mit einem Mädchen am Strande in der Nähe der Käthe-Dan- Pension, wo das Ehepaar Arlosoroff gewohnt hat, spazieren gegangen. Plötzlich habe ihm eine Person mit Reisebüro Jarlentte" Wien I, RotenfurmstraBe W,w ummi KRAKAU u. zuritok 52*- 15. Febr. Abfahrt Püsse u. Visa gratis! LEMBERG ti. zurück 85. 4. März Rückkunft Plätze niuneri«f||