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Die neue Welt · 1934-01-19 · Heft 333 (19.1.1934) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 333 (19.1.1934)
Date
1934-01-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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V-«v^ Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 333 POIEN! BILLIGE SONDERFAHRT nach Abfahrt: 15. Feber 1984, Ruckfahtt: 4. MHrx 1934 Wien—Krakau Wien—Lemberg f%{\ und retour S9f und retour S 9VaH> Paß- und Visaaebühren gratisl Numerierte Sitzplätze in beiden Richtungen, geheizte Pullmanwagen £ Polnisches Verkehrsbflro, M ■ «ft... Iii D„__—■! _ g ,FRANCOPOL Wien III, ftennwos Hr. Tel. U-16-4-90 kott deutscher Waren teilnehmen; gegen diese Firmen ioll ein Revancheboykott organisiert werden. „Bund der Silberhemden" Aus Hamburg: Im „Hamburger Tageblatt" und In anderen gleichgeschalteten Zeitungen veröffentlicht ein offenbar zur Führung antisemitischer Propaganda nach Amerika entsandter Agitator einen Bericht über die Tätigkeit eines über ganz Amerika verbreiteten Geheimbundes zur Bekämpfung des Judentums, der sich „Bund der Silberhemden" nennt. Dieser Bund sei kein bloßer Abklatsch des Faschismus, sondern eine zielbewußte judenfeindliche Bewegung. Gegen die nationalsozialistische Heize in Amerika Aus New York: Auf Initiative des bekannten jüdischen Anwalts Samuel Untermyer wurde die „Anti-Nazi-Liga zur Verteidigung der Menschenrechte" begründet, die sich die Bekämpfung der nationalsozialistischen Judenhetze in Amerika zum Ziele gesetzt hat. Der Leitung der Liga, die großen Anklang in Amerika gefunden hat, gehören unter anderen an: Advokat Samuel Untermyer, Rabbi Abba Hillel Silver, der frühere Vorsitzende des Appellationsgerichts Viktor Dawling, Richter Arthur Tompskins, der frühere amerikanische Botschafter in Deutschland James Gerard, die Chefredakteure Ab Cahan, Jakob Fishman, Dr. A. Koralnik. Untermyer leitete eine Untersuchung zur Demaskierung der provokatorischen Methoden der deutschen Nazi- Emissäre in den Vereinigten Staaten ein, die nach bewährtem Muster durch Organisierung einer rücksichtslosen Judenhetze unter den breiten Massen die Grundfesten des Staates erschüttern wollen. Es werden u. a. in großen Mengen provokatorische Flugzettel mit der Aufschrift „Boykottiert die Christen — kauft nur bei Juden!" verbreitet. Die Resultate der Untersuchung der Untermyer-Liga werden regelmäßig der Kommission des amerikanischen Kongresses zur Erforschung der Nazi-Propaganda übermittelt. Samuel Dickstein verzichtet auf den Vorsitz Aus New York: Samuel Dickstein, Vorsitzender der Einwanderungkommission des Repräsentantenhauses des amerikanischen Kongresses, dem vom Kongreß die Untersuchung der Nazi-Umtriebe in den Vereinigten Staaten übertragen wurde, teilt der Presse mit, der Kongreß werde demnächst eine Sonderkommission zur Fortführung der Untersuchung der Nazi- Umtriebe und zu deren Bekämpfung einsetzen; er, Dickstein, verzichte aber auf den Vorsitz in dieser Kommission. Er ist der Meinung, die Führung der Untersuchung gegen die Nazis läge am besten in den Händen eines Nichtjuden, nachdem er als jüdischer Untersuchungsführer Zielscheibe einer Kritik von verschiedenen Seiten gewesen ist. Die amerikanische Judenheil protestiert Gegen die Palästina-Regierung Aus New York: Unter dem Vorsitz des Präsidenten der Zionistischen Organisation Amerikas Morris Rothenberg fand in New York eine Konferenz von Repräsentanten aller großen jüdischen Organisationen der Vereinigten Staaten statt, in der die Politik der Palästina-Regierung in letzter Zeit besprochen wurde. Es wurde eine Resolution gefaßt, in der an den High Commissioner für Palästina der Appell gerichtet wird, alle der Zulassung von Juden nach Palästina im Wege stehenden Hindernisse zu beseitigen. Die Konferenz brachte in der Resolution ihre tiefe Besorgn i s über die in Palästina entstandene Lage zum Ausdruck, von der gesagt wird, daß sie sowohl die Zukunft der jüdischen nationalen Heimstätte als auch die wichtigsten Interessen aller Bewohner des Landes gefährde. Ferner wird die tiefe Enttäuschung der amerikanischen Judenheit über die von der Palästina-Verwaltung bezüglich der Einwanderungs-Schedule getroffene Entscheidung zum Ausdruck gebracht und darauf hingewiesen, daß dieses Vorgehen Bestehen und Ausbau der palästinensischen Unternehmungen schwerstens gefährde, und in offenkundigem Widerspruch zum Geist der Balfour- Deklaration und des Palästina-Mandats stehe. Die Resolution bringt auch das Bedauern über die in Palästina gegen Touristen getroffenen Maßnahmen zum Ausdruck, die als unverdiente Beleidigung der jüdischen Gefühle bezeichnet werden. Es wurde eine Delegation gewählt, die den Auftrag erhielt, diese Resolution dem englischen Botschafter in Washington zu überreichen. „ In der Versammlung erklärte der Vorsitzende Morris Rothenberg, die von der Palästina-Regierung getroffenen Maßnahmen seien so beunruhigend, daß die Beschäftigung mit ihnen selbst hinter die dringende Behandlung des Problems jüdischer Notlage in anderen Ländern nicht zurücktreten dürfe. Die übrigen Redner, unter denen sich Richter Julian W. M a c k und Doktor Stephen S. Wise befanden, führten Klage darüber, daß bei der Einschränkung der Palästina-Einwanderung nicht gemäß dem Grundsatz der Berücksichtigung der Aufnahmefähigkeit des Landes verfahren worden sei. ZIONISTISCHES JUGENDSEMINAR Veranstaltet von der Judenstaatsjugend. Dienstag, den 23. Jänner 1934, um 8 Uhr abends im Helme, II., Untere Augartenstraße 38, findet im Rahmen des Seminars ein VORTRAG des Herrn Kultusvorsteher Ing. Eugen Buchbinder statt. Wie lange noch? Gewalt hier, Gewalt dort. Aus Warschau wird berichtet: Der sehr reich ausgestattet gewesene Palästina-Basar in Kielee ist durch Mitglieder des revisionistischen Brith Hachajol und des Brith Trumpeldor vollkommen d e m o 1 i e rt worden; der materielle Schaden ist groß. Die Polizei verhaftete den Kommandanten des Brith Hachajol, Adolf Lewi, und zwei andere Revisionisten. Die Revisionisten behaupteten, man habe aus ihrem Kiosk ein Porträt ihres Führers Jabotinsky entfernt, und verlangten Genugtuung. Als diese ihnen verweigert wurde, schritten sie zur Demolierung des Basars. * An einer anderen Stelle dieser Nummer wird aus Palästina berichtet, daß in Haifa Mitglieder der klassenkämpferischen Arbeitergewerkschaft ,,H istadruth" über revisionistische Arbeiter hergefallen sind, sie blutiggeschlagen haben und in ihre Lokale und in Fabriken ihrer Arbeitgeber eingedrungen sind. Auch dort blutige jüdische Köpfe, vernichtetes jüdisches Gut, Eingreifen nichtjüdischer Polizei, maßlos gesteigerter Haß. * Juden gehen gegen Juden, Zionisten gegen Zionisten in rabiater Form vor. Ein Gaudium für die Nichtjuden in Polen und Palästina und überall. Nicht die verhetzten, von rückwärts zu Raufereien kommandierten Jungen sind schuld. Schuld sind jene Faktoren in der Zionistischen Organisation, die kraft ihrer Stellung berufen sind, als unparteiischer Faktor einzugreifen, die das aber nicht nur unterlassen, sondern die Stimmung noch verschärfen: vor allem die Allgemeinen Zionisten. Ich erhebe gegen die „A11 g e m e i n e n Z i o n ist e n" die Anklage, daß sie in dem zwischen Poale- Zion und Revisionisten entbrannten Kampfe Partei zugunsten der ersteren ergriffen haben. Als Mitglied der Judenstaatspartei, also gerade einer Partei, welche sich von den revisionistischen Organisationen losgesagt hat, und nicht zuletzt deshalb, weil in letztere undemokratische Tendenzen und eine Neigung zu heute modern gewordenen, den Charakter der Gewaltsamkeit tragenden Methoden zutage getreten sind,, habe ich das Recht zu dieser Anklage. Ich stelle fest, daß die Allgemeinen Zionisten sich als Wegbereiter der klassenkämpferisch eingestellten Gruppe im Zionismus gebärden und gegen Uie nationalen Gruppen, insbesondere die Jugendgruppen, gleichgültig oder, im Falle der revisionistischen, feindlich eingestellt sind. Soweit die Allgemeinen Zionisten Verwalter der verschiedenen Fonds sind oder auf ihre Verwaltung Einfluß haben, befriedigen sie alle poale-zionistischen Ansprüche und weisen alle anderen, besonders revisionistische, ab. Bei jedem Zusammenstoß zwischen Polae-Zionisten und Revisionisten ergehen sich die Zeitungen der Allgemeinen Zionisten in bedingungsloser Verurteilung der letzteren und Verteidigung der ersteren. Ganz besonders, wenn es sich um Vorgänge in P a 1 ä s t i n a handelt. Die meisten und größten Zeitungen der Allgemeinen Zionisten haben bisher kein Wort der Verurteilung der unerträglichen Gewaltherrschaft der Poale-Zion auf dem Arbeitsmarkte in Palästina gefunden. Wenn Revisionisten und andere, nicht in der „Histädruth" organisierte, national ge* sinnte Arbeiter brutal von ihren Arbeitsplätzen ver* jagt werden, verschweigt es diese Presse. Wenn die Verjagten sich wehren, werden sie als „Streikbrecher" und „Gewalttäter" hingestellt. PURIM KARNEVAL in TEL'AWIW Palästuia«Reise vom 20« II« bis 15« III» Reisedauer 3 Wochen, für nur S 620«— mit dem Luxusdampfer „Conte di Savoia" (48.000 Tonnen). Retour mit dem Luxusdampfer „Roma". Aufenthalt in den bedeutendsten Städten Italiens. Durch R. V. G. „Reisebüro", Wien I, Rotenturmstraße 80 (Ecke Fleischmarkt 1), Telephon: R-24-5-25 I In der Mordaffäre Arlosoroff hat die j „Histädruth" eine schmähliche Hetze gegen die Revisionisten betrieben. Sie hat verlogene Mordbeschuldigungen erhoben, ins Gerichtsverfahren eingegriffen, ist in gewissenloser, ehrvergessener Art angeklagten Zionisten in den Rücken gej fallen, hat der Welt das schändliche Schauspiel niedriger Denunziation geboten. Die Mehrzahl der „Allgemeinen" und ihre Zeitungen haben kein Wort der Verurteilung gefunden, ja, sie haben der „Histädruth" bei ihrem unerhörten Tun Beistand geleistet. „Der Mörder ein Revisionist", „Die Revisionisten der Schuld überwiese n", solche und ähnliche Aufschriften waren in den „Allgemeinen" zionistischen Zeitungen zu finden. Jetzt ist die Anklage zusammengebroch.io. Nach monatelangen Untersuchungen und Verhören hat sich keine Spur eines Beweises ergeben, der auchnur für die Erhebung einer Anklage genügen würde. Was tun die „Allgemeinen" und ihre Presse jetzt? Sie schweigen! Ich klage die Allgemeinen Zionisten an, daß sie nichts tun, um dem brudermörderischen Kampfe zwischen Poale-Zionisten und Revisionisten Einhalf; zu tun, ihn auch nur zu mildern. Ihr aktives und passives Verhalten ist Oel in das Feuer, welches die Zionistische Weltorganisation ergriffen hat. Indem sie die poale-zionistischen Gewalttäter stützen und schützen, haben sie das Recht verloren, die revisionistischen zu verurteilen. Sie haben das Recht verloren, darüber zu klagen, worüber sie so gern klagen: über¬ Zwietracht und Zügellosigkeit im Zionismus. Solange sie ihre Haltung nicht ändern und den Willen und Mut zu zionistischer Gerechtigkeit nicht finden, tragen sie ein volles Maß an Schuld. Robert Stricker. Terrorakte in Haifa Aua Jerusalem wird uns unter dem 14 Jänner gemeldet: In der letzten Zeit hat sich die Spannung zwischen den Mitgliedern der sozialdemokratischen Arbeiterorganisation „Histädruth" und dem nationalen „Irgun" in Haifa erheblich verstärkt. Zu dem nun In aller Stärke ausgebrochenen Konflikt trägt der Umstand bei, daß revisionistische Unternehmer abgelehnt haben, ein von der Histädruth diktiertes Abkommen zu unterfertigen. Längere Zeit hindurch versuchte die Histädruth, den Mitgliedern des Irgun den Dienstantritt bei Unternehmern und in den Kolonien unmöglich zu machen. Als sie aber sah, daß der Irgun sich nicht unterwerfe, vielmehr seine Organisation ausbaue, griff sie zur Gewalt. Die jüngsten blutigen Vorfälle sind auf den Aerger der Histädruth über ihre diesbezüglichen Mißerfolge zurückzuführen. Hauptsächlich schmerzt sie der Mißerfolg in Haifa, das die Histädruth stets als marxistisches Bollwerk angesehen hat. In einem eigenartigen Licht erscheint die Situation, wenn man bedenkt, daß der Histädruth In Haifa zahlreiche Araber angehören, die zusammen mit ihren jüdischen Genossen gegen die nationale Arbeiterorganisation vorgehen. - ' Im Verlauf der letzten Tage würden zahlreiche Arbeiter, darunter hauptsächlich Mitglieder des Irgun, verhaftet. Einzelne von ihnen waren schwer verwundet. Der jüdische Gemeinderat von Haifa bemüht sich, den Konflikt zwischen den beiden Arbeitergruppen beizulegen. Eine weitere Meldung besägt, daß bei dem Ueberfall, welchen Mitglieder der sozialdemokratischen Histädruth auf die Arbeiter des jüdischnationalen Irgun verübt haben, dreißig Menschen verwundet und eine Reihe von Lokalen demoliert wurden. Die Polizei hat dreißig Verhaftungen vorgenommen. Überfall in Wiliia Aus W i l n a wird gemeldet: Am 16. Jänner ist das Lokal des hiesigen „Hechaluz" von einer Reihe uniformierter B e t a r i m und Mitgliedern des Brith H a c h a j i 1 umstellt und mit schweren Pflastersteine» beworfen worden. Die Exzcdenten riefen hiebei da&

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