Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1934-01-12 · Heft 331 (12.1.1934) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 331 (12.1.1934)
Date
1934-01-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2711613-2711952-2711954--4115-2717551
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 331 DIE NEUE WELT Seite 7 AUS PALÄSTINA Eine Million Kisten Orangen aus Palästina exportiert Aus Jaffa: Seit Beginn der Orangen-Saison bis Ende Dezember 1933 wurden aus Palästina Uber eine Million Kisten Orangen, 104.000 Kisten Grape Fruit und 12.500 Kisten Zitronen exportiert. Drei Viertel des Exports gingen über Jaffa, ein Viertel Uber Haifa. Neue Erzeugungen in Tel-Awiw Drei deutsche Juden haben eine Lebensmittelfabrik „Hamesin" in Tel-Awiw gegründet. Die Fabriksinhaber genießen den Ruf hervorragender Fachleute. Der erste Artikel — Backpulver — erschien bereits auf dem Markte. Das Unternehmen wird Palästina mit verschiedenen Lebensmitteln, welche bisher importiert werden mußten, versorgen. Vor kurzem ist in Tel-Awiw eine Fez-Fabrik eröffnet worden. Die Fabrikanten — Juden aus Polen — beschäftigen einstweilen 10 Arbeiter, welche den ganzen Produktionsprozeß — Wollbearbeitung, Färberei, Appretur — durchführen. Die Maschinen wurden teils aus Polen eingeführt, teils in Erez Israel gebaut. Das Unternehmen vermag wöchentlich 1200 Fez und Pullmann-Kappen zu erzeugen. Arbeitsfriede in Palästina Aus Tel-Awiw: Nach längeren Verhandlungen wurde in Tel-Awiw ein vereinigtes Arbeitsvermittlungsbüro und Schiedsgericht gebildet, in dem alle Parteien vertreten sind und an dessen Spitze ein aus Bürgermeister Meir Dizengof f; Rabbi Schapiro und J. Aronowitz von der Histadruth-Exekutive gebildetes Dreierkomitee steht. Das Büro wird die Arbeitsvermittlung und die Arbeitsaufsicht unter anderem in der gesamten Bauindustrie und bei allen öffentlichen Arbeiten in Tel-Awiw innehaben. In ihm sitzen Vertreter der Histadruth, des Poel Misrachi, der Revisionisten, des Handwerkerverbandes und der Yemeniten. Zur Entscheidung prinzipieller Fragen soll eine Kommission des Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat) herangezogen werden. Die Arbeitsverteilung auf die einzelnen Verbände geschieht nach einem. bestimmten Index, Die Unternehmer werden verpflichtet, nur die ihnen vom Arbeitsbüro zugewiesenen Arbeiter zu beschäftigen. Das Arbeitsbüro wird durch die Autorität der Tel-Awiwer Stadtverwaltung gedeckt. Der Palästina-Import aus Nordamerika in einem Jahre verdoppelt Aus N e w Y o r k: Wie die vom American Economic Committee for Palestine herausgegebenen „Palestine Economic News" melden, ist der Palästina-Import aus den Vereinigten Staaten von 257.370 Pfund im Jahre 1931 auf 520.450 Pfund im Jahre 1932 gestiegen. Zu dieser Erhöhung haben insbesondere die Käufe der Irak- Petroleum-Gesellschaft für den Bau ihrer Oberleitung von Mossul nach Haifa beigetragen. Aber auch in allen übrigen Artikeln, die Amerika an Palästina liefert, waren Erhöhungen des Umsatzes zu verzeichnen. Vorkehrungen gegen neue Araberünruhen in Palästina Aus Jerusalem: Das bevorstehende Ende des Ramadanfastens am 16. Jänner bringt die Gefahr neuer Araberunruhen in Palästina. Alle arabischen Zeitungen, vor allem die mohammedanischen Organe mit Ausnahme des „Falastin", fordern die Bevölkerung auf, an den geplanten Kundgebungen teilzunehmen. „Falastin" dagegen warnt vor neuen Abenteuern. Aus zuverlässiger Quelle verlautet, daß militärische Verstärkungen aus Aegypten nach Palästina beordert wurden, um für den Fall von Unruhen in Bereitschaft gehalten zu werden. Eine automobilisierte Kavallerieabteilung in Aegypten, bestehend aus vierzehn Panzerwagen des Lancierregiments Nr. 12, una ein Infanteriebataillon sollen Marschorder nach' Palästina erhalten haben. Diese Truppen sollen Uber das ganze Land verteilt und in den wichtigsten Zentren stationiert werden. Eine Sonderausgabe des „Palestine Gazett e" 'es palästinensischen Amtsblattes, bringt ergänzende Bestimmungen zum Strafgesetz, durch die Drohung mit Stöx-ung der öffentlichen Ruhe und Ordnung unter Strafsanktion gestellt wird. Entgegen dem sonst üblichen Vorgang treten die neuen Bestimmungen sofort in Kraft, was im Amtsblatt damit begründet wird, daß „nach der Meinung des High Commissioner ihre sofortige Verlautbarung im öffentlichen Interesse als unumgänglich notwendig erscheint". Man nimmt an, daß es sich bei der Einführung dieser neuen Bestimmungen um eine Notverordnung im Hinblick auf die für den 16. Jänner befürchteten Unruhen handelt. Die Tel-Awiwer Demonstranten vor dem Richter Aus Jaffa: Der Jaffaer Richter Bodilly hat zwei von den siebzehn Jugendlichen, die ihm im Zusammenhang mit den letzten Unruhen in Tel-Awiw vorgeführt wurden, freigesprochen. Das Verfahren gegen die übrigen wird weitergeführt. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Kaiserman, erklärte, die Untersuchung könne nicht auf Grund des Art. 23 des Aufruhrgesetzes, der Strafen bis zu zwei Jahren Gefängnis vorsieht, geführt werden, sondern auf Grund von Artikel 34, für dessen Uebertretung eine Höchststrafe von nur drei Monaten Gefängnis festgesetzt ist. Das Todesurteil gegen die Mörder von Vater und Sohn Jocoby bestätigt Aus Jerusalem: Das Jerusalemer Berufungsgericht hat einmütig das vom Distriktsgericht in Jaffa gegen die Araber Ahmed Galiani und Mustapha Ali Ahmed, die den jüdischen Kolonisten Joseph J a c o b y und seinen zehnjährigen Sohn David in ihrer in der Kolonie Nahalel gelegenen Wohnung ermordeten, ausgesprochene Todesurteil bestätigt. Die Untersuchung hat bekanntlich ergeben, daß der Mord von Mitgliedern einer arabischen Terroristenvereinigung, die noch mehrere andere Morde an Juden und Engländern geplant und zum Teil auch ausgeführt hat, begangen worden ist. Araberangriff auf jüdische Arbeiter in Wadi Hawarith Aus Jerusalem: Eine Gruppe jüdischer P f 1 ü g e r auf Wadi Hawarith wurde während der Arbeit von einer starken Rotte mit Steinen und Stöcken bewaffneter Beduinen angegriffen. Vier jüdische Mitglieder des Kibbutz, die den Traktor bedienten, wurden verwundet, davon zwei schwer. Die Verwundeten wurden in die Kolonie Chedera gebracht, wo ihnen ärztliche Hilfe zuteil wurde. Polizei begab sich nach dam Wadi Hawarith, um die Angelegenheit 2u untersuchen. Zum Mordprozeß Arlosoroff Der Verteidiger Horace Samuel beantragte die Verlesung des Tagesprotokolls der Jerusalemer Polizeistelle vom 16. Juni, in dem davon die Rede ist, es sei aus Tel-Awiw die Nachricht eingelaufen, daß Dr. Arlosoroff von Arabern an der Küste erschossen wurde. Der Polizist W a t k i n, der Stavsky verhaftete, gab zu, daß er den Häftling, bevor er mit Frau Arlosoroff konfrontiert wurde, in einem von außen leicht erreichbaren Raum untergebracht hatte Shidrit beantragte, daß der bei Dr. Arlosoroff gefundene Revolver dem Mitglied der Exekutive Moses S h e r t o k, dem er gehöre, zurückgegeben, werde. Horace Samuel sprach sich dagegen aus. Shitrit sagte, die tödliche Kugel sei aus einem Revolver anderen Kalibers abgefeuert worden. Der Polizeirichter beschloß, ein S a c h y erständigengutachten einzuholen, und wenn dieses feststellt, daß das Kaliber der Mordwaffe ein anderes war als das Kaliber des bei Arlosoroff gefundenen Revolvers, werde dieser Shertok zurückgegeben werden. Au§ der jüdischen Weif Die grieclüsche Regierung für die zionistischen Forderungen Vor einiger Zeit hatten das griechische Großrabbinat, die Vorsteher aller jüdischen Gemeinden Griechenlands und sämtliche jüdischen Organisationen eine gemeinsame Protestresolution gegen die Maßnahmen der Palästina-Regierung zur Einschränkung der jüdischen Einwanderung gefaßt und sie nebst einem Memorandum der griechischen Regierung mit der Bitte um Weiterleitung an den Völkerbund übersandt. Der griechische Außenminister Demetrius Maximoa hat unmittelbar vor einer in diplomatischer Mission unternommenen Reise nach London an den Präsidenten des Zionistenverbandes Griechenlands, den ehemaligen Abgeordneten Ascher Mallah, folgendes Schreiben gerichtet: ] ,;Ich beehre mich, den Empfang Ihres Schreibens vom 27. November und der beigeschlossenen Resolution zu bestätigen. Ich habe den Inhalt aufmerksam studiert und kann versichern, daß die griechische Regierung mit größter Sympathie den Fortschritt des in Palästina geleisteten schöpferischen Werkes sowie die natürliche Bestrebung der Juden aller Länder, dieses Werk durch ihre Mithilfe zu stärken, vei'folgt, obwohl die Regierung eine Verminderung des Griechenland so nützlichen jüdischen Elements nur mit größtem Bedauern sehen würde. Wir werden deshalb nicht verfehlen, unserer Vertretung beim Völkerbund die nötigen Instruktionen zu erteilen, damit sie in jedem Fall und bei jeder Gelegenheit Ihre gerechten Forderungen unterstütze. Was die Weiterleitung der Resolution betrifft, so teile ich Ihnen mit, daß Griechenland, da es nicht Mitglied des Völkerbundrates ist, keine Möglichkeit hat, mit der Mandatskommission in Kontakt zu treten; wir empfehlen Ihnen daher, sich an diese unmittelbar zu wenden. Mit größter Hochachtung Der Minister: D. Maximos." Das finnländische Parlament lehnt einen Antrag auf Schächtverbot ab Aus Helsingfors: Die finnländische Regierung hatte seinerzeit dem Parlament einen vom Präsidenten der Republik unterzeichneten Gesetzentwurf, betreffend Verbot des jüdischen rituellen Schächtens, JDDI8CHE8 LEXIKON komplett, zu kauten gesucht Anträge an Desider Forgacs, Baoka Topola (Jugosl. LONDON EXPERIENCE ENGLISH LESSONS, AUCH AUSSER HAUS STAATSPRÜFUNG UNIVERSITÄTSDOLMETSCHDIPLOM AUSLANDSERFAHRUNG / REFERENZEN MÄSSIGES HONORAR PAUL STOLZENBERG, 9, SEEGASSE 23/11 aus Gründen des Tierschutzes unterbreitet. Der Oberrabbiner von Finnland, Dr. Simon Federbusch, und der Vorsitzende des Verbandes der finnländischen jüdischen Gemeinden, Herr Pergament, intervenierten bei der Regierung und bei den Führern der finnischen und schwedischen Parlamentsparteien, und es gelang ihnen, diese Parteien und, mit Hilfe der Presse, die öffentliche •Meinung Finnlands davon zu überzeugen, daß die in der , Welt geführte Propaganda gegen das Schächten nichts [mit dem Tierschutzprinzip zu tun habe, sondern rein antisemitische Ziele verfolge; denn vom Standpunkt des Tierschutzes sei das Schächten eine humane Tötungsart, wie dies von höchsten wissenschaftlichen Kapazitäten dargelegt wurde. Die Professoren an; der Universität Helsingfors Tigersteds und L a ssila schlössen sich dieser Meinung an. Als nun jetzt die Schächtfrage wieder vor das Parlament kam, wurde mit 80 Prozent der Stimmen ein Gesetz angenommen, dem gemäß das Schächten nach jüdischem Ritus als nicht tierquälerisch erlaubt sei. In der vorangegangenen Debatte haben einige sozialistische Deputierte sowie Deputierte der Rechten und der halbfaschisti-, sehen Lappo-Bewegung gegen ein Verbot des Schächtens das Wort ergriffen. Man hofft, daß nach dieser letzten großen Auseinandersetzung die Schächtfrage definitiv im Sinne der jüdischen These erledigt ist. Eröffnung des Rabbiner-Seminars in Rom Aus Rom: In Anwesenheit von Vertretern des Kultusministeriums und der Leiter der größeren jüdischen Gemeinden Italiens wurde in Rom das Rabbiner- Sem i n a r (Collegio. Rabbinico Italiano) feierlich eröffnet. Der Präsident des Gemeinde-Verbandes Advokat Feiice Raverinö legte in der Eröffnungsrede die Ziele des neugeschaffenen Instituts dar, das im religiösen und geistigen Leben des italienischen Judentums wegweisend sein soll. Das von der Regierung geschaffene Gesetz über die jüdischen Gemeinden Italiens enthält eine Bestimmung, daß das bisher in Florenz bestandene Rabbiner-Seminar in die Hauptstadt Italiens zu übertragen und auf neue Grundlagen zu stellen sei. Dieses neue Rabbiner-Seminar werde sich seiner Florentiner Vergangenheit würdig erweisen. Aus ihm seien die prominentesten jüdischen Persönlichkeiten Italiens hervorgegangen. Auf die Verhältnisse in Deutschland anspielend, sagte Dr. Ravenna: In der Zeit, in der in einem großen Lande Europas die Gespenster des Mittelalters erwachen; will das italienische Judentum nach Kräften seinen unglücklichen Brüdern helfen. Das italienische Judentum hält fest an den jüdischen Traditionen und den jüdischen Kulturwerten. Das Seminar wird jetzt von 25 Hörern besucht. Von Juden abstammende Pastoren auf der Flucht Aus Zürich: Eine Anzahl von deutschen Pastoren, die auf Grund des „Arierparagraphen" ihrer Posten in Deutschland enthoben wurden, hat sich in die Schweiz geflüchtet und hat bei den hiesigen protestantischen Kirchenräten um Aufnahme und Beschäftigung angesucht. Mit der Behandlung der Gesuche dieser „nichtarischen" Pastoren aus Deutschland wird sich wahrscheinlich eine allgemeine synodale Konferenz der schweizerischen protestantischen Kirchen demnächst beschäftigen. Juden und Jüdinnen ausgezeichnet Aus London: Osmond Elim d'Avigdor Golds m i d, Vorsitzender des Council der Jeish Agency for Palestine und früherer Präsident des Board of Deputies of British Jews, figuriert auf der Neujahrs-Ehrenliste des Britischen Reiches als Barone t; diese hohe Auszeichnung wurde ihm vom König „für politische und soziale Dienste in der Grafschaft Kent" verliehen. O. E. d'Avigdor Goldsmid wurde 1877 in Wien als Sohn von Elim d'Avigdor, der sich als Vorsteher der sephardischen Gemeinde in London auszeichnete und an der jüdischen Kolonisation Palästinas tätigen Anteil nahm, geboren. Auf der Neujahrs-Ehrenliste figurieren noch Miß Nettie Adler, Tochter des verstorbenen Oberrabbinera des britischen Reiches Dr. Hermann Adler, die für ihre Verdienste auf dem Gebiete der Zuführung Jugendlicher zur Arbeitsfront den Orden C. B. E. (Companion of the Bath, British Empire); Mrs. Lilian ' Fr ei man, Präsidentin der zionistischen Frauenorganisation Hadassah in Kanada, die für ihre jüdisch-soziale Fürsorge in Ottawa den Order of the British Empire; Victor Kohn, Leiter des Werkes der Palestine Jewish Colonisation Association (PICA), der ebenfalls den Order of the Britiish Empire erhielt. Geschlossehe Gesellschaftsreise nach Palästina mit dem jugoslawischen Vergnügungsdampfer-,.Königin Marie" ab Susak (bei Fiume) 19. Februar 193-1 bis 16. März 1934 (Ankunft Susak). Aufenthalt in Palästina 11 Tage. Preise (exklusive Aufenthalt in Palästina) pro Person (inklusive erstklassiger Verpflegung) je nach der Lage der Kabine von Din. 4600 bis 7300, in ein- und zweibettigen Kabinen, Luxuskabinen kosten Din. 8000 (Din. 9000 solche mit Bad). Prospekte und Auskünfte durch Kreditgenossenschaft „Ezra", Zagreb, Franko* panska 2 a (Jugoslawien).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.