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Die neue Welt · 1934-01-12 · Heft 331 (12.1.1934) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 331 (12.1.1934)
Date
1934-01-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 331 DIE NEUE WELT Seite 3 Araber sind die Mörder Arlosoröffc sagte Frau Sima Arlosoroff T c 1 - A w i w, 5. Jänner. Die zwei letzten Verhandlungen im Untersuchungsverfahren gegen S t a w s k y und Rosenblatt haben neues, wichtiges Material zutage gefördert. Der Verteidiger Horacc Samuel griff auf die Polizeiberichte zu den Beschuldigungsakten zurück und zwang die Untersuchungsbehörde, unerhörte Unterlassungen einzugestehen. Dsr Zeuge Schamai K u p e r s t e i n, ein städtischer Bäuzeichner von Tel-Awiw, erzählte, daß er in der Mordnacht vom 16. Juni, wie auch sonst, mit dem ihm befreundeten Polizisten Schermeister eine Radtour zum Jarkon unternehmen wollte. Auf dem Weg ist er von einem Frl. Kanner angehalten und benachrichtigt worden, daß in der Nähe ein Mord geschehen sei. Kuperstein hat rings um den Tatort niemand angetroffen und sich in die Pension Käthe Dan begeben, wo Dr. Arlosoroff und seine Frau abgestiegen waren. Dort traf er den Polizisten Schermeister, der telephonisch mit dem Polizeioffizier sprach. Neben Schermeister stund Frau Arlosoroff und erklärte, daß ihr Mann von Arabern erschossen worden sei. Es wurde eine Reihe von Zeugen, Polizisten, Spurensucher, Chauffeure usw., einvernommen, wobei einzelne Details aus dem ersten Stadium der polizeilichen Untersuchung bekannt wurden. Nach den heftigen Attacken der Verteidigung gegen die Polizeibehörde wurde vom Richter B o d i 11 y der Zeuge Kuperstein nochmals einvernommen. Der Zeuge wiederholte seine früheren Erklärungen und betonte hiebei, er sei sicher, daß Frau Arlosoroff in der kritischen Nacht in Gegenwart des Polizisten Schermeister gesagt habe, ihr Mann sei von Arabern erschossen worden. (Wir erinnern an die seinerzeitige Meldung, wonach der sterbende Arlosoroff erklärt habe, die Mörder seien keine Juden, sondern Araber — eine Meldung, deren Auswirkung von den Führern der palästinensischen Histadruth rasch unterdrückt wurde. Kurze Zeit später begann die Histadruth ihre unrühmlichst bekannte Hetze. Anm. d. Red.) Kommissär Shitrit nahm den Zeugen Kuperstein in ein scharfes Kreuzverhör, dieser blieb aber fest bei seiner Behauptung. Der Polizist Schermeister als nächster Zeuge und unmittelbarer Nachbar der Frau Arlosoroff in jener Nacht bestätigte die Richtigkeit der Aussage Kuycrsteins. Ueber die Szene unmittelbar nach dem Mord in der Pension Käthe Dan war ein polizeiliches Protokoll angefertigt worden* Als Horace Samuel die Vorlage dieses Protokolls verlangte, stellte es sich heraus, daß es auf geheimnisvolle Weise verschwunden sei. Es ist dies nicht der einzige Fall, wo interessierte, aber unberufene Faktoren in die Räder der Untersuchungsmaschinerie eingegriffen haben. Die Bemühungen des Verteidigers, diesen Manipulationen auf die Spur zu kommen, werden von den Histadruth-Leuten als „dreiste Methoden" bezeichnet. * MIT DER MARIENBRÜCKE AUF DEM CONTE DI IAVOIA NACH 21. Februar bis 14. März 1934. Zehn Tage Palästina, zweieinhalb Tage Aegypten, Rom und Neapel. Rückreise mit der „Roma" oder über Aegypten mit der „Esperia". Auskünfte und Prospekte durch Reisebüro „Marienbrücke" (Palästina-Dienst), Leitung Berta Taubes, I., Rotenturmstraße 26, Telephone R-24-2-86 und R-24-2-87. RUNDSCHAU Poheif und Taktlosigkeit Die Pariser Zeitungen berichten über einen peinlichen Vorfall, der sich in dem von den Franzosen besetzten Gebiet Deutschlands zugetragen hat: Frau Helena B e n t w i c h, die mit ihrem Gatten, dem früheren palästinensischen Chefsekretär der Justiz und jetzigen Mitarbeiter James MacDonalds im Oberkommissariat des Völkerbundes für die deutschen Flüchtlinge, eine Reise durch das Saargebiet macht, um die Lage der jüdischen Flüchtlinge hier zu untersuchen, wurde in Saarbrücken, während sie, eine Zigarette rauchend, auf eine Straßenbahn wartete, von einem Nationalsozialisten angerempelt, der sie aufforderte, die Zigarette fortzuwerfen, „weil deutsche Frauen nicht rauche n". Frau Bentwich erwiderte, erstens sei sie Engländerin, zweitens werde das Saarland nicht von Hitler und Goering, sondern vom Völkerbund regiert. Daraufhin wurde Frau Bentwich von dem Nationalsozialisten mit Schimpfworten belegt und geschlagen; schließlich riß ihr der Nazi die Zigarette aus dem Munde. Der Vorfall hat starkes Aufsehen erregt. * An den Namen Bentwich knüpfen sich wenig angenehme Erinnerungen. Als Oberstaatsanwalt von Palästina hat sich der Jude Norman Bentwich immer um das Wohlgefallen antizionistischer arabischer und englischer Kreise bemüht. Nach den blutigen Judenpogromen im August 1929, als antisemitische englische Regierungsbeamte eine Sammlung für die „arabischen Opfer" einleiteten, hatten sich Herr und Frau Bentwich — sehr zur Entrüstung jüdischer Kreise — zu Spenden erbötig gemacht, welche aber von der antisemitischen Gesellschaft Palästina Gesellschaftsreise mit dem iugosl.VergnUgungsdampfer, Königin Marie' Abfahrt Suöak (bei Fiume) am 19. Februar 1934 über Split (Spalato), Dubrovnik (Ragusa), Kotor (Cattaro), Phaleron (Athen). Reisedauer 26 Tage, davon 11 Tage in Palästina. Das Schiff führt nur I. Klasse (Einheitsklasse). Preise je nach der Lage der Kabine Din. 4600.-- bis Din. 7300.—. Luxuskabinen zu Din. 8000.-- und Din. 9000.— (mit Bad). Prospekte und Auskünfte durch Kreditgenossenschaft „E z r a", Zagreb, Frankopanska ul. 2 a (Jugoslawien). zurückgewiesen wurden. Ueberhaupt . hat Herr Bentwich für seine Anbiederungen wenig Dank geerntst. Er wurde kurz darauf aus „rassischen" Gründen seines hohen Amtes enthoben. Die Judenschaft hat damals aus prinzipiellen Gründen gegen seine Entlassung Stellung genommen, ihm selbst aber keine Träne nachgeweint. Und nun der Vorfall in Saarbrücken! Ueber die Roheit des Hakenkreuzlers, welcher über eine Frau herfällt, braucht kein Wort verloren zu werden. Sie paßt zum nationalsozialistischen Gesamtbild. Aber über die Haltung der Frau Bentwich, wie sie geschildert wird, muß doch gesagt werden, daß sie alles eher als taktvoll war. Eine Frau, und gar eine jüdische Frau, die ihren mit einer offiziellen heiklen Mission betrauten Mann in fremdes Land begleitet, hat sich zurückhaltend zu benehmen und jedes Aufsehen zu vermeiden. Sie hätte ruhig die Zigarette zu Hause rauchen können und sich, als sie überfallen wurde, lieber um Hilfe umsehen sollen, statt sich zu Auslassungen über England, Hitler, Goering und den Völkerbund zu ergehen. Herr Bentwich wird besser tun, wenn er künftighin die Frau Gemahlin zu Hause läßt. Sie hat den Juden keine Freude bereitet, und auch England wird auf diese „Engländerin" nicht allzu stolz sein. »Mandie§ter Guardian« über Palastina Das führende liberale Blatt Englands schreibt in seiner Wirtschaftsbeilage über die Entwicklung des jüdischen Palästina: „Palästina stellt heute in jeder Hinsicht einen wichtigen und stetig sich entwickelnden Markt für britische Waren dar und ist als das Tor zwischen den östlichen und den westlichen Teilen des British Empire ein weites Feld für britische Initiative und britischen kommerziellen Einfluß. In der verhältnismäßig kurzen Periode seit Uebernahme des Palästina-Mandats durch England wurde aus einem Gebiet, das zuletzt wenig mehr als eine Wüste war, ein aufwärts sich entwickelndes Land geschaffen. Große Kraftanlagen wurden errichtet, die Wasserbelieferung wurde organisiert, Häfen, Wege und Eisenbahnen wurden gebaut. Das Budget Palästinas ist vielleicht das einzige in der Welt, das einen stetigen Ueberschuß aufweist. Juden investierten im Jahre 1932 im Lande rund 3,500.000 Pfund, die Depositen in den Palästina-Banken belaufen sich auf 6,000.000 Pfund, von denen rund 5,000.000 Pfund Juden gehören. Die Entwicklung hier ist in erster Linie eine Entwicklung der Landwirtschaft, der Export betrifft hauptsächlich Bodenprodukte. Daraus folgt, daß der Palästina-Markt wachsende Möglichkeiten für .die Aufnahme von Industrieartikeln fremder Länder, die in den öffentlichen Diensten, in Landwirtschaft und Industrie Palästinas benötigt werden, bietet. Die englischen Fabrikanten EIN SENSATIONSFILAA AUS OEM AMERIKANISCHEN WESTEN H t U T \ P % KREUZ-KINO C R 2 4 16 ) RICHARD AMEN MARY 6MAN 6üi^uxmouAtJJoafiäii nutzen Palästinas Kaufkraft bei weitem nicht entsprechend aus. Eine führende jüdische Wirtschaftsautorität äußerte zu Beginn dieses Jahres: Auf zwei führenden Gebieten — Maschinen und Textilien —• ist die englische Position beklagenswert schwach, obwohl gerade hier Großbritannien an dem Palästina-Markt den Löwenanteil beanspruchen müßte. Gewiß wird es sich lohnen, wenn britische Konzerne nach dieser Richtung hin sorgfältige Studien in Palästina durchführen würden." Ein neuer Blutf der Palä§iina?Regierung Das letzte der vierteljährlich erscheinenden Bulletina des Internationalen Arbeitsamtes über die Arbeitslage in allen Ländern der Welt enthält bezüglich Palästinas die überraschendeFeststellung, daß die Ziffer der Arbeitslosen von 15.120 im November 1932 auf ca. 18.000 im November 1933 gestiegen ist. Diese Feststellung wirkt um so auffallender, als in fast allen anderen angeführten Ländern die Arbeitslosenziffern in der gleichen Periode mehr oder weniger stark gesunken sind. Die statistischen Angaben des Internationalen Arbeitsamtes bezüglich Palästinas stützen sich auf offizielle Schätzungen der Palästina-Regierung, die in regelmäßigen Zeitabständen in der Jerusalemer „Official Gazette" veröffentlicht werden. Die Art, in der die palästinensische Regierung den Begriff „arbeitslos" definiert, wurde schon öfter nicht nur seitens der Juden, sondern auch seitens der Mehrheit der Mitglieder der Mandatskommission des Völkerbundes beanständet. Zu den „Arbeitslosen" zählt die Palästina- Regierung verschiedene Kategorien Personen, die überhaupt nicht als „Arbeiter" statistisch zu erfassen sind, z. B. ärmere Fellachen in entlegenen Dörfern, Beduinen u. ä. m. Wer die Palästina-Politik der Mandatarmacht kennt, wird über diese Feststellung nicht erstaunt sein. Trotz des guten und braven Oberkommissärs Sir Artur Wauchope, den die Linke so sehr verhätschelt hat, herrscht immer noch jener unselige Geist, der seinen Niederschlag im Passfieldschen Weißbuch gefunden hat. Die ganze Welt weiß, daß in Palästina Arbeitshände fehlen und daß die britische Palästina-Verwaltung den drängenden und unumgänglich notwendigen Menschenzustrom stoppt. Wozu dann diese Fälschung? Will die Mandatarraacht etwa den Völkerbundstaaten weismachen, daß die von ihr behauptete, bzw. „festgestellte" Arbeitslosigkeit die Einwanderuiigseinschränkung erforderlich mache? In Genf ist man über die wahre Arbeitslage in. Palästina informiert. In Genf wird man sich nicht bluffen lassen. Ein Schweizer Kirdhenral gegen Der reformierte Kirchenrat des Kantons Zürich hat ein ernstes Wox't gegen die judenfeindliche Bewegung an das Schweizer Kirchenvolk gerichtet. In dem zum Neujahr erlassenen Aufruf heißt es; „... Unter dem Einfluß von Vorgängen, die sieb, unter wesentlich anderen Voraussetzungen in unserem Nachbarreich abgespielt haben, ist auch im Schweizerland und in unserem Zürcher Volk eine judenfeindliche Bewegung entstanden. Durch Verbreitung von antisemitischen Schriften, wie die längst als Fälschung erwiesenen „Protokolle der Weisen von Z i o n", und durch eine bedauerliche Hetze in judenfeindlich eingestellten Versammlungen und Blättern will man unser Volk gegen die Juden mobilmachen und den giftigen Samen der Zwietracht gegen eine kleine Minderheit aussäen." „Der Kirchenrat des Kantons Zürich fühlt sich im Hinblick auf solche Versuche im Gewissen gedrungen, gegen alle derartigen Bestrebungen im Namen des Evangeliums Verwahrung einzulegen. Wir bestreiten nicht, daß Juden, namentlich solche, die dem Glauben ihrer Väter den Rücken kehrten, dazu beigetragen haben, eine Judenfeindliche Stimmung in gewissen Volkskreisen zu fördern. Um der Gerechtigkeit und Wahrheit wilieQ

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