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Die neue Welt · 1934-01-12 · Heft 331 (12.1.1934) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 331 (12.1.1934)
Date
1934-01-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seile 2 DIE NEUE WEL1 Nr. 331 Aufregung bei den thorafreuen Zionisfen Gegen die Arbeiterführer Ben Gurion und Shertok. — Forderung der Demission der zionistischen Exekutive. Drohung mit dem Austritt aus der Zionistischen Weltorganisation. gröbsten Schimpf Worten bedachten. Es ist nur der Besonnenheit unserer älteren Herren zu danken, daß es nicht zu Tätlichkeiten kam, wobei ich bemerke, daß die meisten Einheimischen mit Schußwaffen versehen waren. Nach einer Stunde endlich kam ein einzelner Gendarm, der natürlich machtlos war, aber doch die Sperrung aller Lokale verfügte. Am nächsten Abend fuhren wir von Mallnitz ab. Zur Bahn begleitete uns eine Schar Nazi. Wir waren jeden Augenblick auf einen Angriff gefaßt. Es geschah aber nichts dergleichen. Erst als der Zug sich in Bewegung setzte, riefen sie: „Juda verrecke! Marsch nach Palästina!" Die Entrüstung sämtlicher Teilnehmer war berechtigt. Es werden sich daraus auch zweifellos bedenkliche Folgerungen ergeben. Wie reimen sich die Bemühungen der -amtlichen österreichischen Fremdenwerbung, möglichst viel Gäste ins Land zu bringen, mit solchen Vorfällen zusammen, mit der organisierten Fremdenaustreibung? Oesterreich, Land und Leute, waren immer sehr beliebt, Oesterreich wurde von Wintersportlern und Sommergästen aus der Tschechoslowakei in steigendem Maße aufgesucht. Wer wird aber seinen Urlaubsort dort wählen, wo er derartigen Anpöbelungen'ausgesetzt ist?" Der Einsender dieses Zeitungsausschnittes fügt aus Eigenem hinzu: Dazu ist zu bemerken, daß der in diesem Artikel genannte Dr. Tirala vor einigen Monaten von der Hitler- Regierung als Professor der Rassenkunde an die Universität nach München berufen wurde und jedenfalls die Gelegenheit benutzt hat, um seinen ehemaligen Landsleuten in der Fremde einen „herzlichen Empfang" zu bereiten. Zur Sommersaison lasen wir Aufrufe, Oesterreich zu besuchen und selbst Kultusgemeinden warben für den Besuch dieses schönen Landes. Hoffentlich handelt es sich bei den oben erwähnten Zwischenfällen um eine Ausnahme, denn sonst würde es man sich hierzulande wohl tiberlegen, Oesterreich zu besuchen. * Das ist der Brief, der uns zukam, das ist die Meinung, die zahlreiche Ausländer, welche Oesterreich besuchen wollen, von Oesterreich bekommen können. Und diese Meinung werden sie auch nicht korrigieren, wenn sie lesen, daß die österreichische Regierung in ihrem edlen Kampf gegen inländische Desperados an die Instinkte des friedlichen Teiles der Bevölkerung appelliert. Wir wiederholen heute, was wir in unserer Nr. 314 bei einer anderen Gelegenheit schrieben: „Wir rufen nicht nach dem Staatsanwalt. Wir wissen, daß man hierzulande mit Hoheitsmitteln dem Uebei bösartiger Verdummung nicht beikommt.," Aber Wir, als friedlicher Teil der Bevölkerung, wollen nunmehr den Aufruf der österreichischen Bundesregierung dahin aufgefaßt sehen, daß zwar einerseits der friedliche Teil der Bevölkerung die Regierungsbemühungen unterstützt, anderseits jedoch die Regierung uns, den friedlichen Teil, gegen die offen betriebene Pogromhetze schützt. Nur diese doppelseitige Auffassung kann die projektierten Maßnahmen der Regierung rechtfertigen und — wirksam machen. Massenaustreibung von Juden aus Afghanistan Aus London: Beim Joint Foreign Committee, der von den englisch-jüdischen Organisationen gebildeten Kommission zur Behandlung auswärtiger jüdischer Angelegenheiten, sind aus Afghanistan alarmierende Meldungen eingelaufen, denen zu entnehmen ist, daß aus den afghanischen Grenzstädten Mazar, Anhohi, Maimana u. a. m. etwa zweitausend eingeborene Juden von den afghanischen Behörden vertrieben wurden. Die Vertriebenen wandern jetzt durch die Wüste und befinden sich in einer verzweifelten Lage. Wie dem Joint Foreign Committee weiter mitgeteilt wird, ist auch die Lage von etwa 1600 in Afghanistan lebenden russischen Juden, die während der Nachkriegswirren nach Afghanistan flohen, außerordentlich kritisch; sie müssen jetzt nach Rußland zurückkehren. Aus dem von russischen Juden in Afghanistan an das Joint Foreign Committee gesandten Telegramm geht nicht klar hervor, ob eine antijüdische Maßnahme der afghanischen Regierung oder ob wirtschaftliche Schwierigkeiten die russischen Juden zur Flucht aus Afghanistan veranlassen. Die Jewish Agency for Palestine hat aus der letzten Schedule 40 Palästinazertifikate an russisch-jüdische Familien in Afghanistan gesandt. Jugoslawien weist deutsch-jüdische Flüchtlinge aus Aus Belgrad: In den letzten Tagen haben in Zagreb 21 deutsche Emigranten, ausschließlich Juden, von den Behörden die Aufforderung erhalten, in spätestens acht Tagen das Land zu verlassen. Von der Ausweisung sind in erster Reihe polnische Staatsbürger und solche, die sogenannte „Fremdenpässe" (Staatenlosenpäase) haben, schließlich deutsche Staatsbürger, von denen die Behörden wissen, daß sie vollkommen m i 11 el 1 o s dastehen, betroffen. Das Zagreber Hilfskomitee für die deutschen Juden hat bei der zuständigen Behörde in Zagreb und — durch den Verband jüdischer Gemeinden Jugoslawiens in Belgrad — bei der Regierung interveniert. Auf der misrachintischen Landeskonferenz in Polen kam es in Anwesenheit des Präsidenten S o k o 1 o w zu stürmischen Kundgebungen gegen die zionistische Exekutive. Der Vertreter der Leitung der misrachistischen Weltorganisation Rabbi Fischmann (Jerusalem) erklärte, das die auf dem Prager Kogresse gewählte Exekutive nie das Vertrauen der religiösen Zionisten haben werde, weder in moralischer noch in politischer Beziehung. Er beschuldigte den Arbeiterführer Ben Gurion, Mitglied der Exekutive, der öffentlichen, demonstrativen Entweihung dos .Tom Kippur auf einem Palästinaschiffe. Er warf ihm und seinem Kollegen würdeloses Verhalten vor der antizinnistischen Palästina-Regierung vor. Am Morgen nach Erlaß des Dekrets über die Verfolgung der Touristen waren Shertok und Ben Gurion zum Frühstück beim High Commisioner. Als Rabbi K o o k beim High Commissioner Sir Arthur Wauchope erschien, um ihn zur Zurücknahme des Dekrets zu bewegen, sagte ihm Wauchope, es sei doch ein jüdisches Gebot, ein Regierungsgesetz zu respektieren (dina demalchutta dina). Darauf antwortete ihm Rabbi Kook, das Deportierungsdekret sei kein Gesetz, sondern eine „gesera" (Gesetz der Willkür), dem ein höheres Thorsgesetz entgegensteht, welches gebietet, daß die Juden nach Palästina zurückkehren. Wir haben, schloß der palästinensische Misrachi-Führer Rabbi Fishman, den Keren Hajessod nicht in den Bann getan, aber wir werden ihn nicht unterstützen, solange diese Exekutive an der Spitze der Organisation : steht. Wir halten in kurzer Zeit einen Weltkongreß, der Orthodoxie ab, der die Grundziele für den Auf-. bau Palästinas nach den Gesetzen der Thora ausarbeiten soll. Will die Agudah-Leitung mit uns gehen, gut! Anderenfalls werden ihre Anhänger über die Köpfe der Führer hinweg zu uns kommen. Dann erklärte Rabhi Fishman, der Misrachi beab-; sichtige nicht, der Zionistischen Organisation, die er ausbauen half, den Rücken zu kehren und sie den linken Elementen zu überlassen, aber er werde über die religiösen Belange wachen. Misrachi halte an seinem Beschluß, an dem Keren -Hajessod nicht mitzuarbeiten, fest und bereite die Schaffung einer religiösen Front vor. Anders sprach der Vorsitzende des polnischen Misrachi, Rabbi S. B r o d t. In den Beziehungen des Misrachi zur Zionistischen Weltorganisation sei, so sagte er, eine revolutionäre Wendung eingetreten. Die mehr als 20.000 Kinder, die in den Palästina-Schulen der Zionistischen Organisation erzogen werden, wissen nichts von „Schema Jisrael". Auf den Feldern wird am Sabbath gearbeitet. Wenn es so weiter geht, werden wir die weitgehendsten Konsequenzen zie- Restaurant Tonello II, An der MarlenbrOcke Renoviert — reformiert — Preise reduziert! Norrftalkost-MenU 1.50 und?— Im Abonnement 1.35 und 1.80 DiitÄS Vegetarische und Rohkost Neueröffnet! Vor einem neuen Flüchtlingsstrom aus Deutschland Aus New York: Der vom Völkerbund eingesetzte Hochkommissär für Hilfe an die deutschen Flüchtlinge, James MacDonald, der gegenwärtig in Sachen der Flüchtlingshilfe in Amerika weilt, hielt bei einer Zusammenkunft der League for Political Education eine Ansprache, in der er folgendes sagte: Wie die Dinge in Deutschland liegen, ist zu erwarten, daß sich die Zahl der Flüchtlinge aus Deutschland, naemntlich der jüdischen, in den nächsten Monaten beträchtlich erhöhen wird. Die Hitleristen haben Im Namen des Christentums ein Verbrechen gegen die Juden begangen, die amerikanischen Christen haben darum die Pflicht, vor der Welt darzutun, daß sie an einer solchen Verfolgung nicht teilhaben wollen; sie müssen darum helfen, die Leiden der Verfolgten zu mildern. Die amerikanischen Christen werden den an sie ergehenden Appell, den deutschen Flüchtlingen zu helfen, angemessen beantworten. Schwere Verunglimpfung des Völkerbundkommissärs James MacDonald in der deutschen Fresse Aus Berlin: Unter der Ueberschrift „Wohltun bringt Zinsen" leistet sich die „Deutsche Zeitung" schwere Verunglimpfungen des Hochkommissärs des Völkerbundes für die deutschen Flüchtlinge, James Mac Donald. Die Zeitung schreibt: „. . . Die einzige „positive" Tätigkeit des Verwaltungsrates bestand bisher nämlich darin, daß er für das sogenannte „Oberkommissariat", d. h. für alle Mitglieder des Büros des Oberkommissärs sowie für diesen selber einen Haushalt aufstellte. Dieser Haushalt umfaßt vorläufig jährlich 400.000 Schweizer Franken, die von den verschiedenen privaten jüdischen und nichtjüdischen Vereinigungen aufgebracht werden sollen ... Von diesen 400.000 Franken werden vorläufig nur die Gehälter und Unkosten für Büros, Reisen hen und auch nicht vor dem Austritt aus der Zionistischen Organisation zurückscheuen. Zum Schluß sprach Rabbi Brodt von der Notwendigkeit, daß der Misrachi sich den anderen religiösen Gruppen im Judentum, so zum Beispiel der Agudah, nähere. Die in den Misrachi-Kreisen herrschende Aufregung ist durch eine Meldung aus Palästina Uber das Verhalten des politischen Referenten der zionistischen Exekutive und Arbeiterführers Shertok vor dem Jaffaer Gericht beträchtlich gesteigert worden. Die palästinensische Presse brachte folgende Meldung: In der gegen Stavsky und Genossen im Zusammenhang mit dem Arlosoroff-Mord geführten Untersuchung wurde auch das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency und Leiter des politischen Ressorts M. Shertok als Zeuge vernommen. Als er vom Richter aufgefordert wurde, den üblichen Eid zu leisten, legte ihm dieser, wie üblich, die , B i b e 1 vor und bat ihn, das Haupt zu bedecken. Aber wie erstaunt waren der englische Richter und das zahlreich erschienene Publikum, als Shertok erklärte, daß er nicht gewillt sei, einen „religiösen" Eid zu leisten und daß er sich mit der Bekräftigung seiner Aussage durch sein Ehrenwort begnügen werde. Zu dieser Meldung schreibt das in Tel-Awiw erscheinende misrachistische Organ: „Wenn irgendein Jude, der kein öffentliches jüdisches Amt bekleidet, in seinem Privatleben Gott und seine Lehre verleugnet, so tut das uns tief im Herzen weh. Aber Shertok ist ja dank einer Zweistimmenmehrheit auf dem 18. Zionistenkongreß zum M i t g 1 i e d e der Exekutive gewählt worden, und dank dieser zwei Stimmen kam er an verantwortliche Stelle, an die Spitze des politischen Ressorts, zü stehen. Wenn nun ein Mann, der eine derart verantwortliche Stelle bekleidet, vor einem englischen Richter und einer zahlreichen Zuhörerschaft offen erklärt, daß er mit der jüdischen Religion, das heißt mit dem jüdischen Gott, der jüdischen Thora und den zehn Geboten, die die alleinige Grundlage aller Moral und jeder menschlichen Kultur bilden, nichts zu tun haben will, so ist das ein öffentlicher nationaler Skandal im gefährlichsten Sinne, über den wir nicht schweigend hinweggehen dürfen. Wir fragen: Wird es dieser Mann nunmehr wagen, vor dem High Commissioner und den Vertretern der britischen Regierung, die mit unserer Bibel so enge verbunden sind, zu erscheinen und unsere Rechte auf Erez Israel zu verteidigen, Rechte, die vor allem auf unserem „Tenach" basieren, wo er doch selbst erklärt hat, daß er an die Heiligkeit unserer Thora nicht glaube? Welchen Wert und welche Wirkung haben nun seine Forderungen? .Erbittert und entrüstet müssen wir diesem Manne zurufen: Weg von dem verantwortungsvollen Posten, verlasse den Platz, den du entweiht hast!" * Die Entrüstung und die ihr entspringenden Vorsätze des Misrachi gehen über das Ziel hinaus. Aber er ist im Recht, wenn er die nach außen schwächliche, nach innen provozierende Haltung der Exekutive als untragbar erklärt. pillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllü | VORTRAG) Mittwoch, den 17. Jänner, um halb 9 Uhr j| | abends im Heime der Judenstaatspartei, II, g §§ Untere Augartenstraße 38 § ROBERT STRICKER I =3 wmmmnamama—mmamamKmm i über 1 | Die läge der Juden in 1 | Oes erreich und Palästina | iilililiiiiiiiliiliiiiiiiiillillliiliH und andere Ausgaben der an diesem äußerst lukrativen Unternehmen angestellten Persönlichkeiten bestritten. Der Herr „Oberkommissar" James MacDonald bezieht jährlich die .kleine' Summe von 8 0.0 00 Schweizer Franken, die aus 60.000 Franken Gehalt und 20.000 Franken .Repräsentationskosten' bestehen! Das ist aber nicht so aufzufassen, als ob Herr MacDonald nun auch seine Reisen von diesen 20.000 Franken bezahlen würde — er betrachtet vielmehr die .Repräsentationskosten' als einen festen Bestandteil seines Gehaltes und hat sich ausbedungen, alle Reisekosten noch nebenbei berechnen zu dürfen." Die „Deutsche Zeitung" nennt auch noch die Gehälter der anderon Angestellten des Flüchtlings-Hilfswerkes und nennt t^esen „aktionsschwach und kostspielig — genau wie der Völkerbund". Mehrere andere ' ' ~':he Zeitungen drucken diese Auslassungen nach, die offenbar auf „Informationen" Genfer deutscher Kreise beruhen. Die schönste Palä$tfna*Rei§e führt über Rom und Neapel mit dem Riesen-Ozeandampfer „Conte di Savoia" zu Purim nach Tel« Awiw und bietet Gelegenheit, auf der .Rückreise Aegypten zu besuchen. Billige Pauschalpreise. Auskünfte und Prospekte durch das Reisebüro „Marienbrücke" (Palä* atina-Dienst Leitung: Berta Taubes), I., Rotentuna« strafle 26, Tel. R-24-2-86 und PURIM KARNEVAL in TEL»AWIW Palästina'Reise vom 20* II* bis 15* III* Reisedauer 3 Wochen, für nur S 620»— mit dem Luxusdampfei „Conte dl Savoia" (48.000 Tonnen). Retour mit dem Luxusdampfer „Roma". Aufenthalt in den bedeutendsten Städten Italiens. Durch R. V. G. „ReliebQro", Wien lf Rotanturmitraßc SO (Ecke Fleischmarkt 1). Telephon: R-24-5-25

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