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Die neue Welt · 1934-01-05 · Heft 330 (5.1.1934) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 330 (5.1.1934)
Date
1934-01-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. 330 £Äi Tel-Awiw Anlaß eines Zusammenstoßes sein kann. Aber dieser Kinderzug war kein einfach jüdischer Marsch am Chanuka-Tag, sondern eine Demonstration der II. Internationale: Die Leiter der Schule hatten es sich nicht nehmen lassen, die Kinder mit roten Fahnen auszustatten. So wurde ein historisches Fest zu einer politischen Provokation mißbraucht. Die temperamentvollen Betarim entrissen den Kleinen die roten Fahnen und entfernten sie. Es war seitens der Leitung der Arbeiterschule wirklich ein Kunststück, den Begriff eine nationaljüdischen Volksfestes mit dem eines marxistischen Hoheitszeichens zu identifizieren; die blau-weiße Fahne mit dem Davidstern, die von den anderen Kindergruppen getragen wurde, zu einem Symbol der R ea k t i o n herabdrücken zu wollen. Da sich heuer, seitdem die zionistische Politik den linken Herren anvertraut ist, die Situation verschärft hat, erließ der Magistrat von Tel-Awiw: um Zusammenstöße zu vermeiden, folgende Kundgebung: „Es ist kein Zweifel, daß der feierliche Kindermarsch zu Chanuka eines der erhabensten Wahrzeichen tmsciv:' Stidt ist; es ist auch sicher, daß das Abstellen die;--. "h? allen Bürgern der Stadt viel Schmerz ven.: hat. Leider sind heuer die Chanuka-Tage auf Gerch::: gefolgt, die eine gespannte Stimmung erzeugt haben. Zu diesem Grund hat sich jüngst noch die vrschärfte Stimmung zwischen den verschiedenen gegensätzlichen jüdischen Parteien gesellt. Wie man sich erinnert, ist es vor einigen Jahren wegen einer Fahne zu einem Konflikt zwischen zwei Gruppen gekommen. Bei der gegenwärtigen Situation besteht keine Gewähr dafür, daß es nicht zu einem schärferen Zusammenstoß kommen würde, zumal man sich daran gewöhnt hat, die Straße zum Tummelplatz politischer Leidenschaften zu machen. Daher bestand bei uns die Befürchtung, ein unvorhergesehener Zwischenfall könnte die Kinderscharen, die uns über alles teuer sind, in Gefahr bringen. Deswegen hat der Magistrat beschlossen, den Kindermarsch zu inhibieren, um die Ruhe und Ordnung, die immer in unserer Stadt geherrscht haben, aufrechtzuerhalten. Wir wollen hoffen, daß unsere Stadt diesen Ruf auch weiter behalten wird und wir in die Lage kommen werden, den Kindermarsch wieder freizugeben." Der Aufruf des Magistrats wurde hier lebhaft besprochen. Der Hauptvorwurf richtet sich gegen die Führer der Histadruth, die durch ihr starres Festhalten, d. h. durch unbedingtes Verlangen nach Vorführung von roten Fahnen, das schöne und erhabene Makkabäerfest unmöglich gemacht haben. Palästinaeinwanderung im November Aus Jerusalem: Im Monat November sind nach Palästina 3938 Personen, unter ihnen 3837 Juden, gekommen. Von den eingewanderten Juden sind 538 K apitalisten, die übrigen wanderten auf Grund von Arbeiter-Zertifikaten ein. Zentrales statistisches Departement in Palästina Aus Jerusalem: Seitens der Regierung wird der J. T. A. mitgeteilt, daß demnächst im Regierungsgebäude ein zentrales statistisches Amt eröffnet v/erden wird. Chef des neuen Departements ist Eric M i 11 s, der im November 1931 die Volkszählung in Palä-^ina geleitet hat. zwischen der Tschechoslowakei und Palästina Wie aus Haifa gemeldet wird, ist der Anteil der Tschechoslowakei an der palästinensischen Gesamteinfuhr seit 1930 gesunken. Es ergeben sich hierfür folgende Prozentziffern: 1930: 2,5, 1931: 2,2, 1932: 2,3, erstes Halbjahr 1933: 2,1 Prozent. Wenn aucl} der Wert der Einfuhr Palästinas aus der Tschechoslowakei gegenwärtig etwa doppelt so hoch ist wie 1928, so ist doch die palästinensische Gesamteinfuhr in der gleichen Zeit von 6,8 Mill. auf 9 Mill. Pfund gestiegen. Allerdings rangiert die Tschechoslowakei als Käuferin palästinensischer Zitrusfrüchte zur Zeit mit an letzter Stelle. 1932 wurden 2253 Kisten Orangen eingeführt. Es werden jetzt auf beiden Seiten Anstrengungen gemacht, die gegenseitige Marktbalance zu vergrößern. II. TABOR STRASSE 48 Deutschsprachige Palästina- Publikationen Von Dr. J. Adler (Tel-Awiw). Im Hinblick auf das vielseitige Informationsbedürfnis der starken Einwanderung aus dem Deutschen Reich und Oesterreich publizieren heute nicht wenige Körperschaften des jüdischen öffentlichen Lebens in Palästina ihre Broschüren, Merkblätter usw. neben der hebräischen und englischen Ausgabe auch in deutscher Sprache. So entsteht eine sehr beachtliche deutschsprachige Wirtschafts- und Touristik-Literatur. Dre» Veröffentlichungen seien hier besprochen: „Die jüdische Stadt Tel-Awiw" von G. Hanoch (Keren Hajessod, Jerusalem, 1933). Das künstlerisch und drucktechnisch ausgezeichnet wirkende Heft (Umschlagzeichnung von Saposnikof, Tel-Awiw, Photos von J. Schweig, Jerusalem, Satz und Druck von Goldberg, Jerusalem) hat binnen kurzem schon die dritte Auflage erreicht. Auf 32 reichillustrierten Selten schildert es Tel-Awiw als Mittelpunkt der jüdischen Einwanderung, gibt eine kurzen Abriß der Stadtgeschichte, zeigt Tel- Awiw in Ziffern, stellt die wirtschaftlichen Grundlagen dar, erörtert kulturelle und hygienische Probleme. „Palästina, Wirtschaft und Verwaltung", herausgegeben vom „American Economic Committee for Palestine" (Tel-Awiw, Oktober 1933). Von Omanuth, Tel-Awiw, ansprechend gesetzt und gedruckt, gibt das Oktavheft auf 32 Seiten knappe, präzise Angaben über alles für den Touristen, den Einwanderer, den Gründungsinteressenten Wissenswerte der Landeskunde, des öffentlichen Rechts, der Wirtschaftsgliederung, des Verkehrswesens, der Immigration, der Verhältnisse in den Nachbarländern. Man wird über die Kosten der Lebenshaltung ebenso genau unterrichtet wie über die Lohnsätze, die Elektrizitätstarife, die Kreditmodalitäten der Banken. Das „American Committee" hat mit dieser Publikation, die für den Preis von 2Va Piastern eine Fülle von teilweise sonst schwer erreichbaren Daten in praktischer Zusammenfassung übermittelt, sich abermals den Dank vieler Palästina-Interessenten verdient. „Levante-Messe Tel-Awiw 193 4", herausgegeben vom Levant Fair Management (Tel-Awiw 1933). Der Hauptprospekt der nächstjährigen Tel-Awiwer Messe liegt auch in deutscher Fassung vor. Vom heutigen hohen Stande der palästinensischen polygraphischen Industrie zeugen die Umschlagzeichnung El Hananis und die Satz- und Druckausführung durch Omanuth. Auf 17 Seiten erfahren wir das Wichtigste über die Exportmärkte im Orient und über die Levante-Messe, vernehmen das Echo der vorjährigen Messe in Pressestimmen aus verschiedensten Ländern und werden unter der Devise „Dienst am Kunden" treffend über die dem Aussteller und Messebesucher zugedachten Vergünstigungen und Teilnahmebedingungen unterrichtet. Aegyptische Juden schaffen einen Fonds zur Absiedlung deutscher Juden Aus Jerusalem: Das Komitee für Hilfe an die deutschen Juden in Alexandrien hat dem Leiter des Departements für Ansiedlung deutscher Juden in Palästina, Dr. Artur Ruppin, mitgeteilt, daß es einen Fonds zur Ansiedlung von 50 jüdischen Familien aus Deutschland in einer Sonderkolonie auf Boden des Jüdischen Nationalfonds in Wadi Hawarith aufzubringen beschlossen hat. Das Komitee in Alexandrien hat Dr. Ruppin eine Summe von 15.0 00 Pfund, die für diesen Zweck bereits gesammelt worden sind, zur Verfügung gestellt. Ein Komitee in Kairo hat 6000 Pfund für Schaffung einer Kolonie deutscher Juden in der Nachbarschaft von P e t a c h-T i k w a h zur Verfügung gestellt. Mit der Errichtung der Kolonie wird im Februar 1934 begonnen werden. John Farraday Aus Jerusalem: John Farraday, der britische Polizeioffizier, der bei den gefährlichen Unruhen in Jaffa am 27. Oktober energisch einschritt und dadurch eine Ausdehnung der Unruhen verhinderte, ist, offenbar auf Grund arabischer Klagen, auf Befehl der Regierung nach Beerscheba versetzt worden, wohin er sich Mitte Jänner 1934 begeben wird. Das Verhalten John Farradays bei den Unruhen vird von Augenzeugen und von allen Kennern der Verhältnisse als mustergültig, ja als heldenhaft gekennzeichnet. Nur ihm sei es zu verdanken, daß die Unruhen nicht einen gefährlichen Umfang angenommen hatten. Weitere scharfe Maßnahmen gegen illegal Eingewanderte Jerusalem, 27. Dezember. (J. T. A.) Die Ausweisung der illegal ins Land gekommenen Juden wird mit unverminderter Schärfe fortgesetzt. Letzthin wurde ein jüdischer Schuhmacher Elijahu Cohen, der 1908 im Alter von einem Jahr nach Palästina gekommen ist, festgenommen. Erst nach Hinterlegung einer Kaution wurde er freigelassen, damit er Gelegenheit hat, zu beweisen, daß er seit seiner Kindheit im Lande ansässig ist. Eine Anzahl bucharischer und afghanischer Juden mit ihren Familien, darunter kleine Kinder, wurden festgenommen und sind von Ausweisung bedroht. Zur Deportierung Verurteilte werden der Polizei entrissen Aus Jerusalem: Zwei jüdische Familien, die nach ihrer Verurteilung zur Deportation aus Palästina nach Afghanistan bereits in dem Polizeiauto saßen, das sie zur Bahn bringen sollte, wurden entführt. Das Auto wurde von einer Gruppe von Menschen umzingelt und die Insassen, unter ihnen zwei Frauen und vier' Kinder, entführt. Die Polizei fahndet nach den Tätern und den Verschwundenen. Eia Verwandter einer dieser Familien ist unter Verdacht der Mittäterschaft verhaftet worden. Von der AngIo;PaIe$tineffßank Londo n, 31. Dezember. Die Jüdische K o 1 o n i a 1 b a n k (Jewish Colonial Trust, Ltd.), Brook House, Walbrock, London, E. C. 4, hat heute ihren Klienten eine Mitteilung zugehen lassen, wonach ab 1. Jänner 1934 das von ihr bisher geführte Bankgeschäft seitens der Anglo-Palcstine Bank, Ltd. übernommen wird. Demzufolge wird künftighin das Bankgeschäft von letztgenannter Bank von derselben Adresse aus geführt. Die Jüdische Kolonialbank wurde im Jahre 1899 in Palästina zu dem Zwecke gegründet, Industrien und Kolonisationsprojekte in Palästina zu gründen, zu entwickeln und weiterzuführen und außerdem alle Zweige des Bankgeschäftes in Palästina und anderswo zu betreiben. Im Jahre 1902 wurde die Anglo-Palestine Bank, Ltd. (ursprünglich Anglo-Palestine Company, Ltd. genannt) von der Jüdischen Kolonialbank als eine Tochterunternehmung behufts Förderung der Entwicklung der wirtschaftlichen Bestrebungen der Juden in Palästina ins Leben gerufen. In der Führung ihres Geschäftes hat die Anglo- Palestine Bank, Ltd. sich stets von diesem Vorsatz leiten lassen und dank ihrer Ausdehnung im Laufe der letzten Jahre eine Stellung im wirtschaftlichen Leben Palästinas sich erworben, wie Theodor Herzl sie ihr in seiner Konzeption zugewiesen hat. Angesichts dieser Umstände und nach reiflicher Inbetrachtziehung aller Momente ist es nunmehr beschlossen worden, das von der Jüdischen Kolonialbank bisher geführte Bankgeschäft künftighin der Anglo- Palestine Bank, Ltd. zu überlassen mit der Absicht, die Entwicklung des Handels zwischen Großbritannien und Palästina zu unterstützen. Die Jüdische Kolonialbank wird weiterhin, aber nur als „Holding Company", bestehen. Ein Verzeichnis der Aktiva und Passiva der Anglo- Palestine Bank, Ltd. per 30. September 1933 ergibt, daß die Gesamtsumme de r ,,Kontokorrent-, Depositen und anderer Konti" über Pfd. St. 4,000.000 beträgt, während der „Kassenbestand und Guthaben bei Banken", „Guthaben bei Banken im Auslande" und ,,Schatzanweisungen und Staatsanleihen der Britischen Regierung" eine Summe von Pfd. St. 2,450.000 ausmacht, was einer Liquidität von nicht weniger als 60 Prozent gleichkommt. Laut einer Bemerkung, die am Fuße dieser Aufstellung steht, zeigen die Depositen eine fortschreitende Zunahme in den Monaten Oktober-November, so daß die obenerwähnte Gesamtsumme von „Kontokorrent, Depositen und anderer Konti" einen Zuwachs von Pfd. St. 650.000 per 30. November d. J. aufweist. Judi§dier Sport Hakoah in Afrika O r a n, 31. Dezember. Hakoah führte heute ihr erstes Spiel in Afrika durch. Die Blau-Weißen hatten O 1 y m p i q u e, Oran, zum Gegner und siegten spielend leicht 8:1 (3:0). Die Wiener Verteidigung hatte nur ganz leichte Arbeit zu verrichten, die Läufer konnten sich fast ausschließlich der Unterstützung des Angriffes widmen, so daß die einheimische Mannschaft fast ohne Unterbrechung unter starken Druck gesetzt war. Der erfolgreichste Schütze war M a u s n e r, der drei Treffer erzielte. Ferner skorten Ehrlich 2 (2), Ehrlich 1, Zwiebel und Reich. Oran, 1. Jänner. Die hiesigen Veranstalter suchen das Interesse zu steigern, indem sie die bei ihnen gastierenden ausländischen Mannschaften gegeneinander spielen lassen. So fand heute eine Begegnung zwischen der Wiener Hakoah und Bocskai-Dobreczin statt. Das Spiel, das auf keiner sonderlichen Höhe stand, endete 0 :0 unentschieden. Die Wiener hatten allerdings den Nachteil zu tragen, daß sie am Tag vorher gespielt hatten und etwas ermüdet waren, während die Ungarn tagsvorher gerastet hatten. Hakoah verläßt am 3. d. Afrika, trifft am 4. d. in Marseille ein und spielt am 6. d. gegen Red Star Olympique in Paris, am 7. d. in Valenciennes. Der Schvvimmklub Hakoah, der einzige jüdische Schwimmklub, führt vom 15. Jänner bis 15. Februar eine großzügige Werbeaktion durch. Neun erstklassige Trainer stehen den Sportausübenden zur Verfügung. Während der Wintermonate bleibt ein großer Teil des Bassins für Badende reserviert. Kalte und warme Douchen, Damen-Gymnastik, Crawlkurse für Anfänger und Vorgeschrittene, kostenlose sportärztliche Untersuchung, Veranstaltungen, Geselligkeit im eigenen Klubheim, Tischtennis. Während dieses Werbemonats können Interessenten ohne Einschreibgebühr als Vollmitglieder beitreten. Der Monatsbeitrag ist sehr gering und beträgt für Zöglinge bis zum vollendeten 17. Lebensjahr S 1.—, für ältere S 2.— sowie 50 g Badegebllhr pro Abend. Die Schwimmabende rinden jeden Dienstag von viertel 7 bis 8 Uhr und jeden Donnerstag von dreiviertel 7 bis halb 9 Uhr abends im Dianabad statt. Anmeldungen vor Beginn der Klubabende im Dianabad. Die Hakoah hofft, einerseits durch diese Aktion zur Ertüchtigung der jüdischen Jugend beizutragen, anderseits gibt sie allen jenen, die sich die Einschreibgebühr nicht leisten können, Gelegenheit, ohne größere Kosten den Schwimmsport zu betreiben. Touristik und Skiklub „Hukouh". Sonntag, den 7. Jänner d. J., Skitour auf den Wechsel. Abfahrt Sonntag früh. Führer: Paul Schwarz. Anmeldungen Freitag im Klubheim. — Voranzeige: Abfahrts- und Langlauf vom Wechsel am 21. Jänner, Herren 12 Kilometer, Damen 6 Kilometer; Nennungsschluß 19. Jänner. — Wiene rwald: Jeden Sonntag finden Ausflüge, bzw. Skitouren und Skikurse statt. Auskünfte jeden Freitag im Klubheim, I., Wiesingerstraße 11. Tel. R-25-010. „Werdet Mitglieder des einzigen jüdischen Touristenvereines Wien» Fahrpreisermäßhjungen auf 4m Bahn«*."

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