Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 330 (5.1.1934)
- Date
- 1934-01-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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«» Seite 4; ".........*.........ftttffff ttttttttMHMMMMMtMIt SIEGM. KORNMEHL GROSSFLEISCHNAUEREi i; Zentrale: tX., Bcrggasse 19, Irl. A-17Ö-99 11. A-lb-9-34 V. Ueferant für Heilanstalten Abteilungen für -^»yFieisch '^■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■IHBH unter Aufsieht des Ehrwürdigen Rahbinafs der Isr!! Y, Kultusgeineinde Wien V, Autozusteilung kostenlob : IX. Berggasse 15 XVIII., Währingerstr. 97 \\ :i..................♦♦»♦«>..............................•: Tenizelos und die antisemitische Strömung in seiner Partei Aus Saloniki: Der ehemalige Ministerpräsident Eleutherios Venizelos, Führer der venizelistischen Partei und des Blocks der griechischen Oppositionsparteien, erklärte im Gespräch mit einer hervorragenden jüdischen Persönlichkeit Salonikis, er bedauere tief, daß sich die Beziehungen der Juden zu seiner Partei in letzter Zeit verschlechtert hätten. Als Venizelos darauf aufmerksam gemacht wurde, daß dies eine Folge der seit langem von den Venizelisten Salonikis immer wieder gegen die Juden erhobenen Angriffe sei, erklärte sich der ehemalige Ministerpräsident bereit, seinen persönlichen Einfluß zur Anbahnung einer Versöhnung geltend zu machen. Diese Erklärung des Führers der Opposition wird als Desavouierung der antisemitischen Politik der Salonikier Venizelisten aufgefaßt. Während der letzten antisemitischen Kampagne hatte Venizelos erklärt, er lasse diesbezüglich den Salonikier Führern freie Hand. Er müsse es ihrem Urteil überlassen, ob eine solche Taktik den Parteiinteressen förderlich sei. Der offene Brief eines ehemaligen jüdischen Abgordneten, in dem Venizelos aufgefordert worden war, offen zu erklären, ob er die antisemitische Kampagne billige oder verurteile, war von Venizelos unbeantwortet geblieben. Die Juden Salonikis protestieren Aus Saloniki: Der Gemeinderat von Saloniki hat die Subvention für das Wohlfahrtswesen der Jüdischen Gemeinde von 650.000 auf 300.000 Drachmen herabgesetzt. Die Jüdische Gemeinde erhob gegen diese Zurücksetzung der jüdischen Interessen in einem Memorandum an den Gemeinderat energischen Protest. Die jüdischen Mitglieder des Gemeinderates haben zum Protest gegem diese Zurücksetzung demissioniert und ihre Mandate der Jüdischen Gemeinde zur Verfügung gestellt. Auflösung der antisemitischen EEE in Saloniki Aus Saloniki: Die 1927 in Saloniki gegründete griechische radauantisemitische Organisation EEE (Etniki Enosis Eladis), auf deren Konto verschiedene Pogrome und Brandstiftungen zu setzen sind, hat sich, um der Auflösung zu entgehen, in eine politische Partei umgewandelt. Nunmehr hat der fnnenminister die Auflösung der Partei verfügt. Gegen die Verfolgung der jüdischen Religion in Sowjetrußland Aus Warschau: Die jiddische Tageszeitung „Moment" meldet, das Hauptbüro der Agudas-Jisroel- Bewegung habe beschlossen, eine Massenpetition an Präsident Roosevelt zu organisieren, in der dieser gebeten werden soll, im Hinblick auf die vor kurzem vollzogene Anerkennung Sowjetrußlands durch die Vereinigten Staaten seinen Einfluß bei der Sowjetregierung dahin geltend zu machen, daß die Verfolgung des Judentums in der Sowjetunion aufhöre. Die Agudas Jisroel in Polen habe bereits mit der Sammlung von Unterschriften für die Petition begonnen; eine agudistische Delegation habe auch den gegenwärtig in Polen weilenden Präsidenten Dr. Nahum S o k o 1 o w aufgesucht; Sokolow habe die Petition unterzeichnet und versprochen, die Exekutive der Zionistischen Weltorganisation werde die Petitionsbewegung unterstützen. Dazu erfährt die Jüdische Telegraphen-Agentur: Die Initiative zur Massenpetition ging nicht von der Agudas Jisroel, sondern vom Lubawitscher chassidischen Rabbi Schneursohn aus. Nahum Sokolow hat eine agudistische Abordnung nicht empfangen und keine Petition unterzeichnet. Erleichterungen für sabbattreue Kaufleute in Holland Aus Amsterdam: Der holländische Wirtschaf tsrainister Dr. T. J. Verschuur hat der zweiten Kammer der Generalstaaten einen Gesetzesvorschlag zur Modifizierung des Sonntagsruhegesetzes zugunsten sabbathaltender jüdischer Kaufleute vorgelegt. Auf Grund dieses Gesetzesvorschlages soll jenen jüdischen Kaufleuten, die bisher als Kompensation für die Schließung ihrer Geschäfte am Sabbat die Erlaubnis hatten, am Sonntag von 5 Uhr morgens bis 2 Uhr mittags offen zu halten, erlaubt werden, die Sonntags- Geschäftszeit bis 4 Uhr nachmittags auszudehnen. Die Verordnung bezieht sich sowohl auf jüdische Lebensmittelhändler als auch auf Konfektionäre usw. 700 jüdische Gemeinden Polens protestieren gegen die Einwanderungseinschränkung in Palästina Aus Warschau: Der Vorstand der War- : schauer Jüdischen Gemeinde hat die von ihm gefaßte scharfe Protestresolution gegen die Einwanderungseinschränkung und die Touristenverfolgung in Palästina allen 700 jüdischen Gemeinden Polens mit dem Ersuchen um ihre Zustimmung überreicht. Alle diese Gemeinden haben ihre Unterschrift unter diese Resolution gegeben, die nun der englischen , Regierung und dem Völkerbund überreicht werden wird. I DIE NEUE WELT Kommunistischer Fememord bei Lemberg Aus Lemberg: In der letzten Zeit werden Einzelheiten Uber den Mord bekannt, den jüdische Kommunisten an dem Chaluz Abraham W a s e bei Lemberg begangen haben. Der ermordete Chaluz war mehrere Jahre hindurch aktives Mitglied der Kommunistischen Partei. Vor kurzem trennte er sich von den Kommunisten und trat der Hechaluz-Organisation bei. Er wohnte bei seinen Eltern im Dorf Ratschin und suchte täglich das Chaluz-Heim in Horochow bei Lemberg auf. Als er eines Nachts spät nach Hause kam und zu Bett gehen wollte, klopfte ein ihm bekannter Bursche des Dorfes an sein Fenster und bat ihn, hinauszukommen. Wase ging hinaus, kam aber nicht mehr in die Wohnung zurück. Die erschrockene Mutter lief zu dem erwähnten Burschen und fragte ihn, wo ihr Sohn sei. Sie bekam aber keine klare Antwort und meldete der Polizei den Vorfall. Der Bursche wurde verhaftet und wollte anfangs keine Auskunft geben. Später erklärte er, seine Freunde hätten Wase irgendwohin geführt. Diese Freunde wurden verhaftet und gestanden den Mord an Wase. Sie motivierten den Mord damit, daß sie Angst hatten, Wase könnte der Regierung über ihre illegale kommunistische Tätigkeit Mitteilung machen. Hilferuf der Juden auf Kuba Aus Havanna: Der juridische Ausschuß der Jüdischen Gemeinde von Havanna sandte ein Memorandum an den polnischen Gesandten in Washington, in dem 'die polnische Regierung im Hinblick auf die unaufhörlichen Wirren auf Kuba und die immer sich wiederholenden Angriffe auf die jüdische Bevölkerung und ihr Hab und Gut um Schutz gebeten wird. Die Juden auf Kuba sind meist polnische Staatsbürger. Wie schon mitgeteilt, wurden in Havanna zwei Juden vom Pöbel ermordet, mehrere andere Juden schwer verletzt, viele jüdische Läden wurden geplündert und demoliert, jüdische Passanten auf den Straßen angefallen und ausgeraubt. Mehrere Juden wurden als Rebellen denunziert, aber ihre Unschuld stellte sich sehr bald heraus. Aus der Presse Ueber die Razzien gegen „illegale" Einwanderer berichtet der palästinensische Korrespondent des Warschauer „Hajnt" in einer Weise, als wäre er von der Palästina-Regierung beauftragt, der erbitterten Stimmung in der jüdischen Welt wegen der antijüdischen Einwanderungpolitik entgegenzutreten. Anderseits enthalten seine Ausführungen — natürlich von ihm nicht beabsichtigt — die schwersten Anschuldigungen gegen das britische Verwaltungssystem im allgemeinen und gegen die seit kurzem geübte Spionage-Praxis bei Eruierung von „Illegalen'• im besonderen. Der Korrespondent schreibt u. a.: „Es scheint, daß die Palästina-Regierung nunmehr von diesem Mittel bei der Bekämpfung der sogenannten illegalen Einwanderung Abstand nehmen will. Und doch hat Herr Hyamson, der Chef des Immigrationsdepartements der palästinensischen Regierung, sein Ziel erreicht. Und man muß offen gestehen: Wir mit unserer Nervosität und Neigung zu Uebertreibungen und Panik haben ihm nicht wenig dazu geholfen. Was war denn das eigentliche Ziel dieser Razzien? Nicht einmal unsere bösesten Gegner wagten an eine Massenverhaftung und Massenausweisung der illegalen Einwanderer zu denken. Man wollte Angst und Panik in ihre Reihen tragen und das Gefühl der Unsicherheit bei ihnen stärken. Und das ist ihnen gelungen. Wir haben bei der Verbreitung dieser Panik mitgewirkt und sind so, wenn auch nur unbewußt, die besten Helfershelfer des Herrn Hyamson geworden." Der „Hajnf'-Korrespondent beschuldigt im weiteren die J. T. A. der Verbreitung übertriebener Berichte über Massenverhaftungen „illegaler" Touristen und tröstet die Juden damit, daß keinerlei Massenverhaftungen stattgefunden hätten. Es seien überhaupt nur zirka 50 Verfahren (!) gegen „illegale" Einwanderer bekaint geworden und auch die Z a h 1 der Ausweisungen sei minimal. Es stimmt, erklärt der Korrespondent schließlich, daß eine große Anzahl Gesuche von Touristen, die Bewilligung zur ständigen Niederlassung in Palästina, von der Regierung abgelehnt wurden. Es handelt sich aber dabei durchwegs um solche, die bereits nach Ablauf der dreimonatigen Aufenthaltsbewilligung im Lande abgegeben wurden. Weitere Schritte hatte diese Ablehnung für die Gesuchsteller bisher nicht zur Folge. Die Central-Vereins-Zeitung (Berlin), das Organ des bisher assimilatorischen Centraivereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, stellt zu Silvester Betrachtungen über das Schicksal der deutschen Juden während der elf Monate des Hitler-Regimes an. In dem „Silvestergedanken" betitelten Leitaufsatz gibt es Stellen, die etwas von einem neuen jüdischen Sein durchschimmern lassen. Im ganzen und großen allerdings ist. das, was die Herren vom Centraiverein als neues Wollen und Denken und Tatbereitschaft bezeichnen, hinlänglich unklar. Es ist wenig geeignet, dem Feinde Achtung einzuflößen und dem Freunde Mut. Es heißt dort u. a.: „Wir haben in dem Jahr, das die Silve3terglocker zu Ende läuten, scheinbar keine gemeinsame Geschichte mit Deutschland gehabt, wenn man Menschen als geschichtsnah nur bezeichnen will, die gestaltend mitwirken. Selbst wenn wir das nur passive Erleben von Geschichte als Fernbleiben vom Geschehen ansehen I wollten - - der inneren Geschichte um uns sind wir nicht ferngeblieben. Wir sind so sehr auf unserem anderen Weg in Deutschland vom gleichen Wehen, vom Wehen des ganzen Deutschland ergriffen worden, daß wir alle die Entscheidungen, die seinen neuen Wert ausmachen, die wesensechten wie die konjunkturmäßigen, entsprechend auch in unserem Kreise beobachten können. Wir meinen [ nicht die sogenannten inner jüdischen Diffej r e n z e n. Uns ist untersuchenswerter, wie die jüdische; Gemeinschaft in Deutschland die Zeit erlebt und überwinden will. Wir sehen bei ihr einen Aufbruch zu neuen Wegen im Denken, im Wollen und in der Tatbereitschaft bei Zukunftsplanung und Berufswahl. Wir sehen Gemeinschaftsgeist durch die Generationen hindurch, Bescheidenheit in den eigenen Ansprüchen und verschwenderische Nr. 330 Hingabe an die Gesamtheit. Wir sehen ein Anstemmen gegen bequeme Ausreden und Auswege und ein strenges und unbestechliches Suchen nach dem wirklichen Gegenwartssinn unseres ewigen Seins. Aber es gibt auch Menschen in unseren Kreisen, die sagen Ja zum Judentum, von dem sie kaum noch schwache Vorstellungen vom Vater, Großvater her besitzen, und es mag auch Menschen unter uns geben, die sagen Ja zum Deutschtum, weil die Bilanzziffern ihres Hauptbuches die befürchtete Senkung nach unten nicht oder noch nicht zeigen. Alle diese Menschen sind für die Erkenntnis unserer wahren Lage nicht maßgebend. Wir wollen ja als Gesamtheit zum Ganzen in Ehren „ja" sagen können, wie wir es bei der Abstimmung zur Außenpolitik vom 12. November tun konnten." Die Berliner „Jüdische Kundschau" läßt sich von ihrem palästinensischen Korrespondenten über die politischen Prozesse der letzten Zeit berichten. In ihrer Nummer vom 22. Dezember wird der Mordprozeß Arlosoroff behandelt. Die jüdische Welt kennt die Hetze und die unerhörten Intrigen der Linken rings um die kriminelle Untersuchung und sie weiß heute, was damals alle objektiven Betrachter wußten: daß kein Schuldmaterial gegen die drei Beschuldigten vorliegt; sie weiß auch, welch unglückselige Wirkung die ersten Aussagen der Frau Sima Arlosoroff hatten. Heute ist die Lage eine andere. Es geht nicht mehr um den Unschuldbeweis der drei jungen Leute, sondern um die Erforschung der wirklichen Täter und um die Enthüllungen der Machinationen jener, die aus einem Kriminalfall politisches Kapital schlagen wollten. Im Bericht der „Jüdischen Rundschau" heißt es: „In Jaffa geht die Voruntersuchung Uber den Mord an Arlosoroff jetzt ihrem Ende zu. Sie hat sich lange hingezogen durch eine lange Zeugenreihe der Anklage und der Verteidigung und shj erlitt eine neue Verzögerung durch die Ereignisse des Oktober, die f'ir 'inJ^e ZMt die Arbeit im Gericht stillegten und dann den Richter mit der Klärung der Anklagen in den Demonstrationen überlasteten. Die Revisionisten haben in letzter Zeit ihre Aktivität in der Mordsache noch verstärkt. Die Verteidigung" der drei Angeklagten, Stawsky, Rosenbiatt und Achimeir, ist auf vier Anwälte angewachsen, zu den drei einheimischen Anwälten hat sich Horace Samuel gesellt. Die Verteidigung begnügt sich nicht mit einem Unschuldbeweis ihrer Klienten. Sie ist jetzt von früher versteckten Anspielungen zu dreisteren Methoden übergegangen, verlangt die Untersuchung des Revolvers des Verstorbenen durch einen Waffenspezialisten, weil angeblich die Mordkugel seinem Kaliber entspreche, und kommt damit im Gerichtshof auf die Anschuldigungen zurück, die seit langem von den Revisionisten mündlich und schriftlich gegen die Witwe Arlosoroffs erhoben worden sind!" Die „dreisteren Methoden" des tüchtigen Verteidigers Horace Samuel bestehen darin, daß er nichts unversucht läßt, um die Unschuld seiner Klienten zu beweisen. Die „Jüdische Rundschau" könnte sich auf Grund der bisherigen Untersuchungsresultate etwas mehr Zurückhaltung auferlegen. Oder hat ihr Korrespondent wegen der Blamagen, die er sich innerhalb seiner Berichterstattung über den Mordprozeß Arlosoroff zugezogen hat, die Fassung verloren? Die Breslauer „Jüdische Zeitung" schreibt zum Thema „Geistige Umstellung der deutschen Juden" folgendes: „Haben wirklich alle deutschen Juden umgelernt? In den praktischen Fragen, wie Palästina-Aufbau und jüdische Schule, besteht nahezu Einmütigkeit. Dagegen können sich manche Juden der älteren Generation nicht entschließen, die n ationaljüdische Idee anzuerkennen, obgleich ihr Verstand und ihr Gefühl ihnen sagen, daß der Zusammenhang der jüdischen Gemeinschaft kein bloß religiöser ist obgleich alle Maßnahmen der nationalsozialistischen Regierung die jüdische Rasse und nicht die jüdische Religion treffen. An diesem Punkte setzen die Vertreter der jüdischen Assimilation ein, wie sie im Verband der nationaldeutschen Juden, in der Leitung des Frontbundes, aber auch auf manchen Kanzeln und in manchen Gemeindestuben noch zu finden sind, und suchen die ihnen entglittene Führung des deutschen Judentums zurückzuerobern. Es gibt, so sagen sie, zweierlei Judentum, religiöses und nationales. Wir sind die Repräsentanten des religiösen, die Zionisten die des n at i o n a 1 e n Judentums. Die Zionisten müssen ihr Palästina-Werk weiter betreiben (ein Standpunkt, der an den Roschoh der Hagadah erinnert, mit dem Unterschied, daß der deutsche Assimilant es für sein selbstverständliches Recht in Anspruch nimmt, im Bedarfsfälle ebenfalls nach Palästina auszuwandern und sich die Früchte der zionistischen Aufbauarbeit zunutze zu machen). Aber in deutschen Dingen gebührt den „deutsch-jüdischen" Gruppen die Führung. Oder sie gehen sogar noch einen Schritt weiter und erheben, vorläufig noch diskret verhüllt, die Forderung, der Staat solle zwischen den jüdischen Gruppen nach ihrer Gesinnung unterscheiden und den „deutsch-jüdischen", also den Antizionisten, etwa die Privilegien der Frontsoldaten einräumen. Es wird noch ernster Auseinandersetzungen bedürfen, ehe man sagen kann, daß das deutsche Judentum allgemein die richtige Lehre aus den geschichtlichen Tatsachen gezogen hat. Besser hat die jüdische Jugend die Zeichen der Zeit verstanden. Die kleinen Zirkel, in denen man Abenteurerromantik und überlebte Assimilationsideale als Ersatz für wirkliches Judentum bietet, sind ohne jede Bedeutung. Mit erfreulicher Unbekümmertheit und erfrischendem Radikalismus hat sich die Jugend umgestellt. Sie wirft die als zwecklos erkannten akademischen und kaufmännischen Karrieren über Bord, drängt sich zu den praktischen Berufen, treibt Hebräisch, jüdische Geschichte und Literatur. Dem unbefangenen Bück des jungen Menschen wird offenbar, daß das Schicksal der deutschen Juden ein typisches Galuthschicksal ist und daß, wer von Deutschland in ein anderes Galuthland auswandert, die Judenfrage mit sich schleppt. So kommen sie, Zionisten oder nicht, größtenteils zu dem Wunsch, nach E r e z J i s r a e 1 überzusiedeln. Diese Jugend ist zu beneiden. Sie hat ein Ziel, nach dem sie strebt und für das sie lebt, und so wird sie unempfindlich gegen die zu überwindenden Mühen und Schwierigkeiten." Praktischer Arzt und Nervenarzt Dr. .T. Eiseutlial ordiniert täglich von 3 bis 6 Uhr, XIX., Heiligenstädterstraße 82, Stiege 22. E jmnMBnuasMmmmmuBBmasmvMm^ LESET UND VERBREITET